Klaas II

25. Februar 2011

Der Laxtener Hermann Klaas (Foto unten) plant Großes für die Nachbarstadt Rheine. Der Initiator und Investor der Lingener Lookentor-Passage stellte am Mittwoch  mit seiner Architektengesellschaft RKW aus Düsseldorf die  „Ems-Galerie“ vor, die er aus dem Coesfeld-Areal in der 80.000-Einwohnerstadt realisieren will. Die offene Einkaufsmall (Planskizze lks) im Bereich zwischen Münsterstraße, Emsstraße, Kettlerufer und Hohe Lucht umfasst eine Verkaufsfläche von 12.000 Quadratmetern, die Investitionssumme beläuft sich auf  70 Mio Euro. Im Frühjahr 2012 soll es losgehen, 2014 soll die Eröffnung sein.

Für das Großprojekt werden einige Häuser abgerissen, darunter auch das Gebäude der Commerzbank an der Emsstraße. An genau dieser Stelle soll nämlich einer der beiden Eingänge entstehen – ohne Türen, wie Architektin Possinke unterstrich. Auch die Häuserzeile an der „Hohen Lucht“ wird weichen, um Neubauten Platz zu machen. Gleiches gilt für etliche Altbauten im Innern des Einkaufsbereichs, wie höchstwahrscheinlich auch für das bekannte katholische Hans Niermann-Haus. Der nötige Parkraum soll auf dem Dach geschaffen werden. Eine Tiefgarage sei aufgrund der Höhenunterschiede nicht machbar, sagte Klaas. Die Anfahrt wird über die Straße „Hohe Lucht“ erfolgen. Nach eigenen Angaben hat Hermann Klaas in den letzten 30 Monaten 90% der erforderlichen Grundstücke erworben. Er sei schon etwas nervös in die Sitzung gegangen, in der er am Mittwoch das Projekt vorstellte, bekannte Klaas  vor der münsterländischen Presse. „Ich freue mich, dass das Projekt, für das ich zwei Jahre lang gemeinsam mit EWG und Stadt die Vorarbeit geleistet habe, jetzt auf einem guten Wege ist.“

Bislang werden in der Tat die Pläne der Hermann Klaas Projektentwicklung GmbH in Rheine durch Kaufmannschaft und Politik positiv aufgenommen. Rheines Baudezernent Jan Kuhlmann freute sich, dass mit dem gestern vorgestellten Entwurf ein hochwertiges Objekt realisiert werden. Bruno Müller, Vorsitzende des Rheinenser Handelsvereins, sagte, er sei „positiv überrascht“. Klaas habe sich an die Vorgaben gehalten, die ihm der Projektbeirat vor Beginn der Planungen gestellt habe. „Das Quartier fügt sich harmonisch in den Bestand ein. Das wird eine Aufwertung für die gesamte Innenstadt. Wir können kaum erwarten, dass es losgeht“. Das einflussreiche CDU-Ratsmitglied Horst Dewenter lobte: „Das ist eine Planung, die uns voranbringt“. Das Klaas’sche Konzept nehme Rücksicht auf die Umgebung und sei nicht das viel zitierte „Raumschiff“. Wichtigster, noch zu klärender Punkt, sei die Erschließung der „Ems-Galerie“. Für Alfred Holtel,  FDP-Chef im Rheiner Stadtrat, sind die Pläne ein „gelungener Wurf“. Er lobte besonders Investor Hermann Klaas: „Das ist ein Verhandlungspartner, auf den man sich verlassen kann“. Auch der Vertreter der Grünen im Projektbeirat, Robert Grawe, bezeichnete die „Ems-Galerie“ als eine „Bereicherung für die Stadt“. Insbesondere die Anbindung an die vorhandenen Strukturen gefalle ihm sehr gut. „Das fügt sich in das Ensemble ein.“ Für die Entwicklung der Stadt sei die Entwicklung der Brachfläche sehr wichtig. „Rheine ist leider etwas abgehängt worden in den vergangenen Jahren“, sagte Grawe.

Das will Hermann Klaas nun offenbar ändern…

(Skizze: Rhode/Kellermann/Wawrowsky, Düsseldorf © H.Klaas, Foto © H. Klaas; Quellen Münstersche Zeitung, Westfälische Nachrichten)

Osterfeuer

4. April 2010

Dieses Osterfeuer nahm uns Innenstadtbewohnern heute  regelrecht den Atem. In der „Kleine Poststraße“ hatten übelwollende Zeitgenossen an diesem frühen Ostersonntagmorgen den Augustin-Papiercontainer in Brand gesetzt. Die Feuerwehr rückte aus und löschte. Es stank im weiten Umkreis.

Die „Kleine Poststraße“ ist seit Bau und Eröffnung der Lookentorpassage ein mehr als schwieriges Gelände geworden. Hier im Hinterhof des Kaufkommerzes treffen sich umtriebige Jungbürgerinnen und Jungbürger zu allerlei schräg-unsportlichen Aktivitäten. Es geht nicht selten schrill und laut zu. Und die Nachbarn, die es bisher dort ausgehalten haben, rufen entnervt die Ordnungshüter, wenn es gar nicht mehr geht. Die Polizei erscheint dann auch tatsächlich – und, wie ich von den Nachbarn erfahre, informiert auch die Zur-Rede-Gestellten, wer genau die feiernd-fröhlich-kreischenden Nachwuchs denn einer Ruhe- oder anderen Störung bezichtigt hat. Das wiederum führt nicht selten zu neuer, nicht stets unmittelbarer Verbindungsaufnahme der lebhaften jungen Menschen mit einfach nur noch genervten Anwohnern und deren Pkws. Ja, auch unsere Kraftfahrzeugwerkstätten wollen ihr Auskommen finden.
Vor mehr als zwei Jahren habe ich vergeblich versucht, durch eine Debatte und Beschlüsse im Planungs- und Bauausschuss des Lingener Rates für Abhilfe zu sorgen. Michael Fuest unterstützte mich. Was daraufhin passierte, ist und war eigentlich typisch für die kommunale Politik seit Amtsantritt des jetzigen OB und -mehr noch- seines jetzigen,  in Oldenburg lebenden Stadtbaurats L. . Erst kündigte Letzterer vollmundig große Pläne für die Kleine Poststraße an,  und dann, als Investor Hermann Klaas darüber nachdachte, das Lookentor zur Kleine Poststraße hin zu erweitern, war damit finito. Bezeichnend teilt die Suchmaschine auf der städtischen Internetseite lingen.de mit:

Zu Ihrer Suchabfrage „Kleine Poststraße“ konnte leider kein Eintrag gefunden werden!

Die Anwohner sind längst auf sich allein gestellt – der OB wohnt in Bramsche und sein Stadtbaurat in Oldenburg. Heute morgen war es nicht das erste Mal, dass nächtens Augustins Container in der Kleinen Poststraße brannte – übrigens -wie das Foto zeigt- bedenklich nahe am Gebäude Adelmann („Spiele Max“). Muss der einzige Fortschritt für die Anlieger eigentlich sein, dass diesmal die Feuerwehr die versteckte Zufahrt fand und nicht -wie früher schon mal – zu Fuß im  Laufschritt  beim Brandherd in Lingens Inenstadt-Hinterhof eintraf?

Nachtrag: Ein Foto von Ostermontag 2010 – Kleine Poststraße. Eigentlich hätte man saubermachen… oder?

(Fotos: © roberts blog)

Debatte II

26. Oktober 2008

In der Wochenendausgabe der Frankfurter Rundschau hat der Architekt und Städtebauer Christoph Mäckler, einer der Großen seines Faches in Deutschland, Aussagen zur aktuellen Stadtentwicklung gemacht, die mich an Lingen und die weiter zunehmende Schieflage erinnern. Mäckler sagt:

In den 70er Jahren hat sich die Disziplin der Stadtplanung von der Architektur getrennt. Heute wissen wir: So geht das nicht. Stadtplanung ist ein organisatorisches Hilfsinstrument, das konkrete stadträumliche Inhalte und architektonisches Gestalten benötigt. Wir müssen Straßen und Plätze stadträumlich entwerfen, sonst entsteht keine Stadt, in der man sich wohl fühlt. Man lässt die Gestaltung der Stadt aber völlig außen vor, oder glaubt dieses Thema mit Stadtmöblierung erledigen zu können.

FR: Die Städte wachsen. Woran sollen sie sich orientieren – städtebaulich wie architektonisch?

Das Instrumentarium der Stadtplanung muss durch Städtebau, die architektonisch-städtebauliche Gestalt, ergänzt werden. Dann erst werden wir wieder gestaltete Städte haben. Und das ist genau das, was die Bevölkerung in Deutschland überall fordert. Wenn einige fordern, wir wollen unsere Altstadt wieder haben, dann ist das auch ein Hilferuf.

Der Lingener Stadtbaurat, der eine Vision davon hatte, wie die Lingener Innenstadt funktionieren und aussehen sollte, war Nikolaus Neumann. Hochbauarchitekt Neumann hat folgerichtig das Lingener Stadtbild im letzten Drittel des vorigen Jahrhunderts gestaltet und geprägt. Also das getan, was -zugespitzt gesagt- heute ungezügelte Werbefuzzis machen. Wirtschaftliche „Notwendigkeiten“ setzten ihm Grenzen. Aber seit seiner faktischen Abwahl sitzen auf seinem Posten, fast möchte ich sagen nur noch, Stadtplaner. Sie sehen, wie mir einmal ein Architekt zugespitzt sagte, „unsere Stadt nur von oben“. Ihnen fehlt bei den Entscheidungen zu oft das, was Mäckler fordert, Straßen und Plätze stadträumlich zu entwerfen, und daher reduzieren sie sie auf neue Straßenmöblierung, auf Magnolien-statt-Platanen und wehende Werbefahnen vor historischen Gebäuden. Der jetzige Stadtbaurat beispielsweise sagte schon früh, die Innenstadt sei zum Wohnen nicht geeignet. Vielseitige Nutzung durch bauliche Verdichtung findet nicht statt. So denkt man dann eben im Rathaus mehr über neue Einfamilienhaussiedlungen in Baccum, Biene, und Bramhar nach als über die schwierige Entwicklung und Sanierung von Innen- und Kernstadtquartieren.

Mäckler zeigt in seinem FR-Gespräch auf, was für eine lebendige Innenstadt wichtig ist:

Ich muss die Stadt insgesamt denken. In Europa ist das einfach, weil unsere Städte auf historischen Grundrissen aufgebaut sind. … Wir müssen die Innenstädte erst mal verdichten. Man muss beispielsweise den … städtischen Raum ergänzen – mit vernünftigen Läden, Wohnungen und mit einem ausgeprägten Einzelhandel. Dann wird dieser Bereich auch wieder belebt sein. Die Menschen wollen sich wohl fühlen – in ihrem städtischen Raum, wie in ihrem Wohnraum. Der städtische Platz ist das Wohnzimmer der Stadt! Dafür gibt es seit Jahrhunderten Kriterien…. Daran müssen wir uns wieder orientieren!

und er ergänzt:

Ich muss den Stadtraum gestalten, unabhängig von den unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Alle Menschen wollen gestaltete Räume haben. Jeder gestaltet ja auch sein privates Wohnzimmer. In der Stadt sorgt der sozialpolitische Aspekt dafür, dass diese Räume lebendig sind. Hier ist politisches Handeln gefragt. So sollten wir beispielsweise Einkaufszentren soweit wie möglich von uns fern halten und dem Einzelhandel die Chance geben, sich in der Stadt entwickeln zu können. Nehmen Sie die (erg. Frankfurter) Braubachstraße: Dort kann der Einzelhandel bestehen, weil er der Stadt Miete zahlt. In bestimmten Bereichen der Stadt sollten die Erdgeschoss-Mieten eingefroren sein. Nehmen Sie die toten spiegelverglasten Erdgeschosse der Mainzer Landstraße (erg.: in Frankfurt). Die Stadt hat diesen Straßenraum in eine sehr schöne Allee verwandelt, doch ohne Läden mit bezahlbaren Mieten wird da niemals städtisches Leben einziehen. Das Erdgeschoss eines Hauses muss als Teil der Stadt verstanden werden.

Ok,ok ! Ich lese schon Ihre skeptischen Gedanken. Richtig! Lingen ist nicht Frankfurt. Aber Mäckler sprich tnicht nur über seine Stadt sondern allgemein über die Stadt. Also übertragen wir seine Gedanken aufunser kleines Lingen und zwar für den Kernbereich an Burgstraße und Pferdemarkt. Über diese vier-fünf Hektar Innenstadt wird seit Jahrzehnten lamentiert. Der Versuch, eine Versorgermarkt-Konkurrenz zu etablieren, ist mit dem ehemaligen Coop und dem Bauernmarkt zwei Mal großartig gescheitert. Um so mehr eignet sich das Areal für einen „Neustart“, zumal sich die Probleme mit dem Umzug fast aller dort ansässigen Ärzte in die neue  Medizin-Mall erheblich verstärken und er wirklich fast zur Hinterlage verkommt.

Für den notwendigen städtebaulichen Impuls muss die Stadt jetzt sorgen: Ich stelle mir Grunderwerb vor, einen (städtebaulichen?) Wettbewerb der Ideen, eine Projektgesellschaft, die die Gedanken dann auch realisiert, klare wirtschaftliche „Erdgeschoss-Strukturen“ (Mäckler) und Wohnungen. Verdichtung eben. Natürlich müssen dabei die beiden Hermänner ins Boot: Hermann Bröring, dessen Museum eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung hat, und Hermann Klaas, dem große Teile ungenutzter Flächen gehören. Am Ende eines solchen Weges muss und wird  „städtisches Leben einziehen“ (noch mal Mäckler).

Um dies zu erreichen, muss die Stadt aktiv sein, gestalten wollen und die Dinge in die Hand nehmen. Das bloße Zuwarten auf die Kräfte des (Pferde-)Marktes reicht jedenfalls nicht.

Hermann hilf!

27. November 2006

399747_R_by_Stihl024_pixelio.deEmpörend finde ich die Trantütigkeit, mit der in unserem Land die Straßen repariert und umgebaut werden. Die A30 beispielsweise, auf der ich mehrfach die Woche Osnabrück ansteuern muss, ist seit Jahren ein Musterbeispiel für gelangweilte Inkompetenz der Verantwortlichen in den Straßenbaubehörden. Gerade wird dort seit einer Woche die Baustelle zwischen den AS Gaste-Hasbergen und Sutthausen abgebaut. Mehr als ein halbes Dutzend Bauarbeiter habe ich dabei dort noch nicht gesehen – pro Staukilometer also einen.
In Lingen geht es ähnlich geruhsam zu. Der Umbau der Neuen Straße in einen verkehrsberuhigten Bereich dauerte beispielsweise in diesem Herbst geschätzt drei Mal solange wie notwendig. Der Neubau eines Kreisverkehrs an der Einmündung Kurt-Schumacher-Brücke/Lindenstraße ist das aktuellste Beispiel.

Heute ist nämlich die provisorische Baustellendurchfahrt von der einen zur anderen Seite verlegt worden. Damit ist jetzt die ampelgesicherte einspurige Strecke doppelt so lang wie zuvor, entsprechend länger ist die Ampelphase. Die Folge: Der Verkehr aus der Innenstadt staut sich zurück bis in den Kreisverkehr am Jakob-Wolff-Platz . Daher können die in die Innenstadt hinein fahrenden Kfz nicht mehr durch den blockierten Kreisverkehr Jakob-Wolff-Platz hindurchfahren, weil dort die ampelbedingt wartenden Stadtauswärtsfahrer stehen. Ein Chaos ohne Gleichen ist die Folge, und dieses Chaos soll offenbar der besondere Beitrag der Stadtverwaltung zum diesjährigen Weihnachtsgeschäft für die Innenstadtkaufleute sein.

Dies alles könnte anders sein, wenn durch straffe Verträge und Vorgaben mehr als nur sechs Arbeiter auf der Baustelle tätig sind, wenn die mehr als 40 Stunden pro Woche eingesetzt und hierauf auch durch die Bauaufsicht geachtet würde. Denn -ich hab noch einmal nachgesehen- die Woche hat 168 Stunden, so dass genügend Zeit und Raum für mehr Arbeit ist.
Der neue Kreisverkehr soll nach dem 40-Stunden-sind-auch-genug-Prinzip erst am 18.12. fertig sein. Ich fürchte schlimmstes, nachdem der erste Bauabschnitt 3 1/2 Wochen dauern sollte, tatsächlich aber erst nach 4 1/2 Wochen fertig war. Man stelle sich nur vor, es friert oder schneit. Dann liegt alles still.

Offenbar interessiert dies in den Verwaltungsetagen nicht wirklich. Deshalb sollte am besten Hermann Klaas als Baustellenchef einspringen, auf dessen Baustelle der Lookenpassage im Zweifel von morgens Sechs bis abends 23 Uhr gearbeitet wird…

Foto: © stihl 24, pixelio