Hermann Scheer

16. Oktober 2010

Hermann Scheer ist tot. Er starb vorgestern in Berlin nach kurzer schwerer Krankheit an Herzversagen. Scheer, der in Waiblingen bei Stuttgart lebte, hinterlässt seine Frau und eine erwachsene Tochter.

Die Nachricht hat mich bestürzt. Vor zehn Jahren durfte ich den herausragenden Politiker kennen lernen, als er auf Einladung von Wilfried Telkämper nach Lingen kam, ganz wenige Tage nach dem Beschluss über „sein“ wirklich revolutionäres Gesetz über Erneuerbare Energien.  Mich hat der damals wegen seines Einsatzes für die Solarenergie frisch gekürte Träger des „Alternativen Nobelpreises“ außerordentlich beeindruckt. Peter Unfried hat in seinem Nachruf heute in der taz meine Gedanken und Gefühle am Besten getroffen. Er schreibt:

„Hermann Scheer war nicht nur „ein SPD-Politiker“. Er war der herausragende Politiker seiner und unserer Zeit. Am Donnerstag ist er unerwartet mit 66 Jahren gestorben.
Wenn man eines Tages die Namen von aktuellen Spitzenpolitikern längst vergessen haben wird, speziell jene der SPD, dann wird man sich immer noch erinnern an einen herausragenden Weltpolitiker, Intellektuellen und Humanisten unserer Zeit. An Hermann Scheer. Am Donnerstag ist er in Berlin mit 66 Jahren völlig unerwartet gestorben.
Um es auch für den popkulturell konditionierten Teil der Gesellschaft klarzumachen: Hermann Scheer ist größer als die Beatles. Über seine Bedeutung kann heute noch kein Konsens bestehen. Aber das wird sich ändern. Scheer hat die Wende zu hundert Prozent erneuerbaren Energien nicht nur früh als zentrale Aufgabe der Gegenwart erkannt, er sah die gesellschaftliche und soziale Dimension, er war in der Lage, die ökologische Transformation zu denken. Mehr: Er war sicher zu wissen, wie man sie hinkriegt…“
weiter hier auf der Seite  der taz

Am Montag wollte Hermann Scheer in München sein neuestes Buch vorstellen: „Der EnergEthische Imperativ „. Darin stellt er dar, warum und wie der rasche Wechsel zu Erneuerbaren Energien stattfinden muss. Es ist sein Vermächtnis. Sie sollten es lesen.

Zitat

24. August 2010

Zitat aus der Feder der Verwaltung:

„Nachdem im September eine neue Oberbürgermeisterin/ ein neuer Oberbürgermeister gewählt wird, stehen im Oktober die Neuwahlen zum Kinder- und Jugendparlamentes (KuJuPa) Lingen an.“

Mit solch einer vergleichend-nivellierenden Aneinanderreihung kann man seine Bewertung der aktuellen OB-Wahl auch trefflich zum Ausdruck bringen, habe ich beim Lesen gedacht und musste an Sigmund Freud denken. Eine zweite Anmerkung: Das KiJuPa wird in Lingen seit den 1990er Jahren propagiert – fast möchte ich sagen betrieben. Sonderlich erfolgreich ist es nicht. Dafür gibt es einen einfachen Indikator: Bei der letzten Wahl meldeten sich so wenige Kandidaten, dass jeder Kandidat gleich gewählt war, wenn ich mich richtig erinnere. Etwas länger zurück liegt mein prägendes Erlebnis mit dem KiJuPa, als der Träger des alternativen Nobelpreises Hermann Scheer in Lingen weilte und nicht vor dem KiJuPa sprechen sollte, weil der damalige OB-Kandidat Wilfried Telkämper dabei sein wollte. Eine peinliche Groteske, bei der Frau Eilermann, die damalige wie heutige lenkende  „Betreuerin“ des KiJuPa, wie eine Glucke agierend politische Aufklärung abblockte. Auch bei der jetzigen OB-Wahl gibt es keine Aktion, wo sich die OB-Kandidaten beispielsweise dem Gremium vorstellen und mit ihm diskutieren können.

Nun: Diskutieren und abstimmen kann man auch in jedem Jugendkeller und Verein. Also weiß ich nicht recht, was das KiJuPa-Projekt soll, außer ein bisschen (wenig) Geld verteilen. Das ganze KiJuPa wirkt auf mich so wie eine von oben drauf geflanschte Sache, die den Eindruck machen soll, als täte man etwas für junge Leute und akzeptierte ihre Entscheidungen. Es ist so ein „Gut-gemeint-Projekt“ – wie dieses -ich schweife jetzt eingestandenermaßen ab- peinliche Notinsel-Projekt, das an der Realität vorbei PR-Gutmenschentum symbolisiert. Als ob ein sechsjähriges Kind nach einem Notinsel-Aufkleber sucht oder anders: als ob nicht jede/r  hilft, wenn ein weinendes Kind offenbar nicht mehr weiter weiß…(Abschweifen zu Ende)

Aber vielleicht hilft mir altem  Mann jemand, damit ich meine skeptische KiJuPA-Einschätzung ändern kann (oder auch nicht)…

ps
Wenn KiJuPa-Mitglied Julius antworten will, dann bitte selbst und nicht durch einen trolligen Ghostwriter…