Spurwechsel

16. August 2018

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD; Foto lks) hat sich für einen Verbleib abgelehnter Asylbewerber_innen in Deutschland ausgesprochen, sofern sie gut integriert sind und eine Perspektive auf dem Arbeitsmarkt haben. Er unterstützt damit einen Vorschlag des schleswig-holsteinischen Regierungschefs Daniel Günther von der CDU. Im „Morgenmagazin“ von ARD und ZDF sprach sich Weil für „mehr Pragmatismus und gesunden Menschenverstand“ in der Debatte aus.

Der Flüchtlingsrat Niedersachsen begrüßt den Vorstoß. Es erscheint absurd, Menschen abzuschieben, die hier bei uns arbeiten und längst ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben, und parallel dazu Fachkräfte im Ausland anzuwerben.

Weitere Infos auf der Homepage des NDR

Leeuwarden-Fryslân 2018

1. Januar 2018

2018 zeigen wir, wie wir Friesen das Leben feiern. Wie wir uns mutig trauen, aus der Masse hervorzustechen, um der Welt unsere eigenwillige Art zu zeigen. Unsere Landschaft ist die Bühne und alle sind eingeladen. Packen Sie die Badesachen ein, vergessen Sie die Gummistiefel nicht, setzen Sie die Kappe auf und nehmen Sie Ihre neue Sonnenbrille mit. Was wir vorhaben, wird nicht verraten, und Sie werden nicht nach Hause gebracht. Das macht auch nichts, denn einmal in Friesland angekommen, möchten Sie nie wieder nach Hause.

Das klingt selbstbewusst, was uns die Friesen da mitteilen. Dafür haben sie auch allen Grund: Das niederländische Leeuwarden baut in diesem Jahr das EU-Projekt „Kulturhauptstadt Europa“ zum gesellschaftlichen Experiment aus. Anhand von Kunst und Kultur soll in der friesischen Regionalhauptstadt der Traum einer offenen Gesellschaft, auf Friesisch „iepen mienskip“, erarbeitet werden. In zahlreichen Ausstellungen, Workshops und Performances werden Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität und soziale Ungerechtigkeit diskutiert. „Wir werden etwas wagen, was wir noch nie zuvor in diesem Umfang und auf diesem Niveau getan haben“, heißt es dazu auf der Webseite „Leeuwarden-Fryslân 2018“.

Die großen Ambitionen werden bodenständig umgesetzt. Die Organisatoren der Culturele Hoofdstad van Europa 2018 besinnen sich auf das ländliche Erbe Frieslands. Zahlreiche Programmpunkte haben einen starken Bezug zur Landwirtschaft, dem stärksten Wirtschaftszweig der Region. Im Rahmen des Projekts „Farm of the World“ wird auf einem ehemals verlassenen Bauernhof gleichzeitig Bio-Gemüse angebaut und nachhaltige Kunst gemacht. Das Musiktheaterstück „Verloren im Gewächshaus“ erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen friesischen und polnischen Feldarbeitern und nimmt sich neben der Nachhaltigkeit auch dem Thema der Integration an.

Passend zum Motto der Kulturhauptstadt Leeuwarden ist das Besucherzentrum im „De Blokhuispoort“ untergebracht, einem ehemaligen Gefängnis. In wöchentlichen Diskussionsveranstaltungen können Einheimische, Besucher und Künstler am gesellschaftlichen Wandel mitarbeiten. Wer es lieber etwas klassischer hat, wird außerhalb Leeuwardens fündig. Im Rahmen der Kulturhauptstadt findet in Groningen unter dem Titel „Die Romantik im Norden – von Friedrich bis Turner“ eine Ausstellung über romantische Landschaftsmalerei statt.

Nach der offziellen feierlichen Eröffnung mit König Willem-Alexander am Wochenende vom 27. und 28. Januar 2018, starten über 50 große Projekte und Hunderte Initiativen. Das Land und die Städte der Region sollen, so die Macher, zu Bühnen werden. Hier findet man das Programm.

Also sollten wir Menschen an Ems und Vechte da hin. Wer aus unserer Region Leeuwarden-Friesland besuchen und in die Feierlichkeiten zum Jahr als Kulturhauptstadt Europas eintauchen will, erreicht die Kulturhauptstadt Europas 2018 mit dem Pkw in gut 100 Minuten. Mit dem Zug kostet der Spaß hin und zurück zwar keine 50 Euro, ist aber -weil die bundesdeutsche Eisenbahnverwaltung die beschädigte „Friesenbrücke“ bei Leer erst in -zig Jahren ersetzen will-  auf eine knapp 4stündige Umsteigeritis angewiesen, die man niemandem empfehlen mag.

Und fürs Gemüt hier das offizielle Lied von Leeuwarden-Friesland 2018″. Das muss wohl so sein und heißt dann Song. Aber es ist auf friesisch.

(Quelle: DW, PR)

 

 

Harald V.

8. September 2016

Das war am vergangenen Freitag eine beeindruckende Rede des 79jährigen norwegischen Königs Harald V.. Er spricht in ihr über Toleranz und Integration. Es war eine Ansprache gegen alle europäischen Rechten. Wie die Könige in ihren Ländern es so an sich haben: Leider spricht er in der Landessprache und die Untertitel sind englisch. Lohnt sich trotzdem. Denn:

“Norwegians are also immigrants from Afghanistan, Pakistan, Poland, Sweden, Somalia and Syria,” he said. “It is not always easy to say where we come from, to which nationality we belong. Home is where the heart is. That cannot always be placed within country borders.”

“Norwegians are young and old, tall and short, able-bodied and wheelchair users,” the king said, “Norwegians are girls who love girls, boys who love boys, and boys and girls who love each other. Norwegians believe in God, Allah, everything and nothing.”

ps Eine schöne Rede für den Englischunterricht in unseren Schulen, liebe Pädagogen.

Ein Jahr nach

27. August 2016

JWP1187b„Ein Jahr nach den rührenden Willkommensszenen am Münchner Hauptbahnhof quält viele Flüchtlinge die Ungewissheit: Wer darf bleiben, wer muss gehen? Einige wollen Deutschland wieder verlassen.

Im Sommer 2015, nach nur drei Jahren in Deutschland, hat die 18-jährige syrische Schülerin Noor Yassin-Kassab im brandenburgischen Schwedt ein glattes Einser-Abitur abgelegt. In Hannover hat kürzlich der Syrer Maher Daabool sein Architekturstudium mit Plänen zum Wiederaufbau seines Heimatlandes beendet, auch er mit Auszeichnung. Bei den Olympischen Spielen in Rio schwamm Yusra Mardini18, für das Flüchtlingsteam. In Berlin startet sie für die „Wasserfreunde Spandau 04“.

Es gibt sie, die Geschichten gelungener Integration, genauso wie es Flüchtlinge gibt, die zu Terroristen werden oder Frauen sexuell belästigen. Bei einer Gruppe, die so heterogen ist wie die der Flüchtlinge, sollte das niemanden verwundern. Was uns aber zu denken geben sollte: dass die schlechten Nachrichten so laut sind, dass die guten kaum jemand hört….“

[…weiter in der Süddeutschen]

(Foto: Der syrische Journalist Yahya Alaous floh mit Reportern ohne Grenzen aus Damaskus über den Libanon nach Berlin. Dankeschön an ©: Jonas Walzberg)

wir-zusammen.de

4. März 2016

In Teilen der Bevölkerung dreht sich die Stimmung gegen Zuwanderung. Doch die deutsche Wirtschaft widersetzt sich dem und startete jetzt eine groß angelegte Initiative zur Integration von Flüchtlingen. 36 deutsche Top-Enternehmen haben sich zusammengetan, um Flüchtlinge besser zu integrieren. Dafür setzen sie auf zusätzliche Stellen, Fortbildungen und Patenschaften. Das ist einmalig in der Flüchtlingskrise: wir-zusammen.de [mehr…]

Welche Unternehmen in unserer vollbeschäftigten Region sind dabei? Meyer-Werft, Krone, BP, engie? Bisher kein einziges. Aber was nicht ist, darf noch werden…

Herausforderung

20. August 2015

RathausIn Deutschland werden 2015 mehr Flüchtlinge ankommen als in den Jahren zuvor. Eine entsprechende neue Prognose  hat am Mittwoch Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgelegt. Demnach werden 2015 etwa 800.000 Menschen in Deutschland Schutz suchen. Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BaMF) war bislang von etwa 450.000 Flüchtlingen bis zum Jahresende ausgegangen. Nach Angaben des Innenministeriums ist der deutliche Anstieg vor allem auf ein „dramatisches Plus“ im Juni und Juli zurückzuführen. Allein im Juli seien nahezu 83.000 Menschen nach Deutschland eingereist. Die Zahlen für August würden vermutlich noch darüber liegen, heißt es in einer Pressemitteilung des Ministeriums.

„Jeder Flüchtling, der nach Deutschland kommt, muss würdig, sicher und anständig aufgenommen werden.“ sagt der CDU-Innenminister und gibt damit die Linie für uns alle vor.  Umgerechnet auf unsere Kommune bedeuten die neuen Zahlen, dass in diesem Jahr rund 500 Flüchtlinge neu in unsere Stadt kommen – etwa 1 % der Bevölkerung. Überfordert ist Lingen mit dieser Herausforderung nicht und zwar selbst dann nicht, wenn wir uns nach Angaben von de Maiziere „für einige Jahre“ auf hohe Flüchtlingszahlen einstellen müssen und auf Sicht die drei- oder vierfache Zahl an Flüchtlingen bei uns Obdach findet.

Um die Aufnahme der Menschen in Lingen zu bewältigen, benötigen wir eine nachhaltig angelegte Kommunalpolitik. Sie ist bisher nicht erkennbar. Erste Grundzüge scheinen mir klar:

  1. Lingen muss die Zusammenarbeit mit dem SKM energisch ausbauen; denn kein Verband hat mehr Kenntnis und Engagement in der Flüchtlingsarbeit als der SKM. Wenn sich die Zahlen  gegenüber dem aktuellen Stand mindestens verdreifachen, müssen die Aufwendungen entsprechend steigen.
  2. Es gibt eine enorme Bereitschaft, an einer Willkommenskultur für Flüchtlinge freiwillig mitzuwirken. Dieses Engagement und den unterschiedlichsten Strukturen, in Nachbarschaften und in Initiativen muss aktiv unterstützt, gefördert sowie wertgeschätzt werden. Das Modell der Integrationslotsen muss ausgebaut werden. Wir brauchen dazu viele neue Freiwillige. Diese neue Bewegung für mehr Menschlichkeit ist eine große Chance für unsere Stadt.
  3. Zelte darf es nicht geben und Turnhallen sind zum Sporttreiben da, nicht als Schlafplatz für Flüchtlinge. Die Stadt braucht also Instrumente, um feste Unterkünfte zu bauen. Das Thema kommunale Wohnungsbaugesellschaft oder Wohnungsbaugenossenschaft gehört auf die kommunale Tagesordnung; dabei muss nicht unbedingt für Flüchtlinge gebaut werden, aber allemal für Menschen, in deren frei werdende Wohnungen dann Flüchtlinge einziehen.
  4. Die Menschen, die bleiben, brauchen schnelle Integration. Dabei ist die Sprache der wesentliche Faktor. Wir brauchen also zahlreiche Förderklassen und Sprachkurse, nur dann haben Flüchtlinge eine Chance auf Integration und auf dem Arbeitsmarkt, und der braucht die Zuwanderer. Die Wirtschaftsverbände weisen immer wieder daraufhin. Deutsch für 500 Flüchtlinge gibt es nicht für die jämmerlichen 60.000 Euro, die der Landkreis Emsland für die Sprachförderung von Flüchtlingen bereit stellt und sich dafür bejubeln lassen wollte.
  5. Die lokale Ausländerbehörde soll schnellstens den Zuwanderern feste Aufenthaltsrechte gewähren, die seit Jahren oder Jahrzehnten in dieser Stadt wohnen und von einer Befristung zur nächsten verwaltet werden. Für die Verwaltung solcher, längst integrierter Lingener brauchen wir keine Stellen im öffentlichen Dienst. Der soll sich auf die Flüchtlinge konzentrieren. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung sagt, die fehlende Integration von Zuwanderern liege auch an den langen Bearbeitungszeiten der deutschen Behörden; sie erschwerten es den Flüchtlingen, hier überhaupt Fuß zu fassen.
  6. Die EU-Aufnahmerichtlinie muss umfassend und zeitnah lokale Praxis werden. Betroffen sind hier besonders Schutzbedürftige wie traumatisierte Schutzsuchende und unbegleitete Minderjährige. Die ärztliche Versorgung der Flüchtlinge muss dringend entbürokratisiert werden.

Über all dies und mehr muss in den Lingener Gremien diskutiert und entschieden und zwar unverzüglich.

(Foto: ©milanpaul)