Lingen unter

1. April 2019

Mittwochs im Museum:
Lingen unter dem Hakenkreuz
Eine Stadt im Nationalsozialismus
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 30a
Mittwoch, 3. April 2019
Wegen des starken Interesses findet die etwa einstündige Präsentation am Mittwoch (3.4.) in mehreren Durchgängen um 11 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr und 19.30 Uhr statt.
Der Eintritt beträgt 5 Euro, für Heimatvereinsmitglieder 3 Euro.

„Lingen unter dem Hakenkreuz“ lautet das Thema beim nächsten „Mittwoch im Museum“ . Dr. Andreas Eiynck schildert die Zeit des Nationalsozialismus in Lingen von der sog. Machtergreifung im Januar  1933 bis zum Kriegsende 1945. Zu der Veranstaltung laden das Emslandmuseum und der Heimatverein alle Interessierten ein.

Zunächst beschreibt der Museumschef, wie die Nationalsozialisten auch im Emsland an die Macht gelangten, obwohl sie hier nie eine Mehrheit hatten. Sie konnten ihre Position in kürzester Zeit so ausbauen, dass jeder Widerstand, ja sogar Widerspruch gegen das System gefährlich wurde.

Es folgten dann die sogenannten „Erfolgsjahre“ des Regimes, in denen sich die Wirtschaft erholte und die Arbeitslosigkeit rasch zurückging. Dafür nahmen viele die politischen Repressionen und die Verfolgung von Gegnern teilnahmslos hin. Viele interessierten sich nicht dafür, dass der Aufschwung aus dem geraubten Vermögen der Juden finanziert und über die Aufrüstung Deutschlands umgesetzt wurde. Andere fürchteten Nachteile oder Verfolgung, wenn sie ihre Stimme dagegen erhoben. Jeder Widerstand wurde im Keim erstickt, während sich das Regime bei Aufmärschen, Großkundgebungen, im Glanz von Sportveranstaltungen, erfolgssportlern und Olympischen Spielen sonnte.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm die Gewalt des Systems ungehemmt zu. Aus der Judenverfolgung wurde der Holocaust, friedliche Nachbarstaaten wurden militärisch erobert, ihre Bevölkerung gewaltsam unterdrückt und ihre Wirtschaft ausgeplündert. Doch auch die deutsche Bevölkerung spürte bald die Folgen des Krieges. Immer mehr junge Männer starben an allen Fronten Europas und 1944 war Lingen das Ziel zweier verheerender Luftangriffe mit vielen Toten.

Bis zur letzten Minute lief auch im Emsland die Propaganda- und Unterdrückungsmaschinerie des NS-Staates. Die Stadt Lingen (Ems) sollte „bis zur letzten Patrone“ gehalten werden, um die Gegner an der Ems aufzuhalten. Der Kampf um die strategisch wichtige Stadt forderte viele Opfer und führte zu schweren Zerstörungen im Stadtgebiet. Ostern 1945 rückten die alliierten Truppen in Lingen ein, die letzten verbliebenen Nazis flüchteten. Erst allmählich realisierten die Meisten, dass die Besetzung durch die Kriegsgegner die Befreiung vom Nationalsozialismus war.

Anerkannt

27. Januar 2014

jodenbreestraat59 69 Jahre nach dem Ende des 2. Weltkriegs und der deutschen Besatzung der Niederlande hat die deutsche Regierung jetzt drei Stadtteile Amsterdams, die im Zweiten Weltkrieg als Ghettos dienten, als solche anerkannt. Dies meldet NiederlandeNet und erläutert: „Dadurch kommen Personen, die während der deutschen Besatzung in diesen Ghettos arbeiteten, für eine einmalige Entschädigung in Höhe von 2.000 Euro in Betracht. Der Verbond Belangenbehartiging Vervolgingsslachtoffers (VBV, auf deutsch: Verband Interessenvertretung Verfolgungsopfer) hatte sich für diese Anerkennung eingesetzt.

Im Mai 2012 wurden die Straßen Waterlooplein und Jodenbreestraat in Amsterdam als Ghettos anerkannt. Dies war das Ergebnis einer zehnjährigen juristischen Auseinandersetzung. Doch der VBV war der Meinung, dass das Ghetto in Wirklichkeit größer war und überzeugte am vergangenen Freitag in Bonn auch eine Delegation des deutschen Finanzministeriums davon. Jetzt werden ein großer Teil des Amsterdamer Zentrums sowie die Viertel Transvaalbuurt und Rivierenbuurt zu diesem Ghetto gerechnet.

Laut VBV gab es bereits früher rund 1.200 Anmeldungen für Entschädigungszahlungen, die allerdings abgewiesen wurden, da die entsprechenden Gebiete bislang nicht als Ghettos anerkannt worden waren. Diese müssen nun erneut geprüft werden.

„Niederländische Juden erhielten während des Kriegs Berufsverbot und wurden in diesen Ghettos kaserniert bevor sie in die Konzentrationslager deportiert wurden. In den Amsterdamer Ghettos hielten sie sich und ihre Familien häufig mit Arbeiten wie dem Nähen von Taschen über Wasser. Das war keine Zwangsarbeit, aber sie waren gezwungenermaßen im Ghetto, also war es auch keine freiwillige Arbeit“, so Flory Neter, die Vorsitzende des VBV. Neter rechnet damit, dass die Zahl der Entschädigungsanträge noch steigen wird, da unter den Antragsstellern auch Personen seien, die als Kinder im Ghetto gearbeitet hätten.

Mehr über die Lebensbedingungen der niederländischen Juden während der deutschen Besatzungszeit erfahren Sie im NiederlandeNet- Dossier Die Judenverfolgung in den Niederlanden 1940-45

[Text: NiederlandeNet; Foto: Die Amsterdamer Jodenbreestraat im Jahr 1894, Quelle: Beelbank Stadsarchief Amsterdam/Wikimedia Commons/gemeinfrei]