allen voran

19. September 2018

Gestern hat der Kölner Künstler Gunter Demnig in Lingen fünf weitere Stolpersteine verlegt (Foto). Dabei gab es neben manch anderen bedenkenswerten Beiträge – vor allem von Schülerinnen und Schülern der beiden Lingener Gymnasien Georgianum und Franziskus- zwei Reden, die cuh hier im Wortlaut wiedergeben möchte. Der Vorsitzendes des Forums Juden-Christen, Heribert Lange, sprach eingangs der Verlegung der Stolpersteine und der Erste Bürgermeister Heinz Tellmann ganau Ende diese bemerkenswerten Worte:

Dr. Heribert Lange (Foum Juden-Christen)
Guten Morgen, meine Damen und Herren, guten Morgen lieber Gunter Demnig, l….
Seien Sie herzlich willkommen zur heutigen, wahrscheinlich letzten Stolpersteinverlegung, die einmal mehr, also auch diesmal Gertrud-Anne Scherger zusammen mit Benno Vocks vom Forum Juden-Christen vorbereitet hat.
Herzlich willkommen heiße ich auch die Sponsoren dieser Stolpersteine, die, soweit sie es einrichten konnten, heute Morgen dabei sind: Herr Dr. Adams, Herrn Aehling, Herrn Bröring, Frau Kläsener i,V. Dr. Reitemeyer vom LWH. und Herrn Oldiges
Und ich bin den Mitarbeitern des Bauhofs der Stadt Lingen dankbar, die Gunter
Demnig bereits vorgearbeitet haben, und anschließend auch noch nacharbeiten werden.
Lassen Sie mich bitte mit  dem Ende eines Satzes beginnen, der mir im Zusammenhang mit einem anderen, in der jüngsten politischen Debatte gefallenen Satz wieder in den Sinn gekommen ist. Er war als Resumé gemeint und lautet:

„ … dem internationalen Judentum, dem wir dies alles zu verdanken haben.“

Es ist einer der letzten Sätze Adolf Hitlers, die er am Ende seines sogenannten Poltischen Testaments und nur wenige Tage vor seinem Freitod am Ende des Kriegs, genau am 19.04.1945, geschrieben hat. Damit waren die Juden nach Hitlers unsäglicher Lesart nicht nur verantwortlich für all das, was ihnen schon vor Hitlers Machtergreifung ebenfalls von ihm, z.B. in „Mein Kampf“, angelastet worden war, sondern nun auch für den nachfolgende zweiten Weltkrieg, für 60 Millionen Kriegstote und sogar für den Holocaust, den Hitler und Himmler zur Auslöschung des europäischen Judentums ja nun wirklich selbst geplant und realisiert hatten.

Wir wissen um die mörderischen und infernalischen Folgen der hirnlosen Hass-deologie der Faschisten und wir wissen um die gesellschaftliche, zivilisatorische und moralische Katastrophe, die damit einherging. Und inzwischen wissen wir auch, dass Hitler in seinen besten Zeiten furchtbarerweise sogar die Mehrheit der deutschen Bevölkerung mit dieser Sündenbock-Bestimmung hinter sich wissen konnte.

Stolpersteine haben wir in Lingen inzwischen für 44 jüdische Menschen verlegt, Heute werden es 49 werden. Sie zeugen von den Menschen und ihren Schicksa-en, die millionenfach Opfer Hitlers grundloser und sinnloser Mordmaschinerie wurden:
Es sind Meier Herz, Johanna Lewald, Johanna Moses, Andreas und Julia Os. Wir erinnern mit den Stolpersteinen für sie – und ihren Namenszügen darauf – an Menschen jüdischen Glaubens aus Lingen, an das schreckliche Unrecht, das ihnen widerfuhr, als sie zu Sündenböcken dieser Gesellschaft, zu Rassewesen, Untermenschen und zu Volksfeinden erklärt wurden, die ausgerottet gehörten.

Wir erinnern an den Verlust ihres Lebensrechts und ihrer Menschenrechte, und wir erinnern an ihre schließliche Auslöschung im Holocaust

Wir gedenken ihrer heute zutiefst beschämt, und mit dem guten und dem festen Willlen, ihr Ansehen und ihre Ehre und ihre Menschenwürde wiederherzustel-len, und unserer Erinnerung an sie ein menschliches Antlitz zu geben, von dem Juden und Christen im Buch Genesis der Hebräischen Bibel lesen:“ Und er schuf den Menschen nach seinem Bilde und Gleichnis“. Darum sind Stolpersteine nötig und darum sind sie unverzichtbar. Und darum kann man schlechterdings auch dem Satz aus dem Munde eines der aufgeregten Fans aus der Lingener Motorsportszene nicht zustimmen, mit dem ich neulich angeblafft wurde:

„Das, ….na, Sie wissen schon … Museum ist mir wichtiger als all‘ Ihre Stolpersteine, die Sie, also wir, verlegt haben.“

Da fällt mir dann immer nur der für diesen Zusammenhang komplementäre Satz
ein: „Wehret den Anfängen“ – und Ihnen, die sich hier heute Morgen zusammen mit uns zur Ehre dieser Opfer des faschistischen Nationalsozialismus und zu ihrem Gedenken versammelt haben, ganz gewiß auch. Ich danke Ihnen für Ihre freundliche Geduld.

 

Erster Bürgermeister Heinz Tellmann (Stadt Lingen (Ems))

„…Meine sehr verehrten Damen und Herren,

Die vorerst – vielleicht auch endgültig- letzten Stolpersteine sind verlegt worden. Ich danke ihnen allen, dass sie an dieser Aktion heute teilgenommen haben, um ein wichtiges Zeichen der Erinnerung zu setzen. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist“ lautet eine alte jüdische Weisheit. Oder anders gesagt: Solange man sich an einen Verstorbenen erinnert, bleibt er lebendig.

Die Erinnerung an die verstorbenen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger lebendig zu halten, sie zu bewahren und zu verbreiten – dieser großen Herausforderung hat sich das Forum Juden-Christen gestellt

Heute eingerechnet sind nun 49 Stolpersteine seit 2005 in unserer Stadt verlegt worden. 49 Stolpersteine, die jeder für sich ein Stück Stadtgeschichte erzählen und damit an eines der dunkelsten Kapitel Deutschlands erinnern. Sie erzählen von der Geschichte, von den unerfüllten Hoffnungen und Träumen unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger, die Opfer des nationalsozialistischen Regimes wurden.

Heute haben Sie, verehrter Herr Gunter Demnig, weitere Stolpersteine in das Pflaster unserer Straßen eingelassen und fest verankert. Es sind die Steine für Meier Herz, Johanna Lewald, Johanna Moses, Andreas und Julia Os.

Vor den ehemaligen Wohnhäusern dieser Lingener Bürgerinnen und Bürger sollen die Stolpersteine künftig die Erinnerung an das unermessliche Leid, das ihnen widerfahren ist und an das persönliche Schicksal dieser Menschen wach halten. Hinter jedem Stein steht ein Mensch, der in unserer Stadt zum Opfer wurde. Durch die Stolpersteine bekommen diese Menschen nach so vielen Jahren heute nun einen Namen und ein Gesicht.

Meine Damen und Herren, „wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart“ mahnte der ehemalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Wir wollen unsere Augen nicht vor der Vergangenheit verschließen. Die Stolpersteine sollen uns am Vergessen hindern. Stolpern sollen wir über diese kleinen Messingsteine, die uns in den Weg gelegt wurden, um uns zu erinnern. Der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken ist schmerzlich. Und trotzdem: Sich an den Terror und die Gewalt der nationalsozialistischen Diktatur zu erinnern ist Pflicht.

Der Opfer und Leidtragenden zu gedenken und immer aufs Neue zu mahnen, dass Ähnliches nie wieder geschehen darf, ist eine Verpflichtung für uns alle! Heute scheinen zu viele zu vergessen, welches unsägliche Leid diese Diktatur gebracht hat und zu viele scheinen auch zu vergessen, welch hohes Gut unsere Demokratie und unsere Freiheit eigentlich ist und wie sehr unsere Vorfahren dafür gekämpft haben. Deshalb brauchen wir Mahnmale und Gedenkstätten dringender denn je. Wir müssen Menschen aufmerksam machen auf das Schicksal der Opfer, und zwar Menschen aller Generationen.

Das Erinnern darf nicht aussterben. Mit den Stolpersteinen haben wir in Lingen heute erneut ein Zeichen gegen Gleichgültigkeit gesetzt und halten das Gedenken am Leben.

Mein Dank gilt an dieser Stelle deshalb insbesondere den Initiatoren des Stolperstein-Projektes – allen voran dem ehemaligen Ratsherrn Gerhard Kastein – der trotz Gegenwind – ich kann mich noch gut erinnern- nicht von dieser Idee abließ, diese Form des Gedenkens in Lingen umzusetzen. Dafür gilt dir noch heute mein ganz persönlicher Respekt.

Zudem möchte ich auch Frau .Anne Scherger für Ihre unermüdliche und sicherlich auch oft mühsame Recherchearbeit danken. Herrn Benno Vocks gilt mein Dank für die Organisation des heutigen Tages und die Organisation auch der letzten Verlegungen sowie natürlich Herrn Dr. Heribert Lange und allen Mitgliedern des Forums Juden-Christen für ihre Unterstützung- für ihre Erinnerungsarbeit insgesamt.

Euch, liebe Schülerinnen und Schüler, danke ich für die inhaltliche Gestaltung heute! Ich würde mir wünschen, dass ihr diese Gedanken mit in euren Alltag tragt.Davon erzählt – das gilt auch natürlich für die Erwachsenen. Herzlichen Dank auch den verantwortlichen Lehrern. Ich danke aber auch den zahlreichen Paten der Stolpersteine – und zwar ausdrücklich allen Paten der 49 Steine in Lingen. Zu ihnen zählen Vereinsmitglieder, Privatpersonen, Schulen, das KiJuPa, der Stadtjugendring und die Kivelinge. Meinen herzlichen Dank möchte ich zudem dem Kölner Bildhauer Gunter Demnig aussprechen, der unermüdlich Stolpersteine in ganz Deutschland und Europa verlegt, um an die Verfolgten und Ermordeten zu erinnern.

Meine Damen und Herren, lassen Sie uns heute gemeinsam unserer jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger gedenken. Lassen Sie uns die Namen der Opfer des Nationalsozialismus nicht vergessen – lassen Sie uns die Erinnerung lebendig halten!


Foto: Gunter Deming, Verlegung von Stolpersteinen am 18. Sept. 2018, Foto  unten: Stolperstein für Johanna Lewald CC Robertsblog

weil es geht

8. Juli 2017

Wie geschichtslos-dumm kann man eigentlich sein? Offenbar in unserer Region besonders Aus der taz:

Die Industrie- und Handelskammer Osnabrück[-Emsland-Grafschaft Bentheim]
will ihre drei Bilder von Felix Nussbaum verkaufen – und zwar zu marktüblichen Preisen. Warum? Weil es geht.

„Lasst meine Bilder nicht sterben – zeigt sie der Nachwelt.“ Das hat Felix Nussbaum gesagt. Mit der Eröffnung des Osnabrücker Felix-Nussbaum-Hauses 1998 wurde sein Wunsch wahr. Drei Nussbaum-Bilder, die in dem Museum hängen, gehören der Industrie- und Handelskammer (IHK) Osnabrück[-Emsland-Grafschaft Bentheim]. Die will die zwei Selbstbildnisse und das Stillleben nun verkaufen. Das wurde bereits Ende März bei einer Vollversammlung mit nur einer Gegenstimme beschlossen, aber erst Anfang der Woche durch einen Artikel in der Neuen Osnabrücker Zeitung bekannt.

Verkaufen will die IHK unter anderem das „Selbstbildnis mit Geschirrtuch“ )Foto), das zu den Schlüsselwerken Nussbaums zählt und in der Dauerausstellung hängt. Felix Nussbaum malte das Bild um 1936 herum im belgischen Exil. Die IHK kaufte es in den 70ern für 4.000 DM, für ebenso viel wie für das „Selbstbildnis mit Hut“ von 1937, das sich im Depot des Nussbaum-Hauses befindet. Auf dieses Bild erhebt allerdings auch der Museums- und Kunstverein Ansprüche. Im Werkverzeichnis ist es als „Dauerleihgabe des Museums- und Kunstvereins Osnabrück“ aufgeführt, das mit „Mitteln der Industrie- und Handelskammer Osnabrück-Emsland“ 1975 erworben wurde.

Erst 2000 kaufte die IHK das „Stillleben mit Zinnteller“ von 1926. Für alle drei Bilder zusammen zahlte die Kammer, so schreiben sie auf ihrer Internetseite, insgesamt 38.000 Euro. Der heutige Marktwert der Bilder dürfte deutlich höher liegen. Denn Felix Nussbaum, der in den 1970ern wiederentdeckt wurde, zählt inzwischen zu den bedeutendsten Künstlern des Holocaust. Seine Bilder werden weltweit ausgestellt.

Nils-Arne Kässens, Leiter des Nussbaum-Hauses, hofft, dass die Bilder im Museum bleiben. Für besonders aussagekräftig hält er die Selbstporträts: „Felix Nussbaum hat das Grauen des Holocaust nicht direkt gemalt, aber sie sehen es auf diesen Bildern in seinen Augen.“

Die IHK betonte erst am Mittwoch, sie sei „sich der Bedeutung der Kunstwerke und des Künstlers, insbesondere für die Stadt Osnabrück, bewusst“. Sie wollten daher einen Käufer finden, der die Bilder dem Nussbaum-Haus weiter zur Verfügung stelle, erklärt IHK-Sprecher Frank Hesse. Den Vorwurf, die Kammer wolle mit dem Verkauf der Bilder Gewinn machen, weist er zurück. Verschenken oder zum damaligen Verkaufspreis abgeben will die IHK die Bilder allerdings auch nicht. Man orientiere sich am Marktwert, sagt Hesse.

Das kritisiert Heiko Schlatermund, Geschäftsführer der Felix-Nussbaum-Gesellschaft in Osnabrück. Seine Gesellschaft kann sich vorstellen, die drei Bilder zu kaufen – aber nicht zu marktüblichen Preisen. „Unser oberstes Ziel ist es, dass die Bilder in Osnabrück bleiben“, sagt Schlatermund.

Aber warum will die IHK die Bilder überhaupt verkaufen? Sprecher Hesse beruft sich auf eine „Änderung der Rechtsauffassung der letzten 15 Jahre“, nach der es nicht Aufgabe der IHK sei, Kunst und Kultur durch Käufe zu fördern. Er beruft sich auf ein Urteil des Oberverwaltungsgerichtes Münster von 2003. Dabei ging es aber um einen Kredit in Höhe von sechs Millionen DM, den die IHK Duisburg-Kleve-Wesel 2001 zugunsten einer Museumsgründung aufgenommen hatte.

Hesse verweist weiter auf die Prüfung anderer niedersächsischer Handelskammern. Tatsächlich hat der Landesrechnungshof bereits mehrere Kammern geprüft. Gerügt wurde nur eine Kammer, die sich eine große Kunstsammlung zugelegt hatte. Um welche Kammer es sich handelt, will der Rechnungshof nicht sagen, verweist nur darauf, dass diese IHK nicht „zum Verkauf von Gemälden oder Skulpturen“ aufgefordert wurde.

Die IHK in Osnabrück wurde nicht geprüft. Verkaufen wollen sie trotzdem. Zeitnot gebe es nicht, gibt Hesse zu. Die „konkrete Situation in Osnabrück“ kann der Rechnungshof nicht beurteilen. Von dort heißt es: „Wenn die Osnabrücker IHK zu der Selbsteinschätzung kommt, dass ihre Kunstsammlung die Grenzen einer zulässigen Vermögensbildung überschreitet, muss sie sorgfältig abwägen, an wen und zu welchen Bedingungen sie verkaufen will.“


FELIX NUSSBAUM

Der aus einer jüdischen Familie stammende Künstler Felix Nussbaum wurde 1904 in Osnabrück geboren.

Besonders bekannt ist sein um 1943 entstandenes „Selbstbildnis mit Judenpass“.

Nussbaum flüchtete mit seiner Ehefrau Felka Platek vor den Nazis ins Exil nach Italien, Frankreich und 1937 dann nach Brüssel.

Er starb 1944 im Konzentrationslager Auschwitz.

Ein Großteil seiner Bilder ist heute im von Daniel Libeskind entworfenen Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück zu sehen. Drei dieser Bilder gehören der Industrie- und Handelskammer Osnabrück und die will jetzt verkaufen.

 

(Quelle: taz)

„Und im Fenster der Himmel“
Lesung von Johanna Reiss
Lingen (Ems) – Kreuzkirche, Universitätsplatz 1
Mo 19. Juni 2017 – 19 Uhr
kein Eintritt

Die Holocaust-Überlebende Johanna Reiss berichtet in dieser Lesung von ihrer Kindheit im besetzten Holland. Als kleines Kind überlebte die 1932 als Johanna (Annie) de Leeuw im niederländischen Winterswijk geborene Autorin den Holocaust in einem geheimen Versteck auf einem Dachboden. Über ihre Kindheit im Versteck und die Erlebnisse während des Zweiten Weltkrieges berichtet sie eindrucksvoll in dem Buch „Und im Fenster der Himmel“. Am 19. Juni 2017 kommt die heute 84-jährige Reiss, die seit Mitte der 1950 Jahre in New York lebt, zum zweiten Mal nach Lingen (Ems) und liest um 19 Uhr in der Kreuzkirche aus ihrem Buch.

In der Lesung nimmt die Autorin ihre Zuhörer mit in die Niederlande im Herbst 1941: Als die Deutschen die Niederlande besetzen, geraten die damals neunjährige Annie und ihre Familie in große Gefahr – weil sie Juden sind. Hilfreiche Bauern aus einem Dorf bei Enschede verstecken sie und ihre große Schwester in einer kleinen Kammer auf dem Dachboden. Fast drei Jahre lang leben sie dort in drangvoller Enge, sehnen sich nach frischer Luft und Bewegung und fürchten sich vor dem Entdecktwerden. „Es war eine traumatische Zeit, doch Angst und Bedrängnis haben sie nicht gebrochen. Wer sie erlebt, könnte im ersten Moment glauben, einen Menschen mit glücklicher Vergangenheit vor sich zu haben. Die 84-jährige ist ein Energiebündel, sprühend vor Humor und Lebensfreude,“ so die Lingener Tagespost zur Lesung im vergangenen Jahr.

Die Erinnerungen an diese schwere Zeit wollte Reiss eigentlich nur für ihre beiden Töchter aufschreiben. 1972 erschienen sie dann jedoch in den USA unter dem Titel „The Upstairs Room“. Sechs Jahre später wurde das Buch erstmals auch in deutscher Sprache veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet. 2015 hat der dtv-Verlag das Werk komplett neu übersetzen und gestalten lassen. Veranstaltet wird die Lesung von der Stadtbibliothek und dem Heimatverein Lingen in Zusammenarbeit mit dem Forum Juden Christen. Die Lesung ist auch Bestandteil des diesjährigen Julius-Clubs und insbesondere für Kinder und Jugendliche interessant.

(Quelle)

Erna de Vries

29. Januar 2015

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Nur wenige können noch berichten, was wirklich im Konzentrationslager Auschwitz geschah. In dieser SPIEGEL-Serie erzählen Überlebende von ihrem Leidensweg durch den Holocaust.
Lathen im Emsland, 4. Januar. Erna de Vries, 91, lebt in einem hellen Backsteinhaus, auf einem Schrank stehen Familienfotos von drei Kindern, sechs Enkeln. 1943 hatte die damals 19-jährige Erna Korn Gestapo-Leute überredet, sie nach Auschwitz zu deportieren. Warum wollten Sie ins KZ?

Ich wollte meine Mutter nicht alleinlassen. Das war alles. Mein Vater ist schon 1930 gestorben, ich war das einzige Kind. Meine Mutter meinte, wir stünden unter einem gewissen Schutz durch meinen Vater, weil der ja kein Jude war. Um nahe bei ihr zu sein, hab ich meine…

[SPON-Fortsetzung hier]

Spuren

25. Januar 2015

jüdische Friedhof Freren Bild Stephan Bischof Auf den Spuren jüdischen Lebens
Ausstellung Freren  –  Alte Molkerei 27.01.2015 – 17.02.2015
Eröffnung: 27.01. 2015 – 19 Uhr
Eintritt: frei

Der Kulturkreis impulse e. V. präsentiert zusammen mit der Geschichtswerkstatt „Samuel Manne“ in der Alten Molkerei die Ausstellung Auf den Spuren jüdischen Lebens, die sich der jüdischen Kultur im Emsland widmet.

Am 70. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und des internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocausts werden die Broschüre und die neu konzipierte Wanderausstellung in der Alten Molkerei vorgestellt
In vielen Orten des Emslandes stößt man auf Spuren vergangenen jüdischen Lebens wie Friedhöfe, Gedenktafeln, Mahnmale und Stolpersteine. Die Fotogruppe „Objektiv“ nahm im Frühjahr 2014 im Rahmen des Projektes zahlreiche Motive auf, die Spuren vergangen jüdischen Lebens zeigen und die Broschüre illustrieren.

Die Ausstellung vermittelt einen Einblick in die Geschichte und gibt einen Überblick über Orte, an denen man Spuren jüdischen Lebens finden kann. Darüber hinaus stellt sie Personen vor, die mit dem jüdischen Leben im Emsland verbunden sind. Sie möchte dazu beitragen, das reiche Erbe jüdischer Kultur und Religion in’s Bewusstsein zu rücken und seine Bedeutung für die emsländische Geschichte hervorzuheben.

Fokkema

4. Juli 2012

Ganz kurz als Ihr persönliches, kommunales Update für die Wochenmitte:

Ich bin nämlich müde, weil gestern eine Verwaltungsausschuss-Sitzung (kurz: VA) stattfand, in der es teilweise hart zur Sache ging. Wir haben uns im VA -das war noch fast das Angenehmste-  auf die Straßennamen in der Emsauenpark genannten Siedlung in Reuschberge geeinigt, einstimmig.  Nicht optimal, aber man ich kann damit leben, auch wenn bei der Josef-Krieger-Straße blöderweise der Vorname Josef gestrichen ist (jetzt heißt sie also zwiedeutig „Krieger-Straße“) und auch wenn ich mir eine Umbenennung der vorderen Georgstraße zugunsten Bernard Grünbergs sowie der Nordstraße zugunsten Ruth Fosters gewünscht hätte. Die Nordstraße wird aber wohl irgendwann Helmut-Kohl-Ring sein. Im Emsauenpark wird jetzt eine Straße Bernard-Grünberg-Straße und eine weitere Ruth-Foster-Straße heißen. Zu Recht und zu Ehren der beiden jüdischen Lingener Ehrenbürger, die vor 70 Jahren aus ganz unterschiedlichen Gründen den Holocaust überlebten.

Jemand sagte, man solle in der Ratssitzung „nun nicht mehr darüber reden“ und jemand anderes klagte später in der Sitzung über Ausschussprotokolle, in denen „nur der Ratsherr Füst genannt“ werde. Er meinte den mit einem niederdeutschen Dehnungs-E versehenen grünen Ratskollegen Michael Fuest (Foto oben). Sie sehen, es war teilweise deutlich unter der Gürtellinie.

Ich erfuhr, dass der Abifestival eV gegen die Stadt klagt, nachdem diese den Abifestival-Leuten verordnet hat, alle (der zahlreichen) Straßensperrungen während des „AF12“ mit Abiturienten zu bestücken, während der Verein darauf pocht, dies seien polizeiliche Aufgaben, die durch die Polizei erledigt werde müssten. Mein Hinweis, dass niemand in der Verwaltung so viel Ahnung von einem Festival habe wie die AF-Leute, die das seit 10 und mehr Jahren machen, sei „anmaßend“, hörte ich, und es gab noch andere Nettigkeiten.  Dann wurde „der Vau-Ahh“ informiert, dass Wolfgang Dülle, der ehem. Personalratsvorsitzende der Stadt, einstweilen mit seinem Versuch gescheitert sei, im Eilverfahren die schriftliche Zusage durchzusetzen, eine städtische A13-Planstelle als Leiter des Rechtsamtes zu erhalten. Die schriftliche Garantie sei nichtig, hat das Verwaltungsgericht entschieden und darüber eine Pressemitteilung verfasst. Ich habe vorgeschlagen, Dülle  jedenfalls ein ordentliches Zimmer und nicht den Zwischenraum zu geben, in dem er seit dem 27.4. untergebracht ist. Aber man will ihm wohl zeigen, wo die alte Frau Fokkema wohnt (wie das früher sprichwörtlich hieß; weiß noch jemand, woher das Sprichwort stammt?)

Angenehmes gab es auch: Das  war der Bericht von VHS-Leiterin Ute Bischoff, die die alte Tante Volkshochschule wohl ins richtige Fahrwasser bringt. Ich hab ihr gern zugehört!

Zu den LWT-Plänen, für 25.000 Euro (oder mehr?) die Touristinformation umzubauen, war mein Vorschlag: Mistet das jetzige Informationsbüro erst einmal kräftig aus. Alles was an den zahlreichen Überflüssigkeiten in 17 Jahren aufgestellt und angesammelt wurde, gehört raus. Einschließlich der großformatigen (!) Fotos (!) an der Bürowestseite zur Ehren der Werktätigen des LWT. Ich habe kurzerhand familiäre Hilfe beim Ausmisten angeboten. Mal sehen, ob stattdessen 25.000 Euro ausgegeben werden, weil 5 Quadratmeter Teppichboden ein pressewirksam fotografiertes Loch aufweisen.

Was noch?
Vorgestern wurde der Grundstein für die Emslandarena gelegt, wo die letzten Einsprüche  jetzt mit viel öffentlichem Geld und der Aufgabe eines Einzelhandelskonzepts aus dem Weg geräumt werden. Kaufland kommt deshalb  mit knapp 7500 qm Verkaufsfläche, also halb so groß wie die Lookentor-Mall und entgegen den bisherigen Innenstadtplanungen und –wünschen. Viele waren zur Grundsteinlegung am Montag gekommen (ich nicht), wenige fanden sich auf dem obligaten Foto in der LT wieder. Bloß Heiner Pott (Foto) nicht. Der Vater des Projekts war zwar auch da, wurde aber in der Begrüßung des  amtierenden OB Dieter Krone  nicht erwähnt, obwohl man einen Staatssekretär eigentlich erwähnen sollte, denke ich mir – so aus Höflichkeit beispielsweise. Stattdessen begrüßte Dieter Krone aber Conny Spielmanns,  eine Freundin aus Zeiten, in denen er gegen eine zweite Arena neben den Emslandhallen war und für den Ausbau der Emslandhallen war und Conny Spielmanns auch.

Gestern Abend traf sich übrigens die CDU mit der BI Altenlingenerforst, worüber ich nicht berichten soll, wie mir bedeutet  wurde; so etwas -sorry!- reizt dann natürlich besonders. Ich kenne noch kein Gesprächsergebnis, aber mir schwant nichts Gutes. Es gehe um einen Kompromiss, hörte ich im Vorfeld. Man darf gespannt sein, wer wie weit warum eingeknickt ist. Ende September wird mit den BP-Leuten aus London verhandelt, denen unser Altenlingener Forst wahrscheinlich schnuppe ist. Die BP will 700m lange, neue Gleise, von der Bahnstrecke parallel rund 60m westlich in den Forst hinein und bis zur Anschlussstelle an die Umgehungsstraße. Und trotz iHp-Insolvenz will sich die BP nicht in deren Räumen am Hohenpfortenweg sondern auf der abgeholzten Flächen mit Verwaltungsgebäuden verbreiten. Und dann sollen die Schneisen eigentlich aufgeforstet werden, was aber nicht geht, weil man eine Feuerwehrzufahrt zu den neuen Gleisen braucht. Mittendurch West-Ost und da, wo jetzt die größte der Schneisen ist. (Achtung jetzt ironisch:) Natürlich sind die Gleise an der Stelle alternativlos, was niemand unabhängig prüft, weil man der BP ja glauben mussDas ist ungefähr so eindeutig, wie bei Katastrophen jeder Art zu keiner Zeit eine Gefahr für die…. Sie erinnern sich natürlich.

Warum tu ich mir das alles an? Darüber werde ich nachdenken, wie seit mindestens 486 Monaten. Oder waren es schon 498? Dann gäbe es ja in Kürze ein Jubiläum., das zu feiern wäre. Oder?

Schönen Mittwoch noch!

(Fotos: Michael Fuest (c) privat; Heiner Pott (c) ms.niedersachsen)