alleine gelassen

12. April 2018

Selten habe ich so viele unterschiedliche Gespräche geführt wie in den Wochen dieses kurzen Wahlkampfs.

Zum Beispiel hat mich eine Zuschrift zu einem Problem sehr berührt, das meine Frau und ich auch genauso erlebt haben. Das gute: Sie zeigt eine Lösung auf, bei der man sich fragt, warum diese nicht schon längst umgesetzt worden ist. Lesen Sie selbst:

„Mein Großvater erkrankte im November letzten Jahres ,und ich wollte ihn zuhause pflegen. Dies war im Grunde auch möglich, dennoch wurde ich mit der gesamten Organisation ziemlich alleine gelassen. Die Zuständigkeit des sozialen Dienstes des Krankenhauses endete mit Ende des Aufenthalts dort. Der MDK war nach sechs Wochen endlich zur Begutachtung bei meinen Großeltern zuhause. Bis dahin haben wir uns mehr schlecht als recht „beholfen“.

Die Begutachtung, in die wir viel Hoffnung gelegt hatten, fiel leider nicht zu unseren Gunsten aus. Was aber mein Problem an der ganzen Sache war: Ich habe mich bei den unzähligen Telefonaten mit Landkreis, sozialen Diensten, MDK und Krankenkassen wirklich allein gelassen gefühlt und wusste irgendwann gar nicht mehr, an wen ich mich denn nun wenden sollte. Zum Glück hatte ich eine liebe Freundin an der Seite, die Altenpflegerin ist. Sie hat mich in den pflegerischen Tätigkeiten und bei den diversen Transporten zu den Fachärzten unterstützt. Des Weiteren ist mein Großvater aufgrund des großartigen Einsatzes des Prof. Peter Douglas Klassen aus dem Bonifatius-Krankenhaus doch viel schneller genesen und Prof. Klassen hat uns immer wieder Tipps gegeben, was wir tun sollten.

Ich denke, diese Aufgaben fallen eigentlich zum Teil in den Bereich des Hausarztes, der aber wenig bis keine Zeit für uns hatte.

Ich hätte mir eine unabhängige Stelle gewünscht, an die man sich zur Vorgehensweise in einem Pflege-/Krankheitsfall hätte wenden können. Die mir besser erklärt hätte, wo welcher Antrag hin muss und was man überhaupt beantragen sollte. Ich glaube, ich habe in dem mir zur Verfügung stehenden Rahmen alles ausgeschöpft, was mir als Laie mit Hilfsmitteln wie Google/Erfahrung anderer Menschen möglich war.
Dennoch war mein Eindruck, dass man gerade am Anfang einer solchen Situation sehr alleine gelassen wird. Und ich würde mir eine unabhängige Stelle zumindest für eine Erstberatung wünschen.“

Alleine gelassen ist das Stichwort. Hier ist elementarer Bedarf. Es muss geholfen werden. Das will ich als Oberbürgermeister in die Hand nehmen. Diese Stelle ortsnah im Lingener Bonifatius-Hospital zu schaffen, scheint mir eine mögliche Weg zu sein. Ich denke, ich werde mit Geschäftsführer Ansgar Veer darüber sprechen, möglicherweise schon am Samstag.

 

(Foto: pixabay)

 

Viel

6. November 2011

Das finde ich interessant, was ich da  auf der NDR-Seite gefunden habe. Ich lese:

„Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Darin sind sich die meisten Experten einig. Was viele nicht wissen: Es gibt große regionale Unterschiede in der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Je nachdem wo man lebt, ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass man auf dem OP-Tisch landet. Viel operiert wird offenbar im Emsland. Das zeigt der Faktencheck Gesundheit der Bertelsmann-Stiftung.

Menschen aus dem Landkreis Emsland und der Grafschaft Bentheim scheinen sich besonders häufig Operationen unterziehen zu müssen. Gebärmutterentfernung, Blinddarm- und Mandeloperationen – das Emsland ist hier in der Statistik oft weit vorne. Auch im Krankenhaus Ludmillenstift…“

weiter auf der Internetseits des NDR

Bei genauerem Hinsehen erfahren wir:
Im Emsland (Faktor 1,63 facher Durchschnitt)  werden statistisch drei Mal mehr Gebärmuttern bei Frauen entfernt als in Heidelberg (0,49 facher Durchschnitt). Überhaupt fällt die OP-Häufigkeit bei den Frauen, die in den (größeren) Städten leben, eher durchschnittlich oder unterdurchschnittlich aus.  Untersuchungen zeigen schon länger, dass ein erheblicher Teil der Gebärmutterentfernungen (Hysterektomien) ohne ausreichende Indikationsstellung erfolgt und allein schon öffentliche Informationskampagnen über regionale Hysterektomiehäufigkeiten und die OP-Notwendigkeit zu deutlich rückläufigen Operationszahlen führen können. Offenbar wird eben bislang im Emsland  die Indikation für eine Hysterektomie nach wie vor „großzügiger“ (Bertelsmann-Stiftung)  gestellt als anderswo. Verstärkt diskutieren Fachleute derweil, welche Indikationen zur Hysterektomie unstrittig sind und bei welchen – auch auf Grund einer Weiterentwicklung der Behandlungsverfahren – Entscheidungsspielräume bei Patientinnen und / oder Ärzten vorhanden sind, die eine Vermeidung der Gebärmutterentfernung möglich machen.

Ähnlich hoch über dem Bundesdurchschnitt (Faktor 1,64) ist die Zahl bei Bypassoperationen. Guckst Du hier. 

Ist also die Schlussfolgerung falsch, dass die emsländischen Ärzte noch viel dazulernen und ihnen dabei informierte Patienten ein gutes Stück helfen können? Das empfiehlt jedenfalls der Faktencheck: