Lückenschluss

20. Mai 2016

Grüne_NiedersachsenLücken im Atomausstieg schließen, wollen die niedersächsischen Landtagsgrünen. Eine Delegation der Grünen Landtagsfraktion hat am Mittwoch die ANF-Brennelementefabrik und das vor fast 40 Jahren stillgelegte, erste  Atomkraftwerk Lingen besichtigt. Die Fraktionsvorsitzende Anja Piel, der regionale Abgeordnete, Volker Bajus, sowie die atompolitische Sprecherin, Miriam Staudte, trafen sich im Anschluss mit engagierten Grünen und Anti-Atom-Initiativen aus der Region.
Anja Piel, Fraktionsvorsitzende:

„Der Atomausstieg ist lückenhaft: In Lingen werden weiterhin mit unbefristeter Genehmigung Brennelemente produziert. Hier muss das Atomrecht geschärft werden, dafür werden wir uns auch auf Bundesebene einsetzen.“

Volker Bajus, MdL

„Deutschland steigt aus, aber wir exportieren weiter Atombrennstoffe in Pannenreaktoren im benachbarten Ausland. Das kann nicht sein. Die Herstellung von Brennelementen im Emsland sollte auslaufen, allerspätestens wenn die letzten AKWs in Deutschland abgeschaltet werden.“

Miriam Staudte, MdL

„Der Rückbau der Atomkraftwerke wird noch viele Jahre dauern. Wichtig ist auch beim stillgelegten AKW Lingen, dass die Anwohnerinnen und Anwohner die Planungen verfolgen und kritisch begleiten können. Deshalb stellen wir mit dem Landeshaushalt 2016 erstmals Mittel bereit, die betroffene Landkreise für eine zusätzliche Bürgerbeteiligung nutzen können.“

120px-atomkraft_nein_dankesvgZum Hintergrund :

Die ANF-Brennelementefabrik Lingen des französischen AREVA-Konzerns verfügt über eine unbefristete Betriebsgenehmigung und fertigt Brennelemente für Atomkraftwerke im In- und Ausland an.

Das Atomkraftwerk Lingen I („KKL“) wurde bereits 1977 außer Betrieb genommen, nun soll es zurückgebaut werden. Der Rückbau soll rund 20 Jahre dauern. Der stillgelegte Reaktor befindet sich seit 28 Jahren im sogenannten „sicheren Einschluss“. Ende letzten Jahres hat das niedersächsische Umweltministerium die erste Teilgenehmigung für den Rückbau erteilt.

(Quelle. PM)

Rückbau

6. Dezember 2012

1968 ging das Kernkraftwerk Lingen („KWL“) als eines der ersten Atomkraftwerke Deutschlands in Betrieb, übrigens in der damals noch selbständigen Gemeinde Darme. Mit starker finanzieller Unterstützung des Bundes hatte der Dortmunder VEW-Stromversorger gemeinsam mit der AEG das 252-MW-Demonstrationskraftwerk errichtet. Es arbeitete in der Folge nie profitabel und machte mit ständigen Leckagen und Defekten im Notkühlsystem von sich reden. Am 1. Juli 1969 floss acht Stunden lang radioaktives Abwasser in die Ems; die zulässigen Radioaktivitätsabgaben wurden dabei extrem überschritten. Weitere Störfälle waren Risse im Wärmetauscher zwischen dem radioaktiven Primär- und dem nichtradioaktiven Sekundärkreislauf, ein Turbinenbrand sowie diverse Schäden an den Brennelementen, die zu hoher Radioaktivität im Reaktorgebäude geführt haben sollen.

1977 musste diese Demonstrationsanlage wegen irreparabler Schäden an den Wärmetauschern auch offiziell stillgelegt werden;  abgeschaltet war sie schon Jahre vorher. Seit 1988 befindet sich das KWL, in dem keine Kernbrennstoffe mehr lagern, im euphemisch genannten „sicheren Einschluss“.  Das Unternehmen gehört seit der VEW-Fusion mit RWE etwa 10 Jahre später der RWE Power AG.

Der bereits vor vier Jahren bei den niederächsischen Behörden beantragte endgültige Abriss des KWL geht jetzt in die nächste Runde. Zunächst werden vom 13. Dezember bis zum 12. Februar alle Dokumente zu dem Rückbau-Verfahren in Hannover und Lingen öffentlich ausgelegt. Betroffene können danach Einwendungen gegen die Rückbaupläne erheben, die öffentlich erörtert werden. „Wir hoffen, dass wir mit der Genehmigung etwa 2014 fertig sind“, hieß es gestern aus dem Niedersächsischen Umweltministerium in Hannover. Bis zum vollständigen Rückbau könne es dann aber nochmals weitere 15 Jahre dauern.  (mehr beim NDR)

Übrigens habe ich  keine kritischen Berichte über das Pannen-KWL im Internet gefunden. Auch die wikipedia-Seite über das KWL macht einen bemerkenswert gesäuberten Eindruck, und ich frage mich, ob der Begriff „sicherer Einschluss“ vielleicht noch eine weitere Bedeutung hat…

(Foto: Bundesarchiv, KWL im Jahr 1973)