Blue Mountain

1. Juli 2013

Bildschirmfoto 2013-07-01 um 22.46.38Neues vom Fracking. Die Kritiker der umstrittenen Gasfördermethode  melden dies:

In Niedersachsen bekommen Heuschrecken-Firmen eine Aufsuchungserlaubnis! Unter Wiki steht bei Heuschreckendebatte: Der Begriff „Heuschreckendebatte“ wurde im April und Mai 2005 geprägt. Auslöser war eine Äußerung des damaligen SPD-Vorsitzenden Franz Müntefering. Er verglich das Verhalten mancher „anonymer Investoren“ mit Heuschreckenplagen. „Heuschrecken gelten im deutschen politischen Sprachgebrauch seitdem als eine abwertende Tiermetapher für Private-Equity-Gesellschaften sowie gegen andere Formen der Kapitalbeteiligung mit mutmaßlich zu kurzfristigen oder überzogenen Renditeerwartungen, wie Hedge-Fonds oder sogenannte „Geierfonds“.
Fazit: Wenn solche Firmen dem Landesbergamt in Niedersachsen zuverlässig erscheinen, können wir uns gut vorstellen, wie ort gearbeitet wird. Man ist quasi nur Erfüllungsgehilfe der Industrie.

Unter utopia ist dieser interessante Bericht zu finden.

Wer versteckt sich hinter dem Firmennamen „Blue Mountain Exploration LLC“?

Jetzt sollte das Landesbergamt LBEG in Niedersachsen entscheiden: ein Unternehmen aus dem Ausland beantragte, nach Erdöl und Erdgas suchen zu dürfen, und zwar in mehreren niedersächsischen Gebieten, darunter eines mit 880 km Fläche im Bereich Lüneburg-Harburg „Feld Oldendorf“. Das LBEG suchte den Ordner mit seinen Vorschriften heraus und prüfte, ob die Firma die erforderliche Zuverlässigkeit aufweise, fachlich zu den beantragten Arbeiten in der Lage sei und das Ganze auch finanzieren könne. Das waren die Prüfkriterien lt. Bundesberggesetz. Geprüft – getan, die Firma bekam die Erlaubnis und damit einen Fuß in der Tür, später auch die Genehmigung zur Förderung zu erhalten.

Nun wollten die Bürger plötzlich wissen, was das denn für eine Firma ist, die unter ihren Füßen nach Gas suchen und das dann unkonventionell fracken wollte. Der Name wurde bekannt gegeben: Blue Mountain Exploration LLC. Das war zunächst alles, was die Bürger zu wissen kriegten. Es kursierte auch noch eine New Yorker Anschrift, aber einer der Bürger hatte bei Google Streetview nachgeguckt (muss ja auch mal zu was gut sein) und festgestellt, unter der Adresse werden ganz andere Geschäfte betrieben.

….

Versuchsweise haben kritische Bürger nun  mal an die (Briefkasten-?)Adresse in New York geschrieben und an Herrn M. in London. Vielleicht könnten gut informierte Kreise wie Prism oder Tempora weiter helfen. Die biisherige  Zwischenbilanz ist allemal mager: Die Bürger sind einer Firma ausgeliefert, die sie nicht kennen, die wahrscheinlich ein sogenannter Projektentwickler ist, der das Feld vorbereitet und dann die Rechte meistbietend weiter verhökert (Exxon ist hier in der Gegend schon tätig, und RWE). Dabei dürfte es um eine möglichst hohe Rendite gehen. Das technisch empfindliche Projekt “Fracking” liegt also zunächst wohl in den Händen einer Heuschrecke. Okay, Heuschrecken haben keine Hände. Aber das macht es auch nicht besser.

 

Quelle PM und
Das putzige Firmenverstecken im Erdgasgeschäft | klangengel | klangengel | Utopia.de.

Schönes Lünne 2

12. Januar 2011

Am kommenden Montag, 17. Januar beginnt die ExxonMobil-Bohrung in Lünne. Die Kosten liegen bei 1,8 bis zwei Millionen Euro, weiß die LT. Sie zitiert auch, dass Samtgemeinde-Bürgermeister Bernhard Hummeldorf (CDU) zu der Darstellung „Quatsch“ sagt, er freue sich schon über 18 Bohrtürme in seiner Gemeinde. Hummeldorf will vielmehr, so zitiert ihn die LT, weitere Gutachten, „wenn es nur den geringsten Zweifel gibt“. Man wird den CDU-Mann seitens ExxonMobil und Bergamt im Zweifel aber nicht groß fragen; denn genehmigt wird nach Bergrecht. Das Bundesberggesetz sieht keine Bürgerbeteiligung vor; Gemeinden erhalten allenfalls eine Gelegenheit zur Stellungnahme.

In der öffentlichen Gemeinderatssitzung der Gemeinde Lünne am 14. Dezember 2010 ging es wie schon im vergangenen Jahr  um die Bohrung „Lünne 1“. Aber ExxonMobil spricht bereits, so Anwohner, von einer zweiten Bohrung „Lünne 2“, diesmal in horizontaler Richtung, sowie  davon, dass der asphaltierte Bohrplatz nicht sofort zurückgebaut werden soll, weil er für einen Probe-Fracing geeignet sei.  ExxonMobil hat Fragen von Anwohnern, ob weitere Planungen bestünden, ob eventuell doch gefördert und nicht nur testgebohrt werden solle verneint; denn es sei nicht bekannt, welche Ergebnisse die Bohrung lieferte. Allerdings hatte der Samtgemeindebürgermeister in dieser Sitzung keine Fragen zu den Planungsänderungen der Exxon, die die Bürger informieren würden. Lässt das nicht den Schluss zu, dass der Samtgemeindebürgermeister doch mehr weiß? Er hat die Lünner Einwohnern allerdings bislang nicht umfassend informiert und beispielsweise Akten und Schriftverkehr  zugänglich gemacht.

Die kritische  „Interessengemeinschaft Schönes Lünne“ trifft sich heute am 12. Januar  um 19.30 Uhr bei Familie Lögers, Ringstraße 6 in Lünne. Eingeladen sind alle interessierten Bürger.
Auf Antrag von SPD und UBS diskutiert auch der Rat der Samtgemeinde Spelle am 20. Januar um 18 Uhr das Gasbohren in Lünne.

Derweil geraten landesweit die betroffenen niedersächsischen Bergbehörden mit ihren öffentlichkeitsfernen Genehmigungsprozeduren zunehmend unter Druck, nachdem erst durch die Medien ein Unfall bei der Gasförderung durch Exxon bekannt geworden ist: Aus den Bohrungen Söhlingen Z 10 und Z 13 bis Z 17 im Landkreis Rotenburg (Wümme) wird seit 1995 Erdgas mithilfe der so genannten Fracking-Technik gefördert. Aus neun Lecks sind 2007 hochgiftige Stoffe wie Quecksilber, Benzol und Ethylbenzol in das Erdreich ausgetreten, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet hatte. Ein Sprecher des Landesamtes für Geologie, Energie und Bergbau  bestritt allerdings einen Zusammenhang der Boden und Grundwasserverschmutzung mit der Fracing-Methode. Mit dem Verfahren versuchen Förderbetriebe  in großer Tiefe mit hohem Wasserdruck und unter Zugabe von zum Teil gefährlichen Chemikalien Gesteinsformationen aufzubrechen und Erdgas herauszulösen.

Der Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Stefan Wenzel hat jetzt der schwarz-gelben Landesregierung vorgeworfen, Parlament und Öffentlichkeit nicht ausreichend informiert zu haben. In der im November letzten Jahres erfolgten Unterrichtung des Umweltausschusses des Landtages über die Förderung von Gas habe sie verschwiegen, dass bereits seit den neunziger Jahren umfangreiche Versuche mit dem sogenannten Fracing-Verfahren im Gasfeld Söhlingen durchgeführt worden seien. Auch werde – anders als bisher behauptet – aus den Bohrungen Söhlingen Z 10 und Z 13 bis Z 17 ab 1995 Erdgas mit der so genannten  Fracking-Technik gefördert. Es sei unglaubwürdig, wenn die Bergbehörde jetzt erkläre, bei dem in Presseberichten benannten Unfall im Jahr 2007 habe lediglich Lagerwasser aus undichten Rohrleitungen das Erdreich verseucht. Der Grünen-Politiker forderte die Offenlegung aller Daten zu den Fracking-Versuchen in Söhlingen wie im übrigen Niedersachsen.

Die weitere Forderung Wenzels: Fracing-Bohrungen  dürften nicht weiter ohne Umweltverträglichkeitsprüfung und ohne jede Öffentlichkeitsbeteiligung durch das Nieders. Landesamt für Geologie, Energie und Bergbau (LBEG) genehmigt werden. Wenzel: „Die Bergbehörde als Genehmigungsinstanz und der Gasförderer ExxonMobil müssen nachweisen, wo die Fracing-Flüssigkeiten, die offenbar seit Mitte der neunziger Jahre in niedersächsischen Erdgasförderstätten verpresst wurden, im Untergrund geblieben sind.“ Entgegen den Beteuerungen von Betreibern und Behörden sei es nicht auszuschließen, dass die eingesetzten giftigen Flüssigkeiten ins Grundwasser gelangen und das Trinkwasser verseuchen.

Übrigens: Zwischen der ExxonMobil-Bohrung in Lünne und dem Wasserschutzgebiet um das Wasserwerk Mundersum des Wasserverbandes Lingener Land der Stadtwerke Lingen GmbH (Planskizze oben) liegen nur wenige Kilometer…