Googelt man ihn, erscheint der andere Bernd Rosemeyer unter „ferner liefen…“, was nichts über seine gegenwärtige Bedeutung aussagt; die ist nämlich aktueller als die des längst verblichenen Rennfahrers aus Lingen und Namensgebers für ein umstrittenes Museumsprojekt in der Lingener Burgstraße. Der „andere“ Bernd Rosemeyer stammt aus Löningen und ist ein „Neffe 3. Grades“ des Lingener Rennfahrers und SS-Offiziers.

Der eine befand sich mit 25 Jahren an der Schwelle zu einer Karriere als Autorennfahrer und SS-Führer in Nazi-Deutschland, der andere wanderte im gleichen Alter 1986 nach Brasilien aus, um sein Leben fortan den Straßenkindern in der Umgebung der Metropole Recife zu widmen.

Größte Kinderhilfsorganisation in Brasilien

Er gründete den Verein „O pequeno Nazareno“ (Der kleine Nazareno), der inzwischen zur größten Hilfsorganisation für Straßenkinder in Brasilien geworden ist.  So gibt es zwei Kinderdörfer, in denen die Straßenkinder nach oft mehreren Jahren eines erbärmlichen Lebens auf der Straße eine Schul- und Berufsausbildung erhalten. Rosemeyers Verein hilft den Kindern dabei, den Weg in eine neue Zukunft ohne Not und Elend einzuschlagen.

Der Machtantritt des neu gewählten rechtsgerichteten Präsidenten Jair Bolsonaro bereitet Bernardo Rosemeyer und seinem Projekt große Sorgen, denn die neue Regierung wird Gewalt und Korruption im Lande nicht eindämmen – Anlass für Bernd Rosemeyer, einen dramatischen Hilferuf nach Deutschland zu senden, der von der Löninger Lokalzeitung „Münsterländische Tageszeitung“ vor kurzem veröffentlicht wurde. Aus der Heimat erhält Bernd Rosemeyer Hilfe durch den Verein „Der kleine Nazareno“, den sein Bruder Werner Rosemeyer von Löningen aus leitet und dessen erklärtes Ziel es ist, Geld für das brasilianische Hilfsprojekt zu sammeln .

Joseph Wilhelm Rosemeyer, genannt „der Feuerfeste“

Wie sind die beiden Bernd Rosemeyers miteinander verwandt? Beider Ursprünge gehen zurück in das Jahr 1808, als in Löningen Joseph Rosemeyer geboren wurde. Dieser machte eine Lehre als Schlosser und gründete als Schlossermeister ein Unternehmen, das sich auf die „Herstellung von diebstahlsicheren Geldschränken“ spezialisierte und damit reüssierte. Er hatte zwei Söhne, Bernhard und Joseph Wilhelm, die ebenfalls Schlosser wurden. Joseph Wilhelm, im Volksmund „der Feuerfeste“ genannt, blieb in Löningen und war der Urgroßvater des nach Brasilien ausgewanderten Bernd Rosemeyer und dessen Bruder Werner, der eine Druckerei in Löningen betreibt.

Das 1. Automobil von Lingen

Bernhard hingegen trieb es nach Lingen. Er war der Großvater des Rennfahrers. 1876 wurde dessen Vater Wilhelm geboren, der in der früheren Lingener Bahnhofstraße eine Werkstatt mit Autohandel betrieb. Wilhelm war der erste Lingener, der ab 1911 ein eigenes Automobil fuhr,.  In seiner Werkstatt machte der junge Bernd Rosemeyer eine Lehre als KfZ-Mechaniker, hier bastelte er an Motorrädern und Autos und bereitete sich auf seine Rennkarriere vor. Hier erfuhr er allerdings auch seine „primäre Sozialisation“ als Nationalsozialist: Der damals noch junge Architekt Heino Deeken wohnte als möblierter Herr im Hause Rosemeyer. Er war Mitglied der SS und freundete sich schnell mit dem jungen Bernd an.  Aber auch Bernds Onkel Julius Rosemeyer war SS-Mann und dürfte seinen Neffen entsprechend beeinflusst haben.

Olympiateilnehmer Josef Rosemeyer aus Lingen

Wilhelms Bruder Josef (auch Jpseph) Rosemeyer war ein erfolgreicher Radrennfahrer, der für Deutschland bei den Olympischen Spielen 1896 in Athen startete. Er kam 1919 bei einem Unfall in Köln ums Leben.

In einem Gespräch von Christoph Frilling mit Werner Rosemeyer, dem Löninger Bruder des anderen Bernd Rosemeyer, stellte sich heraus, dass die Löninger Rosemeyers nur wenig über die Pläne des Lingener Bauunternehmers Heinrich Liesen informiert sind, ein Museum zu Ehren des SS-Rennfahrers Bernd Rosemeyer zu errichten.

Werner Rosemeyer: „Wenn mein Bruder in Brasilien über diese Gelder verfügen könnte, die in Lingen für das Museum ausgegeben werden, könnte er damit hunderten weiterer Straßenkinder eine bessere Zukunft bieten“.

Das Spendenkonto für die Organisation „Der Kleine Nazareno“ ist: Volksbank Löningen, DE91 280650610008070500 (Spendenquittungen werden ausgestellt)


Autor dieser kleinen Geschichte ist der Lingener Christoph Frilling. Er bot vor den Feiertagen den Beitrag der „Lingener Tagespost“ an, die aber ablehnte.  

Josef

7. Dezember 2013

Die taz berichtet e in dieser Woche über Pläne, den Platz vor dem Leineschloss in Hannover, in dem der Niedersächsische Landtag tagt, umzubenennen. Bisher ist er nach Hinrich Wilhelm Kopf benannt.Die taz informiert:

„Der Ältestenrat des niedersächsischen Landtags hat sich nach den Erkenntnissen über die NS-Vergangenheit des ehemaligen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf einstimmig für die Umbenennung des nach ihm benannten Platzes vor dem Landtagsgebäude in Hannover ausgesprochen.

Eine in diesem Jahr veröffentlichte Biografie über den SPD-Politiker hatte Kopfs Mitwirkung an der Beschlagnahme jüdischen und polnischen Vermögens aufgedeckt. Bis dato wurde Hinrich Wilhelm Kopf, Ministerpräsident von 1946 bis 1955 und 1959 bis 1961, als Erbauer und Landesvater Niedersachsens geehrt. Allerdings legte eine vom niedersächsischen Landtag eingesetzte Historische Kommission zur NS-Vergangenheit ehemaliger niedersächsischer Landtagsabgeordneter im letzten Jahr einen Bericht vor, der besagte, dass sich Kopf zwischen 1939 und 1943 auf unlautere Weise an jüdischem und polnischem Eigentum bereichert hatte.

Als die…“ [weiter bei der taz]

In Lingen ist die lokal nicht unbedeutende Bernd-Rosemeyer-Straße nach einem frühen SS-Mitglied benannt, der aber nach allgemein akzeptierter Ansicht nur in der SS und sonst gar kein Böser war oder jedenfalls gewesen sein kann, weil er einmal einen Tirolerhut trug und im Übrigen schnell mit seinem Audi im Kreis fahren wollte und konnte. Niemand hier diskutiert die Umbenennung dieser Straße, obwohl man nur den Vornamen austauschen müsste. Josef (in einigen Quellen auch Joseph) Rosemeyer wäre nicht schlecht.

1896 nahm der in Löningen geborene und in Lingen aufgewachsene Josef Rosemeyer als Mitglied der deutschen Mannschaft an den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen teil. Er startete in vier Radrennenn im Velodrom Neo Faliro: Im 10-Kilometer-Rennen wurde er Vierter (das genaue Ergebnis ist nicht bekannt), im 333⅓-Meter-Zeitfahren wurde er mit 27,2 Sekunden Achter und damit Letzter. Das Rennen über 2000 Meter konnte er wegen Problemen mit seinem Fahrrad nicht beenden. Über 100-Kilometer-Rennen.

Rosemeyers Nominierung für die Olympischen Spiele waren 1895 Erfolge auf deutschen Radrennbahnen vorausgegangen, drei Siege, zwei zweite und vier dritte Plätze. In einer Rangliste der „Herrenfahrer“ belegte er Platz 23 und war 1895 als einer von elf Amateuren für die Bahn-Weltmeisterschaften in Köln gemeldet, wo er jedoch keinen Erfolg erringen konnte. Eine Zeitlang hielt er auch den deutschen Rekord über 100 Kilometer. 1897 nahm Josef Rosemeyer noch siegreich an den Rennen in Lingen teil.

Sein Vater hatte in unserem Städtchen eine Schlosserei betrieben, die Josef dann fortführte. Ab 1897 produzierte der Betrieb eigene Fahrräder der Marke Rex .

Wie also wär’s mit Josef-Rosemeyer-Straße?

ps Hat jemand ein Foto von Josef Rosemeyer gefunden? Oder gar ein Fahrrad der Marke Rex?

(Quelle und mehr)