Waterloo

18. Juni 2015

Josef Möllenbrock, mein alter Geschichtslehrer am Georgianum, entwickelte immer einen gewissen westniedersächsischen Stolz, wenn es um die Schlacht bei Waterloo zwischen Briten, Deutschen und Franzosen ging. Denn da habe der „Quakenbrücker Landsturm“ die entscheidende Stellung behauptet, „den Bauernhof“. Da war bei diesem so unendlich blutigen und grausamen Gemetzel vielleicht was dran, wusste schon vor 60 Jahren der Artländer Werner Dobelmann und berichtet jetzt die Welt:

Cover-Brendan-Simms-Nachmittag„Eine entscheidende Rolle an jenem 18. Juni vor 200 Jahren spielte der Gutshof La Haye Sainte, der der Truppenaufstellung des britischen Befehlshabers Wellington vorgelagert und somit ein Fels in der Brandung der Napoleonischen Attacke war.

Verteidigt wurde das Gehöft mit umliegenden Gärten von Soldaten der King’s German Legion, genauer den ursprünglich knapp 400 Mann des 2. leichten Bataillons. Es waren also deutsche Soldaten unter britischem Oberbefehl. Georg III. von England, der zugleich Kurfürst von Hannover war, hatte die Truppe aufgestellt, nachdem Hannover zwölf Jahre zuvor von Napoleon erobert worden war.“

Die Landwehr Quakenbrück gehörte dazu. Weshalb ich darüber schreibe? Es war exakt heute vor 200 Jahren, dass Napoleon im Wallonischen „sein Waterloo erlebte“.  Seither eine Redewendung für eine totale Niederlage. Der mehr als 60.000 Toten in allen drei Armeen gedenkt heute kaum mehr jemand, und ein vereinigtes, friedliches Europa gab es allerdings erst nach vielen Millionen weiteren Toten, zahlreichen kleineren und zwei Weltkriegen. Wir sollten wissen, was wir daran haben.

Preußen

30. Dezember 2011

Das einzige Porträt aus der langen Regierungszeit Friedrichs II. zu dem er persönlich Modell gesessen hat, 1763 angefertigt von Johann Georg Ziesenis; © wikipdia CC

Ziemlich sicher bin ich, dass Josef Möllenbrock, legendärer Oberstudienrat für Geschichte am Georgianum, den Übergang der Grafschaft Lingen von den Niederlanden an Preußen im Jahr 1702  stets so erklärte, die Preußen hätten nach dem Tode Wilhelms III. von Oranien und einer nicht ganz klaren Nachlasslage einfach neue Schilder „Preußen“ an- und die alten Niederlande-Schilder abgeschraubt und dabei erklärt: „Lingen haben wir geerbt. Die Grafschaft gehört jetzt uns.“ Weiß jemand, ob dazu der Lehrer des verantwortlichen Soldatenkönigs Friedrich Wilhelm I. von Preußen eine Rolle gespielt hat, jener Eberhard von Danckelman, dessen Büste vorn links im Eingang unseres Rathauses steht ?  Obwohl er zu der Zeit gerade in der Spandauer Zitadelle einsaß?  Mit dem Machtwechsel vor 309 Jahren waren jedenfalls gute 55 Lingener Jahre  zu Ende, in denen unser Städtchen  von den Niederlanden gefördert wurde – nicht zuletzt dadurch, dass Wilhelm III. von Oranien keine Soldaten im östlichsten Teil seines Königreiches etablierte sondern eine Hochschule. Dann aber kam 1702, Wilhelm Drei starb und Lingen wurde preußisch -was möglicherweise nicht ganz korrekt war (Möllenbrock). Damit geriet es in (s)eine provinzielle Randlage.

Preußisch ist -Sie ahnen es- heute mein Stichwort. 2012 ist nämlich das Preußenjahr, weil  vor 300 Jahren der spätere Friedrich II. geboren wurde. Man nannte den Preußenkönig später „Friedrich, der Große“. Ausgerechnet auf scharf-links.de, einer kernig-linken Internetseite habe ich einen ersten Beitrag zu Friedrich der Große (1712-1786) Schöngeist – Reformer – Feldherr (von René Lindemann aus Cottbus) gefunden. Er beginnt so:

„Sein Vater hat es ihm nicht leicht gemacht. Die musischen Neigungen seines Sohnes waren ihm, dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. ein dauerhaftes Ärgernis. Oft schlug und würgte ihn der „väterliche“Grobian so sehr, das Bedienstete um das Leben des Jungen fürchteten. Bücher flogen da auch mal ins Feuer.

Des Kronprinzen besten Freund Hans Hermann von Katte ließ der König hinrichten, nachdem ihre Flucht vor dem strengen Regime des Monarchen misslungen war: Und der Sohn musste dieser Hinrichtung zuschauen! Wahrlich – eine schwere Kindheit und Jugend. Andere wären daran zerbrochen oder auf die schiefe Bahn geraten.

Er nicht – er gelangte nach dem Tod seines Vaters (1740) auf den preußischen Thron und wurde ein großer König. Das „Große“ heftete ihm schon zwei Jahre nach seinem Regierungsantritt Voltaire ans königliche Revers. Sechsundvierzig Jahre war er König und sollte viel Eindruck machen. Mit seinem Namen sind wichtige Reformen verbunden, er galt als „Aufklärer von Potsdam“, der sich in seinen Tafelrunden gern mit großen Geistern seiner Zeit umgab. Einer von ihnen, Voltaire, der drei Jahre in Sanssouci verbrachte nannte den neuen Preußen-Herrscher auch „König der Philosophen“.

Im Gegensatz dazu stand seine Regentschaft auch….“
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Viel weiter komme ich mit der mir etwas beliebig erscheinenden Lindemannschen Analyse nicht. Vielleicht bringt die Ausstellung »Friederisiko« in Potsdam mehr Aufschluss über den Monarchen, über den die brandenburgische Kulturministerin Sabine Kunst (für SPD) jüngst sagte: „Der König war ruhmsüchtig und unbarmherzig und zugleich kunstsinnig und kultiviert.“ Auch das ist aber nicht wirklich neu.  Und was FriedrichZwo für „seine“ Grafschaft Lingen gemacht und gebracht hat, weiß ich schon gar nicht. Darüber könnte sich eigentlich mal Emsland-Museumschef Andreas Eyinck verbreiten. Die Schilder, die Vater FriedrichWilhelmEins anschrauben ließ, sind jedenfalls lange perdu, wenn es sie überhaupt gegeben hat. Ich bin also gespannt,  welche zusätzlichen preußischen Erkenntnisse mir 2012 bringen wird.

Wenn Sie übrigens mal aus unserer Randlage in die Potsdamer Gegend kommen: Die  Ausstellung »Friederisiko«, Neues Palais im Potsdamer Park Sanssouci, wird gezeigt vom 28. April bis 28. Oktober 2012, täglich außer Di. von 10 bis 19 Uhr, Fr. und Sa. bis 20 Uhr, der Eintritt kostet 14 Euro, ermäßigt 10 Euro, Mehr auf www.spsg.de