Nein danke

19. Mai 2011

Samstag geht das mehrheitlich dem RWE-Konzern gehörende Lingener Atomkraftwerk (Kürzel „KKE“) wegen technischer Prüfungen für etwa drei Wochen vom Netz. Während der jährlichen Routine-Untersuchung werden unter anderem 44 der 193 Brennelemente ausgetauscht. Außerdem überprüfen mir nicht näher bekannte „Experten“ alle übrigen Brennelemente und Teile des Kern- und Reaktordruckbehälters. 41 ältere Steuerelemente werden gegen neue ausgewechselt , eine Hauptkühlpumpe und Schweißnähte im Kühlsystem kommen ebenfalls auf den Prüfstand.Die Revision kostet nach Angaben der Betreiber 25 Mio Euro. Pfingsten, also rechtzeitig zum Kivelingfest soll der Meiler wieder ans Netz.

Auch dann ist das AKW in Lingen aber noch nicht gegen Flugzeugabstürze oder entsprechende Stresstests gesicher, weil:  „Ich hatte bislang noch keine Zeit, den 116 Seiten langen Report durchzuarbeiten“, sagte der Leiter des AKW Lingen, Horst Kemmeter zum NDR. Das solle jetzt aber so bald wie möglich geschehen…

In Niedersachsen ist übrigens seit Anfang Mai auch das Atomkraftwerk Grohnde (Kreis Hameln-Pyrmont; Mehrheitseigentümer E.ON) für die jährliche Revision abgeschaltet. Dort war auch ein Brennelementeschaden  aufgetreten. Das EON-AKW Unterweser ist seit dem 18. März offiziell für drei Monate  vom Netz. Also: Kein Atomstrom zurzeit aus Niedersachsen. Batterien oder Dynamos müssen wir uns trotzdem nicht kaufen. Bei Lichte besehen erkennen wir nämlich: Es geht schon heute viel mehr ohne Atomkraft, als die Betreiber behaupten.

ps:  Atomkraft: Schluss!
Großdemonstrationen in 21 deutschen Städten am Samstag, 28. Mai 2011
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DresdenErfurtMagdeburgBerlinGüstrowKielHamburgBremenHannoverGöttingenMünsterEssenBonnMainzFrankfurt am MainMannheimFreiburgUlmMünchenLandshutFürth

(Quellen dpa/lni, NDR, nadir.org Foto: AKW in Lingen, (c) dendroaspis2008)

Medien-Tsunami

12. April 2011

Horst Kemmeter, Leiter des des Kernkraftwerks Emsland sagte aus Anlass der Podiumsdiskussion im Ludwig-Windthorst-Haus gestern Abend in einem Interview mit der Ems-Vechte-Welle:

„Deutschland ist nicht die Welt. Um uns herum werden die Ereignisse in Japan mit weniger Emotionen diskutiert. Man lässt sich mehr Zeit, um die Bewertung in Ruhe und vernünftig vornehmen zu können. In Deutschland war der „Medien-Tsunami“ auch nachfolgend….Man verunsichert und arbeitet mit Ängsten bei unserer Bevölkerung.  Es ist unsere Sicherheitskultur, aus den Ereignissen Lehren zu ziehen. Diese Lehren werden mit Sicherheit gezogen, und die politische Neuausrichtung wird im Juni erfolgen.“

Unglaublich,  dieser Ton :

„Medien-Tsunami, vernünftig, Bewertung in Ruhe, mit weniger Emotionen, mit Ängsten arbeiten, mit Sicherheit, politische Neuausrichtung“

ps Weitere  Einzelheiten über den Abend im „LWH“ gibt es hier  im EVW-Podcast und eine Aufzeichnung der gesamten Diskussion wird am kommenden Sonntag (17.04.2011) ab 9:00 Uhr auf der Ems-Vechte-Welle (u.a. 95,6 MHz)  gesendet.

Abklingbecken

11. April 2011

Die Lingener Ratsmitglieder von Bündnis’90 – Die Grünen haben jetzt nachgefragt:

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Krone!

Die AKW-Betreiber in Lingen beantworten in der letzten Zeit unsere Anfragen so außergewöhnlich kurz wie noch nie – so auch unsere letzte, die wir in der Ratssitzung erhielten.

1. Wir beantragen daher, die Vertreterinnen und Vertreter des Atomkraftwerks Lingen zur übernächsten Sitzung des Umweltausschusses zum Thema „Sicherheit und Gefahren – Atomkraftwerk Lingen II“ (ordentlicher TOP) vortragen zu lassen.

2. Das Magazin Monitor berichtete am 7.4.11 u. a.:
„Statt die Brennelemente wenigstens relativ sicher in Castoren zu lagern, ist es viel billiger, sie einfach länger im Wasser stehen zu lassen. Denn wenn sie hier weiter abkühlen, kann man später auch mehr von ihnen in einen teuren Trockenbehälter verpacken. So wird das Abklingbecken zum Zwischenlager, um Kosten zu sparen. Wie voll die Becken in Deutschland sind, belegt diese vertrauliche Liste der Gesellschaft für Reaktorsicherheit. Da steht, dass allein im Kernkraftwerk Isar I das Abklingbecken zu 91 % voll ist. Vor allem mit alten Brennelementen, die längst transportfähig wären. Im Schnitt aller deutschen Kernkraftwerke sind es 83 %.“

Wir fragen daher:

1. Wieviele Brennelemente lagerten im Atomkraftwerk Emsland in Abkühlbecken zum 31.3.11?

2. Wieviele Brennelemente lagerten im Zwischenlager des Atomkraftwerk Emsland (31.3.11)?

3. Bis wann ist das Zwischenlager als Zwischenlager genehmigt?

4. Wie voll würde es sein, wenn das AKW Emsland bis zum Jahr 2051 laufen würde.

Wir bitten darum, dass uns die – möglichst ausführlichen – Antworten baldmöglichst mit der Ratspost zugestellt werden.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Fuest

ps Zwei Hinweise:
a) Heute Abend um 18 Uhr findet die Mahnwache vor dem hist. Rathaus statt.

c) Anschließend veranstaltet das Holthausener Ludwig-Windthorst-Haus einen Akademieabend. Ab 19.30 Uhr wird über das Thema „Nichts ist mehr, wie es war“ über Kernenergie nach Fukushima diskutiert. Auf dem Podium dabei der in Lingen aufgewachsene Hannoveraner Theologe Prof. Dr. Jürgen Manemann, Horst Kemmeter (Leiter Kernkraftwerk Emsland), Dr. Gerhard Feige (Abteilungsleiter Atomaufsicht, Strahlenschutz im Niedersächsischen Ministerium für Umwelt und Klimaschutz) und Michael Fuest (Ratsmitglied Lingen, Bündnis’90 – Die Grünen) .
Eintritt 6 Euro (erm 4 Euro)

pps Ein weiterer Nachtrag:
Hier ein kleiner Blick zurück in eine fern zurückliegende, betreiber-dröhnende Zeit: Vor gerade mal zwei Monaten…

ppps Und noch dies:

a) die Theorie durch einen Lingener Praktiker:

Wie steht es denn um die Sicherheit bei Erdbeben und Flugzeugabstürzen?

Unsere Anlage ist gegen Erdbeben gesichert, obwohl solche Ereignisse im Emsland aufgrund seiner Bodenstruktur nicht zu erwarten sind. Was das Thema Flugzeuge anbelangt, so schützt die dicke Reaktorkuppel aus Stahl und Beton gegen Abstürze von Passagierflugzeugen und auch schnell fliegenden Jagdmaschinen. Nach dem 11. September wurden außerdem zusätzliche Maßnahmen getroffen. Was die Nähe zum Bombenabwurfplatz Nordhorn-Range anbelangt, ist anzumerken, dass die Flugbewegungen insgesamt rückläufig sind. Unser Kernkraftwerk darf von den Militärmaschinen nicht überflogen werden, weil hier eine Flugverbotszone eingerichtet wurde.

b) die Antwort: