Mal eben und herzlich zum Lokalsport. Die Lingener Kicker vom SV Holthausen/Biene haben doch noch den Klassenerhalt in der Fußball-Landesliga Weser-Ems geschafft – in letzter Sekunde. Für alle, die es noch nicht glauben können, dieses Video:

 

 

Biene gerettet?

20. März 2014

Crosspost von KeiFußball

biene_rettungCrunch-Time dürfte dem Sportfan -auch wenn er dem amerikanischen Sport entspringt- ein durchaus geläufiger Begriff sein: „In der Sportwelt bezeichnet die Crunch-Time eine Phase kurz vor dem Ende…“. Befindet sich genau da der traditionsreiche Sportverein Holthausen-Biene?  Rund 190.000 EUR fällige Steuern müssen bekanntlich gezahlt werden. Auf der letzten Krisensitzung vor interessierten Vereinsanhängern machten die Verantwortlichen daher noch einmal unmissverständlich klar, wie ernst die Lage sei.

Zwar hat der Club, der sich weiterhin von mehreren Steuerberatern unterstützen lässt, fristgerecht Einspruch gegen die Forderung eingelegt, doch ein weiterer Zahlungsaufschub ist schwierig. Die Bescheide sind vollziehbar, müssen also im Zweifel gezahlt werden.
Darüber hinaus, KEI berichtete, hat sich angeblich der Notvorstand des Vereins mit den Sozialkassen geeinigt. Demnach soll der Fußball-Landesligist auch hier eine ähnlich hohe Summe aufbringen. Zusammen wären es damit knapp 400.000 Euro. Doch der endgültige Zahlungsbescheid liege jedoch noch nicht vor.

Um die Summen aufzubringen, greift der SVHB nach jeder Unterstützung. Es gibt eine Zusage über 100.000 EUR (finanziert über einen mehrjährigen Sponsoring-Vertrag) und Summen größerer Geldgeber (u.a. Zimbo) sowie die Spenden auf ein Treuhandkonto. Insgesamt dürften die Summen reichen, um die Steuerschuld zu tilgen.

Fakt ist aber auch: Die gesamte Summe (≈ 400.000 EUR) ist nicht erbracht und daher droht weiter die Insolvenz.

Aus diesem Grunde hat der Notvorstand seinen Mitgliedern in einem Schreiben verschiedene Möglichkeiten  mitgeteilt. Eine davon: Die Vereinsmitglieder sollen einen Sonderbeitrag zahlen. Ein unpopuläres Unterfangen, da auch „fußballferne“ Mitglieder das Finanzdesaster um die 1. Mannschaft bezahlen sollen.

Kauft die Stadt sich ein? – Spieler aufgefordert zu zahlen!

Gespräche über weitere Darlehen bei hiesigen Banken laufen ebenso wie ein mögliches Engagement der Stadt Lingen. Nach KEI Informationen soll die Kommune die Umkleidecontainer nebst Zubehör am Trainingsplatz „Lange Straße“ erwerben und so zusätzliches Geld -die Rede ist von bis zu 100.000 EUR- in die Kassen spülen.

Der SV Holthausen-Biene vollführt also einen Drahtseilakt, dessen Ende noch offen ist. Wie KEI ebenfalls erfuhr, informierte sich der Verein über „die Bezirksliga“ sowie weitere Einschnitte im kommenden Etat. Denn auch wenn Biene die Wende schafft und die Beträge aufbringt, müssen in der nächsten Saison laufende Zahlungen für die erste Mannschaft  geleistet werden. Landesligafussball kostet nämlich Geld. Viel Geld.

Aus diesem Grund stocken auch zurzeit die Planungen für die kommende Saison 14/15. Trainer Achim Evers soll unter den derzeitigen Bedingungen nicht bereit sein, seinen Vertrag zu verlängern. Steffen Menke hat den Club bereits verlassen, weitere Spieler stehen vor einem Wechsel im Sommer. Den Kickern sollen bereits einige Monatsgehälter gekürzt worden sein.

Übrigens will der Verein so gar Kicker, die zwischen 2007 und 2011 aktiv waren, zahlen lassen. Laut KEI Infos fordert er von jedem 750,00 EUR. Zwar sollen sich bereits einige Spieler bereit erklärt haben, die Summe zu zahlen, doch eine solche Zahlungsaufforderung war bisher im Amateurfußball nicht üblich. Die Verantwortlichen verweisen auf den Zwangsabsteiger TuS Heeslingen, wo frühere Spieler immense Beträge zurückgezahlt haben sollen. Ob die Aufforderung, die per E-Mail übermittelt wurde und KEI vorliegt, rechtlich zulässig ist, ist zumindest zweifelhaft.

KEIFall Heeslingen als Vorbild?

Apropos TuS Heeslingen. Beim Zwangsabsteiger ist höherklassiger Fußball zwar Geschichte, doch jetzt gibt es für den Amateurfußball ausgerechnet aus Heeslingen positive Neuigkeiten und so könnte sich eine spektakuläre Wende für den SV Holthausen-Biene einstellen. Völlig offen ist nämlich inzwischen, ob die Forderungen der Sozialkassen an die Biener  überhaupt begründet sind. Denn nach einem Beschluss des Landessozialgerichts Niedersachsen-Bremen (LSG) muss der TuS Heeslingen einstweilen keine Sozialversicherungsbeiträge für die Spieler seiner 1. Herrenmannschaft nachzahlen. In Heeslingen geht es immerhin um  690.000 € für den Zeitraum 2005 bis 2012. Der zuständige 4. Senat des LSG äußert in einem 20-seitigen Beschluss „ernstliche Zweifel“, ob niedersächsische Amateurfußballer der Oberliga in einem Arbeitsverhältnis zum Verein stehen und ob die errechneten Beitragsnachforderungen plus Säumniszuschläge korrekt sind. In dem Verfahren ging es also im Kern um die Frage, ob die Heeslinger Oberliga-Fußballer Arbeitnehmer des Vereins waren oder nicht. Denn: Ohne Arbeitsverhältnis keine Sozialversicherung! 

Während die Rentenversicherung dies bejaht und den TuS Heeslingen nach einer Betriebsprüfung verpflichtete, für seine Fußballer 690.000 Euro Sozialversicherungsbeiträgen nachzuzahlen, sahen die Sozialrichter dies nach Prüfung der Ermittlungsakten anders, gaben mit ihrem Beschluss einem Eilantrag des TuS Heeslingen statt und legten die Zahlungsaufforderung erst einmal rechtlich auf Eis.

Monatlich zahlte TuS Heeslingen übrigens zwischen 9(!) und 2.500 Euro an seine Spieler. Für einen Teil entrichtete er Sozialversicherungsbeiträge, für andere hingegen nicht.

Das LSG entschied: Bei Sportlern liege laut Bundesarbeitsgericht nur dann eine versicherungspflichtige Tätigkeit vor, wenn diese „mit der Ausnutzung ihrer sportlichen Fähigkeiten bei persönlicher Abhängigkeit primär wirtschaftliche Interessen verfolgen“. Das sei angesichts der beim TuS monatlich gezahlten Summen „mindestens ernstlich zweifelhaft“. Die den allermeisten Spielern monatlich gezahlten Beträge seien zu gering, um dahinter die „Befriedigung eines wirtschaftlichen Interesses“ oder eine „mindestens partielle Sicherung des Lebensunterhaltes“ des jeweiligen Spielers zu erkennen, führte das Gericht in seiner Begründung aus. Das wirtschaftliche Interesse der Spieler sei offenbar überaus gering gewesen. Sie hätten mit den Zahlungen derart niedrige Einnahmen, dass die Annahme eines wirtschaftlichen Interesses ungerechtfertigt sei.

Die  Rentenversicherung habe nicht geklärt, so das LSG, ob es sich bei den Zahlungen um beitragspflichtiges Arbeitsentgelt oder nur um Fahrkostenerstattungen oder beitragsfreie Aufwandsentschädigungen handele.  Ob Heeslingen allerdings auch endgültig Erfolg haben wird, wird sich erst in mehreren Jahren im „Hauptsacheverfahren“ zeigen. Dafür spricht aber vieles. Und darüber wird man sich nicht nur am Biener Busch freuen, wo auf einen Schlag 190.000 Euro weniger auf den Tisch zu legen wären.

(LSG Niedersachsen-Bremen, Beschluss vom 12.11.2013 – L 4 KR 383/13 BER).

Ein Crosspost gibt es bei KEI .

Biener Busch

15. November 2013

Bildschirmfoto 2013-11-14 um 23.02.15Da freue ich mich. Ich muss nämlich nichts über den SV Holthausen-Biene schreiben, der unter der Wucht anstehender steuerlicher und sozialversicherungsrechtlichtler Nachzahlungen taumelt. Das nämlich hat gestern Abend das unabhängige Fußballportal KEI schon getan.  Das Kreisfußball Emsland Infoportal  schreibt über den SVHB etwas, was ich übernehmen kann. Von vorn bis hinten jedes Wort. Liest Du hier:

„Wie ernst ist es am Biener Busch?
Das fragt sich die emsländische und Grafschafter Fußballgemeinde. Das Damoklesschwert „Insolvenz“ schwebt deutlich sichtbar über dem SV Holthausen-Biene, der seine Fans und die Öffentlichkeit leider immer noch nur tröpfchenweise informiert. Fest steht: Über Jahre – zumindest im Zeitraum 2007 bis 2011 – hat der SV Holthausen-Biene seine Spieler der 1. Biener Mannschaft nicht korrekt vergütet oder – wie es der Volksmund sagt – „schwarz“ bezahlt. Nach über zwei Jahren Steueraffäre ist jetzt endlich eine erste konkrete Summe auf dem Tisch. Danach soll auf den Lingener Landesligisten eine Steuernachzahlung von rd. 220.000 EUR zukommen.

Doch wenn – wie zu lesen war – nicht korrekt abgerechnete Spielergehälter in Höhe einer halben Million Euro festgestellt sind, sind dann 220.000 EUR wirklich alles? Sind Säumniszuschläge in die 220.000 EUR eingerechnet oder sind sie ein zusätzliches Problem? Wer seine Steuern nicht pünktlich zahlt, muss Säumniszuschläge zahlen. Sie betragen pro Monat 1% der geschuldeten Steuersumme, also 12% im Jahr, gerechnet ab dem Zeitpunkt der Hinterziehung. Wenn Biene über die letzten Jahre Gehälter von 500.000 EUR nicht versteuert hat, hat der Verein dafür wohl auch keine Sozialversicherungsbeiträge gezahlt. Dieses zweite Versäumnis kann noch einmal sehr teuer werden. Denn die Sozialversicherungsbeiträge liegen hierzulande bei knapp 40% des Gehalts, die eigentlich „Arbeitnehmer“ (also Spieler) und „Arbeitgeber“ (also Verein) etwa zur Hälfte zahlen. Die Crux für Biene: Heute kann man den Spielern deren Anteil an den Sozialversicherungsbeiträgen nicht mehr vom Gehalt abziehen.

Dem SV droht also, sie allein zahlen zu dürfen. Man kann leicht errechnen, wie viel 40% von 500.000 EUR sind. Und auch hier kommen im Zweifel kräftige Säumniszuschläge hinzu. Geht es angesichts dessen überhaupt noch am Biener Busch weiter und wenn ja, wie? Wenn wir uns den Verein anschauen, dann fällt uns unser alter KEI-Kommentar ein:

„Warum handelt der Club so verunsichert, konzeptlos und unprofessionell? Es gibt keinen Pressewart. Die Geschäftsstelle und der Fußballobmann können sich nicht äußern. […] Es gibt keinen anwaltlichen Ansprechpartner oder steuerlichen Experten, der mediale Anfragen beantworten würden. Auf der Homepage klaffen, mit einem fehlerhaften Impressum und keinerlei Infos zum kommissarischen Vorstand, massive Lücken.“

Daran hat sich nicht viel geändert: die jetzt bekannt gewordenen 220.000 EUR Steuerschuld hatten die EmsVechteWelle, KEI Fussball und Lingener Stadtratsmitglieder [guckst Du hier] schon im Frühjahr diskutiert; die Biener selbst hatten sie stets abgestritten. Einzig wohlwollende Berichterstatter der Printmedien versorgte man mit schlanken Informationen. Folgerichtig stehen bis heute ein Wort des Bedauerns, eine klärende Presseerklärung oder eine Entschuldigung für individuelle Fehler aus. Stattdessen wird man in Biene nicht müde vorzuwerfen, dass Berichte „falsch und hanebüchen“ gewesen seien, das System schuld sei und niemand mehr für ein Ehrenamt gewonnen werden könne.

Selbst mit der Stadt Lingen ist, nach unseren Informationen, noch nicht offen und ehrlich gesprochen worden. Dabei hatte sich Stadtrat Dr. Ralf Büring schon zu Beginn des Jahres für Hilfe aufgeschlossen gezeigt. „Wenn der Verein Hilfe braucht, muss er sich an die Stadt wenden“, sagte Dr. Büring damals. Biene wird wohl diese Hilfe benötigen.

Wenn öffentliche Gelder den Verein retten sollen, ist das herumdrucksende Verhalten der Biener schädlich. Denn zunächst muss der Verein die nötige Transparenz zeigen. Das lässt der SV aber völlig vermissen.

Transparent handelt nur, wer klare Antworten zumindest auf diese Fragen zu geben weiß:

• Wie hoch ist die Steuer- und Abgabenschuld genau? 
• Wie will man sie abtragen? 
• Haftet nur der SV Holthausen-Biene? 
• In welchem Umfang haften auch handelnde Akteure persönlich für die Steuerschulden; wer ist Mithaftender? 
• Geht die Finanzverwaltung von strafbarer Steuerhinterziehung aus? 
• Soll die Stadt Lingen ungeachtet der Versäumnisse der Verantwortlichen einspringen? 
• Wenn ja, in welcher Höhe sollen Steuergelder fließen? 
• Kann Biene dann aufgrund der drohenden Abgabenschulden seine aktuellen Zahlungen noch an die Spieler leisten?

Nebenbei: Warum der SV Holthausen-Biene, nachdem die Konsequenzen der Steuerprüfung durch die Behörden längst bekannt waren, überhaupt noch zu dieser Saison kräftig Spieler verpflichtete und warum nicht der Gang in die Kreisklasse, so schwer er auch fallen mag, angetreten wurde, wird man auch fragen müssen. Daneben steht auch ein weiteres Problem: Der für das Desaster verantwortliche Vorstand ist auf Vorschlag der Kassenprüfer auf der alljährlichen Mitgliederversammlung regelmäßig entlastet worden. Wer hat eigentlich geprüft?

Zu all diesen Fragen gibt es vom Biener Busch bislang keine Äußerungen, keine belastbaren Informationen. Dabei ist es doch längst höchste Zeit. In den kommenden Wochen wird zwar erst die endgültige Schuld festgesetzt. Sicherlich ist auch angesichts der Komplexität des Steuer- und Sozialabgabenrechts im Amateursport nicht jede Forderung der Finanz- oder Sozialverwaltung berechtigt. Allerdings ist das deutsche Abgabensystem so gestrickt, dass erst einmal bezahlt werden muss. Abgabenbescheide sind sofort vollziehbar. Wenn der Verein selbst zweifelhafte Bescheide nicht zahlt bzw. zahlen kann, ist die Insolvenz unabweisbar. Bleibt folglich die letzte, entscheidende Frage:

SV_Holthausen-BieneMuss es wirklich die Ober- oder Landesliga sein oder reichen auch kleinere Brötchen, liebe Biener? Denn Euer fast 90jähriger Sportverein ist weit mehr. Der SV, mit über 1000 Mitgliedern einer der großen Lingener Sportvereine, sollte nicht auf die erste Mannschaft eines Fußballvereins reduziert werden. Es gibt neben Fußball auch Tennis, Judo, Gesundheitssport und Tischtennis. Zudem hat der Verein in allen Sparten zahlreiche Jugendmannschaften. Da muss bei einem ehrlichen Neuanfang bestimmt auch die Stadt Lingen helfen. Doch den „Steuersumpf Oberliga“, der schon zahlreiche niedersächsische Vereine betraf und einholte, und auch die kleine Sumpfausgabe davon in der Landesliga darf und wird die finanzstarke Kommune nicht subventionieren.

[Crosspost — mit Dank an KEI; Grafik (c) KEI]