Stadtverdichtung

14. August 2017

Ich schreibe diese Sätze über das geplante „langgestreckte“ Bauvorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz der Gärtnerei Dust an der Lingener Kiesbergstraße. Dazu meinte FDP-Mann Jens Beeck vergangene Woche, jetzt entstehe dort „genau das, was wir wollen“ und – gleich noch eins drauf – „Wenn wir an innerörtlichen Erschließungsstraßen nicht bauen dürfen – wo dann noch?“

Nein, Jens Beeck, das haben „wir“ gerade nicht gewollt. „Wir“ haben uns allerdings durch ein weiteres Kuckucksei des früheren Stadtbaurats Georg Lisiecki (Oldenburg) täuschen lassen, das er da unserem Städtchen hinterlassen hat. Er hat nämlich einen Bebauungsplan konzipiert, der einen groben architektonischen Missgriffe ermöglicht, also kurz gesagt architektonischen Mist. Man reibt sich die Augen, dass dies dann vom Ratskollegen JB flugs unter Stadtverdichtung bejubelt wird, die man doch unterstützen wolle.

Pädagogisch-künsterlischer Einschub für „Ist-mir-doch-egal“-Leser/innen:
Schlechte Architektur wird nicht dadurch weniger schlecht oder gar gute Architektur, dass man ein „Geschmäcker sind eben verschieden“ ruft.

Dabei führt die Kritik an der Ausführungsplanung keineswegs zum Abrücken von der notwendigen Nachverdichtung, wie der kommentierende LT-Redakteur Thomas Pertz meint. Es geht vielmehr um Stadtgestaltung, genauer um Maßstäblichkeit, die das Bauvorhaben vermissen lässt. 50m lang und dreigeschossig – ein Hausblock zum Wegschauen oder „Was-ist-das-denn-Rufen“, ein modernes Wohnregal eben. Das Gebäude soll nämlich so aussehen:

 

Als Anfang 2013 der für die Umwandlung des ehemaligen Gärtnerei in eine Wohnsiedlung notwendige Bebauungsplan Nr. 102 – Teil VI „Neuer Wall Ost“ beschlossen wurde, präsentierte besagter Stadtbaurat diese sehr moderne Entwurfsskizze, die faktisch das Bauwerk in zwei Blöcke teilt.

Man erkennt zwanglos die beiden, etwas futuristisch im dritten Geschoss miteinander verbundenen Baukörper. Davon ist jetzt nichts geblieben.- Es entsteht an der Kiesbergstraße nur ein langer Jammer – mit Kleinstwohnungen, so ein Scheidungsbunker für Getrenntlebende. Dieser hat darüber hinaus nicht einmal eine Tiefgarage, weshalb viele unbebaute Quadratmeter auch noch für Parkplätze gepflastert werden. Seinerzeit waren nämlich Tiefgaragen (mit etwas mehr als 300 €/Quadratmeter Wohnfläche nicht unbezahlbar) noch nicht in die Köpfe der Ratsmehrheit und des Oldenburgers vorgedrungen. Erst jetzt kommt es langsam zu einem notwendigen Bewusstseinswandel.

Die fehlende Maßstäblichkeit und die fehlenden Parkflächen unterhalb des Neubaus sind greifbare Fehler, die über den Bereich hinaus ganz allgemein die begonnene Neuausrichtung hin zur Nachverdichtung belasten. Denn wer will schon so nachverdichtet leben oder anders: „Unser“ Ziel war, dass die Neuplanung „sensibel auf die angrenzenden Strukturen reagiert und eine nachhaltige Stadtentwicklung gewährleistet„. Jede/r kann sehen, dass der technische Teil des beschlossenen Bebauungsplans, Baurat Georg Lisiecki wegen, diesem Ziel völlig widerspricht. 

 

Nachtrag:
Der Neubau erfüllt übrigens, wie Sie sehen, nicht die tünchende Bestimmung des Bebauungsplanes, das dritte Geschoss farblich abzusetzen. Aber der Investor wird noch einen Eimer Farbe für das dritte Obergeschoss zwecks „besserer horizontaler Gliederung“ (so die Bebauungsplanbegründung) finden… Aber Achtung: Trinkwasserschutzgebiet Zone II, also keine fungizidhaltige Farbe bitte!. 

 

Montagmorgen-Polemik

23. Februar 2015

Meine Montagmorgen-Polemik.

„Der „Trimm-Dich-Pfad“ am Kiesberg in #Lingen braucht dringend eine Generalüberholung“, twitterte gestern Nachmittag @Lingen_Fehler; @Lingen_Fehler ist ein ausgesprochen kritischer Zeitgeist, der regelmäßig seinen twitternden Finger in die Wunde kommunaler Unfähig- und Unfertigkeit legt und ihn dann gleichermaßen öffentlich wie sanft dreht.

Ausnahmsweise möchte ich ihm widersprechen, wenn auch nur etwas. Der Trimmpfad nebst Laufstrecke am Kiesberg braucht nämlich nur die nölige Aufmerksamkeit. Twitterer @ewoh_de antwortete auch schnell, das sei doch mit allen Trimm-Dich-Pfaden so. „Kenne keinen, der in Schuss ist. An die Unterhaltung wird nie gedacht.“

Spontan habe ich da meinen Fraktionskollegen Atze Storm angerufen, das Thema in der Sitzung des Sportausschusses anzusprechen, die heute in einer Woche stattfindet. Aber im Vertrauen, geschätzte/r Leser/in: Ich nehme an, dass bis dahin die Dinge schon geregelt sind und die PR-Abteilung des Rathauses unsern fotofreudigen OB an eine der bis dahin frisch gesäuberten Trimm-Dich-Reckstangen gehängt hat, um sein fortwährendes Engagement für den Sport im allgemeinen und den Trimmpfad an der Kiesbergstraße im besonderen für alle nicht twitternden Lingener -also 95% – nachdrücklich unter fotografischen Beweis zu stellen. Das Eingangstor wird diese Verwaltung allerdings sofort abreißen, damit im Brandfall die Feuerwehr ungehindert durchfahren kann – also, Sie verstehen, wegen der Verkehrssicherungspflicht; die nämlich ist das neue Lieblingsargument der öffentlich Bediensteten und damit lassen sie sofort jedes gewählte Ratsmitglied verstummen. Denn das meint, selbst sofort in Haft und Haftung genommen zu werden also jedenfalls Haus und Hof zu verlieren, falls es nicht bedingungslos Ja zu dem sagt, was Verwaltung „wegen der Verkehrssicherungspflicht“ will: bspw. Straßen für Radfahrer und Fußgänger sperren, dem lokalen Pöttemarkt durch Feuerwehrautoschneisen viel Charme nehmen oder auch Salz ohne Ende auf die Straßen knallen lassen, wenn auch nur der Hauch einer minutenlangen morgendliche Glätte zu erahnen ist.

Denn merket auf, Ihr Lieben: So tickt öffentliche Verwaltung heutzutage.

Bildschirmfoto 2015-02-22 um 18.06.57

ps Bevor die Arbeiten wieder dem städtischen Bauhof angetragen werden, darf man auch das Christophoruswerk fragen, ob seine Wohngruppen nebenan nicht mit ’nem Eimer warmes Wasser etwas Zeit investieren können, um die völlig verdreckten Schilder zu reinigen. Und das Trimm-Pfad-Tor und die beanspruchten Trimm-Geräte werden doch bestimmt je zur Hälfte von den rührigen Ortsräten Laxten und Darme instand gesetzt – liegt doch der Trimmpfad in etwa auf der Grenze zwischen ihren Zuständigkeitsbereichen.

 

[Foto: © Lingen_Fehler; danke für das OK, die Fotos verwenden zu dürfen]

Selbstverständlichkeit

27. August 2012

Vor einiger Zeit erlebte ich in Finnland, wie die 4-spurige, mehrere Hundert Meter lange Brücke Vuosaaren silta neu asphaltiert wurde. Die einzige Zufahrt zu einer Halbinsel nahe Helsinki wurde binnen zweier Nächte „auf Vordermann“ gebracht. Daran muss ich seither immer denken, wenn ich das langsame Arbeiten an deutschen Straßenbaustellen sehe. Gerade wieder bei uns. Da wird die notwendige Reparatur von wenigen Metern Fahrbahndecke der Schwedenschanze nicht etwa an einem Samstagnachmittag und in der folgenden Nacht erledigt sondern so:

In der Meldung wird übrigens nicht über den lokalen öffentlichen Nahverkehr informiert. OB Krone will ihn bekanntlich verbessern und hat deshalb zwei neue LiLi-Buslinien initiiert. Eine der beiden befährt die gesperrte Straße. Doch was mit dieser Linie während der Bauarbeiten ist, erfährt man nicht. Erst auf Nachfrage heißt es:

„Nach Auskunft der VGE werden morgen die Haltestellen Hügelweg, Auf der Loos, Martastraße und Strootstraße nicht angefahren. Ausweichhaltestellen sind in diesem Bereich die Auguststraße und die Schützenstraße. Ab Mittwoch werden – bis auf die Strootstraße – wieder alle Haltestellen wie gewohnt angefahren.“

Wäre es nicht zweckmäßig gewesen, über die öPNV-Änderungen gleich zu informieren? Und die Arbeiten schneller durchzuführen? Nun, immerhin sind die Arbeiten wohl  fertig, wenn kommende Woche die Schule wieder beginnt. Auch das ist keine Selbstverständlichkeit.

Flachdach

28. Dezember 2010

Gestrige Hiobsbotschaft seitens der Stadt Lingen (Ems). Das bis Donnerstag in der Sporthalle der Friedensschule an der Kiesbergstraße geplante Hallenturnier des TuS Lingen ist abgesagt worden. Die Stadt hat die  Halle gesperrt. Ob sie Einsturz gefährdet oder nur undicht ist, ist nicht bekannt (siehe jetzt aber den Nachtrag unten). Alle Versuche, das Hallendach von den Schneemassen zu befreien, seien „leider gescheitert und somit sah sich die Stadt genötigt, die Halle räumen zu lassen und bis auf weiteres zu sperren. Der TuS Lingen bedauert dies außerordentlich, hat jedoch auch Verständnis für diese Sicherheitsmaßnahme“, schreibt der Fußballverein auf seiner Internetseite.

Die Internetseite der Stadt schreibt vorsichtshalber nichts. Die LT informiert in ihrer online-Ausgabe bisher auch nicht (Ausriss lks.). Es sind ja auch nur knapp 200 Aktive und mehr als das Zehnfache an Zuschauern betroffen.

Also trauern wir mit dem TuS. Nicht nur, weil er in seinem 100. Jubiläumsjahr abgestiegen ist. Jetzt wird auch der krönende Abschluss gestrichen und damit „eine lieb gewonnene TuS-Tradition“ (wusste unsere LT). In diesem Jahr mit einem Höhepunkt: Das „TuS Lingen Mittendrin“-Team sollte Einlagespiele bestreiten. Man kann sich leicht vorstellen, wie sehr sich die Jungs auf diesen Auftritt vor großer Kulisse gefreut hatten.

Schade, es hätte das 25. Hallenfußball-Turnier um den Vitamalz-Cup in der Kiesberghalle werden sollen. Jetzt konnte der Schnee nicht beseitigt werden. Angeblich. Man muss eben Schwerpunkte setzen:

Zum Beispiel mit einer Diskussion über die Aufweitung des Foyers der Sporthalle für eine bessere Gastronomie. Erst später wies das Hallendach dann unverhofft  „einige Leckagen“ auf, die beseitigt werden sollten. Leider ist das nicht passiert.

 

Nachtrag:
Um jegliche Gefahr für Personen auszuschließen, bleiben  auch alle übrigen städtischen Sporthallen bis auf Weiteres gesperrt. Die vorhandene Schneelast liegt an der Grenze des Zulässigen. Sollte es wieder schneien, müssen die Dächer geräumt werden. Dies wird noch nicht ausgeführt, weil  zur Sicherung der Personen (abrutschen vom Dach bzw. Einsturz des Daches) keine Konstruktionen vorhanden sind. So müssten zur Sicherung der Personen Mobilkräne mit Sicherungsleinen bei der Räumung bereitgestellt werden. Auf diese Kosten möchte die Stadt Lingen verzichten und hofft, dass es taut und dass  es keine weiteren Schneefälle gibt.