100 Jahre Beuys

11. Mai 2021

Morgen, am 12. Mai vor 100 Jahren wurde der Künstler Joseph Beuys am Niederrhein geboren. 2021 ist daher Beuys-Jahr. Was hat Joseph Heinrich Beuys uns heute noch zu sagen? Warum sollen wir  noch an ihn erinnern?

Sicher: Beuys hat den traditionellen Kunstbegriff herausgefordert: Alles kann Kunst sein.  Fettecke, Filzpiano, Eichen, Kojoten, Performances und Politik: Joseph Beuys‘ künstlerisches Wirken könnte man heutzutage in ein paar Hashtags zusammenfassen – und viele würden sich sofort an die dazugehörigen Werke erinnern.

Seine Botschaft dahinter war für die 1960er und 1970er-Jahre geradezu bewusstseinserweiternd: Demokratie kann Wirklichkeit werden –  und zwar durch Kunst. Beuys ließ selbst gestandene Kunstkritiker die hilflose Frage stellen, was das alles eigentlich soll.

Er versuchte, die Kunst „sozial“ zu machen, alle Menschen sollten teilhaben können. Oder noch einfacher: Beuys wollte sich selbst nur als Künstler verstehen, wenn auch folgende These anerkannt ist: Alle Menschen sind Künstler.

Für seine Arbeiten und seine Haltung wurde Beuys bewundert und verachtet; er empörte und begeisterte. Und gab seine Ideen weiter – als Professor der Kunstakademie Düsseldorf, wo er kurzerhand das Bewerbungsverfahren boykottierte und alle Bewerberinnen und Bewerber eines Jahrgangs aufnahm. Oder 1980 auch als Gründungsmitglied der Grünen.

Es geht aber auch um die Abgründe, die in Erzählungen über ihn immer wieder im Dunklen bleiben – wenn es zum Beispiel um eine mögliche Verstrickung in der NS-Zeit geht.

Also, warum sollte man heute noch an Beuys erinnern? Passt er noch – oder sogar vielleicht besonders gut – in die heutige Zeit?

(Quelle: DLFKultur)

Heinrich Riebesehl

3. November 2010

Heinrich Riebesehl, einer der bedeutendsten deutschen Fotografen der Nachkriegszeit, ist im Alter von 72 Jahren gestorben. Dies teilte das Sprengel Museum in Hannover mit, das das Archiv des Fotografen verwaltet. Der 1938 in Lathen im Emsland geborene Heinrich Riebesehl  hat mit seinem fotografischen Werk in den vergangenen 50 Jahren maßgeblich zu einer Erneuerung der Dokumentarfotografie in Deutschland beigetragen. Bekannt wurde er vor allem mit seiner Serie Agrarlandschaften: nüchterne, detailgenaue Schwarzweißfotografien von Getreidesilos, Bauernhöfen oder Rübenfeldern, in denen er den Blick auf die typischen Erscheinungsformen der norddeutschen Landschaft lenkt. Diese »lakonischen Fotografien einer lakonischen Gegend« (Peter Sager) bilden den Auftakt für seine intensive künstlerische Auseinandersetzung mit der norddeutschen Kulturlandschaft, für die der Fotograf mit dem Niedersächsischen Kunstpreis 2000 ausgezeichnet wurde. Spätestens seit den 1970er Jahren prägte Riebesehl die künstlerische Fotografie in Deutschland maßgeblich. Mit seinen Fotografien vor allem norddeutscher Kulturlandschaften schuf er dabei einen neuen «dokumentarischen Stil». Riebesehl starb bereits am Sonntag, 31. Oktober in Hannover.

Der gebürtige Emsländer studierte an der Folkwangschule für Gestaltung in Essen. Während dieser Zeit entstand die Serie «Lokomotiven» (1963-1965) und auch seine berühmt gewordene Fotografie von Joseph Beuys, die den Künstler 1964 bei einem Happening mit erhobenem Arm, blutender Nase und einem Kruzifix in der Hand zeigt. Riebesehl arbeitete zunächst auch als Fotojournalist, unter anderem in Hannover, wo 1969 seine Serie «Menschen im Fahrstuhl» entstand, die ihn auch international bekanntmachte. Mehr oder weniger versteckt hatte Riebesehl dafür seine Kollegen im Aufzug fotografiert.

Anfang der 1970er Jahre waren Riebesehls Bilder noch den Ideen eines «magischen Realismus» verhaftet, doch im Lauf der Jahre ging er dazu über, seine Objekte ohne fototechnische Manipulationen abzubilden und eine nüchterne, möglichst wirklichkeitsgetreue Form der Dokumentarfotografie zu entwickeln. Aus dieser Schaffensphase stammen die berühmt gewordenen Fotoserien «Agrarlandschaften» (1976-1979) und «Bahnlandschaften» (1979-1997).

1972 gründete Riebesehl mit anderen Fotografen in Hannover die «Spectrum Photogalerie», eine der ersten Fotogalerien in Europa, die später in das Sprengel Museum integriert wurde. Riebesehl lehrte auch als Fotografie-Professor in Hannover. Für sein Werk wurde er unter anderem mit dem Kodak-Fotobuchpreis, dem Sprengel Preis für Bildende Kunst und dem Niedersächsischen Kunstpreis ausgezeichnet.

Eine Anfang des Jahrzehnts  erschienene, längst vergriffene Monografie (Einband rechts, © Hatje Cantz Verlag ) gibt einen Überblick über Heinrich Riebesehls vielfältiges fotografisches Werk und sein konsequentes Arbeiten in Serien. 2004/5 widmeten das Sprengel Museum in Hannover und der Kunstverein Lingen dem gebürtigen Emsländer eine Werkschau.

 

Nachtrag: Mehr im Interview in der taz.

Hoet

18. August 2010

Kunstverein Lingen – Kunsthalle IV
Vortrag von Jan Hoet zu Panamarenko
Freitag, 20. August 2010, 19.30 Uhr
Kosten: 7 EUR, Mitglieder und ermäßigt 5 EUR
Jan Hoet ist Championsleague! Der  international renommierte belgische Kunsthistoriker und Ausstellungsmacher wurde in Deutschland 1992  als künstlerischer Leiter der documenta IX in Kassel bekannt. Diese in fünfjährigem Abstand stattfindende Kunstschau ist die bedeutendste Kunstausstellung weltweit. Von 2003 bis 2008 leitete Jan Hoet das MARTa Herford, ein Museum für zeitgenössische Kunst und Design in Herford. 1992 lud Hoet seinen Landsmann Panamarenko zur documenta IX ein, seitdem kennt er ihn und sein künstlerisches Werk sehr gut.

Der 70jährige  Panamarenko ist ein belgischer Künstler. Seine „poetischen Konstruktionen“ sind Installationen von oft monumentalen Ausmaßen und sowohl künstlerische als auch technische Experimente. Es ist die Absicht Ponamarenkos, voll funktionstüchtige Maschinen herzustellen. Bei wikipedia lese ich:

„1968 präsentierte Panamarenko, auf Einladung von Joseph Beuys, sein Flugzeug in der Düsseldorfer Kunstakademie. Im folgenden Jahr waren seine Werke in zahlreichen Galerien in der Bundesrepublik und den USA zu sehen. 1972 lud ihn Harald Szeemann mit dem Aeromodeller zur documenta 5 in Kassel ein und machte ihn damit endgültig einem internationalen Publikum bekannt. Seine Werke wurden 1972 und 1973 in einer Ausstellungsreihe in Luzern, Düsseldorf und Stuttgart präsentiert und 1978 in der Nationalgalerie Berlin ausgestellt. Im Jahr 1977 war er erneut Teilnehmer einer documenta, der documenta 6. 1981 war der Aeromodeller im Centre Pompidou in Paris zu sehen. Einer ersten Retrospektive 1982 in München folgte eine zweite 1998 in der Fondation Cartier in Paris. 1992 stellt Panamarenko auf der documenta IX mit aus.
2005 wurde in Brüssel wiederum eine Retrospektive seiner Arbeiten gezeigt. Im Oktober 2005 erklärte der Künstler anlässlich seines 65. Geburtstages seinen Abschied von der Kunst.“

Also ein Abend der Hochkultur in Lingen. Genießen Sie ihn.

(Foto: Panamarenko – Pepto Bismo © Djumbo, creative commons)