Wiesenhof

13. Juni 2020

Die Konzerngesellschaft der Meyer Werft hat sich schon vor ein paar Jahren steueroptimiert nach Luxemburg abgemeldet. Jetzt hat die PHW-Lohmann & Co AG  laut Handelsregister ihren Sitz von Visbek im Oldenburger Land gar nach Vaduz/Liechtenstein verlegt. Das Unternehmen kennen Sie nicht? Doch das kennen Sie: PHW tritt unter „Wiesenhof“-Geflügel am Markt auf.

Der Konzern hat flugs einen Medienbericht zurückgewiesen, dass dies steuerliche Gründe habe und behauptet, die Verlegung sei „aus Gründen der künftig zunehmenden Internationalisierung der Lohmann & Co. AG“ erfolgt. Diese Mär hat eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber der Oldenburgischen Volkszeitung aufgestellt und dann den Vorwurf der Grünen im niedersächsischen Landtag „entschieden zurückgewiesen“, die in der Verlegung ein Steuersparmodell sehen. Der Vorwurf entbehre „jeglicher Grundlage“.

Für den finanzpolitischen Sprecher der Grünen im Landtag und ehem. Umweltminister des Landes, Stefan Wenzel, eine wenig überzeugende Erklärung: „Ich halte die Begründung für die Verlagerung des Hauptsitzes eines großen niedersächsischen Konzerns nach Liechtenstein für unglaubwürdig und lediglich vorgeschoben. Ich fordere die Landesregierung auf, die Entwicklung der Verrechnungspreise zwischen den vielen Konzerngesellschaften sehr genau zu prüfen. Mit der Verlegung des Sitzes umgeht Lohmann auch die Meldung der wirtschaftlich Berechtigten des Konzerns an das Transparenzregister. Diese Regelung war nach Bekanntwerden der sogenannten Panama-Papers eingeführt worden, um Geldwäsche zu verhindern“, so Wenzel.

Merkwürdig findet Wenzel außerdem, dass die Landesregierung behauptet, sie habe nichts von der Sitzverlagerung gewusst. Hier besteht seiner Ansicht nach offenbar nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch bei der Landesregierung selbst noch großer Aufklärungsbedarf über die Hintergründe.

Als „Repräsentanz/Zustelladresse“ findet sich für die Lohmann & Co. Aktiengesellschaft im Handelsregister des Fürstentums der Finanzdienstleister „Ganten Trustees Ltd.“ in Vaduz. Der taucht 2017 auch in den sogenannten „Paradise Papers“ auf, die enthüllten, wie zum Beispiel auch Konzerne häufig ganz legal Gelder/Gewinne in Steueroasen verschoben haben, um Steuern zu sparen oder eben, wie es so schön heißt, um „Steueroptimierung“ zu betreiben.

Zum Hintergrund

Die PHW Gruppe – Lohmann und Co AG vertreibt insbesondere Hähnchen und Putenfleisch unter der Marke Wiesenhof, zudem Tierernährung und Veterinärprodukte. Nach eigenen Angaben hat sie 6.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und 2,6 Mrd. € Umsatz.

Englisch

10. Januar 2020

Vor allem bei Deutschen sind niederländische Universitäten dafür bekannt, das an ihnen auch auf Englisch studiert werden kann. Manche ausländische Studenten sprechen sogar kein einziges Wort Niederländisch. Das wurde in der Vergangenheit des Öfteren kritisiert. Nun trifft die Universität Twente im benachbarten Enschede die Entscheidung, Englisch zur offiziellen Unterrichts- und Verwaltungssprache der gesamten Universität zu erklären.

Die Umstellung auf Englisch als alleinige Unterrichtssprache wird vor allem als Überlebensstrategie der Universität Twente gedeutet. Laut der niederländischen Tageszeitung Trouw war die Zahl der Studierenden, deren Muttersprache Niederländisch ist, bereits seit längeren rückläufig. Daher sollen durch die neue Maßnahme mehr ausländische Studierende angelockt werden. Laut Direktor Victor van der Chijs passe diese Umstrukturierung auch gut in das Profil einer technisch orientierten Universität. Bereits jetzt sind rund 30 Prozent mehr ausländische Studierende an der Uni Twente eingeschrieben, als an anderen niederländischen Universitäten. Auch fast die Hälfte des Personals, sprich der Dozenten, sei mit einer anderen Muttersprache als Niederländisch aufgewachsen.

Laut der Tageszeitung de Volkskrant sei die Veränderung, die ab dem 01. Januar dieses Jahr in Kraft getreten ist, primär in der Verwaltung der Universität spürbar. Alle Sitzungen oder Besprechungen müssen fortan auf Englisch geführt werden. Van der Chijs betont außerdem, dass die Entscheidungsgewalt über die Unterrichtssprache de facto noch immer bei den einzelnen Studienfächern selbst liege. Werden Studierende speziell für die Arbeit auf dem niederländischen Arbeitsmarkt ausgebildet, dann könne der Unterricht weiterhin auf Niederländisch stattfinden. Das würde bedeuten, dass diese Umstellung vor allem Symbolcharakter habe.

Trotzdem wird die Uni Twente für diesen Schritt kritisiert. Dick Meijer, Mathematikdozent der Uni Twente, habe die Erfahrung gemacht, dass in englischsprachigen Seminaren und Vorlesungen nicht dasselbe Niveau erreicht wird, als in niederländischsprachigen. Nicht alle Studierende und Dozenten beherrschen das Englische laut Meijer gleich gut, weshalb sich manche Studierende gehemmt fühlen, aktiv am Unterricht teilzunehmen.

Die Internationalisierung niederländischer Universitäten – bei der die Umstellung der Unterrichtssprache einen wichtigen Schritt darstellt – ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits werden Universitäten dadurch inklusiver, können sich vergrößern und kreieren eine internationale Atmosphäre. Gleichzeitig kommen viele Studierende oder Promovierende lediglich für ihren Abschluss in die Niederlande und verlassen sie daraufhin direkt wieder. Ihre Ausbildung kostet den niederländischen Staat Geld, das er nicht wiedersieht, da diese Personen nicht in den Niederlanden arbeiten.

Eigentlich sollte das Niederländische durch das Wet taal en toegankelijkheid (auf Deutsch „Gesetz für Sprache und Zugänglichkeit“) eine stärkere Rolle an Universitäten bekommen. Das die Universität Twente daher auch kritisiert wird, sollte vor diesem Hintergrund eigentlich keine Überraschung sein. Laut Van der Chijs sei diese Entscheidung allerdings bereits vor fünf Jahren getroffen worden. Sie ist jetzt mit dem Jahreswechsel 2019/2020 in Kraft getreten.


Quelle Niederlande.Net / Foto: Galaufs CC Naamsvermelding-GelijkDelen 4.0 Internationaal