100 Jahre SPD Lingen

17. November 2019

Am Samstag hat die Lingener SPD im ITEL-Zentrum ihren 100. Geburtstag gefeiert, also da, wo die Herzkammer der Sozialdemokratie war – im ehemaligen Ausbesserungswerk der Bahn. Dabei hielt u.a. der langjährige Vorsitzende der SPD-Ratsmitglieder Hajo Wiedorn einen Rückblick auf die Geschichte der lokalen SPD von 1945 bis heute, den ich hier wiedergeben darf. Die werte Leserschaft darf den Longread durchaus auch lesen.

„Die SPD in Lingen von 1945 bis 2019

Ich beginne mit einem Zitat aus dem Festvortrag von Willi Wolf zum 60-jährigen Bestehen der SPD in Lingen, das wir 1979 gefeiert haben:

„Nach 1945 kam der tiefste Impuls für den sofort einsetzenden Willen zum Neuaufbau aus den grauenhaften Leiden und Verfolgungen der Hitlerzeit. Die sie überlebten, waren nicht entmutigt, nicht von Rachegefühlen erfüllt. Ihr einziges Streben war, Deutschland eine Grundlage zu geben, die eine Wiederholung der Schrecken der Vergangenheit ausschließt.“

So hat es auch Kurt Schumacher bei anderer Gelegenheit ausgedrückt und das hatte sicher auch für Lingen Gültigkeit.

Am 12. Oktober 1945 wurde der erste Stadtrat in Lingen von der britischen Besatzungsmacht eingesetzt. Die Sozialdemokraten Wilhelm Engelke, August Hundertmark, Heinrich Melcher und Heinrich Wemhörner gehörten dazu.

Ein Jahr später, am 15. September 1946 gab es die erste freie Kommunalwahl nach dem Krieg. Die Sozialdemokraten erhielten 28,8 % der Stimmen, die CDU 57,1 %, das Zentrum 9,5 % und die KPD 4,8 %. Das ergab eine Sitzverteilung von 6 für die SPD, 12 für die CDU, 7 für das Zentrum und 1 für die KPD.

Die sechs Mandatsträger der SPD waren Heinrich Bergjohann, Wilhelm Engelke, Hermann Hantelmann, Heinrich Lüssling, Helene Müller und Heinrich Wemhörner. Weitere Personen der Handlung in dieser Zeit waren Erich Tautz und Georg Wiedorn, letzterer in der damals selbständigen Gemeinde Holthausen und nach Umzug in Biene, und bis zu seinem Tod im Jahre 1966 im Kreistag des Landkreises Lingen. Nicht zu vergessen Emil Hagemann in Brögbern und Bernhard Meiners in Baccum.

Auch eine SPD-Parteigliederung wurde 1947 wieder ins Leben gerufen. 1947 wurde Heinrich Bredigkeit zum ersten Nachkriegsvorsitzenden der Lingener SPD gewählt. Er übte dieses Amt bis 1953 aus.  Seine Weggefährten waren Abbo Adam, Franz Grünhagen, Willi Testorf, Änne Keppler, Wilhelm Haarlammert, Hans Müller, Heinz Klocke und Karl-Heinz Melcher. Diese Aufzählung kann nur beispielhaft sein und ist auf keinen Fall vollständig.

Auf Heinrich Bredigkeit als Vorsitzender folgte im Jahr 1954 Ferdi Stümer. Bei der Wahl 1954 zog Ferdi Stümer  über die Landesliste in den Deutschen Bundestag ein, dem er bis 1957 angehörte.

Als Ortsvereinsvorsitzender folgten ihm 1956 Wilhelm „Willi“ Haarlammert  und 1957 Bernhard Niehoegen. Bernhard Niehoegen verstarb nach nur 2 Monaten in diesem Amt. Sein Nachfolger war Willi Wolf, vielen von uns noch persönlich bekannt und in guter Erinnerung. Er gehörte von 1963 bis 1976 dem Deutschen Bundestag und viele Jahr dem Rat der Stadt Lingen und auch dem Kreistag an.

Ihm folgte Heinz Wolf und 1967 ging der Vorsitz an den langjährigen Schriftführer Erich Tautz, dem 1969 Werner Wolters folgte. Dessen plötzlicher Tod im Jahr 1978 hinterließ eine schmerzliche Lücke. Dieter Hoffmann folgte als Vorsitzender. Nach Querelen bei der Aufstellung der Kandidaten zur Kommunalwahl 1981 trat er zurück.

Es folgte Robert Koop, der das Amt bis ins Jahr 2000 ausübte. Mit fast 20 Jahren Amtszeit ist er bis heute Rekordhalter in diesem Amt. Er gehört auch heute noch dem Rat der Stadt Lingen als dienstältestes Mitglied an. Leider hat er die SPD verlassen.

Am 28.05.2000 wurde Jürgen Schonhoff zu seinem Nachfolger gewählt. Ihm folgten 2002 Jörn Laue-Weltring, 2007 Dr. Thomas Stockmann und 2009 erneut Jürgen Schonhoff. 2011 übernahm Andreas Kröger den Vorsitz und seit 2018 ist der Ortsvereinsvorsitz bei  Carsten  Primke in guten Händen. Ihnen allen gebührt Dank und Anerkennung für die im Laufe der vielen Jahre geleistete Arbeit.

Bis zur Gemeindereform im Jahre 1974 gab es SPD-Ortsvereine auch in den bis dahin selbständigen Gemeinden Holthausen-Biene, Brögbern und Altenlingen. Den Vorsitz in Altenlingen hatte Wolfgang Ploeger inne, in Brögbern war es Emil Hagemann und in Holthausen-Biene war ich seit 1966 im Amt, das ich als Nachfolger meines Vaters übernommen hatte. Alle Beteiligten waren sich einig, das es sinnvoll ist, sich zusammen zu schließen und die Kräfte zu bündeln. Und im Rückblick ist zu sagen, dass dieser Zusammenschluss zum Vorteil für alle wurde. Das gilt übrigens auch für die Gemeindereform.

Dass uns trotz dieser Vorgeschichte noch einmal der Spaltpilz befallen würde war wohl dem Geltungsbedürfnis einzelner Personen zu verdanken. Nach dem Motto „wenn ich schon keine Mehrheit für meine Ideen finde mache ich mich selbständig“ wurde im Ortsteil Baccum ein neuer Ortsverein gegründet. Wenige Monate später folgte Brögbern.  Und so musste dem Statut der SPD folgend ein Stadtverband gegründet werden, was 2011 erfolgte. Vorsitzender des Stadtverbandes ist Carsten Primke. Die Schlagkraft der SPD wurde durch die Zersplitterung sicher nicht erhöht.

Ich habe bereits das Wahlergebnis von 1946 mit 28,8 % der Stimmen erwähnt. Die SPD konnte sich in Lingen bis 1972 auf 41,9% steigern. Durch die Eingemeindung der 9 ländlichen Umlandgemeinden wurde dieser Höhenflug aber jäh gestoppt. Bei der Kommunalwahl im Jahr 1976 waren es 32,7%. Seit 2019 verfügt die SPD über 9 Mandate bei einem Stimmenanteil von 20,8 %. Zur besten Zeit hatte die SPD  14 Mandate im Stadtrat.

Aber was geschah dort wo die in den Parteigremien erarbeiten Ideen und Vorschläge umgesetzt werden, in Stadt- und Ortsräten? Die im Stadtrat für die SPD handelnden Personen waren weitgehend die gleichen, die anfangs auch die Vorstände bildeten. Durch die gleichzeitige Tätigkeit in Parteivorstand und Stadtrat war ein hohes Maß an Kontinuität gewährleistet. Klaus Schumacher, Heinz Schmidt, Werner Wolters, Martin Braese waren Fraktionsvorsitzende und einige Jahre habe auch ich die Stadtratsfraktion geleitet. Einige erinnern sich vielleicht noch daran. Es folgte Bernhard Bendick und jetzt leitet Edeltraut Graeßner die Fraktion.

Unvergessen sind Ruth West, Christoph Westermann, Jutta Strohmayer, Hagen Trautmann, Trudi Schellmann, Harald und Helmut Höhne, Gerd Rachut, Richard Senst, Hans Riddering, Michael Fuest, Gerhard Kastein und Klaus Schumacher. Letzterer wurde später Landesgeschäftsführer der SPD Niedersachsen. Und auch die DGB-Kreisvorsitzenden Helmut Hartmann und Johannes Jakob waren für die SPD im Stadtrat aktiv. Sicher kann auch diese Aufzählung nur beispielhaft sein.

Natürlich darf der Name Elke Müller nicht unerwähnt bleiben. Vom Niederrhein war sie nach Lingen gezogen, wo sie sich sehr schnell in der Kommunalpolitik engagierte. Von 1986 – 1996 gehörte sie dem Stadtrat an. In diese Zeit fällt die Einrichtung der „Gesamtschule Emsland“, die maßgeblich von ihr beeinflusst wurde. 1990 wurde sie in den Niedersächsischen Landtag gewählt. Ihrem unermüdlichen Einsatz ist die Einrichtung der Hochschule als auswärtigem Standort der Hochschule Osnabrück zu verdanken. Heute bietet der „Campus Lingen“ Platz für 2.300 Studierende. Leider ist Elke Müller schon 2014 gestorben.

Wir hoffen nun auf die Benennung einer Straße nach Elke Müller. Wie auch seit 2015 ein Antrag der AWO auf Benennung einer Straße nach der Begründerin der Arbeiterwohlfahrt Marie Juchacz im Rathaus vorliegt. Wir hatten auf Realisierung im Jubiläumsjahr 2019 gehofft, leider vergeblich. Aber wenn ich daran erinnere wie lange es gedauert hat, auf Vorschlag der SPD und vor allem Robert Koop den Gertrudenweg in Synagogenstraße umzubenennen, es waren 12 Jahre, besteht ja noch Hoffnung, das bis zum nächsten Jubiläum realisieren zu können.

An der rasanten Entwicklung der Stadt Lingen seit 1945 will ich versuchen, die Rolle der Sozialdemokratie zu erläutern.

Bereits kurz nach dem Kriegsende wurde im Norden der Stadt, in der damals selbständigen Gemeinde Holthausen, die Erdölraffinerie gebaut. Für die dort tätigen Arbeiter entstand als Wohnstätte der Stadtteil Heukampstannen. Die Erdölraffinerie ist noch heute ein wichtiger Arbeitgeber in unserer Stadt und hat gerade erhebliche Investitionen in die Zukunft getätigt. Das dafür wieder einmal stadtnahe Waldflächen geopfert wurden trübt die Freude allerdings.

1966 ging das erste Atomkraftwerk in Betrieb. Es wurde aber schon 1977 wieder abgeschaltet. Wegen zahlreicher Pannen hat das AKW aber  nur an 1.000 Tagen wirklich Strom erzeugt. Anfangs waren viele Menschen in Lingen stolz daraif, eine so moderne Technologie hier zu haben. Die Beigeisterung wich aber nach und nach der Ernüchterung und als das jetzt noch in Betrieb befindliche Atomkraftwerk in die Planung ging, regte sich auch in Lingen heftiger Widerstand.

Als ich in der Planungsphase dem späteren Leider des AKW erklärte, dass ich den Bau eines solchen Kraftwerkes nicht befürworten könne weil die Frage der Endlagerung des radioaktiven Abfälle ungelöst sei, beruhigte mich jener mit dem Hinweis, das sei bis zur Inbetriebnahme des Kraftwerkes sicher erledigt. Die Inbtriebnahme erfolgte  1988. Wie weit das Problem der Endlagerung gelöst werden kann ist auch 30 Jahre später noch nicht zu sagen…

Die Diskussion innerhalb der SPD-Fraktion über den erforderlichen Bebauungsplan war leider wenig erfreulich. Nachdem lange Zeit Einigkeit darüber bestand, diesen abzulehnen, entschied sich in letzter Minute die Mehrheit der Fraktion dafür, dem Bebauungsplan zuzustimmen. Nur noch 4  Fraktionsmitglieder entschieden sich dagegen. Ich gehörte dazu.

Einhergehend mit der Bau des Atomkraftwerkes entstand im Norden der Stadt der Speichersee. Dafür wurden über 300 ha geschlossene Waldfläche geopfert. Auch gegen dieses Bauvorhaben gab es Proteste aus der Bevölkerung. Und dem ist es wohl zu verdanken, dass das Speicherbecken nicht für 4 Atomkraftwerke sondern nur für 2 ausgelegt wurde. Heute wird überlegt, was mit dem Speichersee geschehen soll wenn 2022 das Ende der Atomkraft gekommen ist.

Ein wichtiger Punkt in der Stadtentwicklung war der Bau der Umgehungsstraße. Dadurch konnte der bis dahin durch Stadt fließende Durchgangsverkehr aus der Stadt heraus gehalten werden. Und so war es nur logisch, dass die Lingener Jusos mit dem Vorschlag kamen, einen Fußgängerbereich in der Innenstadt einzurichten. Die bis dahin als Durchgangsstraßen genutzte Burgstraße, die Lookenstraße, die Große Straße, der Marktplatz und die Marienstraße sollten vom Straßenverkehr frei gehalten und zur Fußgängerzone werden. Erster Kommentar eines maßgeblichen Kommunalpolitikers war „jetzt sind die total verrückt geworden“.  Auch hier kann ich nur sagen, urteilen sie selbst.

In diesem Zusammenhang sind auch der Bau der Tiefgarage unter dem Marktplatz sowie des Parkhauses an der Neuen Straße und die Tiefgarage unter dem Pferdemarkt zu nennen.

Einhergehend mit dem Krankenhausneubau entstand auch dort eine großzügig angelegte Tiefgarage. Das St. Bonifatius-Krankenhaus ist für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung, auch über Lingen hinaus, eine wichtige Einrichtung. Und die Bedeutung als Arbeitgeber ist ebenfalls beachtlich.

Leider mussten die lange Jahre als wichtiger Arbeitgeber auftretende Wäschefabriken in Folge des Strukturwandels in der Textilindustrie ihren Betrieb einstellen. Heute haben die Stadtwerke in den Räumen der früheren Wäschefabriken ihren Sitz.

Die Gründung der Hochschule habe ich bereits im Zusammenhang mit Elke Müller erwähnt. In den Hallen des früheren Eisenbahn-ausbesserungswerkes konnten dafür geeignete Räumlichkeiten geschaffen werden. Vorausgegangen waren erhebliche Investitionen der Stadt bei der Sanierung der Gebäude. Und ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass der damalige Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring bei der Durchsetzung dieser Investitionen eine herausragende Rolle gespielt hat.

Wie gut dieses Geld mit Blick in die Zukunft angelegt wurde kann heute jeder sehen, der die Entwicklung des „Campus Lingen“ beobachtet. Mittlerweile studieren hier über 2.000 junge Menschen. Die auf der östlichen Seite der Kaiserstraße liegenden Wohnungen, im Volksmund mittlerweile „Legoland“  genannt, erfreuen sich bei den Studierenden großer Beliebtheit.

Die Ansiedlung der Hedonklinik in Laxten, östlich der Umgehungsstraße, war ein von vielen kritisierter Schritt. Sollte doch die Bebauung nach Meinung vieler nicht über diese Verkehrsachse hinausgehen.

Zu erwähnen sind sicher auch der Bau der Emslandhallen und der Emslandarena. Die Emslandhallensollten die früheren Viehmarkthallen ersetzen. Lingens Nutzviehmarkt war einer der größten im Nordwesten. Durch den Strukturwandel in Landwirtschaft und Viehzucht verlor dieser aber zunehmend an Bedeutung. Und so werden die Emslandhallen heute für vielerlei Veranstaltungen, Ausstellungen und Events genutzt.

Die noch junge EL-Arena sticht mit vielerlei Großveranstaltungen hervor und findet ihr Publikum auch in weit entfernten Bereichen, weit über die Grenzen des Emslandes hinaus und auch in den benachbarten Niederlanden. Mit der Bundesligamannschaft HSG Nordhorn/Lingen hat die Arena ein Heimteam. Besondere Höhepunkte der Veranstaltungen waren sicher das Konzert mit Bob Dylan und im letzten Sommer Sting.

Eine schmerzliche Maßnahme war der Abzug der Bundeswehr aus Lingen. Viele haben sich bemüht, den Standort Lingen zu erhalten. So waren der damalige Ortsvereinsvorsitzende Jürgen Schonhoff  und ich zu einem Gespräch nach Berlin gefahren. Wir wollten den Bundesverteidigungsminister Rudolf Scharping von der Bedeutung des Bundeswehrstandortes überzeugen, mussten uns allerdings mit der Staatssekretärin Schulte begnügen. Sie zeigte sich sehr gut informiert über die Situation und war uns gegenüber sehr aufgeschlossen. Erfolg war uns trotzdem  nicht beschieden.

Auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände ist zwischenzeitlich ein attraktives Wohngebiet, der Emsauenpark, entstanden. Es wirkt dort zwar noch vieles ein wenig steril, aber im Laufe der Zeit sich das sicher ändern.

Besonders erwähnen möchte ich die Ereignisse um den Mauerfall und die Wiedervereinigung Deutschlands. Schon lange bestand der Wunsch nach einer Städtepartnerschaft mit einer Stadt in anderen Teil Deutschlands. Es gab bereits Kontakte der  evangelischen Kirche ins sächsische Marienberg, mitten im Erzgebirge. Wir, die SPD, haben diese Kontakte genutzt. Und so fanden schon 1989 erste Begegnungen statt. In mehreren Besuchen haben wir Aufbauhilfe für die SPD in Marienberg geleistet, sowohl mit Schulungen als auch mit materieller Hilfe. Eine wichtige Rolle spielte dabei unser stellvertretender Vorsitzender Bernhard Menke. Und 1993 wurde eine offizielle Städtepartnerschaft begründet. Leider sind die Kontakte zu den Parteifreunden in Marienberg nur noch sporadisch. Für alle die von Anfang an dabei waren, waren es ganz besondere Erlebnisse die Lebensverhältnisse unserer Landsleute kennen zu lernen. Eine damals entstandene persönliche Freundschaft hat noch heute Bestand.

Zum Schluss möchte ich eine Empfehlung an politisch interessierte junge Menschen aussprechen. Und ich lehne mich dabei an unseren früheren Oberbürgermeister Bernhard Neuhaus (CDU) an: „Wenn ihr euch engagieren wollt geht in die Kommunalpolitik. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, man lernt viel dabei weil man sich mit Dingen befassen muss, zu denen man sonst keine Berührungspunkte hat. Man wird nicht dümmer dadurch!“

Ich wünsche der SPD in Lingen weiterhin erfolgreiche Arbeit. Dabei darf nie vergessen werden, dass eigene Interessen immer hinter dem Gemeinwohl zurückzustehen haben.“

(Fotos unten: Mitte SPD Wahlplakat von 1991; unten: Gratulanten am Samstag bei der SPD-Geburtstagsfeier, © SPD Lingen)

Schöne Zeiten

11. März 2011

Neues aus Lingen (Ems). Zunächst nichts Gutes von der lokalen Sozialdemokratie: Der Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Lingen (Ems) Jürgen Schonhoff (Clusorth-Bramhar) sowie seine Stellvertreter Heike Berth und Peter Supritz sind schon vor einigen Tagen mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern im SPD Ortsverein Lingen (Ems) zurückgetreten. Seinen  Rücktritt gab der Ex-Vorsitzende -sichtlich bewegt- auch im Namen seiner Vertreter bei der vorletzten Vorstandssitzung bekannt. Der SPD-Vorstand wird vorerst durch die Reste des geschäftsführenden Vorstandes Dr. Bernhard Bendick (Schriftführer) und Jürgen Beranek (Kassierer) geleitet. „Wir sind gemeinsam durch Höhen und Tiefen gegangen“, kommentierte nach einer Internetmeldung Dr. Bernhard Bendick. Besonders positiv bleibe ihm  der gemeinsame erfolgreiche „Wahlkampf mit unserem Oberbürgermeister Dieter Krone in Erinnerung“, holte Bendick irgendwie den amtierenden OB verbal mit in das Leck geschlagene SPD-Boot. Jürgen Beranek wird auf der SPD-Internetseite mit diesem Zitat bedacht: „Der gesamte Vorstand bedauert diesen Schritt. Wir werden alle die schönen Zeiten in Erinnerung behalten und danken Jürgen Schonhoff, Heike Berth und Peter Supritz für ihre Arbeit im Ortsverein Lingen (Ems)“.

Was sind die Gründe dafür, dass sich die SPD fast auf den Tag genau sechs Monate vor der Kommunalwahl ein beeindruckendes Chaos leistet? Dem Rücktritt voraus gegangen waren vergangene Woche deftige Abstimmungsniederlagen bei der Wahl von 14 Delegierten für den notwendig gewordenen SPD-Stadtverbandsvorstand. Das neue lokale SPD-Gremium musste sein, weil zuerst die Baccumer SPD und dann die wenigen Brögberner Sozialdemokraten jeweils einen eigenen selbständigen SPD-Ortsverein gegründet hatten. Bei drei Ortsvereinen muss es eben ein Dach geben. Bei der Delegiertenwahl fiel Peter Supritz mit nur 7 Stimmen durch, der Ortsvereinsvorsitzende Jürgen Schonhoff und der Fraktionsvorsitzende Hajo Wiedorn wurden erst zu Delegierten gewählt, als zwei Sozialdemokratinnen auf ihre Mandate verzichteten. Während Wiedorn über diesen Affront schimpfte, geriet zu allem Überfluss Jürgen Schonhoff wegen eigenmächtiger Zusagen an die beiden kleinen Lingener SPD-Ortsvereine bei den Verhandlungen über Strukturen und Gründung des Stadtverbandes in schweres Wasser; da wollte er dann wohl nicht mehr. Die stellvertretende Ortsvereinsvorsitzende Heike Berth indes war nicht mehr wirklich vor Ort aktiv, nachdem sie im vergangenen Jahr nach Celle verzogen war.

Der im Ankerzimmer des Hotels Am Wasserfall dann am vergangenen Dienstag nach intensiver Satzungsdebatte etwas mühsam (und hinter verschlossenen Türen) gebildete neue Stadtverbandsvorstand der SPD wird überraschend vom 28-jährigen Rechtsreferendar Andreas Kröger geführt. Vertreter des Juso-Vorsitzenden sind Wolfgang Talle (Brögbern) und -erst im zweiten Wahlgang- der Baccumer Reinhold Hoffmann. Auch das sozialdemokratische Urgestein Gerhard Kastein ist wieder auf der Brücke des SPD-Dampfers in Lingen (Ems); allerdings brauchte auch er zwei Wahlgänge zum Amt als neuer Schriftführer. Daneben gehören Stefan Wittler, Meta Scharf und Margitta Hüsken sowie -mit beratender Stimme der jeweilige Fraktionsvorsitzende- zum SPD-Stadtverbandsvorstand.

Völlig unklar ist, wer neuer Vorsitzender des SPD-Ortsvereins wird. Die personell ausgezehrt wirkende SPD hat zwar mit Carsten Primke einen Neuzugang mit gewisser lokaler Prominenz; der Ex-Linke ist aber erst jüngst bei der Linken aus und in die SPD eingetreten; das dürfte ihn behindern. Beisitzer Thomas Ahues möchte ungern in den Vordergrund und widmet sich lieber seinen Internetprojekten Ferdinand und Stadtblatt. Vielleicht tritt die Laxtener Sozialdemokratin Conny Spielmanns an, nachdem sie verkündet hat, die Bürgerinitiative Arenawahn sei aufgelöst.

Vielleicht kommt die Botschaft ein bisschen früh, wo doch gerade intensiv der Vorschlag des früheren Lingener Bauamtsexperten Wilhelm-G. Meyerhoff  in der Stadt diskutiert wird: Meyerhoff will -wie die BürgerNahen– keine zweite Großraumhalle, sondern die Modernisierung der Emslandhallen an der Lindenstraße – also umbauen und  erweitern – ganz so wie es auf der Internetseite der BI Arenawahn in der Überschrift steht (Ausriss oben).  Damit kann auf den immer kleiner werdenden Arena-Neubau auf der anderen Straßenseite verzichtet werden. Sollte nicht vielleicht Meyerhoff Sprecher einer neuen BI werden… BI Doppelarenawahn, weil Conny Spielmanns nicht mehr will? Übrigens: Meyerhoffs Ideen unterstützen auch alle Mitarbeiter des Teams der Emslandhallen –  mit Ausnahme ihres Chefs Florian Krebs.

Ach ja und dann trudelte heute noch die Meldung ein, dass Die Linke in Lingen (Ems) nach dem Weggang von Carsten-die-zweite-Heuesch-Zufahrt-bleibt-egal-was-der-Bebauungsplan-sagt-zu-Primke  auch auf ihren Vorsitzenden verzichten muss. Chef Jörg Küster ist aus der Partei aus- und damit auch als deren Lingener Vorsitzender zurückgetreten. Die Domain www.dielinke-lingen.de ist folgerichtig zur Zeit nicht erreichbar…

Sie sehen: Es sind kommunalpolitisch-spannende, schöne, ja geradezu bürgernahe Zeiten.

Besser

29. Juli 2009

tk_150x192Mit einer selbstbewussten Stellungnahme haben die Lingener Jusos jetzt in die politische Debatte um die Emsland-Arena eingegriffen, die nach dem Willen der Ratsmehrheit um OB Heiner Pott an der B 214 entstehen soll. In ihrer letzten Sitzung hat sich die lokale Jugendorganisation der SPD  gegen den Bau der „Emsland-Arena“ ausgesprochen. Kernaussage:„Die Investitionen in die Emsland-Arena sind für zukünftige Generationen in den Bereichen Bildung und Schuldenabbau besser angelegt“, betonte der stellvertretende Lingener  Juso-Vorsitzende Tim Kornblum (Foto links) und ergänzte: „Dieser Großstadt-Größenwahn der Ratsmehrheit und des Oberbürgermeisters ist keine Zukunftsvision, sondern eine Belastung für den Steuerzahler.“ Hier der ganze Artikel.
Ich habe Respekt vor Kornblum & Co, weil und wie sie sich gegen die unglücklich wirkende Zustimmung der eigenen SPD-Ratsherren positionieren. Ähnlich hat es ja auch die Junge Union versucht, deren Vertreter im Stadtrat, JU-Mitglied Björn Roth, dann aber stumm und sang- wie klaglos einknickte und für die Emsland-Arena stimmte, als es drauf ankam.
Respekt habe ich auch vor Jürgen Schonhoff, dem neuen Vorsitzenden der SPD Lingen (Ems), dass er die Juso-Erklärung auf der Internetseite der SPD Lingen veröffentlicht und sich damit ein Stück weit mit den unbeweglich wirkenden eigenen Ratsvertretern anlegt. Seit er die Verantwortung für den Internetauftritt der SPD Lingen (Ems) übernommen hat, kann man die Webseite endlich wieder anklicken, ohne sich angesichts wochenlanger Ödnis und Untätigkeit kopfschüttelnd abzuwenden. Möglicherweise war der Abgang einiger Genossen in die Mini-Ortsvereine Baccum (Stand der Internetseite auch heute weiterhin 19.11.2005 (!) ) und Brögbern (t-online teilt mit, dass die Internetseite nicht veraltet ist, weil: „Die von Ihnen eingegebene Internetadresse http://www.spd-broegbern.de konnte nicht gefunden werden.“) etwas, was die lokalen Sozialdemokraten stärkt. Ich bin gespannt, wie es weiter geht.

Foto: © SPD Lingen (Ems)

Jürgen

24. Juni 2009

SPD_Wuerfel_rechts_o_Sch_4c_kleinFreitagabend treffen sich die tapferen Reste der Lingener Sozialdemokratie, um einen Neuanfang zu wagen und ein neues Führungsgremium zu wählen. Ein mutiges Eperiment in einer Zeit der greifbaren Konfusion, hinterhältigen Tricks und gefühlten Armseligkeit. Jürgen Schonhoff, die ehrliche Haut aus Clusorth-Bramhar, traut es sich zu, die am Boden liegende Partei aufzurichten, der zuletzt ein ignoranter SPD-Kreisvorstand Emsland versuchte, den Rest zu geben und ihn quasi zu filettieren.

Sie merken, wie ich mich immer noch über diesen unehrlichen Ausbund an nicht einmal mittelmäßiger Parteipolitik empöre. Noch gehöre ich der SPD an, aber es wird nicht nur wegen Wiefelspütz, Stief-Kreihe  & Co. immer schwerer. Ich bin allerdings gespannt, was Jürgen Schonhoff leisten kann. 

Heute habe ich jedenfalls Jürgen diese E-Mail geschrieben:

Hallo Jürgen,

 

meine Frau Annette und ich sind auf der Mitgliederversammlung am Freitag nicht da. Das liegt nicht daran, dass Du nicht mit mir gesprochen hast, also wohl – wie die SPD-Fraktion im Stadtrat- ohne mich und mein Engagement klar kommen willst, sondern an einem Leichtathletikländerkampf am Samstag in St. Wendel im  Saarland, zu dem ich Annette fahren werde. Du hast von dem Wettkampf möglicherweise in der Presse gelesen.

 

Mit großem Respekt sehe ich in diesen Tagen, was Du Dir aufbürdest, atomisiert sich doch die SPD Lingen (Ems) gerade. Persönliche Befindlichkeiten haben zu belastenden organisatorischen Schritten geführt, über die man nur den Kopf schütteln kann. Wohin das führt, zeigt die heutige Presse: Die veröffentlichte Erklärung der SPD Baccum, gegen die Emsland-Arena zu sein, unterstreicht die Probleme, zu denen es jetzt regelmäßig kommen wird. Die SPD-Stadtratsfraktion ist bekanntlich für das umstrittene Arena-Projekt, obwohl es meines Erachtens falsch platziert und dort nicht seriös finanzierbar ist. Baccum bezieht jetzt öffentlich die Gegenposition zur SPD-Fraktion. Dies stärkt nicht die Glaubwürdigkeit der SPD in Lingen (Ems).

 

Die Arbeit, die Du Dir aufbürdest, ist also schwer, wie schon dieses eine Beispiel zeigt. Ich wünsche Dir dazu jedenfalls viel Durchhaltevermögen, politischen und persönlichen Erfolg und kluge Entscheidungen. Wenn ich Dir eine Empfehlung geben darf: Als erstes solltest Du mit aller Kraft darauf hinarbeiten, dass die SPD Lingen (Ems) sich wesentlich verjüngt. Vielleicht kann sie dann in ein paar Jahren wieder eine inhaltliche und personelle politische Alternative bieten, zumal dann sicherlich die jetzt künstlich abgespaltenen Ortsvereine Brögbern und Baccum sich wieder integriert haben statt ein eigenbrödlerisches Eigenleben zu praktizieren. Ich kann nur dazu aufrufen, eine junge und frische Politik für Lingenerinnen und Lingener, zumal die der jüngeren Generation, zu entwickeln, die ehrlich, offen, solidarisch und damit überzeugend ist. Dazu zählt auch eine aktive Arbeit mit und in den neuen Medien. Es ist beispielsweise ein Unding, wenn die SPD Lingen (Ems) ihren Auftritt im Internet nur alle paar Wochen aktualisiert.  Ob ich mich noch einmal aufraffen werde, mitzumachen und anzupacken, kann ich Dir nicht sagen. Zumindest müsste sich manches von dem ändern, was auf Außenstehende  bisweilen so peinlich wirkt.

 

Bitte grüß mir am Freitag meinen alten Weggefährten Hajo Wiedorn und behandle ihn pfleglich. Er ist zwar nicht mehr ganz taufrisch, aber der letzte im Rat aktive politische Kopf, den ihr habt.

 

Glückauf!

Dein Robert Koop 

 

 

ps Ich erlaube mir, diesen Brief öffentlich zu machen.