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Hurensohn

25. Februar 2018

Inzwischen treib ich mich jetzt schon eine Ewigkeit im Netz herum. Meine erste Webseite hatte ich 1996. Damals gab es noch angenehme Diskussionen um Netiquette; so hieß das aus dem englischen net für das „Netz“ und dem französischen etiquette stammende Wort für „Verhaltensregeln“, die das gute oder angemessene und achtende (respektvolle) Benehmen im Internet bezeichnete. Das hat sich inzwischen ebenso weiter entwickelt wie die deutsche Politik, in der der Pöbel jetzt Nazigeschrei bejubelt.

Und wie geht es heute zu? Guck’ste mal hier:

(gefunden bei Schlecky Silberstein)

Füttern? Füttern!

23. Oktober 2016

„Don’t feed the troll“ – so lautet eine alte Weisheit aus den frühen Internettagen. Im Grundsatz hat sie auch heute noch Relevanz: Netzkommentatoren mit einem Faible für Provokation oder dem Bedürfnis, ihren Frust an anderen zu entladen, drehen dann so richtig auf, wenn sie Beachtung erfahren. Auf Trolle nicht weiter einzugehen, kann somit ein Ansatz sein, um sich Zeit, Ärger und schlechte Laune zu ersparen.

Doch angesichts einer um sich greifenden Polarisierung in der digitalen Welt hat das Nichtreagieren auf Trolle einen enormen Nachteil: Der fehlende Widerspruch auf hetzerische, pöbelnde und populistische Parolen produziert ein verzerrtes Gesamtbild. So werden aus Minderheitsmeinungen für den flüchtigen äußeren Beobachter, für Journalisten und Politiker, aber auch für die Trollenden selbst scheinbare Mehrheitsmeinungen. Erst recht, seit immer mehr Social Bots [mehr hier…] in den Debatten bei Facebook und Twitter mitmischen.

Ein verlässliches Bild davon, wie viele Personen tatsächlich hinter einer extremen Position und dem dazugehörigen Hashtag stehen, lässt sich ohne tiefgehende Analysen kaum erhalten. Bots, Trolle aus Fleisch und Blut (teilweise mit mehreren Accounts) sowie Sympathisanten und Mitläufer agieren in gemeinsamer Mission und schaffen es teilweise, mit fragwürdigen Standpunkten, Desinformation und der Verbreitung falscher Fakten alle moderaten Anwendergruppen zu übertönen.

Trollen widersprechen, ohne sie überzeugen zu müssen

Das Ausbleiben konfrontierender Reaktionen wird in einer solchen Umgebung zum Problem. Bislang sind es primär einige wenige Aktivisten und Einzelkämpfer, die sich mit Trollen anlegen. Doch die breite, die Extrempositionen der Populisten und Radikalen nicht teilende Netzöffentlichkeit kann etwas tun: Sie kann aufhören, die Trolle* zu ignorieren, und sie stattdessen zur Rede stellen.

Wohlgemerkt nicht mit…

[weiter bei t3n.de]

ländlicher Raum

10. August 2016

Das SommerlochPeter Hauk ist in Baden Württemberg seit dem 12. Mai 2016 im Kabinett Kretschmann II in der grün-schwarzen Koalition der verantwortliche Landesminister für den Ländlichen Raum, Verbraucherschutz und Landwirtschaft. „Verbraucherschutz“ ist das wenigste, was er kann, ansonsten ist er Diplom-Forstwirt. Als strammer Katholik im ländlichen Raum ist er außerdem seit vier Wochen standesgemäß das dritte Mal verheiratet

Wikipedia weiß über den Mann: „Im Mai 2014 distanzierte sich Hauk nach massiver innerparteilicher Kritik von seinem Vorschlag, dass die CDU auch künftig mit der AfD koalieren könnte.“

Die CDU hat die jüngste Landtagswahl in Baden Württemberg verloren, und für sie sitzen fast nur noch Kandidaten aus dem „ländlichen Raum“ im Stuttgarter Landtag. Also da, wo die Menschen auch einen schwarzen Stock wählen, wenn das Schild CDU dran geklebt ist. [Das soll ja auch andernorts nicht unbekannt sein].

Peter Hauk also fordert aktuell ein härteres Vorgehen gegen Straftaten und Hetze im Internet. Außerdem plädiert er für eine Deutschpflicht in sozialen Netzen. Auch Gewaltspiele sollten unter die Lupe genommen werden.

„Welch‘ ein Befreiungsschlag“, kommentiert sarkastisch Felix von Leitner! Man sieht die ganzen liberalen Grundwerte, die hier vertreten werden, wenn der Staat den Menschen mehr Freiheiten geben will! 

Bei der Deutschpflicht in sozialen Netzen geht es übrigens um die Türken, die sich jetzt als Erdogan-Anhänger herausgestellt haben. Offensichtlich hat das baden württembergische Landesamt für Verfassungsschutz das vorher nicht mitbekommen, weil ihnen Übersetzer für die türkische Sprache fehlten. Daher sollen die Leute jetzt eben angehalten werden, alles  gleich auf Deutsch zu schreiben. Das geht ja auch wirklich nicht, dass die Bürger die wohlmeinende Totalüberwachung des Staates durch die Nutzung von Feindsprachen als Chiffre sabotieren!

(Quelle Fefe; Bild Peter Hauck CC-BY-SA 4.0)

Netzsperren

21. Juni 2016

Die EU-Abgeordnete Monika Hohlmeier von der CSU ist aktuell die treibende Kraft für die Einführung von Netzsperren innerhalb der Europäischen Union. Und sie könnte sich damit erfolgreich durchsetzen. Netzpolitik.org warnt und informiert:

Als Reaktion auf die Anschläge in Paris hat die EU-Kommission einen Prozess für eine Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung gestartet. Um Aktionismus zu simulieren und das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken wurde dabei die Überholspur innerhalb der EU gewählt und die Richtlinie anschließend ohne ein „Impact Assessment“ (Folgenabschätzung) in den Gesetzgebungsprozess gebracht. Ein solches Impact Assessment gleicht den Gesetzesentwurf mit empirischen Befunden ab und zeigt mögliche Alternativwege auf. Dies ist üblicherweise für alle Gesetzesvorschläge notwendig. In diesem Fall nicht und das sollte bereits zu denken geben.

Die EU-Staaten nahmen die Einladung für den schnellen Gesetzgebungsprozess dankend an und wünschten sich für die Richtlinie neue Absätze, welche die Blockade von Webseiten erlauben, die „öffentlich zur Begehung terroristischer Straftaten auffordern“, ohne Hinweise darauf, ob der Inhalt legal oder illegal ist oder warum solche Websperren ihrer Ansicht nach eine gute Idee sind. Dazu kommt noch der Vorschlag der Mitgliedstaaten, die „Erfassung, Registrierung und Aufnahme von Äußerungen und Gesprächen in privaten oder öffentlichen Fahrzeugen oder an privaten oder öffentlichen Orten sowie von Bildmaterial von Personen in öffentlichen Fahrzeugen und an öffentlichen Orten […]“ vorzusehen.

Nun kommt Monika Hohlmeier von der CSU ins Spiel. Sie ist Mitglied im Innenausschuss des EU-Parlaments und wurde zur Berichterstatterin der Richtlinie zur Terrorismusbekämpfung gewählt. Als Berichterstatterin hat man viel Macht und Einfluss, vor allem wenn der Gesetzgebungsprozess wie in diesem Fall durch das Schnellverfahren sehr intransparent ist und das Thema im EU-Parlament alleinig im Innenausschuss debattiert wird.

Heute steht im Innenausschuss die entscheidende Abstimmung an, mit welchen Positionen das EU-Parlament, vertreten durch Monika Hohlmeier, in die sogenannten Trilog-Verhandlungen mit EU-Kommission und EU-Rat gehen wird. Und plötzlich liegt ein „Kompromissvorschlag“ von Monika Hohlmeier auf dem Tisch, der die Idee der EU-Staaten zur möglichen Einführung von Netzsperren weiterdenkt und das verbindlicher formuliert….“

weiter bei Netzpolitik.org

Die Texte des Freihandelsabkommen TTIP sind auf dem Verhandlungsstand von April diesen Jahres geleaked und downloadbar. netzpolitik.org hat gemeinsam mit EDRi die Stellen gesichtet, in denen es um das Internet geht. Hier ist eine allererste Kurzanalyse, unter anderem aus dem konsolidierten Text zur elektronischen Kommunikation:

Article X.5: Regulatory flexibility
Dieser Artikel enthält ähnliche Vorschläge, wie sie die USA im TiSA-Abkommen gemacht haben. Er gibt den nationalen Telekommunikationsregulierungsbehörden sehr viel mehr Macht als die EU ihnen bisher zuschreibt.

Article X.6: Review of legislation
Problem an diesem Artikel dürfte der Absatz „to repeal or modify any such regulation“ sein, der bedeutet dass die Regulierungsbehörden die Macht bekommen um Regulierungen aufzuheben oder zu ändern – und das ohne jegliche demokratische Rechenschaftspflicht und Verantwortlichkeit.

Article X.7 (1): Technological Neutrality 
Der Text „No Party may prevent a supplied of telecommunications services from choosing the technologies it desires to use to supply its services subject to requirements necessary to satisfy legitimate public policy interests, provided that any measure restricting such choice is not prepared, adopted, or applied in a manner that creates unnecessary obstacles to trade“ ist der gleiche wie der US-Vorschlag in TiSA. Was aber könnten „unnötige Handelshindernisse“ sein? Könnte der EU-Datenschutz auf einmal als „unnötiges Handelshindernis“ interpretiert werden? Eines ist klar: unnötiges Handelshindernis ist eine viel zu breit interpretierbare Definition.

Article X.10: Access and Use
Hier bieten die Paragrafen 3 und 4 keinen Datenschutz, wie er in der Datenschutz-Grundverordnung oder der E-Privacy Directive festgeschrieben ist.

Article X.10(3):
Der Artikel sagt, dass ein EU-Land sicherstellen muss, dass eine US-Firma öffentliche Telekommunikationsdienstleistungen nutzen darf „for the movement of information“ und für „information contained in databases or otherwise stored in machine-readable form“. Was ist aber, wenn die Firma europäische Datenschutzrichtlinien nicht respektiert? Paragraf 4 sagt sehr klar, welche Bedingungen dafür erfüllt werden müssen – Datenschutz und Privatsphäre gehören nicht dazu.

Article 48:
In Artikel 48 geht es um die Vertraulichkeit von Information. Es heißt: „Each Party shall ensure the confidentiality of electronic communications and related traffic data by means of a public electronic communication network and publicly available electronic communications services without restricting trade in services.“ Die Einschränkung am Ende kann heißen, dass Vertraulichkeit von Information zum Handelshindernis erklärt werden kann.

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netzpolitik.org sichtet die jetzt bekannt gewordenen TTIP-Dokumente nach weiteren Feldern wie „geistiges Eigentum“ und liefert dann später nochmal umfassender nach. Unter der Überschrift TTIP: Intransparenz, Protest und Winkekatzen präsentiert die Plattform zudem einen Überblick über die anderen Politikfelder und hat die Geschichte des Abkommens aufbereitet.

ps Dienstag dieser Woche meldeten die Agenturen: Frankreich lehnt das TTIP-Abkommen mit den Vereinigten Staaten „in diesem Stadium“ der Verhandlungen ab. Sein Land werde niemals akzeptieren, dass zentrale Prinzipien „für unsere Landwirtschaft, unsere Kultur, für wechselseitigen Zugang zu öffentlichen Aufträgen“ infrage gestellt würden, sagte Präsident François Hollande in Paris.

 

(Quelle FAZ; netzpolitik org: Creative Commons BY-NC-SA 3.0.)

Lösch das Internet!

10. April 2016

Moop Mama

Ja wer wird denn gleich? Das Internet löschen? Plz don’t! Spaß beiseite. Schöner Track, schöner Text über 1st World Problems mit evtl. viel tiefer gehenden Wurzeln und ein Wahnsinns-Instrumental. Mit echten Instrumenten. Oder wie einer der ersten Kommentatoren unter dem Youtube-Video passend kommentiert:

ich war in Balingen beim Sportfreundestiller Konzert ihr habt davor gespielt.

Danke, Internet. Eine Liebe!

Schöner Sommerhit, das Ding. Mit Deichkind als Interpret würde das Ding euch schon von allen Seiten über eure Facebook News Streams schwappen, wetten? Das neue Album „M.O.O.P.topia“ kommt am 27.05.16.

[auch das großartige Youtube-Video – gefunden bei den Blogrebellen via Testspiel ]

Internet

7. März 2016

JVALingenDie rot-schwarze Koalition in der Bundeshauptstadt plant testweise ein Pilotprojekt, das Strafgefangenen den Zugang zu ausgewählten Internetseiten gewähren soll.

Das sieht ein Antrag der rot-schwarzen Senatskoalition (PDF) vor, der an diesem Mittwoch in den Rechtsausschuss eingebracht werden soll, wie eine Sprecherin der Justizverwaltung sagte. Sie bestätigte damit einen Bericht der Berliner Morgenpost am gestrigen Sonntag. Das Pilotprojekt sei noch in einer sehr frühen Phase, sagte die Sprecherin.

Einige Strafgefangene sollen „unter Beachtung der besonderen Sicherheitserfordernisse des Justizvollzuges“ zuvor ausgewählte Seiten nutzen dürfen, die besonders der Resozialisierung dienen. Dazu gehören dem Bericht zufolge Angebote von Fortbildungseinrichtungen, Seiten der Arbeitsagentur, Wohnungsportale, Nachrichtenseiten oder das Internetlexikon Wikipedia.

Das „Projekt Resozialisierung durch Digitalisierung“ soll zusammen mit Änderungen des Strafvollzugsgesetzes auf den Weg gebracht werden. Wenn das Abgeordnetenhaus dem Projekt zustimmt, wäre Berlin das erste Bundesland, das Gefangenen eine eingeschränkte Nutzung des Internets ermögliche. Geprüft werden solle auch, ob Inhaftierte Internettelefonie nutzen und an zuvor geprüfte Empfänger E-Mails verschicken dürfen.

Die Initiative für die kontrollierte Internetnutzung gehe auf die SPD zurück, hieß es. In der CDU hätten einige noch Bedenken. Laut Justizsenator Thomas Heilmann (CDU) stecke das Projekt noch in den Anfängen. Es soll in einer Teilanstalt der JVA Heidering getestet werden.

(Quelle: heise.de)

Berlinale ’14

6. Februar 2014

Berlinale2014Heute beginnt die Berlinale. Immer schon sind die Internationale Filmfestspiele Berlin – so der offizielle Name – eines der politischeren Filmfestivals. Dabei gab es internetspezifische Anliegen in den letzten Jahren eher weniger. Filme und Beiträge, die entweder vom Inhalt, der Produktion oder der Lizensierung die das Internets zum Gegenstand hatten, standen nicht im Mittelpunkt. Auch auf dieser Berlinale findet die Thematisierung von NSA, digitaler Überwachung und ungeschminkter Homespionage (noch) nicht wirklich statt. Doch die Aktivisten von netzpolitik.org haben zum Thema  eine kleine Auswahl an Berlinale-Filmen aus diesem und aus vergangenen Jahrgängen zusammengestellt.
Guckst Du hier. Und noch ein Beispiel aus diesem Jahr:

House of Cards erzählt die Machtspiele des fiktiven US-Demokraten Frank Underwood und ist ähnlich wie die dänische Serie Borgen unter PolitikerInnen ausgesprochen beliebt. Es ist explizit keine inhaltlich netzpolitische Serie aber dafür ist der Vertriebsweg, der eingeschlagen wurde, fortschrittlich. Es ist eine der ersten TV-Serien, die ausschließlich per Online-Streaming verfügbar sind und aus dieser Reihe die erste, die mit haufenweise Preisen überschüttet wurde (und das zu Recht!). House of Cards hat gezeigt, dass Formate die nur noch das Internet als Vertriebsweg benutzen keine inhaltliche und kommerzielle Nullnummer sein müssen. Am 14. Februar wird die gesamte zweite Staffel online gestellt und am 16. Februar zeigt die Berlinale die beiden ersten Folgen im Haus der Berliner Festspiele als “Berlinale Special TV Event”. „[von Netzpolitik.org]

auch sonst

24. Juli 2013

mobiles_internetRund 94 Prozent der 16- bis 75-Jährigen  Niederländer nutzen das Internet.  Das zeigen jüngst veröffentlichte Zahlen der niederländischen Statistikbehörde CBS. Neben Schweden liegt das Land damit an der europäischen Spitze. Auch mit 56 Prozent mobiler Internetnutzer liegen die Niederlande über dem europäischen Durchschnittswert von 35 Prozent. In Deutschland liegt dieser Wert übrigens nur bei mageren 31 Prozent.

Auch sonst sind die einst als vergleichsweise liberal gehandelten Nachbarn europäische Spitze: Bei der Überwachung ihrer Bürgerinnen und Bürger. Die aktuelle „Schnüffelstatistik der Niederlande ist draußen. Wenn man bedenkt, dass da nur knapp 17 Millionen Menschen wohnen, sind die Zahlen recht krass: 25.487 Telefonanschlüsse abgehört, 56.825 Verkehrsdatensätze beschlagnahmt, 16.676 Internetanschlüsse mitgeschnorchelt. Da ist die Steigerungsrate am größten, das waren im Vorjahr nur 3.331.“ (Quelle)

(Foto:  Hakan Dahlström/cc-by)