onaanvaardbaar

19. April 2014

Hoghe„Wenn die Bäume fallen, stehen die Menschen auf“ sangen vor 30 Jahren die Demonstranten und wehrten sich gegen das Abholzen Hunderter Hektar Wald am Flughafen Rhein-Main bei Frankfurt. Letztlich konnten sie aber die bekämpfte Erweiterung des Flughafens nicht verhindern. Mit der Startbahn West, genaue Bezeichnung Startbahn 18 West, (Luftfahrttechnische Bezeichnung „Runway 18“) entstand eine 4000 Meter lange reine Startbahn auf dem Flughafen Frankfurt am Main, die im westlichen Teil des Flughafens von Norden nach Süden verläuft. Die Planungen zu dieser Startbahn stießen auf erhebliche Proteste und wurden zu einem der wichtigsten Bezugspunkte der Umweltbewegung der 1970er und 1980er Jahre.

Ähnliches könnte jetzt den Nachbarn in Twente widerfahren – hoffentlich mit einem anderen Ausgang. Dort nämlich soll die alte Luftwaffenbasis Vliegfeld Twente zum Zivilflughafen Enschede Airport Twente werden.  Auf dem geplanten Flughafen sollen bis zu 22.000 Flugzeuge pro Jahr starten und landen. So steht es im Entwurf eines Betriebsplans, den das niederländische Ministerium für Infrastruktur und Umwelt unlängst veröffentlicht hat. Die Zahl der Flugbewegungen entspricht einem Aufkommen von 900.000 Passagieren. Erste Maschinen sollen schon 2015 in Twente starten.

Bildschirmfoto 2014-04-16 um 23.29.32Die Flughafen-Pläne sorgen seit Jahren für großen Unmut zwischen der Provinz Overijssel und den deutschen Nachbarn. Problematisch  wird das Vorhaben auch durch die neue Flughafen-Richtlinie der EU-Kommission. Diese sieht nicht nur vor, dass Airports nach Ablauf einer Frist von zehn Jahren keine Beihilfen fürs operative Geschäft mehr erhalten dürfen.

Festgeschrieben hat Brüssel außerdem, dass Flughäfen keinerlei staatliche Subventionen erhalten dürfen, die in einem Abstand von weniger als 100 Kilometer zum nächsten Flughafen errichtet werden sollen: Von Twente bis zum defizitären Flughafen Münster/Osnabrück in Greven (FMO) sind es nur 80 Kilometer.

Die Flughafengegner diesseits der Grenze sind nicht beruhigt von neueren  Zusicherungen der niederländischen Planer, dass die Anflugrouten nicht über das grenznahe Deutschland führen werden. Für die Kritiker jenseits der Grenze sind vor allem die Auswirkungen „unzumutbar („onaanvaardbaar„), die das Projekt auf die Natur hat. So müssten beispielsweise Tausende von Bäumen auf den künftigen Anflugrouten gefällt werden. Unter anderem wird der Wald im Naturschutzgebiet Hoge Venterink bei Oldenzaal der Kreissäge zum Opfer fallen. Es ist ein besonders prächtiger Forst mit Laubbäumen wie Linde, Ulme und Feldahorn und einer reichen Tierwelt.  Insgesamt sollen „840 Hektar Wald vernichtet“ werden, klagt Naturschützer Jaap Braad von der Umweltschutzorganisation Natuurmonumenten und erläutert: „Die Wälder in Twente bestehen aus sehr wertvollem alten Laubwald auf nährstoffreichen, feuchten Böden und fielen Quellen und Bächen. Es gibt zahlreiche Fledermausarten, Eulenvögel und fünf vom Aussterben bedrohte Spechtarten.“ Kaum vorstellbar, dass angesichts dessen das Projekt Enschede Airport Twente eine einigermaßen objektive Umweltverträglichkeitsuntersuchung überstehen kann.

Und die Betroffenen werden aktiv. Natuurmonumenten hat jetzt binnen nur 14 Tagen insgesamt 16.458 Einsprüche gegen den Enschede Airport Twente gesammelt und dem zuständigen niederländischen Ministerium vorgelegt.

(Foto oben: Ferry Siemensma; Quelle: Natuurmonumenten.nl)