Mehr als ein Trailer ist noch nicht veröffentlicht. Trotzdem rüstet sich die Öl- und Gaslobby nicht nur in den USA bereits jetzt gegen «Promised Land». Der Spielfilm, in dem Matt Damon die Hauptrolle spielt, behandelt ein für die Energieproduzenten heikles Thema: das sogenannte «hydraulic fracturing» oder kurz Fracking. Bei dieser Gewinnungsmethode werden gigantische Mengen Flüssigkeit in tiefliegende Gesteinsschichten gepresst, um Öl- und Gasvorkommen freizulegen. Unter Umweltgesichtspunkten ist das Verfahren höchst umstritten, Frankreich verbot seine Anwendung etwa letztes Jahr.

Matthew „Matt“ Damon wird als Vertreter einer Gasfirma in eine Kleinstadt geschickt, um den Bewohnern die Nutzungsrechte für ihr Land abzukaufen. Mit Millionenversprechen versuchen Damon und seine von Frances McDormand gespielte Arbeitskollegin, der abgewirtschafteten Stadt das Fracking-Abenteuer schmackhaft zu machen. Alles läuft gut, bis ein Farmer aus einer fremden Stadt auftaucht, der von seinen eigenen Erfahrungen mit dem Fracking berichtet. Konfrontiert mit toten Kühen und abgestorbenem Land befinden sich die smarten Verkäufer bald im ethischen Clinch mit ihrer Mission.

Pikant aus Sicht der US-Ölindustrie ist, dass auch der Nahe Osten über das Unternehmen Abu Dhabi Media Company an der Finanzierung des Films beteiligt ist. Dass das Emirat als einer der grössten Ölproduzenten ausgerechnet einen kritischen Film zur Fracking-Technologie fördert, kommt nicht gut an. Und hier setzte die Fracking-Lobby an: Fracking wurde in Amerika schon zur nationalen Souveränitätsfrage hochstilisiert. Dank der Erschließung neuer Vorkommen sollen die USA in den kommenden Jahrzehnten massiv weniger Öl und Gas importieren. Im laufenden US-Präsidentschaftswahlkampf setzt sich die  Independent Petroleum Association of America (IPAA) offen für den Republikaner Mitt Romney ein.

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Übrigens: Ich glaube nicht, dass sich die Fracking-Frage in Niedersachsen schon erledigt hat. Am 20. Januar ist Landtagswahl. Da wird im Vorfeld immer wieder manches versprochen oder suggeriert, was sich hinterher nicht bewahrheitet. Promised Land eben. Oder haben Sie andere Erfahrungen?

Schönes Lünne

6. Januar 2011

Auch in Lünne haben sich Kritiker der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren“ organisiert. Ein identisches Schild steht seit Neustem gut sichtbar auf einem Feld postiert auch im Scheddebrock. Foto: Sie erinnern sich an diesen Beitrag in meinem kleinen Blog? Was im westfälischen  Nordwalde bislang nur geplant ist, nimmt Exxon Mobil jetzt nur ein paar Kilometer südlich von Lingen in Angriff.  Längst  hat  der Konzern dort, im Speller Ortsteil Lünne eine so genannte Erkundungsbohrung vorbereitet. Das Bohrgelände war asphaltiert, als vorgestern der erste Lkw anfuhr. Exxon will in Lünne erkunden, ob sich eine Erdgasförderung wirtschaftlich lohnt. Dies bestätigte die Samtgemeinde Spelle jetzt den Westfälischen Nachrichten . Eine ganze Reihe Lünner Einwohner sind beunruhigt und haben sich in der Bürgerinitiative „Gegen Gasbohren – Schönes Lünne“ organisiert. Über die berichtet die Lokalpresse nicht. Sie veröffentlicht lediglich die Verlautbarungen der offiziellen Stellen. Eine daraufhin verfasste Leserzuschrift wurde gekürzt. Hier können Sie sie im Wortlaut lesen.
Die BI sagt:
Wir betrachten unsere Natur und Umwelt als hohes Gut und wichtiges Stück Lebensqualität. Als Lebens- und Freizeitraum benötigen wir sie zum Überleben. Als landwirtschaftliche Fläche nutzen wir sie als Lebensgrundlage.
Deshalb fordert die BI „Gegen gasbohren – Schönes Lünne“:
  • Unser Ziel ist es, eine umweltverträgliche Förderung von Gas in Lünne zu unterstützen, gleichzeitig Schäden an Bevölkerung, Gebäuden und Umwelt im Zusammenhang mit dem Kernbohrprojekt Lünne 1 zu verhindern.
  • Darüber hinaus fordern wir eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit Öffentlichkeitsbeteiligung, sollte es zu einer Förderung von unkonventionellem Gas in Lünne kommen.
  • Die Überwachung von Emissionen muss durch unabhängige Institute gewährleistet sein.
  • Zur Klärung von Schadensfällen muss eine unabhängige Schiedsstelle eingerichtet werden.
Die jetzt begonnenen Erkundungsbohrung soll rund einen Monat dauern. Sie ist nach Bergrecht genehmigt worden – das -„Glückauf!“ eher dem 19. Jahrhundert verhaftet ist als moderner Bürgerbeteiligung oder gar Ökologie.  Mit der Bohrung will Exxon unter anderem Daten aus dem Untergrund und über Gesteinsformationen sammeln. Für den Bohrplatz wird eine Fläche von zirka 2300 Qua­dratmetern benötigt. Der Bohrturm hat eine Höhe von 31 Metern. Gebohrt wird  1500 m tief. Exxon verspricht, nach Abschluss der Arbeiten den Platz wieder zurückzubauen. Wie in Nordwalde hatte Exxon das Projekt im Vorfeld öffentlich vorgestellt.

Das Fracturing-Verfahren wird dabei in Lünne nicht angewandt werden. “Hydraulic Fracturing” ist das umstrittenste Verfahren zur Förderung von unkonventionellem Erdgas. Während Flözgas oder Grubengas durch konventionelle Bohrungen gefördert werden kann, muss Gas, welches in Schiefer- oder Sandsteinschichten gebunden ist, umständlich befreit werden.  Dazu werden, ausgehend von horizontalen Bohrungen, Millionen Liter Wasser, Sand und Chemikalien in den Untergrund gepumpt, bis dieser, begleitet von Erdbeben der Stufe 1-2 aufbricht. Das Wasser-Sand-Chemie Gemisch dringt in die Risse ein und lässt das Gas entweichen. (mehr…)

Um aktuelle Bedenken der Bürger zu zerstreuen, bietet Exxon Führungen über das Bohrgelände an. Des Weiteren ist nach Bekanntgabe der Ergebnisse eine öffentliche Bürgerversammlung in Lünne „für Mitte dieses Jahres“ geplant. Dann -kurz vor der Kommunalwahl- wird Bürgermeister Bernhard Hummeldorf ( Samtgemeinde Spelle) erklären, ob er sich tatsächlich bereits insgeheim auf 18 Bohrtürme freut, die ihm die Firma Exxon versprochen hat, wenn es zu einer Förderung kommen sollte – so Christina und Markus Rolink in ihrem Leserbrief. „Also doch keine Testbohrung?“

Die Nordwalder Interessengemeinschaft „Gegen Gasbohren“ (IGGG) befürchtet bereits, dass sich die Bohrungen in Lünne wegen der räumlichen Nähe bis weit in den Kreis Steinfurt auswirken. Unter anderem könnte die Trinkwasserversorgung betroffen sein. „Hier kann man wieder sehen, dass es als Nächstes jeden treffen kann“, sagt Markus Knäpper von der Nordwalder IGGG.

 

(Foto: Gegen Gasbohren – Schönes Lünne)