Kopfarbeit

25. April 2011

„Lieber Gerd Otten!

Ja, ich werde morgen um 18 Uhr an dem Schweigekreis vor dem historischen Lingener Rathaus teilnehmen. Morgen, am 25. Jahrestag der Atomkatastrophe von Tschernobyl. Es ist ein Verdienst des von Dir getragenen Elternverein Restrisiko Emsland eV, dass auch in unserer Stadt offen an diese Zeitenwende gedacht und an den 26. April 1986 erinnert wird.

Allerdings darf es nicht mehr dazu kommen, dass Antidemokraten den Protest gegen die Atomenergie in einer Weise für ihre intoleranten Parolen instrumentalisieren, wie dies bei der Lingener Demonstration am Ostersamstag an der Spitze des Demonstrationszuges der Fall war.  Ich ärgere mich maßlos über diese österliche Demonstration, die der Anti-Atom-Bewegung in Lingen geschadet hat, und ich ärgere mich folgerichtig auch über meine eigene Rolle. Selbstverständlich ging ich davon aus, dass es eine Demonstration des Elternverein Restrisiko ist, an der ich da teilnehme. Oder jedenfalls ein Aufzug, der maßgeblich vom Elternverein, vom BUND, Bündnis’90 – Die Grünen und anderen Demokraten getragen ist, nachdem bei den Schweigekreisen montags mehrfach zur Teilnahme aufgerufen worden war.

Aber dann fand ich mit mit mehr als 300 anderen Teilnehmern auf dem Pferdemarkt bei einer Demonstration wieder, die nicht nur die am schlechtesten organisiserte war, die es in Lingen je gegeben hat. Dass die Junge Union ausgeladen worden ist – egal; denn was wollten diese ewigen Atomkraftbefürworter auf dieser Veranstaltung!?

Nein, der Punkt ist:  Da latschte ich tatsächlich hinter,  für einen Demokraten völlig inakzeptablen Krwawalltransparenten der Wagenburgkinder hinterher: Fick Dich, Merkel. Und Atomausstieg ist Handarbeit ,  klein darunter geschrieben, schwer lesbar der  Zusatz: Schottern, blockieren, sabotieren. Ich habe diese antidemokratischen Transparente erst nach dem Ende der Demonstration gelesen, darüber ärgere ich mich um so mehr.

Nein, die Arbeit gegen die Atomkraft ist keine ungesetzliche Handarbeit, wie es da gefordert und zu lesen war.  Sie ist geradewegs Kopfarbeit – die Du, Gerd, (und ich) seit fast 40 Jahren machen. Und dann kommen diese chaotischen Leute daher und rufen zu Straftaten auf. In Lingen! Ausgerechnet da, wo viele meinen, dass Atomenergie zwar irgendwie gefährlich aber allemal deshalb sicher sei, weil es doch die eigenen Nachbarn sind, die „im Kernkraftwerk“ arbeiten und ja nie etwas Unsicheres machen würden. Buggy, der in meinem Blog gern und oft das Wort erhebt, hat völlig recht, wenn er schreibt

Mit dieser Forderung lässt sich natürlich nicht ein gesellschaftlicher Konsens für den schnellst möglichen Atomausstieg herstellen. So ist es doch kein Wunder, dass die Beteiligung an den Demos gegen Atomkraft relativ gering ist!

In Lingen – muss man hinzusetzen, Buggy. Denn andernorts demonstrieren Tausende. Aber hier tut sich der Protest nicht leicht. Er wird gar deutlich erschwert, überlässt man ihn -wie am Ostersamstag- diesen pöbelnden und in Mikros schreienden Leuten; denn sie betreiben das Geschäft derer, die dreist behaupten, sie gingen voRWEg.

Gerd, warum hatte man sich völlig von den bundesweiten Demonstrationen  losgelöst, die am Ostermontag an 12 Atomenergie-Standorten in Deutschland stattfinden? Warum gab es keine andere Organisationsform als den sinnfreien Fußmarsch mit Dröhnmusik durch meist leere Innenstadtstraßen  (zB eine Radfahrdemo zum AKW)? Vor allem: Warum gab es keine weitergehenden inhaltlichen Festlegungen,  Gerd?  Warum kein Nein zu undemokratischen Parolen? Immerhin hat Dein Elternverein zur Teilnahme aufgerufen.

Die für das inhaltliche Scheitern der Demonstration Verantwortlichen sind also keine  „jungen Leute, die man machen lassen muss“, wie Du mir am Samstag auf meine erste, vorsichtige Kritik geantwortet hast. Es sind Elternverein, BUND, SPD, Grüne – es sind Du,  ich und unsere Freunde. Wir haben es zugelassen und uns instrumentalisieren lassen. Ich ärgere mich maßlos darüber.

Trotzdem und gerade deshalb: Morgen Abend sehen wir uns.

Mit freundlichen Grüßen
Dein Robert Koop“

—-
ps Postempfänger Gerd Otten (Langen bei Lengerich) ist Sprecher und Vorsitzender des Elternverein Restrisiko Emsland

weg

28. September 2009

Noch ein kurzer Rückblick auf diesen Wahlkampf-Beitrag einer politischen Jugendorganisation aus Lingen, die offenbar den Alkoholmissbrauch in ganzer Tiefe und Breite zu durchdringen suchte:

Bild 1
Dass in Schulen für JU-Veranstaltungen geworben wurde, fällt demgegenüber zurück und wird ohnehin dadurch relativiert, dass auf dem angepriesenen Kinoabend der Jottuuh im Werbeblog zu Beginn erst einmal ein „Bündnis ’90/Die Grünen“-Werbefilm lief.

Und dann blieben der CDU in Lingen ganze 45,4 % der Zweitstimmen. Das war schon mal mehr. Deutlich mehr. Von der SPD wollen wir erst einmal nicht sehr viel reden. Sie hat offenbar ein sehr ernstes Mobilisierungsproblem, mag dies auch nicht nur hausgemacht sein (mehr). Außerdem hat der TuS auch 0:5 verloren und das drei Monate vor Beginn des Jubiläumsjahres. Harte Zeiten!

Vergessen

26. November 2006

863534_neues_Startlogo_blauIch hab vergessen, zu dieser Presseerklärung der Jungen Union etwas zu schreiben, die schon zwei Wochen alt ist:

„Junge Union fordert Robert Koop zum Rücktritt auf

Lingen – „Es wäre konsequent, wenn der fraktionslose Ratsherr Robert Koop nach 30 Jahren Stadtratsarbeit einen Schlussstrich zieht und sein Ratsmandat niederlegt.“ Mit diesen Worten fordert die Junge Union (JU) Lingen das ehemalige SPD-Fraktionsmitglied zum Rücktritt auf.
Nach Ansicht des JU-Stadtverbandes habe Koop jahrzehntelang von seiner sozialdemokratischen Fraktionsmitgliedschaft profitiert und auch den jetzigen Wiedereinzug in den Rat der Stadt Lingen (Ems) vor allem seiner Partei, der SPD, zu verdanken. Da er aber nun der Fraktion dieser Partei aufgrund der internen Querelen den Rücken gekehrt habe, müsse er auch die logische Konsequenz ziehen und einem Parteinachrücker die Möglichkeit zur politischen Willensbildung innerhalb der SPD-Fraktion geben. „Ansonsten ist das eindeutige Wählertäuschung“, heißt es von Seiten der jungen Christdemokraten.
Der Wähler habe sich schließlich für den SPD-Kandidaten entschieden „und nicht für den Einzelkämpfer Robert Koop, der nun mit Anträgen zur Geschäftsordnung und lapidaren Sitzplatzwünschen die Ratsarbeit blockiert“, kritisiert die CDU-Jugendorganisation zudem das Verhalten von Koop während der konstituierenden Stadtratssitzung in der vergangenen Woche. „Wir fordern Herrn Koop daher auf, sein Mandat niederzulegen!“

Dazu muss ich nicht viel sagen – nur, dass ich dieser bemerkenswerten großen Koalition-im-Antigeiste aus älteren SPD- und jüngeren CDU-Kommunalpolitikern den geforderten Gefallen nicht tue. Die darf man doch nicht im Stadtrat allein werkeln lassen… 😉