sondern rechts

23. November 2016

vge

Die Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd (VGE) will „ab sofort bei hohem Verkehrsaufkommen“ Haltestellen auf dem Lingener Konrad-Adenauer-Ring nicht mehr anfahren. Die Stadt(verwaltung) Lingen sei, weiß die Lokalpresse, „mit Details der Umsetzung des Vorhabens nicht glücklich“ (lol!) und will noch einmal mit der VGE sprechen. Eine peinliche Lokalposse und schlicht Ausdruck fehlender Kompetenz der zuständigen Herren Krone und Altmeppen. Offenkundig ist, dass ohne jelgichen Busverkehr kein einziges der öffentlichen Nahverkehrmittel überhaupt jemals im Stau steht – #grmmmpff.

Die Lokalzeitung erkennt wie stets genau und blitzartig den Schuldigen:

„Offen bleibt sowohl in der Pressemitteilung als auch auf Info-Zetteln an den betroffenen Haltestellen allerdings eine Antwort auf die Frage, wie die stehengelassenen Kunden zum Beispiel von der Haltestelle „Krankenhaus“ zum Bahnhof kommen sollen. Wenn es nach der VGE geht, zu Fuß. Das jedenfalls schlägt die VGE-Geschäftsstellenleiterin Ursula Wehrs auf Nachfrage unserer Redaktion vor. Nach eigenen Worten wohl wissend, dass das für diejenigen, die beispielsweise auf einen Rollator angewiesen sind, nicht leicht sei.“

Eigentlich interessiert mich, wann die Verkehrsgemeinschaft Emsland Süd („VGE“) sich wann und bei wem über den alltäglichen Verkehrsstau auf dem Lingener Konrad-Adenauer-Ring beschwert hat. Beschwerden sind in den städtischen Gremien nämlich nicht angekommen und entsprechend ist nirgendwo die angekündigte Arbeitsverweigerung beraten worden. Na gut, ich kann nicht ausschließen, dass bei den allfreitäglichen Audienzen unser aller OB doch unser aller CDU-Frakjtionschef Uwe Hilling informiert hat. Doch in den kommunalen Gremien gab es nie eine Diskussion.

Andererseits kann ich mir nicht vorstellen, dass diese neue Art der Arbeitsverweigerung seitens der VGE ohne jede Information des Lingener Rathauses erfolgt ist und die Stadt weiterhin deutlich mehr als 600.000 Euro pro Jahr an die VGE zahlt. Die Kommune ist nämlich über ihre Stadtverkehr Lingen GmbH Teil eben dieser VGE. Eigene Busse betreibt die Stadtverkehr Lingen GmbH nämlich nicht; dies übernimmt vielmehr die 1993 gegründete Verkehrsgemeinschaft Emsland-Süd (VGE) mit verschiedenen Busunternehmen „als Partner“, wie man hier lesen kann. Eine schöne Partnerschaft…

  • Nachtrag eins:
    Was noch einmal gesagt werden muss: Die Fahrplanseite der VGE im Internet ist weiterhin und unangefochten die schlechteste im ganzen Norden. Ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland.
  • Nachtrag zwo:
    Im Gegensatz zur Schlagzeile in der Lokalpresse lassen die Lili-Busse und ihre VGE-Kollegen die Haltestellen in Lingen keinewegs links liegen sondern rechts.
  • Nachtrag drei:
    LT-Mann Pertz sieht in seinem Kommentar lapidar die Schuld bei der trantütigen VGE. Das fehlende Konzept, öffentlichen Busverkehr auch fließen zu lassen, ist ein Versäumnis der Rathausspitze und von niemand anderem. Die jetzige „Unglücklich-gelaufen-Reaktio“ bestätigt dies.

(Foto: VGE-Aushang; CC BY 2.0 DE Robertsblog)

Bebauungsplan

27. Juli 2012

Ein architektonischer Blick über die nahe Grenze. Im niederländischen Hengelo haben  NL Architects in einem industriell geprägten Stadtteil für Siemens einen Bürokomplex errichtet, berichtet Baunetz.de. Er  bildet den Kopfbau eines Straßenzugs, in dessen Sichtweite ein neues Kulturzentrum von Benthem Crouwel und der Bahnhof aus dem Jahr 1950 von Hermanus G. J. Schelling stehen. Das gesamte Hart van Zuid-Areal in Hengelo ist eines der größten innerstädtischen Sanierungsprojekte der Niederlande und soll „in den kommenden Jahren ein lebhaftes Quartier mit Wohn- und Büronutzung werden, in dem High-Tech-Industrie eine treibende Kraft sein soll“. Baunetz.de beschreibt:

„Form follows industry“ scheint das Motto des holländischen Architektenteams zu sein: NL Architects erklären, dass sie das industrielle Erbe zu einem wichtigen Aspekt des zukünftigen Bauens zählen. So hielten sie sich bei ihrem Entwurf strikt an den Bebauungsplan in Hengelo. Der schrieb vor, dass sich die Form des Neubaus aus dem umgebenden Bestand ableiten solle. Für die Architekten bedeutete das, ein robustes, strenges und kompromissloses Gebäude zu entwerfen. Aber mit einem gewissen Twist – die typische Struktur säbelzahniger Sheddächer haben die Entwerfer kurzerhand um 90 Grad gedreht. So ist es nun vor allem die zackige Fassade und das Baumaterial Backstein, das den industriellen Charakter des Neubaus prägen soll, kombiniert mit einer großzügigen Verglasung, die einen gewissen Glamourfaktor versprüht. Vorplatz und Besucher spiegeln sich in der skulptural anmutenden Fassade. Von innen funktioniert die Shedform wie ein Visier: Sie schützt vor der blendenden Sonne und bietet gleichzeitig eine optimale Aussicht aus den Büroräumen hinaus.

Es ist bzw. war eine Passage in dem Baunetz-Report, die mich vergleichen ließ und bei der man sofort den Unterschied zu den „Lingener Verhältnissen“ erkennt: Während sich Hengelo seiner Verantwortung für gewachsene Stadtgestaltung und das entstandene Stadtbild bewusst ist, daher in Bebauungsplänen dezidierte Vorgaben macht und gerade dadurch zeitgemäßer Architektur die notwendigen Spielräume verschafft, scheuen dies in unserer Stadt die politische Mehrheit und der noch amtierende Stadtbaurat L..

Um gestalterische Diskussionen nicht führen und planerische Arbeit nicht leisten zu müssen, flüchtet sich L. in die Übernahme von Investorenvorstellungen („Geld in die Hand!“) und deren Primat reiner Ökonomie. Getragen wird er dabei von der Ratsmehrheit, die, inhaltlich konzeptionslos, nicht zu wissen scheint, wie unsere Stadt gestaltet werden, wie sie aussehen soll. Also lässt sie (alles) zu. Baurat L.  ermöglicht die gemeinsame Flucht aus verantwortlicher Stadtgestaltung durch den Rückgriff auf den angeblich „unbeplanten Innenbereich„, dessen Bebauung gestaltende Bebaungspläne nicht braucht. Keine Frage, dass dies regelmäßig zweifelhaft ist. Die in der Folge entstehenden, stadtgestalterisch nicht überzeugenden Ergebnisse sehen wir am Alten Hafen ebenso wie am Konrad-Adenauer-Ring.

(Quelle: Baunetz.de; Fotos: (c) Marcel van der Burg)

Sicherheitspöller

15. Mai 2012

Im Tweetaccount Lingen_Fehler schreibt ein aufmerksamer Zeitgenosse, dem Lingen offenbar am Herzen liegt; denn immer wieder twittert er mit den  obligatorischen 140 Zeichen- bisweilen mit einem unterstützenden Foto- über kleine und große Probleme unseres Städtchens. Inzwischen mehr als 1000 mal, auch am 5. November 2010. Sein Sicherheitspöller-Tweet  damals benannte das Problem: Wer das Palacio über den Hinterausgang zur Elisabethstraße verlässt, läuft direkt vor die Autos, die dort Richtung Konrad-Adenauer-Ring fahren: „Kracht bald!“

Doch erst jetzt bewegt sich etwas, nachdem Blogger  Niklas Tewes die gefährliche Verkehrssituation in der Elisabethstraße am Rückeingang des Palacio erneut aufgriff (dabei Ratsmitglied Fabian Rode -CDU- kritisierte, der sich nicht mehr meldete) und in diesem kleinen Blog noch etwas mehr über unser Vergnügungsdreieck zwischen Sturmstraße, Elisabethstraße und Schlachterstraße zu lesen war. Niklas Tewes berichtet inzwischen in seinem Blog über die Resonanz auf seine Kritik. Eine lesenswerte Zusammenfassung:

„Zunächst möchte ich mich bei meinen Lesern bedanken: Durch Eure Mithilfe hat sich mein Blogpost zur Verkehrs-Situation im Bereich Schlachterstraße/Elisabethstraße binnen kürzester Zeit verbreitet und über eintausend Leser gefunden. Danke!
Dies zeigt mir, dass ich offenbar eine Thematik angesprochen habe, die viele Bürger bewegt. Ich möchte im Folgenden Eure Meinungen und Lösungsansätze zusammentragen:
Fabian Rode (Mitglied im Stadtrat)…“

Fortsetzung bei Niklas Tewes

Jetzt muss eigentlich nur das passieren, was vorgeschlagen ist. Bevor etwas passiert.

prollig

13. März 2012

OK, man muss sich wohl damit abfinden, dass dieser Stadtbaurat aus Oldenburg kein Interesse an Stadtgestaltung zeigt und die CDU sowieso nicht. Man lässt zu und machen und Lingens Innenstadt wird mit immer mehr Werbemüll grandios zugepflastert.  Die Werbung für die Lohner Landbäckerei und die Andreasapotheke am Haus Lookenstraße 12 sind rare, löbliche Ausnahmen und wenn man sich gerade darüber freut, zerknallen die zahllosen Geschmacksverirrungen die Reste lokaler Asthetik. Besonders daneben die Bierreklame an den Gaststätten, die Lottowerbung, die Nasenschilder quer zur Hausfassade. Die neueste Verunstaltung findet sich seit der letzten Woche am Haus Neue Straße 9a, in dem früher die lokale Niederlassung der Barmer Ersatzkasse residierte und danach lange Jahre die Firma Kamphorst Immobilien.

Jetzt ziehen Rechtsanwälte  dort ein und haben das Gebäude aus den 1960er Jahren beiderseits mit prollig-billiger

GROSSWERBUNG

behängt. Aus der Wand schauen Elektrostrippen, die werbliche Geschmacksverirrung wird künftig also wohl auch noch halogenbeleuchtet. Einmal mehr wird diese missgestaltete Visitenkarte am Eingang zur Innenstadt bauaufsichtlich akzeptiert. Im Rathaus scheint sie genauso wenig jemanden zu interessieren, wie die einige Schritte entfernten, am Konrad-Adenauer-Ring dreckig-hell leuchtenden Großwerbetafeln.

Wohin dieses gleichgültige Laissez-faire führt, zeigt ein abendlicher Besuch auf dem Marktplatz. Unser historisches Rathaus, seit fünf Jahren kitschig-schräg in modernistischer Riefenstahl-Ästhetik  beleuchtet, ist durch das Haus Große Straße 2 inzwischen gestalterisch so was von in den Hintergrund gedrängt, das es mich ärgert , auch wenn mein alter Kampfgefährte Hannes Rakers dafür verantwortlich zeichnet. Sorry Hannes, ein rotes Wohnzimmersofa, ein seit fast einem halben Jahr rot strahlender Weihnachtsstern und eine sich in den Vordergrund drängende,  kleinteilige Fensterfront auf der einen und Werbeschriften an der anderen Seite mit beidseitigen Dachflächenfenstern ganz oben … der alte Stadtbaurat Nikolaus Neumann hätte das zu recht niemals zugelassen. Das konnte nur entstehen, weil der Hochschuldozent, der jetzt mehrmals in der Woche den lokalen Stadtbaurat gibt, offenbar so wenig Interesse an Lingen und noch weniger Ahnung von Stadtgestaltung hat. Allabendlich wird bekanntlich unser kleines Rathaus zu allem Überfluss zusätzlich hintergrundbestrahlt von der IntersportAdventure-Neonreklame an Huesmanns missglücktem, disproportioniertem Neubau am Ende der Großen Straße. Wer hinschaut sieht, dass das 400 Jahre alte Bauwerk nicht mehr unseren Marktplatz prägt und das ist ästhetisch eine geschichts- wie gesichtlose Unverschämtheit oder auch einfach nur schade. Im Herbst 2013 geht die 8-jährige Amtszeit des Oldenburgers zu  Ende. Sein Nachfolger wird 30 Jahre brauchen, um die Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Family-and-friends

20. April 2011

Kraftfahrzeuge können -nach gefühlt 80 Jahren- aus der „Kirchstraße“ ab sofort nicht mehr Richtung Straße „Zum Neuen Hafen“ abbiegen und nur noch in westlicher Richtung durch die  „Mühlentorstraße“  zum „Konrad-Adenauer-Ring“ fahren. Vom „Konrad-Adenauer-Ring“ kommen sie über die Straße „Am Gasthausdamm“ bis zur Kreuzung „Mühlentorstraße/Am Wall-Süd“ und müssen dann sehen, wo sie bleiben. Und die Anlieger der „Kivelingstraße“ brauchen Ideen, wie sie, ihre Besucher und Lieferanten zu ihren Wohnungen gelangen.

Denn die „Kivelingstraße“ ist für Kfz-Fahrer zwischen Parkdeckzufahrt Modehaus Huesmann und „Kirchstraße“ gesperrt.  Mit dem – zuerst nur bis zum 31. März 2010 (zehn!) gesperrten, dann bereits im vergangenen August als jetzt bevorstehend angekündigten– Abschluss der Hochbaumaßnahmen in der „Mühlentorstraße“ ist die Verkehrsführung den Interessen des Investors einseitig angepasst worden. Hintergrund der Änderung ist eine Family-and-friends-Zusage der früheren Lingener Verwaltungsspitze an Investor Andreas Huesmann:

Sein neues Geschäftshaus in der Kivelingstraße wollte er  besser an die Innenstadt angebunden wissen und forderte eine Fußgängerzone vor der Tür oder jedenfalls etwas Vergleichbares. Das versprach man ihm. Radfahrer sind von dieser Änderung nicht betroffen;  Radfahrer können die genannten Straßen weiter in beide Richtungen befahren. Die zuständigen Ratsausschüsse fassten die entsprechenden Beschlüsse für diese Änderungen im vergangenen Jahr, meldet die Stadt. Allerdings hatte der aus Oldenburg stammende Stadtbaurat mit dem Plan vor genau zwei Jahren im zuständigen Planungs- und Bauausschuss, der zusammen mit dem Verkehrsausschuss tagte,  eine herbe Niederlage erlitten. Der Ausschuss stellte den Plan als unausgegoren zurück, obwohl er trickreich-wie schon zuvor einmal– in einem Gesamtpaket verstecktwar.Monate später brachte dann die Verwaltung ihre, dem Investor versprochene Planung vorsichtshalber nur noch  im Verkehrsausschuss neu ein und dort lief er, ungetrübt von planerischen Kenntnissen, glatt durch. Der Verwaltungsausschuss genehmigte anschließend. Danach schraubte Investor Huesmann, der auch nicht überteuert ein Nachbargrundstück hinzuerwerben konnte,  illegal bunte Leuchtreklamen an das neue Bekleidungskaufhaus (sind immer noch da und werden bei Dunkelheit leuchtend von einem markanten Wohnzimmerdecken-Kandelaber gekrönt) und vor einigen Monaten an das hinzugemietete Eingangshaus Große Straße 3 gleich zwei Camel-Nasenreklameschilder in unterschiedlicher Höhe. Sie verzieren jetzt optisch  das Ensemble Historisches Rathaus/Posthalterei  – und kleben an einer Fassade, die mit Steuergeldern vor 20 Jahren in einen optisch erträglichen, dem Ursprünglichen nachempfundenen  Zustand (Bild) versetzt worden war, nachdem sie jahrezehntelang durch einen davorgesetzten Schuhkarton („Köhne -Haus der Dame„) missgestaltet worden war (Übrigens war das damals so modern wie später in den 1970ern die Korbmarkisen und heute die in Lingen zügellos  wuchernde Reklame).
Was macht unser desinteressierter Oldenburger  Stadtbaurat? Alles genehmigt, geduldet, mitgemacht, weggeguckt – ganz bequem und klebrig mauschelig.  Nur was dieser kommerzielle Werbezeitgeist mit ehrlicher, am Gemeinwohl ausgerichteter Stadtpolitik und Stadtgestaltung zu tun hat,  bleibt ein Rätsel.  Und hat eigentlich jemand die Kivelingstraße teilweise eingezogen, also straßenrechtlich ent- bzw. in eine Fußgängerzone umgewidmet? Dazu muss ich allerdings sagen, dass dies nur rechtlich zwingend erforderlich ist. Family and friends können offenbar auch ohne. Denn wahrscheinlich ist das Nieders. Straßengesetz bei den Investor-Gesprächen wie die Gestaltungssatzung für Werbeanlagen gleich mit außer Kraft gesetzt worden. Wie tönen unsere lieben Slime-Punks? Richtig:  Legal, illegal, scheißegal.

Stolpersteine

13. Februar 2011

Am kommenden Freitag, 18. Februar, ab 11 Uhr verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig (Foto lks.) in Lingen (Ems) 14 weitere „Stolpersteine“ (mehr…), die an die Opfer des NS-Terrors erinnern. Zusammen mit dem Forum Juden-Christen lädt die Stadt Lingen  zu dieser Veranstaltung ein. Treffpunkt ist vor dem Haus Schlachterstraße 12. Weitere Stolpersteine verlegt Gunter Demnig in der Marienstraße 8, der Wilhelmstraße 45, am Konrad-Adenauer-Ring 2/6 (ehemals Lookenstr. 47) sowie in der Rheiner Straße 2.

Die Gedenksteine, auf denen Name und Wohnort der Verstorbenen stehen, sollen dem Vergessen entgegenwirken und als Mahnmal für die Gegenwart dienen. Weitere neun Steine werden an einem weiteren Termin verlegt. Insgesamt 32 Schulen, Vereine und Einzelpersonen haben die Patenschaft für einen der „Stolpersteine“ in Lingen übernommen.

Ich freue mich sehr über die Realisierung des nächsten Abschnitts des Lingener Projekts Stolpersteine und denke dabei an die jahrelangen Schwierigkeiten zurück. In einem Protokoll über die  Sitzung des Lingener Kulturausschusses im Januar 2003  beispielsweise lese ich meine Aussage, dass Anträge in den städtischen Gremien mit Ziel, an den NS-Terror zu erinnern,  „zuerst immer abgelehnt und später von der CDU-Fraktion akzeptiert worden seien.“ So war es dann auch bei dem SPD-Antrag zu den Stolpersteinen, den die Union am 20.01.2003 ablehnte, weil „für einen Ort der Größe Lingens die Anzahl der Gedenkorte ausreichend“ sei; das Argument, dass durch einen Stolperstein jedes jüdische Opfer des NS-Regimes seine eigene Identität bekomme, wurde nicht verstanden (guckst Du hier) .

Die ersten Stolpersteine in Lingen verlegte Gunter Demnig dann gut zwei Jahre später aus Anlass des 60. Jahrestages des Endes des II. Weltkriegs. Es war ein Projekt die Lingener Sozialdemokraten. Verantwortlich dafür war der damalige Ratsherr Gerhard Kastein, der zuvor jahrelang vergeblich  versucht hatte, die CDU von dem Stolperstein-Projekt zu überzeugen, und es dann schließlich einfach selbst als SPD-Initiative verwirklichte. Inzwischen hat nun auch die CDU verstanden, um was es eigentlich geht.

(Foto: Gunter Demnig, © Hans Weingartz CC)

Kraftprobe

12. November 2010

Die CDU versucht weiter, Druck gegen den neuen OB Druck aufzubauen, ihm das Heft des Handelns aus der Hand zu nehmen und selbst zu agieren. Sie hat gestern Jens Beeck (FDP) als Aufsichtsratsvorsitzenden der Stadtwerke und ihr  Fraktionsmitglied Hermann Gebbeken als Aufsichtsrat der wichtigen städtischen Holding Wirtschaftsbetriebe Lingen durchgesetzt. Dann schreibt die CDU am selben Tag dies

An den Oberbürgermeister der Stadt Lingen (Ems)
Herrn Dieter Krone
Elisabethstraße 14 – 16

49808 Lingen

11. November 2010

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

im Namen der CDU Fraktion beantrage ich die Vermarktung / die Veräußerung der städtischen Liegenschaft an der Kanalgasse umgehend in der nächsten Sitzung des Wirtschafts- und Grundstücksausschusses zu beraten und anschließend umzusetzen.

Nachdem positiv geprüft wurde, dass die Liegenschaft nach § 34 BauGB bebaut werden kann, steht einer kurzfristigen Vermarktung nichts mehr im Wege.

Mit freundlichen Grüßen

Hilling
Fraktionsvorsitzender

Nachdem bereits das Kerngrundstück des  Planbereiches um den alten Hafen durch CDU & Co kurzsichtig und voreilig dem privaten Investor Kamphorst als bebaubar überlassen und damit mal eben eine 20 Jahre alte Vorplanung und Zukunft weisende Planung dieses Quartiers zumindest sehr erschwert wurde (guckst Du hier…), will die CDU-Stadtratsfraktion jetzt  auch das nördliche 3000 qm-Nachbargrundstück aus einer geordneten städtebaulichen Planung herauslösen. Sie glaubt dies sei  durchsetzbar aufgrund der Behauptung des Stadtbaurats L., bei dem Grundstück -auf dem mehr als ein jahrzehnt ein Flüchtlingswohnheim stand-  handele es sich um unbeplanten Innenbereich, man brauche also keinen geordneten  Bebauungsplan. Mit derselben Behauptung hatte L. auch schon Bebauungspläne den den Bereich des Medicus-Wesken-Zentrums am Konrad-Adenauer-Ring und das Luxuswohnungsbauvorhaben der Fa Kamphorst auf den ehemaligen Gewerbeflächen Klukkert genehmigt. bei all diesen Grundstücken handelt es sich nicht um Innenbereich, allenfalls sind es Portmoneebereiche für Investoren.

Das Ganze ist aber mehr als ein Grundstücksgeschäft, es ist eine Kraftprobe. Die CDU versucht Oberbürgermeister Dieter Krone (Foto lks.) ein weiteres Mal vor sich herzutreiben, und wahrscheinlich soll das Grundstück wieder einem der Union gewogenen Investor überlassen werden.  OB Dieter Krone kann dem Einhalt gebieten und zugleich seinen Oldenburger L. in die Schranken weisen. Krone muss nur klären lassen, ob das Grundstück tatsächlich Innenbereich nach § 34 Baugesetzbuch ist. Da gibt es durchaus kompetente Fachleute, die ihm diese Frage schnell und vor allem ehrlich beantworten können. die Antwort wird anders ausfallen als das, was L. so erzählt. weil in einem solchen Fall Haftungsrisiken für die Stadt entstehen können, muss sich der OB nicht auf die von der CDU geforderte Veräußerung des Grundstücks einlassen.

Und wenn OB Dieter Krone sich weiterhin so ehrenwert wie bisher politischer Auseinandersetzungen mit der Mehrheit enthält, um seinen neuen Politikstil der Kooperation zu praktizieren, obwohl er doch nur Konfrontation erlebt, muss diese Frage im Rahmen eines Kommunalverfassungsstreits durch die Noch-Ratsminderheit gerichtlich geklärt werden. Denn die inkompetenten Erklärungen des Oldenburger L.  („Das ist ein 34-er Gebiet!“) greifen unmittelbar in die Befugnisse des Rates und seiner Gremien ein, die das verbriefte Recht dazu haben, einen Bebauungsplan da aufzustellen, wo er notwendig ist. Zum Beispiel und natürlich rund um den Alten Hafen. Das kann OB Dieter Krone sicherstellen.

Sünden

6. Juli 2010

Unter dem Motto „städtebauliche Fehlleistungen, Planungs- und Bausünden“ lädt die SPD-Stadtratsfraktion zu einem Stadtrundgang ein. Geführt wird die Veranstaltung vom Fraktionsvorsitzenden der SPD, Hajo Wiedorn, der auch stellv. Vorsitzender des städtischen Planungs- und Bauausschusses ist. Der Rundgang beginnt am Donnerstag, den 8. Juli 2010, um 19.00 Uhr  am Konrad-Adenauer-Ring/Zum neuen Hafen und endet am Bahnhof. Die SPD lädt alle interessierten Mitbürgerinnen und Mitbürger ein, sich bei dieser Gelegenheit über die aktuellen Bauvorhaben in der Lingener Innenstadt informieren zu lassen.
Das wird ein interessanter Rundgang, und ich empfehle teilzunehmen -auch auf die Gefahr hin, dass es ein bisschen Wahlkampfgeklingel wird.

Sie werden wichtige Informationen gewinnen und sehen, was sich eigentlich in Lingen in den letzten zehn Jahren verändert hat, seit dem Stadtbaurat Nikolaus Neumann seinen Posten räumte. Im Kern werden Sie feststellen: Niemand im Rathaus hat ein Vorstellung davon, wie unsere Stadt aussehen soll. Niemand hat die Kraft, egoistische Vorhaben oder z.B. die Zerstörung von Baudenkmalen zu stoppen. Statt dessen kann jeder Investor zügellos machen, was er will, und  ab und zu wird teuer ein bisschen Gestaltung eingekauft, die bisweilen wie ein Fremdkörper wirkt – allemal dann, wenn wenige Meter entfernt, Dreck und Siff, schmutzige Fahnen, gestalterischer Pfusch (Foto © privat) oder defektes Straßenpflaster ins Auge springen und niemanden zu interessieren scheinen, schon gar nicht den Oldenburger G., der noch als Stadtbaurat fungiert.