Ehrengrab

23. Juni 2015

Hinrich-Wilhelm-Kopf

Ausgerechnet „Busemann will Sozi-Ehre retten“, titelt die taz und setzt hinzu: Die Stadt Hannover halte den frühereren niedersächsischen Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) wegen seiner NS-Vergangenheit eines Ehrengrabs für unwürdig. Dagegen protestiere Landtagspräsident Busemann (CDU). Über eine sehr deutsche Provinzposse.

Der große Findling mit der Namensgravur darf zwar liegenbleiben – ein Ehrengrab soll die letzte Ruhestätte von Hinrich Wilhelm Kopf auf dem Stadtfriedhof Hannover-Stöcken aber nicht länger sein. Wegen der Rolle des ersten niedersächsischen Nachkriegs-Ministerpräsidenten im Nationalsozialismus hat der Kulturausschuss der Stadt entschieden, dass Kopf einer solchen Ehrung „unwürdig“ sei. Der niedersächsische Landtagspräsident Bernd Busemann (CDU) hat dagegen in einem Brief an Bürgermeister Stefan Schostok (SPD) nun protestiert.

Darin betont Busemann Kopfs „integrative Leistung in der Nachkriegszeit“ und befürchtet, dass die Entehrung des Grabes „als posthume Herabwürdigung aufgefasst werden“ könne. „Ein solcher…“

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nicht mehr

30. März 2014

KopfAus der taz:

Wegen seiner Verstrickungen ins NS-Regime soll Niedersachsens erster Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf (SPD) nicht mehr als Namensgeber für Straßen und Schulen in Hannover dienen. Zu dieser Empfehlung hat sich ein Beirat aus Historikern, Gewerkschaftern und Vertretern von Religionsgemeinschaften durchgerungen, den der Rat der Landeshauptstadt eingesetzt hatte.
Einmütig sei die Entscheidung gefallen, hieß es am Donnerstag aus dem Gremium, das im Januar erstmals getagt hatte.Intensiv diskutiert aber hatte man über Kopf, Ministerpräsident von 1946 und 1957, Urvater unter Niedersachsens Landesvätern und lange Zeit Ikone der Landes-SPD, nach dem unter anderem der Platz vor dem Landtagsgebäude in Hannover benannt ist.

„Wir wollen Kopf nicht seine komplette persönliche Ehre nehmen, der Name wird nicht getilgt“, sagte Michael Fürst, der als Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde im Beirat sitzt. Straßen- und Schulnamensgeber soll Kopf nicht weiter sein, das Ehrengrab auf dem Stadtfriedhof Stöcken aber soll bleiben und mit Infotafeln versehen werden.

Lange hatte es gedauert, bis man in Niedersachsen den braunen Spuren in Kopfs Vergangenheit überhaupt nachgegangen ist. 2012 deckte eine Studie der Historischen Kommission Niedersachsen-Bremen erste Flecken auf.

Die hatte der Landtag als erstes Bundesland überhaupt auf Initiative der damaligen Linksfraktion beauftragt, die NS-Vergangenheit der Nachkriegs-Abgeordneten zu untersuchen. Die Kommission…

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(Foto: Hinrich Wilhelm Kopf 1948; CC Bundesarchiv)

Hinrich-Wilhelm Kopf

8. Juni 2013

Hinrich-Wilhelm-KopfVorgestern stellte die Historische Kommission Niedersachsen ein Buch über das Leben des 1961 gestorbenen ersten Ministerpräsidenten Hinrich Wilhelm Kopf (SPD, Foto re.) vor. Darin wird dem Sozialdemokraten Kopf vorgeworfen, an einer Firma beteiligt gewesen zu sein, die Ende der dreißiger Jahre jüdisches Vermögen kaufte und er verwaltete nach dem Einmarsch in Polen das Vermögen der geflüchteten Polen und Juden im Osten.

Ende der dreißiger Jahre war Kopf Miteigentümer einer Berliner Firma, die jüdisches Vermögen verkaufte. Kopf habe „kräftig verdient an der Entrechtung vieler Juden“, sagte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in seiner Bewertung des Nentwig-Buches. Nach dem deutschen Einmarsch in Polen habe sich Kopf ein neues Betätigungsfeld gesucht und das Vermögen der geflüchteten Polen und Juden im Osten verwaltet. „Es handelte sich um einen systematischen Raub gegenüber Juden und Polen – daran ist nichts zu bemänteln“, erklärte Weil. Im Unterschied zu späteren Beteuerungen sei Kopf zu dieser Arbeit offenbar nicht gezwungen worden, sagte der Ministerpräsident. Ihn erinnere die Rolle Kopfs an die Tätigkeit von Anwälten in der DDR, die Ausreisewillige vertreten haben.

Ministerpräsient Weil: „Wie sollen wir damit umgehen? Diese Risse verleugnen und weiter das Denkmal verehren? Den Stab über Kopf brechen und seine historischen Verdienste in den Hintergrund treten lassen? Ich bin mir auch nach längerem Nachdenken noch nicht recht schlüssig, welches meine persönliche Antwort auf dieses Dilemma ist. Das Leben von Hinrich Wilhelm Kopf zeigt, dass Menschen immer wieder zu beidem gleichermaßen und als eine Person fähig sind – zu schuldhaftem Handeln ebenso wie zur herausragenden Leistung.“ Anschließend stellte Weil die Frage, was die neuen Forschungsergebnisse nun für viele Schulen und Straßen bedeutet, die Kopfs Namen tragen

Das Buch:

Teresa Nentwig: Hinrich Wilhelm Kopf (1893–1961). Ein konservativer Sozialdemokrat. 941 Seiten, Hahnsche Buchhandlung Hannover, ISBN 978-3-7752-6072-5, 48 Euro.