Da verkündete Mitte November vergangenen Jahres der niedersächsische Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD), das Land Niedersachsen werde 20 Mio Euro für die Ausstattung der niedersächsischen Schulen mit „Corona-Schutzausrüstung“ bereit stellen.

Er presseverlautbarte dies am 18.11., weshalb der 17.11. als Stichtag für Anschaffungen gilt: Was die Schulträger bis dahin beschafft haben, müssen sie selbst bezahlen, für ab 18.11. Angeschafftes können sie Zuschussanträge beim Land einreichen.

Allerdings brauchte es bis zum 22.12. bis die entsprechenden Förderrichtlinie geschrieben waren, die aber immer noch nicht im Ministerialblatt verkündet wurde (oder?), aber am 1. Januar in Kraft getreten sind. Dann verkündete Kultusminister Tonne die 20-Mio-Förderung auf der Internetseite des Landes und sprach dabei diesen Satz:

„Wir haben die Richtlinie schlank, bedarfsgerecht und bürokratiearm ausgerichtet. „

Schlank, bedarfsgerecht und bürokratiearm sieht dann so aus wie links.

Und bspw. die Rosen-Grundschule kann in „Anlage 3… (PDF 0,10 MB)“ nachlesen, dass sie maximal 603,00 Euro für technische Corona-Schutzausrüstungen erhalten kann – die Stadt Lingen (Ems) übrigens (ordentliche) 56.376,00 Euro als Höchstbetrag, so steht es in „Anlage 2, … PDF, 0,25 MB“.

Wenn eine Förderrichtlinie mit 7 Anlagen bürokratiearm ist, will ich mir gar nicht vorstellen, was nicht bürokratiearm wäre…

Nachsatz:
Zur von vielen, auch von mir und unseren BürgerNahen in Lingen (Ems) vergeblich geforderten Anschaffung von Luftfiltergeräten verteilt der Kultusminister ein Merkblatt des Nieders. Landesgesundheitsamtes. Das bevorzugt das Stoßlüften und findet Luftfiltergeräte –anders als der Landeselternrat– nicht empfehlenswert. Auch der Kreiselternrat Emsland liegt in Sachen Lüftung offenbar (lest selbst)…

Luftfiltergeräte werden bezuschusst, aber nur wenn das Klassenzimmer zu wenige Fenster hat, um ordentlich stoß-zu-lüften, wobei an anderer Stelle steht, dass in solchen Räumen gar nicht unterrichtet werden darf. Und dann endet das bedarfsgerechte Merkblatt schlank mit diesem fast schon lyrisch-bürokratiearmen Hinweis:

„Wohlgemeinte Selbsthilfeaktivitäten sind zu vermeiden, da sie leicht unerwünschte, bei späteren Betrachtungen möglicherweise auch gesundheitsschädigende Nebenwirkungen entfalten können.“

Schlechte Karten, Opa!

 

weitere Lehrkräfte

5. Oktober 2015

Niedersachsen_WappenNicht erst jetzt beginnt die Kärrnerarbeit der Flüchtlingsintegration, also Flüchtlinge 2.0 sozusagen. Denn das Wichtigste ist, die deutsche Sprache zu lernen. Ich frage mich, wie hoch dabei der finanzielle Beitrag der regionalen Wirtschaft ausfällt. Auch, gibt es ihn überhaupt schon oder vielleicht noch gar nicht?

Die niedersächsischen Grünen haben eine Karte veröffentlicht, der zu entnehmen ist, wo es  Sprachlernklassen in Niedersachsen gibt. Die Karte auf der Internetseite der grünen Landtagsabgeordneten Filiz Polat soll „weiter gepflegt werden“; in Lingen könnte daher bereits eine zweite Sprachlernklasse eingetragen werden, die gerade eingerichtet ist.

Die Zahl solcher Sprachlernklassen in Niedersachsen konnte bereits von 2011 bis 2015 vervierfacht werden. Im September 2014 waren an den öffentlichen allgemeinbildenden Schulen in Niedersachsen 118 Sprachlernklassen eingerichtet (siehe Landtagsdrucksache 17/2826). Bis Februar 2015 war diese Zahl auf 238 gestiegen (siehe Landtagsdrucksache 17/3267).

Aktuell gibt es in Niedersachsen 287 genehmigte Sprachlernklassen. Im kommenden Jahr 2016 werden es ca. 550 sein. Für den Sprachunterricht sucht das niedersächsische Kultusministerium* angesichts dieser Steigerung dringend weitere Lehrkräfte. 

Darüber hinaus hat das Niedersächsische Kultusministerium im abgelaufenen September das Sprint-Modellprojekt (Sprint = Sprach- und Integrationsprojekt) für die öffentlichen berufsbildenden Schulen entwickelt. Es soll jugendlichen Flüchtlingen helfen, Sprachbarrieren abzubauen und mit der Berufs- und Arbeitswelt vertraut zu werden. Das Projekt baut damit eine Brücke zwischen auslaufender Schulpflicht und Übergang in die Berufs- und Arbeitswelt. Der Wechsel in ein „Regelangebot“ (Behördendeutsch), z.B. in das Berufsvorbereitungsjahr, in die Berufseinstiegsklassen oder in die Berufsfachschule ist jederzeit möglich. Weitere Informationen zu diesem niedersächsischen Konzept finden sich hier.

*ps  Für’s Emsland, die Grafschaft Bentheim und die Region Osnabrück sucht Thomas Radomski in der Regionalschulabteilung in Osnabrück: Tel  0541-314 330, Thomas.Radomski(at)nlschb.niedersachen.de.

 

Schulverweis

8. Mai 2015

FranziskusgymnasiumDa gibt es ganz aktuell einen rot-grünen Schulverweis am Lingener Franziskusgymnasium (Logo lks).

Die niedersächsische Landesregierung beendet nämlich ab dem kommenden Schuljahr ein umstrittenes Kooperationsprojekt zwischen Gymnasien und Energiekonzernen wie ExxonMobil, RWE oder GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH.

Begründet wird die Entscheidung mit einem Verstoß gegen die Antikorruptionsrichtlinie des Landes.

Im Mai 2013 hatte das Kooperationsprojekt für Aufregung gesorgt, als das Politmagazin Frontal21 parallel zur Veröffentlichung einer  Studie über Lobbyismus an Schulen kritisch über den Fall berichtete. Die Studie hatte die NGO-Organisation LobbyControl erstellt,  die über Machtstrukturen und Einflussstrategien in Deutschland und der EU aufklären will und sich für Transparenz, eine demokratische Kontrolle und klare Schranken der Einflussnahme auf Politik und Öffentlichkeit einsetzt. Genau da hinein  gehört die Diskussion über das Sponsoring von Schulen.

Dabei schreiben sich die Unternehmen offiziell nur „Bildungsförderung“ auf die Fahnen. Ihre Idee: Als externer Sponsor fördern sie die Schule und erhalten im Gegenzug Raum für Imagewerbung. Im Idealfall profitieren beide Seiten von dem Geschäft.

Doch können Lehrer – und vor allem Schüler – immer einschätzen, ob externe Materialien  einseitig sind? Den Lehrern fehlt es zudem häufig an Zeit und Ressourcen, um im Zweifelsfall eigene Unterrichtsmaterialien zusammenzustellen. Und eine Schule, die etwa ein hochmodernes Biotechnologie-Labor kostenlos zur Verfügung gestellt bekommt, wird selten ablehnen. Die kritischen Stimmen an derartigen Finanzierungen häufen sich.

Wann die Förderung aufhört und die Lobbyarbeit überwiegt, sollten die Kultusministerien der Länder bedenkliche Unterstützung aussieben. Doch die Definition darüber, welche Materialien eher schaden, war bisher schwammig; im bisherigen Erlass des niedersächsischen Kultusministeriums hieß es allgemein „Zuwendungen, die mit einem Werbeeffekt verbunden sind (Werbung, Sponsoring) können entgegengenommen werden, wenn der Werbeeffekt hinter dem pädagogischen Nutzen deutlich zurückbleibt.“

Gestartet wurde das niedersächsische Kooperationsprojekt unter Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) vor acht Jahren zum Schuljahr 2007/2008 mit dem Wirtschaftsverband Erdöl und Erdgasgewinnung (WEG). Brisant ist das Schulsponsoring deswegen, weil eine Dokumentation des WEG deutlich zeigt, was sich die beteiligten Unternehmen von der Kooperation versprechen. Als Ziele werden darin u.a. die „Verbesserung der Reputation der Branche“ und eine „Versachlichung der Darstellungen über die Erdöl- und Erdgasproduktion in Schulen“ genannt. ExxonMobil zahlte den beteiligten Schulen für die Kooperation sogar 10.000€ pro Jahr. Hinzu kommt, dass die Kooperationen in einer Gegend stattfinden, in der die umstrittene Fracking-Technik vermehrt zum Einsatz kommt. Sie erinnern sich? Schönes Lünne! Bis heute ist das laut Lobbycontrol-Logo-135pxLobbycontrol einer der deutlichsten Fälle von Lobbyismus an Schulen.

Damit ist nun Schluss. Grundlage der Entscheidung ist die Antikorruptionsrichtlinie des Landes. Sponsoring ist demnach nur dann zulässig, „wenn der Anschein einer möglichen Beeinflussung […] nicht zu erwarten ist.“ Dabei ist nicht entscheidend, ob tatsächlich Einfluss genommen wird. Schon die Möglichkeit, dass auch nur indirekt Einfluss genommen wird reicht aus. Nach Einschätzung des Landes Niedersachsen besteht eine solche Möglichkeit im Falle der Kooperationen. NDR1:

„…Das Niedersächsische Kultusministerium hat entschieden, dass Schulen nicht mehr mit Energieunternehmen zusammenarbeiten und sich von ihren sponsern lassen dürfen. Das Ministerium sehe durch das Sponsoring die Gefahr einer möglichen Einflussnahme durch die Unternehmen, sagte ein Sprecher zu NDR1 Niedersachsen.

Die Unternehmen könnten demnach durch tendentiöse Materialien Einfluss auf den Unterricht nehmen. Daher hat die Landesregierung die Zusammenarbeiten ab dem kommenden Schuljahr verboten.“

[weiter bei NDR Niedersachsen]

Unter den betroffenen fünf Schulen in Niedersachsen ist auch das Franziskusgymnasium in Lingen-Laxten, das seit acht Jahren mit dem Energiemulti engie über deren Konzerntochter GDF SUEZ E&P Deutschland GmbH  kooperiert. Gezahlt werden 3.000 Euro pro Jahr. In der Oberstufe bietet die Schule regelmäßig ein Seminarfach an, bei dem eng mit dem Energiekonzern zusammengearbeitet werde. „Gerade was die naturwissenschaftlichen Fächer anbelangt, haben wir durch diese Kooperation auf jeden Fall profitiert, weil wir externe Fachleute zu ganz bestimmten Themen hinzuziehen und diese Themen dann im Unterricht problematisieren konnten“, sagte Schulleiter Hans-Michael Klumparendt gegenüber dem NDR. Auch die umstrittene Erdgasfördermethode Fracking komme dort zur Sprache.

Während laut NDR Hans-Michael Klumparendt die Kooperation gern weiterführen möchte, begrüßt der gemeinnützige Verein LobbyControl das Ende des Sponsoring und warnt zugleich schon vor bereits laufenden Gesprächen über neue Verträge, “die den geänderten Sponsoring-Vorgaben der Landesregierung entsprechen.”  Denn: „Bei dauerhaften Partnerschaften zwischen Schulen und Unternehmen besteht grundsätzlich die Gefahr der Einflussnahme. Solche Kooperationen können zu Abhängigkeiten und mangelnder Distanz führen.“ Das übrigens betrifft auch Fördervereine, liebes Franziskusgymnasium…

(weitere Quelle)