Es gab nicht nur die Eisenbahn
Über die Anfänge der Lingener Industriegeschichte
Vortrag Dr. Andreas Eiynck
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstr. 30a
Mittwoch, 10. Oktober 16 Uhr, 19.30 Uhr
Eintritt 5€ Mitglieder des Heimatvereins 3 €

Die Anfänge der Industriegeschichte Lingens vor 150 Jahren stellt Dr. Andreas Eiynck beim nächsten „Mittwoch im Museum“ im Emslandmuseum an der Burgstraße vor. Neben dem Eisenbahnausbesserungswerk entstanden ab 1850 zahlreiche weitere Industriebetriebe, darunter eine Eisenhütte, eine Gasanstalt, eine Essigfabrik und mehrere Textilbetriebe, die heute längst vergessen sind. Bei dieser Präsentation des Museums und des Heimatvereins wird die Industriegeschichte der Stadt wieder lebendig.

Industrieanlagen mit rauchenden Schloten waren damals der Stolz jeder Stadt. Daher wurden auch in Lingen Gewerbebetriebe auf vielen Stadtansichten dokumentiert. Diese Darstellungen vermitteln heute ein anschauliches Bild der einstigen Fabriken, die aus dem realen Stadtbild längst verschwunden sind.

Im Museum erhalten sind aber auch Produkte der Lingener Eisenhütte, Grundsteine von Industriebauten und zeitgenössische Briefköpfe von Gewerbebetrieben. Die Historikerin Laura Menge von der Universität Münster hat die umfangreiche Briefkopfsammlung des Museum erforscht und die interessantesten Beispiele ausgewählt. Häufig zeigen diese Briefköpfe nämlich Ansichten der Werksanlagen, gerne samt Gleisanschluss und Kanalhafen und garniert mit dampfenden Loks, stattlichen Frachtwagen und eindrucksvollen Transportschiffen. Diese Abbildungen sollten dem Adressaten einen imposanten Eindruck von der Größe und Wirtschaftskraft des Absenders vermitteln. Die Texte der Firmenbriefe erlauben darüber hinaus Einblicke in die Produktionspalette und den Warenverkehr. Da fordert die Brauerei Rogge Bierfässer und Flaschen als Leergut zurück, liefert die Eisenhütte Material an die Eisenbahn und die Essigfabrik Langen liefert Chemikalien in die Grafschaft Bentheim.Viele Betriebe lagen damals noch inmitten der Innenstadt oder in Bahnhofsnähe. Belästigungen der Anwohner und Umweltprobleme wurden dabei in Kauf genommen, solange die Situation nicht eskalierte.

Die Besucher werden bei dieser Museumsveranstaltung entführt in ein Zeitalter, in dem Industrieproduktion noch nicht durch Computer und Roboter, sondern durch Dampfmaschinen und Handarbeit gekennzeichnet war. Die Präsentation am 10.10. (Mi.) beginnt um 16 und 19.30 Uhr.