10 mal 10 Minuten

25. Dezember 2019

Lönings Hauskonzerte
10 mal 10 Minuten
Jahresabschlusskonzert
Lingen (Ems) – Falkenstraße 17 

Samstag, 28. Dezember 2019 – 19 Uhr
Anmeldung notwendig

Da Peter und Stefanie Löning bekanntlich „von einem Hauskonzerte-Virus gepackt“ sind, schicken sie direkt nach dem aufregenden Beethoven-Klavierabend die Einladung zu ihrem 42. Hauskonzert.
„Auf Anregung einer ehemaligen Schülerin von Stefanie haben wir unser Publikum gefragt, ob es jemanden gibt, der einen Beitrag zu einem Jahresabschlusskonzert liefern wollte. Recht schnell waren es 18 Menschen, die in 10 mal 10 Minuten ein wohl über die Maße abwechslungsreiches Konzert gestalten werden. Dabei sind Rainer Rohe, Katharina Lorenz und Raimund Focks-Müter, die jeweils schon einmal einen ganzen Abend hier gestaltet haben. Mit dabei sind aber auch unsere Nachbarkinder Madelon und Jaïra Hibbel, die wahre Stammhörer sind bei unseren Hauskonzerten. Auch Felix Olschewski und Petar Sokacic sind absolute Stammgäste und werden hier musikalisch tätig. Mit dabei sind weiter Yvonne Büter, Tatiana Retmann und Marcel Portuis, Laura Freisberg sowie Elmar Brüggemann, André Dausin und Heike Wösten. Zwei Literaturbeiträge kommen von Jutta Over und Jasmin Rollmann. Natürlich spielen auch wir ein Stück. Jeder Beitrag ist streng auf 10 Minuten limitiert!“
Schon wegen der großen Zahl der Akteure ist die Zahl freier Plätze sehr begrenzt. Daher bitten Peter und Sefanie Löning, sich für diesen Abend möglichst bald anzumelden: mail(at)peterloening.de

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Foto: Stefanie und Peter Löning, @ privat

liegen lassen

21. Oktober 2019

Die Tage werden kürzer, die Blätter färben sich allmählich bunt und sammeln sich in Gärten und auf Wegen. Jutta Over (NABU Emsland/Grafschaft Bentheim) rät: „Im Garten sollte man das Laub nach Möglichkeit liegen lassen und so für einen geschlossenen Stoffkreislauf sorgen.“ Was auf den Rasen fällt, verteilt man am besten auf den Beeten. Denn während das verrottende Laub den Grashalmen nicht gut tut, liefert es für die Pflanzen im Beet wertvolle Nährstoffe. Zudem schützt es Pflanzen und Boden vor Austrocknung und Frost. Kleintiere in der Laubstreu verwandeln das Laub in Humus. Mit einem auf diese Weise aufgebauten, natürlichen Humusboden sind die Pflanzen besser gewappnet, falls wieder ein Dürresommer kommt.

Auch vielen tierischen Gartenbewohnern bietet das Laub in der kalten Jahreszeit Schutz: „Wenn man den Winter über Laubhaufen im Garten liegen lässt, profitieren davon zum Beispiel Igel, Erdkröten und Schmetterlingspuppen. Sie brauchen solche Winterquartiere“, sagt Over. Besonders wichtig seien Laub- und auch Reisighaufen für die Insektenfresser unter den Vögeln, die in der kalten Jahreszeit bei uns bleiben. Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle picken im Winter kleine Asseln und Spinnen aus dem Laub. Auch die Amsel scharrt hier gern.

Wer herabgefallene Blätter von Wegen entfernen und der Natur etwas Gutes tun möchte, entscheidet sich für Besen und Rechen. „Laubsauger oder Laubbläser richten großen Schaden an“, so die Biologin „Der Laubsauger saugt mit dem Laub auch Bodenbewohner wie Insekten und Regenwürmer auf, außerdem Frösche, Erdkröten und sogar kleine Igel.“ Spätestens die Häckselfunktion mancher Modelle töte die Tiere oder verletze sie schwer. Laubbläser seien kaum besser. Sie wirbeln Blätter und Tiere mit über 200 Stundenkilometern durch die Gegend. Dabei kommen viele Kleintiere ums Leben, die für die Natur und den Garten sehr wertvoll sind.

Laubsauger und -bläser stellten zudem durch die Lautstärke sowie die Abgase mit ihren Schadstoffen eine Belastungen für die Umwelt sowie Verwenderinnen und Verwender dar. Wer stattdessen zu Besen und Rechen greift, schont die Natur sowie die eigene Gesundheit und spart überdies Geld, so der NABU.

Viele Tipps für den naturnahen Garten gibt es zum Download hier.

Nachtrag: Den Tipp, das Laub liegen zu lassen, hatte vor 40 Jahren schon der Lingener Gartenarchitekt und spätere Naturschutzbeauftragte des Landkreises Klaus Strothmann parat. 


Text: PM des NABU; Foto: © Wilfried Jürges: Laubbesen

Moorbrand

28. August 2019

Ein Jahr nach dem Ausbruch des verheerenden Feuers im Naturschutzgebiet Tinner/Staverner Dose hat der NABU Emsland/Grafschaft Bentheim die Bundeswehr gelobt, weil -so der NABU-  „die Aufarbeitung seitens der Bundeswehr konsequent und fachlich fundiert vorgenommen wird“. Der NABU ist in einen Arbeitskreis zur Aufarbeitung des Moorbrandes eingebunden und hatte dort konkrete Vorschläge zur Wiedervernässung unterbreitet. „Wir begrüßen, dass die Bundeswehr inzwischen ein erstes Vernässungsprojekt im Riefmoor, nördlich der Brandfläche, auf den Weg gebracht hat“, sagt NABU-Geschäftsführerin Jutta Over. „Nun hoffen wir, dass auch im Kernbereich schnell Maßnahmen umgesetzt werden, denn angesichts der extremen Trockenheit ist es für das Moor sonst möglicherweise zu spät.“

Vertreter des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr hatten den NABU kürzlich zu einem Fachgespräch und einer Bereisung der Brandflächen eingeladen. Hierbei sei der NABU über die laufende Biotopkartierung und erste Ergebnisse informiert worden.

Entsetzt waren die Naturschützer beim Anblick der Brandflächen am Ostrand des Gebietes. Hier seien „400 ha feuchte Moorheide vom Feuer zerstört“ worden. Der aschebedeckte Boden sei nun übersäht mit Pappel- und Birkenschösslingen. Aufgrund der höheren Lage und der damit verbundenen Trockenheit sowie der Belastung mit Munition im Untergrund erscheine es kaum möglich, die Feuchtheide kurzfristig wieder herzustellen. Die Feuchtheide ist ein europaweit streng geschützter Lebensraumtyp, die Vorkommen in der Tinner/Staverner Dose sind herausragend, was ihre Größe und Pflanzenzusammensetzung betrifft.

Auf den etwas tiefer liegenden Flächen am Westrand des Gebietes dominiert derzeit das Pfeifengras (Molinia caerulea; Foto), das nach dem Feuer sehr schnell wieder ausgetrieben ist. „Das Pfeifengras kommt in degenerierten Hochmooren vor, bei denen der Wasserstand stark schwankt. Wenn es gelingt, die Flächen stärker zu vernässen, kann sich hier durchaus wieder eine vielfältige Moorpflanzengesellschaft ansiedeln. In der Umgebung sind noch einige besser ausgestattete Flächen vorhanden, die als Ausbreitungszentren dienen können“ erläutert Biologin Jutta Over. Allerdings müsse man bedenken, dass das Moor nicht nur dem Moorbrand, sondern auch zwei Dürresommern und einem permanenten Nährstoffeintrag aus der Luft ausgesetzt war. Dadurch könne sich die Pflanzenzusammensetzung durchaus verschieben. Typische Moorpflanzen haben es immer schwerer, unter solchen Bedingungen zu wachsen.

Vor diesem Hintergrund fordert der NABU die Schaffung einer extensiv genutzten Pufferzone und das Heraustauschen oder Herauskaufen von privaten Flächen aus dem Gebiet. Nur dann sei ein Naturschutz- und Wassermanagement in dem Umfang möglich, wie es der Bedeutung des Gebietes entspricht.“


(Quelle: PM NABU; Foto: David J. Stand Creative Commons Attribution-Share Alike 4.0 International)

Schwalbenschutz

2. Januar 2014

Rauchschwalbe / Barn Swallow / Hirundo rusticaMit seinem Projekt zum Schwalbenschutz hat der NABU Niedersachsen im Jahr 2013 viele Menschen begeistern können: Hunderte von Hausbesitzern bewarben sich um die Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“. Insgesamt wurden über 800 Häuser mit der Plakette ausgezeichnet. An oder in diesen Gebäuden wohnen insgesamt 7.365 Schwalbenpaare. Dabei handelt es sich bei gut 4.000 Paaren um Mehlschwalben, die in Kolonien an der Außenwand der Häuser brüten. Die übrigen Paare waren Rauchschwalben, die ihre Nester in Stallungen, Garagen oder Carports gebaut hatten.

„Dieses Ergebnis hat uns doch überrascht“, erklärte Diplom Biologin Jutta Over aus Meppen, die das NABU-Projekt ‚Schwalben willkommen‘ koordiniert: „Wir hatten nicht erwartet, dass die Menschen gerade den Rauchschwalben so große Sympathie entgegenbringen, denn immerhin ist es nötig, diesen Vögeln Türen und Fenster zu öffnen und sie mitten im Gebäude zu dulden. Viele Schwalbenfreunde berichteten sehr liebevoll von ihren gefiederten Untermietern, die oft schon seit vielen Jahren zum selben Ort zurückkehren und jedes Jahr in zwei Bruten 6, 7 oder sogar 10 Junge zur Welt bringen.“

Um Akzeptanz zu kämpfen hätten vielmehr die Mehlschwalben, denn von den außen am Gebäude angebrachten Nestern kleckere einiges herab und das sei dann öffentlich sichtbar. Allerdings könne man durch ein Kotbrettchen leicht Abhilfe schaffen, auch die Aufklärung darüber sei Bestandteil des NABU-Projektes. Der NABU stellt für schwalbenfreundliche Häuser auch Kunstnester zur Verfügung, um die verbleibenden Mehlschwalbenkolonien weiter zu stärken.

Besonders beliebt sind die Schwalben offenbar im Harz – so konnte der NABU Osterode 62 schwalbenfreundliche Häuser auszeichnen. 662 Schwalbenpaare fanden dort ein Zuhause. Aber auch beim NABU Uelzen war die Nachfrage sehr groß: Hier wurden 56 der begehrten Plaketten verliehen, 645 Schwalbenpaare verteilten sich auf diese Häuser. Aus Bremervörde und Cuxhaven meldeten ebenfalls besonders viele Menschen Ihre Schwalbennester. In der Wesermarsch und im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurden sogar schwalbenfreundliche Schulen und Kindergärten ausgezeichnet. Die NABU-Kindergruppe Wedemark legte Lehmpfützen an, um den Schwalben den Nestbau zu erleichtern und auch beim NABU Hann. Münden wurden die Jüngsten aktiv und bauten Nester aus einem Lehmgemisch. Einige NABU-Gruppen führten Zählungen durch, um sich einen Überblick über die Verbreitung der gebäudebewohnenden Vögel zu verschaffen, so in Hermannsburg, der Samtgemeinde Meinersen und in Hameln-Pyrmont. Die Ortschaft Großenwieden wurde daraufhin auch gleich als „Schwalbendorf“ ausgezeichnet, so viele Nester hatten die Naturfreunde dort festgestellt.

Das Projekt befindet sich nun erst einmal in der Winterpause. Wenn die Schwalben im April aus Afrika zurück sind und wieder ihre Stammplätze beziehen, können sich Hausbesitzer wieder um die Plakette „Schwalbenfreundliches Haus“ im NABU Niedersachsen Projekt bewerben.

Das Projekt wird auch von der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gefördert. Weitere Projektinformationen hier. 

(Quelle: NABU/PM Foto: Rauschwalbe © Erhard Nerger)

unterschätzt

17. April 2011

Sind die schweren Umweltschäden im Dortmund-Ems-Kanal zwischen Lingen (Ems)  und Meppen durch eine zu schnelle Freigabe des Kanals nach der Tankerexplosion im ERE-Hafen mitverursacht worden? Das glauben nicht nur  Umweltschützer und sagen: „Das Fischsterben lässt sich nicht allein mit dem Sauerstoffmangel im Gewässer erklären“, so Marike Boekhoff (NABU Niedersachsen) am Wochenende in Leer. Sie warnt: „Es gibt toxische Stoffe, die noch lange anwesend sein werden“.

Nach der Explosion des Tankschiffs Alpsray avor drei Wochen beim Beladen an der Lingener BP-Raffinerie flossen große Mengen Superbenzin in den Dortmund-Ems-Kanal (kurz: DEK). Die Feuerwehr setzte Löschschaum ein, um ein Übergreifen der Flammen auf zwei weitere Tankschiffe und die Ladeanlagen der ERE zu verhindern. Bereits drei Tage später wurde der mit Benzin und Löschschaum verdreckte Kanal wieder für die Schiffahrt freigegeben. Im Anschluss verendeten in dem Kanalabschnitt zwischen dem ERE-Hafen und Meppen-Varloh fast der komplette Fischbestand.

Der  Landkreis Emsland führte nach mehrtägigem Schweigen das große Fischsterben vor allem auf den zu geringen Sauerstoffgehalt im Kanal zurück, der seinen „Grund in dem Abbau des Löschmittels“ habe. „Das Sauerstoffproblem wird sich wahrscheinlich relativ schnell lösen“, sagte dazu NABU-Expertin Boekhoff. Noch gar nicht geklärt sei aber die Frage, welche sonstigen Schadstoffe in den Kanal gelangt und wie stark die Fische belastet seien.  „Die Fische kann man im Moment nicht essen. Aber auch, wenn neuer Fisch einwandert, kann es sein, dass diese Bestände immer wieder kontaminiert werden, weil das Sediment kontaminiert ist, oder die Ufer oder die Algen“, erläuterte Boekhoff. Wann man es wieder wagen könne, Fische aus dem Kanal zu essen, könne derzeit niemand sagen.

Es sei ein Fehler der Verantwortlichen gewesen, den Kanal schon zwei Tage nach dem Unglück wieder für die Schifffahrt freizugeben, meinte die Expertin. Zwar seien große Mengen des Löschschaums abgesaugt worden, aber zum Zeitpunkt der Freigabe seien noch viel Schaum und Benzin im Kanal gewesen, was durch die Schiffe immer wieder neu hochgeschäumt worden sei. „Ich glaube, das haben sie ganz massiv unterschätzt“, sagte Boekhoff.

Damit widersprach die Umweltschützerin direkt dem emsländischen Landrat Hermann Bröring (CDU). Der hatte die Folgen für die Umwelt deutlich relativiert und gesagt, es sei „zu bedenken, dass durch das Löschen des Brandes in Lingen ein mögliches Übergreifen auf die Raffinerie und damit Schlimmeres verhindert werden konnte. Die Verhältnismäßigkeit der Situation darf nicht aus dem Blick geraten.“

Mich überzeugt das nicht, zumal der Landkreis zeitgleich  mit Begriffen den Bürgern Handlungskraft vorgaukelt, die er nicht hat:  Monitoring ist so ein Begriff. Der Landkreis wolle ein Monitoring, hieß es. Das heißt im Kern nichts anderes, als „eine längere Zeit“ (wie lange wird verschwiegen) systematisch tote Fische und Wasserproben untersuchen zu lassen, also den Ist-Zustand festzustellen.  Die offenkundigen Versäumnisse der Behörden werden damit nicht ungeschehen und -ganz ehrlich- ich höre sie nach dem Ende der Untersuchung  heute schon „unterstreichen, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung für Mensch, Natur und Umwelt bestanden hat, weil …“  und frage mich, ob trotz des eingesetzten giftigen Löschschaums die entsprechende Presseerklärung bereits  vorformuliert und fertig ist.

Genauso vordergründig ist für mich Brörings Aussage, dass  „bislang fünf bis sechs Zentner verendeter Fisch der Tierkörperbeseitigung zugeführt worden“ seien.  „In der Hauptsache  Rotauge, Flussbarsch und Aal, aber keine besonders geschützten Arten.“  Er sagt es nicht, aber meint wohl „nur fünf bis sechs“ – was sonst?!  Dabei sprechen Angler längst  von weitaus größeren Mengen getöteter Fische und erwähnen neben dem gefährdeten Aal auch Hechte und Zander. Nun,  Brörings Schlussfolgerung scheint zu sein, der Schaden sei nicht umfangreich genug, um konsequent zu handeln. Die Sperrung sei unverhältnismäßig; denn die „Meppener Tagespost“ zitiert ihn so:

„Unter den gegebenen Umständen ist es unverhältnismäßig, den Schifffahrtsbetrieb zu untersagen. Es ist mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Meppen vereinbart worden, dass ein Schleusenbetrieb mit sparsamer Wasserabgabe erfolge, um den relativ guten Sauerstoffwert nördlich der Schleuse (Varloh) zu erhalten.“

Sparsame Wasserabgabe? Das steht im Widerspruch zu den Angaben des Bröringschen Landkreises von Anfang der  Woche. Da hatte es aus dem Landkreis mit Blick auf die verendenden Fische geheißen: Mit der Erhöhung der Fließgeschwindigkeit im Kanal und der Belüftung werde versucht, das Sauerstoffdefizit zu verringern. (update vom 19.04.: Und das untereicht die Behörde aktuell  erneut) Und Reinhard Lömker Untere Wasserbehörde unserer Stadt Lingen, sagte Anfang der letzten Woche,  Ziel sei es jetzt, dass das schadstoffbelastete Wasser durch möglichst viel Bewegung im Kanal verdünnt wird. Der Naturschutzbund NABU hatte diese Strategie als schlechte Notlösung kritisiert:  „Mit jeder Schleusung werden die Schadstoffe weiter diffus verteilt“, sagte Jutta Over (NABU Meppen). Jetzt also wird nur sparsam das Wasser bewegt. Vor Hintergrund von Fischsterben, Superbenzin und Schaum im Kanal hatte Jutta Over schon vor einer Woche die Frage gestellt, ob der Kanal nicht zu schnell wieder für die Schifffahrt freigegeben worden sei. Im Internet findet sich ein selbst gestricktes Youtube-Video, dessen inhaltliche Aussagen man nicht teilen muss, das aber authentisch und ungeschminkt den ungereinigten Zustand des DEK (direkt nach der Explosion!) und die Folgen zeigt.

Das kilometerlange Fischsterben hätte vermieden werden können, wenn der Kanal erst wieder geöffnet worden wäre, nachdem alle  Lösch- und Benzinrückstände mit Spezialschiffen und Fahrzeugen aufgenommen gewesen wären. Aber das war nicht nur dem sinnfrei-dynamischen Landrat  unverhältnismäßig.  Das Wasser sei bestmöglich gereinigt worden, hatte auch Reinhard Lömker gemeint. Genau das ist es natürlich nicht, und ich ärgere mich über solche falschen Aussagen.  Man hätte es viel besser machen können und müssen, aber ein gründliches Schadensbeseitigung hätte dann deutlich mehr Geld gekostet. Und da denkt man lieber an die Haftpflichtversicherungen oder die BP, die die Kosten der Schadensbeseitigung  bezahlen, und die Binnenschiffer und ihre Gesellschaften, die den Dortmund-Ems-Kanal schnell wieder benutzen wollen.

(Foto:  Dortmund-Ems-Kanal und  BP-Raffinerie – vor der Explosion  Alle Rechte vorbehalten von Greune Stee, flickr.com)

Umweltkatastrophe

12. April 2011

Die Tankerexplosion im Hafen der BP-Raffinerie und die anschließenden Löscharbeiten haben zu einer regionalen Umweltkatastrophe geführt. Das ist inzwischen klar. Klar ist auch, dass die Behörden dieser Umweltkatastrophe hilflos gegenüber stehen. Sie fordern zwar dazu auf, keine Fische zu verzehren, die im Dortmund-Ems-Kanal gefangen worden sind. Aber diese und ihreanderen Reaktionen wirken reichlich hilflos.

Die Warnung vor dem Fischverzehr können sie sich ruhig schenken. Ich kann mir niemanden vorstellen, der aus der aufgeschäumten Wasserbrühe Fisch angelt.  Es gibt wohl ohnehin kaum noch Fische in dem Gewässer zwischen Holthausen und Meppen, seit es mit Löschschaum und Benzin kilometerlang verschmutzt ist. Beschleunigt durch die Schleusungen fließt es langsam aber stetig in Richtung Ems. Unterwegs gibt es tonnenweise tote Fische. Das bestätigt auch Reinhard Lömker, Leiter der Unteren Wasserbehörde der Stadt Lingen (Ems).   Mitglieder des Angelsportvereins Meppen bergen derweil noch lebende Tiere und bringen sie in andere Gewässer. „Ob wir die Tiere dadurch wirklich retten, wissen wir nicht“, sagt Vereinssprecher Dieter Heuwers.

Umweltschützer und Angler kritisieren immer heftiger das Katastrophenmanagement der Behörden. Der Landkreis sei überhaupt nicht vorbereitet auf die Katastrophe. Maria Feige-Osmers (BUND Emsland) bezeichnet das Geschehen als „Umweltsauerei“. Jutta Over (NABU Emsland) beanstandet, dass „die ökologischen Ausmaße der Katastrophe von den Behörden verharmlost werden.“ Neben dem Löschschaum seien auch Tausende Liter Benzin in den Kanal geflossen. Dort fließe jetzt „eine hochgiftige wasserlösliche Emulsion, die von Wassertieren auch über Haut und Kiemen aufgenommen werden.“ Gewässersohle, Steinschüttungen und Uferstauden seien wohl auf längere Zeit verseucht. Vorübergehende Sauerstoffarmut durch den Abbau der Löschschäume reiche als Erklärung für das Fischsterben nicht aus, sagte die Biologin zur „Meppener Tagespost“.

Das Prinzip, mit dem die Behörden agieren, ist ebenso simpel wie gefährlich: Verdünnen. Aber das, so Juklia Over, löst das Problem nicht, „weil sich die toxischen Stoffe anreichern. Mit jeder Schleusung werden die Schadstoffe weiter diffus verteilt. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, ob der Kanal nicht zu schnell wieder für die Schifffahrt freigegeben worden ist.“

Die Freiwillige Feuerwehr Meppen versuchte gestern erneut das sauerstoffarme Kanalwasser zu belüften – wie schon am vergangenen Freitag, als auch die Feuerwehren aus Bawinkel, Osterbrock und Emsbüren mithalfen. Beim Landkreis Emsland hieß es derweil, der Sauerstoffgehalt unterhalb der Schleuse Meppen betrage bis zu 8 Milligramm pro Liter. Das bedeute keinerlei Gefährdung für Lebewesen. Der Wahrheitsgehalt dieser Aussage ist offenbar so niedrig wie der Sauerstoffgehalt im Kanal, der alle Fische ersticken lässt.  Denn MT-Redakteur Tobias Böckermann zitiert „Beteiligte vor Ort“.  Nach ihren Angaben lag der Sauerstoffwert im Kanal direkt unterhalb der Schleuse Varloh keineswegs bei 8 Milligramm sondern  zwischenzeitlich bei tödlichen 0,2 Milligramm. Der biologische Abbauprozess des verbliebenen weißen Löschschaums zehrt so viel Sauerstoff aus dem Wasser, dass die Fische ersticken. Vom Sauerstofftod bedrohte Aale springen im Todeskampf an Land.  Zu beklagen sind längst auch tote Hechte und Zander.

Ein weiteres Versäumnis: Sie Verantwortlichen im Kreishaus haben bislang keine Fische auf Schadstoffe und Gift untersuchen lassen. untersuchen lassen. „Wir wissen einfach nicht, was man tun kann oder tun müsste“, beklagt Dieter Heuwers vom Anglersportverein Meppen gegenüber der MT. „Wenn die Fische nur am Sauerstoffmangel eingegangen sind, dann besteht ja keine weitere Gefahr. Wenn aber auch Gift im Spiel ist, dann hätte man die Kanalufer sperren oder zumindest Warnschilder aufstellen müssen.“

Ziel der Behörden ist jetzt, dass sich „das schadstoffbelastete Wasser durch möglichst viel Bewegung im Kanal“ verdünnt. Der NABU kritisiert dieses Vorgehen als „schlechte Notlösung“. Und: Noch immer schweigen die Wasser- und Umweltbehörden darüber, welche Stoffe sich seit der Explosion im Kanalwasser befinden.  Mit der Erhöhung der Fließgeschwindigkeit im Kanal und der Belüftung werde versucht, das Sauerstoffdefizit zu verringern. „Weitere technische, mechanische oder biologisch-chemische Maßnahmen sind nicht möglich.“ Sobald das belastete Wasser die Hase und die Ems erreiche – voraussichtlich in mehr als drei Tagen –, sei mit einer Entspannung der Situation zu rechnen, da neben einer starken Verdünnung der Rückstände zugleich ein hoher Sauerstoffeintrag erreicht werde. Wer’s glaubt…

Christoph Elbert, Vorsitzender des Angelsportverein Meppen ist realistischer: „Dass die Natur sich wieder regeneriert, wird wahrscheinlich Jahre dauern.“  Dafür gibt es ein Beispiel, weiß MT-Redakteur Tobias Böckermann: Vor vier Jahren  hatten Löschschäume im Saarland das Wasser des Flusses Blies so verunreinigt, dass das Angeln 14 Monate lang verboten war.  Die Schäume enthalten auch  PFOS (Perfluorooctane sulfonic acid). Der  Stoff wird von der Europäischen Union  gemeinsam mit dem berüchtigten DDT genannt und  ist ab  Mitte des Jahres EU-weit verboten. Bei dem Tankerunglück in Lingen kam er aber noch legalerweise zum Einsatz . PFOS-Schaum erleichtert das Löschen von brennenden Flüssigkeiten, reichert sich aber in der Tier- und Umwelt an und ist stark  gesundheitsschädlich.

Ach ja: BP schweigt. Und irgendwer dröhnt sicherlich auch wieder, dass zu keiner Zeit eine Gefährdung der….

(Quellen: Meppener Tagespost, NDR; PFOS-Formel Grafik: wikipedia CC)