Tödden und Hollandgänger

23. Oktober 2018

Tödden und Hollandgänger
Ausstellung über Arbeitsmigration zwischen Deutschland und den Niederlanden
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28 b
noch bis Sonntag, 3. Februar 2019
Dienstag – Sonntag 14.30 Uhr bis 17.30 Uhr,
Weihnachten und Neujahr geschlossen

Erwachsene: 4,- €, Kinder: 2,- €
Mit dem 5-Musea-Ticket:  Erwachsene 3,- €  Kinder 1,5 €
Das 5-Musea-Ticket ist an der Museumskasse kostenlos erhältlich.

An das Schicksal der Hollandgänger, die einst als Wanderarbeiter zum Grasmähen und Torfstechen in die Niederlande ziehen mussten, erinnert eine neue Ausstellung im Lingener Emslandmuseum.

Unter dem Dach des „Geschichtsnetzwerks“ der Ems-Dollart-Region haben das Emslandmuseum und das Fries Landbouw-Museum in Leeuwarden gemeinsam eine Ausstellung zur Geschichte der Arbeitsmigration zwischen Deutschland und den Niederlanden produziert, die am vergangenen Sonntag im Lingener Museum eröffnet wurde.

Die Ausstellung zeigt insbesondere die Lebensverhältnisse der Hollandgänger, die als Saisonarbeiter ein kümmerliches Dasein fristen mussten, sowie die Geschäfte der „Tödden“, die als Wanderhändler in die Niederlande zogen und von denen es einige zu sagenhaftem Reichtum brachten.
Die beiden Ausstellungsmacher Dr. Andreas Eiynck aus Lingen (Ems) und Henk Dijkstra aus Leeuwarden erklären aber nicht nur die Ursachen und Hintergründe der einstigen Arbeitsmigration. Sie haben sich in der Heimatregion Emsland und in der Arbeitsregion Friesland auf die historische Spurensuche begeben und schildern die damaligen Geschehnisse am Beispiel konkreter Personen und Familien. Auf einem Bauernhof in Friesland wurden Briefe von emsländischen Hollandgängern aufbewahrt, die auch persönliche Kontakte zwischen den niederländischen Bauern und den deutschen Wanderarbeitern dokumentieren. Solche langjährigen Kontakte in die Niederlande hatten auch die Verwandten des Hollandgängers Knapp Gerd alias Gerd Kruis, die nach seiner Mordtat an einem Kameraden und der anschließenden Hinrichtung ihres Familienmitglieds allesamt in die Niederlande zogen. Bei den Nachfahren der einstigen Wanderhändler sind manchmal noch uralte Geschäftspapiere überliefert, die einen Eindruck vom Umfang der Handelsbeziehungen und dem Ablauf einer Handelssaison vermitteln. Besonders häufig wurden die Forscher dabei im einstigen Töddendorf Schapen fündig, aber auch in Beesten und Freren.
Die Ausstellung zeigt wichtige Reisestationen und authentische Reiseutensilien wie den letzten erhaltenen Wanderstab eines Lingener Hollandgängers, außerdem Andenkenstücke von der Saisonarbeit mit niederländischen Motiven und Inschriften sowie die typischen holländischen Tabaksdosen, die man im Rucksack oder in der Hosentasche leicht transportieren konnte. Bei den Hollandgängern wie bei den Wanderarbeitern war es damals sehr populär, Haus und Wohnung mit solchen Accessoires zu dekorieren und damit auf die weitreichenden Arbeitskontakte hinzuweisen. Sicher boten solche Stücke auch Anlass zu Gesprächen über Reiseerlebnisse und Erfahrungen in Holland, denn gerade für die jüngere Arbeitsmigranten war die Wanderarbeit immer auch ein Stück Abenteuer.
Ein Highlight der Ausstellung bilden die fast 400 Gold- und Silbermünzen, die kurz nach 1684 unter einem Töddenhaus in Schapen vergraben und 1969 bei Bauarbeiten zufällig entdeckt wurden. Im vergangenen Jahr gelang es nun endlich, den damaligen Besitzer des Schatzes zu ermitteln. Es war der unverheiratete und kinderlose Kaufmann Johann von Brandlegt, der damals auf dem Gelände der späteren Hüberts’schen Handelsschule wohnte und bei seinem Tod 1685 das Geheimnis des Schatzes mit in sein Grab nahm.
Die Ausstellung ist bis Anfang Februar 2019 im Emslandmuseum Lingen zu sehen und wird anschließend im Fries Landbouw-Museum in Leeuwarden präsentiert.

Geführte Radtour: Vom Kutscherhaus zum Heimathaus
Vom Kutscherhaus Lingen zum Heimathaus Lohne
Lingen (Ems) – Treffpunkt Kutscherhaus, Burgstraße 30a

Sa 6. 10., ab 14 Uhr
Kosten 9,99 € (incl. Snack) (Karten in der Touristinformation)

Startpunkt dieser rund 35 Kilometer langen, vom LWR veranstaltete Tour ist die im Schatten des Palais Danckelmann liegende Kutscherhaus. Dieses 1730 erbaute Fachwerkremise gehört heute zum Emslandmuseum Lingen und zeigt alte Bau- und Wohnkultur des Lingener Landes. Von hier startet die Gruppe unter fachkundiger Führung von Gisela Schonhoff zum Heimathaus in Lohne. Das Ensemble Heimathaus Lohne, ein „Museum für Land und Leute“ , präsentiert regionale und lokale Kulturgeschichte.
Von Lohne aus führt die Tour weiter nach Schepsdorf. Dort wartet im reetgedeckten Heimathaus unter anderem eine Dauerausstellung zu den „Hollandgängerei“. Tausende Saisonarbeitskräfte überquerten in früheren Zeiten bei Schepsdorf die Ems auf ihrem Weg zu und von ihren Arbeitsplätzen in den Niederlanden.
Zum Abschluss führt der Weg der rund dreistündigen Radtour zurück in die Lingener Innenstadt, wo in der Alten Posthalterei in gemütlicher Atmosphäre ein kleiner Snack auf die Teilnehmer wartet.
Tickets für die geführte Radtour können in der Tourist Information (Neue Str. 3a, Rathaus) erworben werden.
(Foto: Zaun am Kutscherhaus, © milanpaul, via flickr)

Flüchtlingswellen

7. Januar 2016

Zu einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung über die großen Flüchtlingswellen in Deutschland und Europa lädt das Europe Direct Informationszentrum Lingen am heutigen Donnerstag, den 7. Januar um 18.30 Uhr in seine Räume unter dem Dach der VHS Lingen am Pulverturm ein. Dr. Andreas Eiynck, Leiter des Emslandmuseums Lingen, berichtet dabei über den Umgang mit den Flüchtlingen in den vergangenen Jahrzehnten und wagt auch einen Vergleich mit der heutigen Situation.

fluechtlinge_europe_directAusgangspunkt sind die großen Flüchtlingsbewegungen im und nach dem Zweiten Weltkrieg. So zählt zu den größten Leistungen der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte die Integration von Millionen Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten wie Schlesien, Pommern, Ostpreußen und dem Sudetenland. Diese Flüchtlinge haben mit ihren Kenntnissen und ihrem Fleiß den Wandel des Emslandes von einer rückständigen Agrarregion zu einem modernen Wirtschaftsraum entscheidend mitgeprägt.

Jahrzehnte später folgten ihnen deutsche Spätaussiedler aus Polen, Rumänien und den Ländern der früheren Sowjetunion. Sie trafen bei ihrer Ankunft in Deutschland bereits auf Millionen von Gastarbeitern aus europäischen Ländern wie Portugal und Spanien, Italien und Griechenland sowie der Türkei.

In den 90er Jahren zeigte die große Flüchtlingswelle aus den Ländern des früheren Jugoslawien, dass mit dem Fall des „eisernen Vorhangs“ Krieg und Flucht nicht der Vergangenheit angehörten. Der Balken blieb trotz aller diplomatischen Bemühungen ein Pulverfass, dem bis heute viele Bewohner den Rücken kehren.

Die derzeitige Flüchtlingswelle aus dem Nahen Osten und Nordafrika hat ungeahnte Dimensionen erreicht. Die bisherigen Verfahrensweisen und Maßnahmen selbst auf europäischer Ebene haben sich angesichts der hohen Flüchtlingszahlen als unwirksam erwiesen oder reichen nicht aus, wenn eine humanitäre Aufnahme und eine baldige Integration erfolgreich ein sollen.

Mit der Flüchtlingsproblematik kennt sich der Referent bestens aus. Schon in den 90er Jahren hat Eiynck ein vielbeachtetes Buch über die Flüchtlinge im Emsland herausgegeben. Mehrfach hat er auch die emsländischen „Hollandgänger“ als Arbeitsmigranten der frühen Neuzeit untersucht und hierzu viele neue Quellen erschlossen. Die europäische Dimension kennt er nicht zuletzt durch seine Mitarbeit an verschiedenen EU-Projekten der VHS Lingen im Rahmen des Grundtvig-Programms, bei denen er Kontakte in vielen Ländern Europas knüpfen konnte. Vor einigen Wochen erst erschien das aktuelle Emsland-Jahrbuch mit dem Schwerpunktthema „Migration“, für dessen Schriftleitung Dr. Eiynck verantwortlich zeichnet. Und ganz aktuell berichtet er auch über Impressionen und Erfahrungen bei seinen vielen Stadtführungen mit Migranten.
Die Veranstaltung beginnt am 7. Januar um 18.30 Uhr im Europe Direct Informationszentrum unter dem Dach der VHS am Pulverturm. Eine Voranmeldung ist nicht erforderlich, der Eintritt ist frei.
(Quelle PM)