Transrapido

28. August 2011

Nach dem SPIEGEL meldet jetzt auch die Wirtschaftswoche, dass die Transrapidstrecke bei Lathen vor dem Aus steht. Er galt -so DER SPIEGEL-  „als Inbegriff deutscher Ingenieurskunst, als Symbol für die Zukunftsfähigkeit des Landes – doch in Deutschland scheiterten alle geplanten Bauprojekte an den hohen Kosten. Die bislang einzige kommerzielle Transrapid-Strecke ist seit 2003 in Shanghai in Betrieb.“

Aber trotz Milliardenförderung aus dem Staatstopf ist es der Industrie nicht gelungen, den Transrapid zu vermarkten. Jetzt gibt es keinen Glauben mehr an diese Technologie in Deutschland und Europa. Auch China und viele andere Länder setzen lieber auf herkömmliche Bachntechnik und bauen Hochgeschwindigkeitstrassen für herkömmliche Züge. Nach außen tut CSU-Verkehrsminister Ramsauer noch, als sei er für den erhalt. Aber im Entwurf für den Bundeshaushalt 2012 sind 9 Mio Euro für den Abbau der Betonstelzen nahe Lathen und Dörpen ausgewiesen, außerdem Verpflichtungsermächtigungen über weitere jeweils 25 Mio. Euro für die beiden Folgejahre.  Die Wirtschaftswoche fasst zusammen.

„Nachdem die Industrie schon den Glauben in die Vermarktung verloren hat, steht nun die Versuchsanlage im Emsland (TVE) kurz vor der Abwicklung. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wollte die Teststrecke nicht schließen. Doch es bleibt ihm vermutlich keine Wahl. Mehr als neun Millionen Euro sind auf Drängen der Bundestags-Haushälter erstmals für den „Rückbau der TVE“ im Haushaltentwurf der Bundesregierung für 2012 vorgesehen, dazu Verpflichtungsermächtigungen über weitere 25 Millionen für 2013 und für 2014. Sollte der Betrieb der Anlage Ende des Jahres auslaufen, wäre der Bund vertraglich verpflichtet, den Abbruch zu bezahlen.

„Das sind die Bestattungskosten für eine längst tote Dinosauriertechnologie“, kritisiert der Verkehrsexperte der Grünen, Stephan Kühn. „Industriepolitisch hat Deutschland zu lange auf das falsche Pferd gesetzt“, fügt er hinzu.

Zukunft hätte die Teststrecke nur, wenn die Betreibergesellschaft IABG bis Ende 2011 ein schlüssiges neues Nutzungskonzept vorlegt. Geplant war bisher, auf dem Gelände Forschung für Elektroauto-Batterien zu starten. Doch die Zeit wird knapp: Noch liegt dem Bundesverkehrsministerium nach eigener Aussage kein Antrag auf Projektförderung vor. Die IABG selbst will sich zu ihrer Anlage und möglichen Konzepten nicht äußern.

Die Betreibergesellschaft müsse „jetzt dringend ihr Interesse an der Anlage klären“, heißt es aus Kreisen des Ministeriums, „der Ball liegt bei der Industrie“.

Auch aus dem Landkreis Emsland, in dem die Anlage liegt, ist zu hören, man sei nicht am Zug. Der Kreis hatte Anfang des Jahres darüber nachgedacht, die Anlage zu übernehmen.“

Schon damals sehr teuer und wenig genutzt. Transrapid.

Natürlich ist die Teststrecke ein Fass ohne Boden und wäre eine völlig unsinnige Investition, die deshalb nicht kommen darf. CDU-Landratskandidat Reinhard Winter, dessen rückständiges Wahlprogramm nicht einmal die Hürde des politisch Unverbindlichen nimmt, schweigt vor der in zwei Wochen stattfindenden Kommunalwahl und drückt sich so um eine klare Aussage.  Die hatte vollmundig der Noch-Amtsinhaber Hermann Bröring (CDU) aber im vergangenen November abgegeben. „Der Abbau der Anlage wäre volkswirtschaftlicher Schwachsinn“. Landkreis Emsland und der Bund hatten denn auch in den letzten Jahren Millionen an Steuergeldern in die Strecke gesteckt – bejubelt von der Leeraner Abgeordneten Gitta Connemann (CDU) und dem Aschendorfer FDP-Abgeordneten Hans-Michael Goldmann. Zuletzt warenDurchhalteparolen von den unkritischen Lokalblättern aus dem NOZ-Verlag publiziert worden mit angeblich ernsthaften Interessenten aus Brasilien und Teneriffa. Dabei war nicht einmal dem legendären Eddi Stoiber  eine wirklich überzeugende Darstellung des Verkehrssystems gelungen, das von vornherein konzeptionell daran krankte, nur Personen aber keine Güter zu transportieren. Also zur Erinnerung hier noch einmal eine der wenigen Sternstunden des Transrapid:

Pingel-Anton

24. April 2011

Nix mehr mit Pingel-Anton auf dem Hümmling! Der Zugverkehr auf der 25-km-Strecke zwischen Lathen und Werlte  wird nach Ostern komplett eingestellt, nachdem jahrzehntelang der  Landkreis Emsland, die betroffenen Gemeinden und die kreiseigene Emsländische Eisenbahn („Mit unserem jungen Team stehen wir Ihnen täglich von 7.00 Uhr morgens bis 18.00 Uhr abends zur Verfügung.“) notwendige Investitionen in die Schienenstrecke unterlassen haben.

Der Niedergang der Hümmlinger Strecke Strecke lässt sich bei wikipedia  nachlesen: Wurden um die 1960er Jahre noch 100.000 t Güter befördert, davon 40.000 t Öl aus dem Vorkommen bei Ostenwalde (Streckenfoto unten) , so sank die Leistung danach rapide. 1970 waren es nur noch etwas 50.000 t. Im Personenverkehr wurden jährlich ca. 70.000 Personen befördert, er verkehrten täglich fünf Zugpaare. Am 30. Mai 1970 wurde der Personenverkehr auf der Schiene eingestellt.

Jetzt  sind nach 54 Jahren Nutzung die  Schienen so abgenutzt und sanierungsbedürftig, dass -so der Landkreis- keine Sicherheit mehr gegeben sei. Also kommt das Aus auch für den Pingel-Anton, nachdem schon im Herbst letzten Jahres der Güterverkehr auf der Bahnstrecke aus demselben Grunde eingestellt worden war. Laut Landkreis kostet eine  Sanierung im ersten Schritt 1,2 Mio Euro, um die gröbsten Schäden zu beseitigen und dann weitere 3,3 Mio Euro für die restliche Komplett-Instandsetzung. Das ist ihm zu viel.

Die Konsequenz: Mit der Schließung geht dem Hümmling nach 103 Jahren Betrieb dauerhaft ein Stück Verkehrsinfrastruktur verloren und der Tourismus in dem Bereich verliert ein wichtiges Angebot: die Fahrten im „Pingel – Anton“ waren eine Attraktion. Die Holzwirtschaft, die seit den 1990er Jahren zu einem kleinen Aufschwung des Güterverkehrs  geführt hatte, hat sich längst Verladestellen außerhalb des Landkreises als Ersatz gesucht und Dünger für die Landwirtschaft kommt jetzt mit dem LKW.

Zwar will man -so die offiziellen Worten- „die Strecke jetzt noch nicht komplett abschreiben, sondern sich die Möglichkeit offenhalten, bei neuen (Finanzierungs-)Wegen die Strecke wieder zu aktivieren. Wer’s glaubt, wird seelig. Es wird einer dieser Gras bewachsenen Schienenstränge werden, an die bald niemand mehr denken wird. Wie auch an diese traditionsreiche Einrichtung.

Da passt es doch irrsinnig gut, dass gerade der Bund noch einmal 2,5 Mio € Steuergelder in das längst gescheiterte, benachbarte Transrapidprojekt fließen lässt.  Die Millionen sind Gitta Connemann (CDU-MdB) zufolge „nur die erste Tranche“.  Derzeit erarbeite die Transrapid-Gesellschaft IABG ein Konzept für den Rückbau der Anlage. Sobald dieses vorliege, werde über die Freigabe weiterer Mittel für die zweite Jahreshälfte entschieden.  Connemann erzählt den Steuerzahlern treuherzig und tapfer das Märchen,  „auch die Vermarktungsoffensive“ des Ministeriums zeige „Wirkung“. Schon kurzfristig könne der Transrapid „auf Teneriffa“ fahren. „Noch nie“ sei die Chance einer Realisierung so groß gewesen wie dort. Für eine Strecke bei  „Sao Paulo in Brasilien“ sei „die systemoffene Ausschreibung“ um rund drei Monate bis Ende Juni verlängert worden. Die Wirtschaft hält dies alles für Unfug und ist längst aus dem Projekt ausgestiegen.

Die Konsequenz derartiger Connemannscher Unfähigkeit, Nein zu sagen: Für das bestehende deutsche  Schienennetz ist kein Geld da (guckst Du auch hier). An diesem Wochenende veranstaltet daher in Sögel der  Verein Museumseisenbahn Hümmlinger Kreisbahn mit seinem erst vor zwei Jahren in Betrieb genommenen Uerdinger Schienenbus (Foto oben) ab und  von Sögel noch einmal etliche Abschiedsfahrten. Danach ist auf  dem Hümmling Schluss mit Pingel-Anton im Besonderen und Zügen im Allgemeinen …

(Fotos: Reisetagebuch Emsland)