geht anders

16. März 2015

Bildschirmfoto 2015-03-15 um 22.57.52Sie erinnern sich? Als vor zwei Jahren Grundeigentümer Hermann Klaas plante, auf seinem Grundstück Burgstraße 34 ein Altenwohnheim zu bauen, war die Aufregung groß. Es ging ja nur um Wohnungen und eine Pflegeeinrichtung für Senioren. Jetzt will die Ingenieurgesellschaft Zech dort ihre neue Zentrale bauen-  für 60 Arbeitnehmer und fast alle sind frischweg und kritiklos begeistert; nur die BürgerNahen und der liberale Ratskollege Beeck haben in der Sitzung des städtischen Planungsausschuss kritisch nachgefragt, wovon es dann nur Jens Beeck in die oberflächliche  Berichterstattung in der Lokalzeitung schaffte, weil die BN unter den Tisch fiel. Dabei liegen die planerischen Schwachpunkte des Bauvorhabens auf der Hand:

Ob das Gebäude Burgstraße 36, in dem zZt. die Klaas’sche Immobilienfirma aktiv ist, mit seiner prägnanten Klinkerfassade wirklich „weg muss“, ist die erste Frage, die zweite betrifft die hohe Auslastung mit einem zusätzlichen Vollgeschoss, das den Baukörper eine komplette Etage höher sein lässt als die Nachbargebäude und gleich doppelt so hoch wie das Porzellan- und Küchenbedarfsgeschäft Benner und fast vier mal so hoch wie das Antiquitätengeschäft Schnieders nebenan.

Doch weshalb dieses Grundstück nicht mit einer Tiefgarage versehen wird, ist mir ein völliges Rätsel, obwohl man die Zufahrt zur Tiefgarage Pferdemarkt dafür mitbenutzen könnte. Wenn  die Tiefgarage dem Investorenpaar Zech (90%) und Klaas (10%) zu teuer ist, könnten die kommunalen Wirtschaftsbetriebe einspringen und das Grundstück mit einer Tiefgarage komplettieren – so wie vor 20 Jahre unter dem Arbeitsamtsgebäude am Konrad-Adenauer-Ring. An anderer Stelle im Stadtzentrum ging das jedenfalls, obwohl der Investor des Vier-Sterne-Hotels an der Rosemeyerstraße wegen der Tiefgarage auch erst Zeter und Mordio rief und ernshaft plante, die Autos im Erdgeschoss des Neubaus zu parken. Großes Kopfschütteln auch für den Umstand, dass jetzt am Ende der Burgstraße überhaupt keine (!) Wohnungen entstehen. Dabei wäre so viel Platz für Wohnungen im Zentrum, nutzte man nur das Grundstück vollständig aus und eben nicht so wie in einem Lingener Vorort. Immerhin ist das Grundstück baurechtlich wie ein Kerngebiet zu behandel; es kann und sollte daher zu 100% gebaut werden. Tatsächlich aber bleiben fast 40 % frei – für ein paar doofe Hinterhofparkplätze (Planskizze oben). Burgstrassenkopf

Über all dies wird in der Lokalzeitung nicht berichtet, stattdessen wird eine mit fiktiven, herbstroten Bäumen versehene Planungsskizze (lks) veröffentlicht. Einmal mehr wird die Bevölkerung nicht umfassend informiert. Deshalb erkennt sie kaum, dass guter Städtebau und bessere Architektur anders gehen und leider einmal mehr eine wenig nachhaltige Variante entstehen soll, und die Aussage, das Bürobauvorhaben führe zu einer „Belebung der Burgstraße“ (Uwe Hilling, CDU) scheint eher wie ein vorgezogener Aprilscherz.

Dabei geht das alles wirklich durchdachter und damit besser, wenn man denn durchdenken will. Doch wahrscheinlich darf der agile Stadtbaurat Schreinemacher nicht wollen, weil der OB anderes will und der hat städtebaulich bekanntlich nichts drauf.

(Planskizzen: Krämer + Susok)