Aus gegebenem

15. Mai 2018

…Anlass, wenn ein dummer Spruch eben einfach nur dumm war und ist.

Family-and-friends

20. April 2011

Kraftfahrzeuge können -nach gefühlt 80 Jahren- aus der „Kirchstraße“ ab sofort nicht mehr Richtung Straße „Zum Neuen Hafen“ abbiegen und nur noch in westlicher Richtung durch die  „Mühlentorstraße“  zum „Konrad-Adenauer-Ring“ fahren. Vom „Konrad-Adenauer-Ring“ kommen sie über die Straße „Am Gasthausdamm“ bis zur Kreuzung „Mühlentorstraße/Am Wall-Süd“ und müssen dann sehen, wo sie bleiben. Und die Anlieger der „Kivelingstraße“ brauchen Ideen, wie sie, ihre Besucher und Lieferanten zu ihren Wohnungen gelangen.

Denn die „Kivelingstraße“ ist für Kfz-Fahrer zwischen Parkdeckzufahrt Modehaus Huesmann und „Kirchstraße“ gesperrt.  Mit dem – zuerst nur bis zum 31. März 2010 (zehn!) gesperrten, dann bereits im vergangenen August als jetzt bevorstehend angekündigten– Abschluss der Hochbaumaßnahmen in der „Mühlentorstraße“ ist die Verkehrsführung den Interessen des Investors einseitig angepasst worden. Hintergrund der Änderung ist eine Family-and-friends-Zusage der früheren Lingener Verwaltungsspitze an Investor Andreas Huesmann:

Sein neues Geschäftshaus in der Kivelingstraße wollte er  besser an die Innenstadt angebunden wissen und forderte eine Fußgängerzone vor der Tür oder jedenfalls etwas Vergleichbares. Das versprach man ihm. Radfahrer sind von dieser Änderung nicht betroffen;  Radfahrer können die genannten Straßen weiter in beide Richtungen befahren. Die zuständigen Ratsausschüsse fassten die entsprechenden Beschlüsse für diese Änderungen im vergangenen Jahr, meldet die Stadt. Allerdings hatte der aus Oldenburg stammende Stadtbaurat mit dem Plan vor genau zwei Jahren im zuständigen Planungs- und Bauausschuss, der zusammen mit dem Verkehrsausschuss tagte,  eine herbe Niederlage erlitten. Der Ausschuss stellte den Plan als unausgegoren zurück, obwohl er trickreich-wie schon zuvor einmal– in einem Gesamtpaket verstecktwar.Monate später brachte dann die Verwaltung ihre, dem Investor versprochene Planung vorsichtshalber nur noch  im Verkehrsausschuss neu ein und dort lief er, ungetrübt von planerischen Kenntnissen, glatt durch. Der Verwaltungsausschuss genehmigte anschließend. Danach schraubte Investor Huesmann, der auch nicht überteuert ein Nachbargrundstück hinzuerwerben konnte,  illegal bunte Leuchtreklamen an das neue Bekleidungskaufhaus (sind immer noch da und werden bei Dunkelheit leuchtend von einem markanten Wohnzimmerdecken-Kandelaber gekrönt) und vor einigen Monaten an das hinzugemietete Eingangshaus Große Straße 3 gleich zwei Camel-Nasenreklameschilder in unterschiedlicher Höhe. Sie verzieren jetzt optisch  das Ensemble Historisches Rathaus/Posthalterei  – und kleben an einer Fassade, die mit Steuergeldern vor 20 Jahren in einen optisch erträglichen, dem Ursprünglichen nachempfundenen  Zustand (Bild) versetzt worden war, nachdem sie jahrezehntelang durch einen davorgesetzten Schuhkarton („Köhne -Haus der Dame„) missgestaltet worden war (Übrigens war das damals so modern wie später in den 1970ern die Korbmarkisen und heute die in Lingen zügellos  wuchernde Reklame).
Was macht unser desinteressierter Oldenburger  Stadtbaurat? Alles genehmigt, geduldet, mitgemacht, weggeguckt – ganz bequem und klebrig mauschelig.  Nur was dieser kommerzielle Werbezeitgeist mit ehrlicher, am Gemeinwohl ausgerichteter Stadtpolitik und Stadtgestaltung zu tun hat,  bleibt ein Rätsel.  Und hat eigentlich jemand die Kivelingstraße teilweise eingezogen, also straßenrechtlich ent- bzw. in eine Fußgängerzone umgewidmet? Dazu muss ich allerdings sagen, dass dies nur rechtlich zwingend erforderlich ist. Family and friends können offenbar auch ohne. Denn wahrscheinlich ist das Nieders. Straßengesetz bei den Investor-Gesprächen wie die Gestaltungssatzung für Werbeanlagen gleich mit außer Kraft gesetzt worden. Wie tönen unsere lieben Slime-Punks? Richtig:  Legal, illegal, scheißegal.