Sabine III

28. Juni 2010

Um es gleich vorweg zu sagen: Mehr als die Information, dass der CDU-Oberbürgermeisterkandidat männlich, aus dem Raum Osnabrück kommen und bei der Deutschen Umweltstiftung arbeiten soll, habe ich nicht herausfinden können.  Bei dem geheimen CDU-Kandidaten soll es sich übrigens nicht um den Abteilungsleiter der Deutschen Umweltstiftung Ulrich Witte handeln, der in den 1990er Jahren ein paar Jahre der Lingener CDU vorsaß. Der Mehrheitsladen hält -nach dem Doppelfiasko mit dem Nein von Ralf Büring und dem Rückzug von Irene Vehring- diesmal  eben  vordemokratisch dicht. Angeblich will man den Kandidaten, nicht zu sehr der Kritik aussetzen. Die „Lingener Tagespost“ und viel Wahlkampfgeld sollen es dann richten. Das alles ist eine eher lächerliche Geheimhaltung und damit nichts anderes als politische Schwäche.

Also befassen wir uns mit anderen Fakten: Sabine Stüting kandidiert für die BürgerNahen. Die FDP wird mit Jens Beeck antreten, Die Linke nominiert – wie seit längerem bekannt – Jörg F. Küster. Einen gemeinsamen Kandidaten präsentieren Bündnis 90/Grüne und SPD  morgen bei einem Pressegespräch um 10.30 Uhr im historischen Rathaus. Es ist -nicht weitersagen!-  der Musik- und Erdkunde-Lehrer Dieter Krone (Foto links) vom Franziskusgymnasium. Der Kandidat war so geheim, dass er sogar den eigenen Mitgliedern erst in allerletzter Minute mitgeteilt wurde; nur Birgit Kemmer plapperte schon im voraus und irgendwo im städtischen Osten wurden auch Infobriefe etwas früher verteilt als geplant. Krone konnte im Gespräch übrigens weder die FDP noch die BürgerNahen überzeugen. Das lag weniger an der Person als vielmehr an seinen Aussagen, die vor allem vom versammelten wirtschaftspolitischen Sachverstand bei den BürgerNahen zerpflückt wurde; bei der FDP war ich übrigens -es wird sie nicht wundern –  nicht zugegen.
Abgesehen davon, dass Dieter Krone von den rot-grünen Protagonisten reichlich laienhaft als Kandidat präsentiert wurde, ist er sicherlich ein sympathischer Mann. Er war auch in der BI Arenawahn führend tätig. Krone ist auf einem Bauernhof in Talge-Wilsten (Beesten) groß geworden, und sein Faible ist die Musik. Er leitet verdienstvoll die Lingener Chorwerkstatt und manches musikalische Projekt und Konzert in der Region. Aber mit  Ausnahme gelegentlicher Auftritte des Nikolaus vor Weihnachten wird bekanntlich im Rathaus nicht gesungen. Meine Frage nach der ersten Vorstellungsrunde  Krones an Jens Beeck war: „Reicht das für acht Jahre harte Arbeit in einem verfilzten Rathaus?“
Meine Antwort heißt Sabine. Bei der weiß ich, dass sie das kann.

(Foto: Rathaus © paneb-bs, pixelio.de)

Menetekel

31. Mai 2010


Huch! Noch ein Rücktritt. Ich meine, es war doch nur (m)ein bisschen Kritik an unbedachtem Geplapper und an falscher Wortwahl erst hier und dann hier. Da muss die wie der Kritisierte doch nicht gleich zurücktreten – erst Irene und jetzt noch Horst!  Nein, da müssen andere Gründe eine Rolle spielen. Eine Alternative wäre sicherlich, wenn Stefan Raab mit seinen brainpool-Leuten die öffentliche Darstellung… Aber singen kann seit Walter Scheel keiner der Kandidaten (Hinweis für die jüngeren Leser: der Walter konnte auch Postkutsche!) und Guildo Horn ist ja (wirklich!) sowieso Horst Köhler… Sie sehen mich verwirrt, wenn auch endlich fieberfrei. Ich verwerfe also die schräge Konzeptidee. Nur das kleine, beißende Youtube-Video darf bleiben.

Denn natürlich ist der Rücktritt Köhlers nicht bloß ein Amtsverzicht wie damals bei Amtsvorgänger Heinrich Lübke. Er ist für Schwarzgelb ein Menetekel und mehr als das -zudem in der Rücktrittsrede bedauerlicherweise fehlende- Eingeständnis eines völlig verunglückten Interviews. Es ist die Konsequenz kalter Ablehnung des Mannes aus den schwarz-gelben Reihen. Horst Köhlers schwarz-gelber Spiegel: Freunde, Ihr könnt es nicht.

Die Politik, die Bloggerszene und die drum rum sind allesamt sprachlos: Guido Westerwelle wie erwartet sogar mit Worten. Verwirrt mit Grund sind auch die Kollegen bei den Ruhrbaronen, die sowieso gerade inhaltlich etwas abdrehen. Sie dröhnen uns gleich „Kriegs-Köhler“ um die Ohren. Setzen Jungs, Neustart versuchen!  Michael Sprengs Analyse passt da -wieder mal- schon eher.

Also ein Menetekel, weshalb ich nicht viel darauf setze, dass in einem Jahr die Bundeskanzlerin noch Angela und der Außenminister Guido heißt. Übrigens: Es ist keine Schande, drei Mal anzutreten, wenn man für ein Amt kandidiert, Frau Schwan.

Reset

27. Mai 2010

„Mit großen Bedauern erkläre ich, dass ich meine Kandidatur zur Wahl der Oberbürgermeisterin zurückziehe.“ Das erklärte heute Irene Vehring CDU) gegenüber ihren Kollegen in der Stadtratsfraktion und dann gegenüber der Lingener Tagespost. Damit verzichtete sie darauf, als CDU-Kandidatin bei der Neuwahl des Lingener Oberbürgermeisters anzutreten. Sie gab gesundheitliche Gründe an.
Kaum aus Solidarität hat sich seit Pfingsten auch der große Meister dieses Blogs, der Sie immer so avatarnett anlächelt und weil ich die Funktion nicht beherrsche, unten als Verfasser genannt wird -,  krank abgemeldet und mir vertretungsweise sein Amt übertragen. Es habe ihn „ernsthaft erwischt“, wie er sagt.
Also, was nun? Die Ratsmehrheit und die Ratsminderheit suchen weiter und vielleicht werden Kleingeister gar noch eine Zeitungsanzeige aufgeben, um jemanden zu finden. Notnägelchen, hieß es zu Frau Vehring vorlaut an anderer Stelle. Jetzt, wo sie die Reset-Taste gedrückt hat, passt dieses Etikett für den -dann dritten- CDU-Kandidaten bestimmt.

Jonas Johannsen (JJ)

ps Reaktionen:   CDU –  SPD –  Bündnis’90/Grüne  –  FDP  –  Die Bürgernahen

Sahne

21. Mai 2010

„Herr Koop, ich kenne Sie. Ich weiß, dass Sie mich provozieren wollen. Aber ich lasse mich nicht provozieren und ich werde deshalb nicht sagen, dass…“

Die frischgebackene CDU-Kandidatin Vehring antwortete dann doch noch in der Ratssitzung am Donnerstag auf meine etwas spöttische Bemerkung, ich sei „eigentlich nur deshalb zur Ratssitzung gekommen, um zu hören, was die neue Kandidatin zur Stellungnahme der Stadt zum Regionalen Raumordnungsprogramm zu sagen hat, und nun schweigt sie.“ Frau Vehring sagte dann, was sie nicht sagt. Ich hab’s nicht verstanden, und es war auch eher nicht von großer Bedeutung. Enttäuschend, weil doch Debatte und Diskussion das Salz in der Demokratie sind.

Egal. Die eigentliche personelle Überraschung dieser Ratssitzung war für mich Erster Stadtrat Ralf Büring, der bislang ein loyaler Arbeiter für den unverhofft abgewanderten OB war. Der promovierte Jurist, der jetzt Chef der Stadtverwaltung ist, lief zu wirklich großer Form auf. Die massiven Angriffe aus den Reihen der Ratsherren gegen Stadtbaurat L. und dessen schräge „GVZ“-Argumente ließ er diesen selbst ausbaden, bevor er souverän seine Position zum Regionalen Raumordnungsprogramm darstellte. Als er dann die Feuerwehrleute in ihre Ämter beförderte und entließ, schien es gerade so, als sei er in seinem Element. Noch mal souverän.  Das war erste Sahne, was der Mann am Donnerstag abgeliefert hat (und nicht nur dicke Milch wie mein Freund Jens B.).

Vielleicht sollte die Ratsminderheit mal fragen, ob Stadtrat Büring nicht doch am 12. September…. 😉

Das

18. Mai 2010

„Der Vorstand des CDU-Stadtverbandes hat die 45-jährige Ratsfrau Irene Vehring am Dienstagabend als Kandidatin für das Oberbürgermeisteramt in Lingen vorgeschlagen. Nach dem einstimmigen Votum im Konrad-Adenauer-Haus muss nun eine Mitgliederversammlung der CDU einberufen werden.“ Diese Mitteilung erreicht mich heute Abend.

Die Mutter von zwei Kindern, die in der Rechtsabteilung des  Energieversorgungsunternehmens GDF SUEZ im Rahmen einer Teilzeitstelle als Juristin tätig ist, wird -keine Frage- am 15. Juni von den CDU-Mitgliedern bestätigt werden. Ich rechne mit mindestens 100%. Anschließend tritt die Arztgattin am 12. September zur OB-Wahl durch die Lingener Bürgerinnen und Bürger an. „Ich traue mir diese Aufgabe zu und sehe das als eine große Herausforderung an“, sagte die CDU-Frau laut einem vorbereiteten Artikel in der Lingener Tagespost nach ihrer Nominierung. Erst vor vier Jahren war Frau Vehring erstmals in den Rat der Stadt Lingen gewählt worden.

Die CDU-Kandidatin ist zwar Vorsitzende des Kulturausschusses der Stadt, jedoch in dieser Funktion bislang nicht sonderlich aufgefallen. Allerdings äußerte sie sich in einem Interview zu Schülern des Lingener Georgianum zur jüngeren deutschen Geschichte so: „Zum einen war Bernd (Rosemeyer) bei seinem Eintritt in die SS mit 23 Jahren noch jung. Zum anderen wurde die SS ursprünglich mit der Maßgabe des Ausführens des Polizeidienstes innerhalb der Partei (gegründet). Das heißt der Charakter der späteren SS war zur Zeit seines Eintritts noch nicht ganz klar. Außerdem galt die SS im Gegensatz zur SA als Elite-Organisation.“  Ich halte dies für eine völlig verquaste, indiskutable Position zu einer verbrecherischen Nazi-Organisation.

Die Ratsminderheit wird sich am 1. Juni erneut treffen und sich -so hoffe ich- auf einen eigenen gemeinsamen Wahlvorschlag einigen.

Nachtrag:  Hier erste Stellungnahmen von

CDUSPD Die BürgerNahenFDP – Bisher nichts von: Bündnis’90/Grüne