Klaasohm

6. Dezember 2013

KlaasohmIch fand’s als Borkum-Dauerurlauber immer sehr geheimnisvoll und prickelnd, wenn darüber flüsternd erzählt wurde: Der Klaasohm-Abend am 6. Dezember auf dem größten Sandhaufen der Welt. Klaasohm heißt das derb-wilde Fest dort am Nikolaustag.  Denn Nikolaus auf Borkum ist kein gütiger Alter. Er heißt Klaasohm, er ist jung, er ist wild, er jagt Frauen. Das archaische Ritual, das in keinem Reiseführer erwähnt wird, schweißt die Insulanergemeinschaft für eine wilde Nacht eng zusammen.

„Mare“-Autor Jan Rübel schreibt:

„Im lichten Dünengras lässt Klaasohm das Meer hinter sich. Ein Jahr lang war er den Grund am Schelf entlanggewandert, hatte Ruhe gesucht in den versunkenen Gehöften. Nun aber ist sein Tag. Er hievt sich aus dem Sandboden, schüttelt seinen gefiederten Kopf, sticht seine ellenlangen Hörner ins Nachmittagsgrau. Westwind kommt überm Großen Kaap auf. Der Klinker des Seezeichens funkelt rot, als Klaasohm eine Unrast packt. Zorn. Dann läuft er los.

Diese Legende erzählen die Borkumer ihren Kindern jedes Jahr, wenn es auf Nikolaus zugeht – wie sie ihn, ihren Klaasohm, am Großen Kaap ausgraben und er über die Insel hereinbricht.

Kaum…“

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(Bild: Klaasohm – Der Sprung von der Litfaßsäule. CC G.Meyer)