gut vorbeifahren können

14. Juli 2017

Vorgestern versuchte Lingens OB Dieter Krone in der Lokalpresse  die eigene Politik zulasten des ohnehin schon schwächelnden Stadtzentrums, als richtigen politischen Schritt zu verkaufen. O-Ton: „Wir müssen den Einzelhandel neu aufstellen und die einzelhandelsrelevanten Umsätze steigern“. Erste Schritte sieht, so der zögernd-skeptische LT-Mann Wilfried Roggendorf, Krone in der „Eröffnung von Rossmann“ an der Meppener Straße im November und dem geplanten Bau eines DM-Marktes bei BvL an der Lindenstraße. „Wir haben viele Einpendler, und die kaufen da ein, wo sie gut vorbeifahren können“, sagte Krone. In diesem Bereich herrsche in Lingen Nachholbedarf.

Nun ist es schon für das Lingener Zentrum nicht zuträglich, dass lokale Dienstleister an der Peripherie ihre Firmen ansiedeln und dabei mit Hunderttausenden Euro an städtischen (Grundstücks-)Subventionen belohnt werden. Jetzt aber ganz offiziell Stadtentwicklung gegen das Stadtzentrum für Leute zu propagieren, die da einkaufen, wo sie „gut vorbeifahren“ können, führt in die falsche Richtung. Wie kann Krone eine Rossmann-Filiale im Ortsteil Altenlingen an der Oberhofstraße (nicht „Meppener Straße“, Herr Krone) oder auch jenseits des Stadtzentrums das BvL-Fachmarktzentrum (mit mehr als einem DM-Markt, Herr Krone)  als richtige Entwicklung sehen?

Beide Beispiele Krones gehen klar zulasten der Innenstadt, was er nicht versteht oder ihm offenbar nicht so wichtig ist wie Parkplätze für gut vorbeifahrende Pendler. Dabei bringen sie keine Qualität sondern Masse. Vermeidet der OB etwa deshalb eine kritische Prüfung dieser Vorhaben und generell seiner Lingener Einzelhandelspolitik durch ein neues Einzelhandelsgutachten und pickt für seine Einzelhandelspolitik aus überholten, 11 Jahre alten Gutachten bei Bedarf ein paar Argumentationsrosinen?

Dabei bestätigt Krone gleichzeitig – quasi im guten Vorbeifahren – die Warnungen von Fachleuten wie etwa Investor Hermann Klaas. Der hatte Anfang des Jahres darauf hingewiesen, wie sehr der lokale Innenstadthandel seit wenigen Jahren deftige Rückschläge zu verkraften hat, hatte daher Krone für seine BvL-Pläne heftig kritisiert und deshalb seine eigenen Pläne aufgegeben, den Sparkassenkomplex am Markt zu revitalisieren. Dieses Vorhaben sei für ihn nicht mehr verantwortbar. Nun gibt Krone dem Kritiker Klaas in seinem Pressegespräch recht: Der Umsatz des Lingener Einzelhandels stagniere seit 2010 bei etwa 334 Millionen Euro. Wenn jetzt die Stadt außerhalb des Zentrums neue Ladenflächen schafft, dann tut dies der Innenstadt nicht gut. Übrigens: Seit 2010 ist Krone OB und trägt daher Verantwortung für diese Entwicklung, die er bisher immer weggejubelt hat. Zum Vergleich der Zahlen: Von 2010 bis 2016 sind die Durchschnittslöhne in Deutschland um knapp ein Fünftel gestiegen.

Die Folge der Einzelhandelskrise ist sichtbar: Herrenmode beispielsweise existiert in unserem Städtchen fast nicht mehr. Das wird sich sicher nicht wesentlich verbessern, wenn bald ein Modehaus aus Friesoythe eine Filiale im ehem. Löning an der Burgstraße eröffnet.

Zulasten des Zentrums subventioniert die Stadt derweil das geplante BvL-Fachmarktzentrum mit mehr als 1 Mio Euro aus kommunalem Vermögen; sie überlässt nämlich dem Investor städtische Grundstücke zu einem Bruchteil des Marktwerts. Man darf gespannt sein, ob eine solche, zudem versteckte Subvention vor den Gerichten Bestand hat.

Die Millionensumme sollte man besser im Stadtzentrum investieren. Doch OB Krone fährt lieber an planvoller und nachhaltiger Stadtentwicklung vorbei.

 

„Klein-Ochtrup“

29. März 2017

Da erhielt ich, rechtzeitig zur heutigen Sitzung des zuständigen kommunalen Planungs- und Bauausschusses, der nach nur kurzer Debatte die modifizierte BvL-Planung per Grundsatzbeschluss abgesegnet hat (BN enthielt sich, Grüne dagegen, CDU/SPD dafür), diese Zuschrift:

Zur Sache: So gerne ich Edeka mag und in Lingen vermisse, ich halte das ‚Klein-Ochtrup‚ am BvL-Kreisel für eine Fehlentwicklung. Mittelfristig wird es ein wichtiges Geschäft aus der Innenstadt ersetzen und/oder abwerben, so wie Joachim das schon mal prognostiziert hat.
Die Idee mit den Wohnungen ist charmant, kann aber nicht alles andere ausgleichen.“

So ist es. Dasselbe gilt für den Erhalt des Winkel-Bunkers, der natürlich als Mahn- und Denkmal wichtig für unsere Stadt ist und der als Baudenkmal in jedem Fall stehen bleibt, auch wenn man „Klein-Ochtrup“ nicht zulässt. Und für die Frage, ob man die benötigten 5000 qm städtischer Flächen nicht nach Verkehrswert bezahlen lässt, sondern zum Buchwert veräußert, also fast verschenkt.

Aktuell zieht bereits das Gerücht die Runde, dass als erstes der Spiele-Max im ehemaligen Haus Adelmann, Marienstraße, in das BvL-Vorhaben wechselt. Später droht der Media-Markt zu folgen. Es fällt auf, dass die BvL-Center Entscheidung zu einer Zeit fällt, wo kein einziger Kaufmann oder Handwerker aus dem Stadtzentrum mehr im Lingener Stadtrat Sitz und Stimme hat. Da konnten die Kaufleute Hermann Klaas, Stefan Nottbeck, Torsten Thoben, Stephanie Albers und Stefanie Neuhaus-Richter noch so engagiert am Montagabend in der CDU-Fraktion für eine vitale Innenstadt streiten. Doch die CDU hat ihnenn, fast ausnahmslos CDU-Anhänger, nicht einmal deutlich gesagt, dass sich die christdemokratische Ratsmehrheit schon vor zwei Wochen festgelegt hatte: Für das BvL-Projekt. Ein Projekt, das nur Familie van Lengerich nutzt, der Innenstadt aber schadet und zwar massiv, weil dringend benötigte Kaufkraft abfließt. Denn wie sagte es schon das -damals noch objektive- Gutachten der Stadtforscher von Junkers und Kruse vor 11 Jahren:

„Die Ansiedlung von Einzelhandel, vor allem zentrenrelevantem Einzelhandel, im Bereich städtischer Einfallstraßen, vor dem Hin-tergrund der definierten Zielvorstellungen zur künftigen Einzel-handelsentwicklung, im Sinne einer geordneten Stadtentwicklung sowie zum Schutz bestehender Versorgungsbereiche, ist auszu-schließen. Dabei handelt es sich insbesondere um folgende Straßenzüge: Lindenstraße...“

Die von Experten befürworteten negativen Folgen durch das BvL-Center werden eintreten. Dabei werden natürlich aufgrund des Kaufkraftabflusses nicht die starken Innenstadtstandorte leiden sondern die schwachen B-Lagen, beispielsweise die Große Straße. Das belegt auch die Absage von Investor Hermann Klaas, der eigentlich mit Millionen Euro den überwiegend ungenutzten Sparkassenkomplex vitalisieren wollte und jetzt das Projekt aufgibt. Warum auch sollte er in dieses Vorhaben investieren, wenn OB Krone und seine politischen Unterstützer nicht einmal erkennen, wie sehr sie mit ihren Edeka-BvL-DM-Plänen dem Stadtzentrum allgemein und seinen Plänen im Besonderen zu Leibe rücken. Und was glaubt CDU-Fraktionsvorsitzender Uwe Hilling, wird die Firma Netto tun? Glaubt er tatsächlich, dass das Unternehmen angesichts der kommunal subventionierten Edeka/DM-Lindenstraßenkonkurrenz á la „Klein-Ochtrup“ am geplanten Standort Reuschberge festhalten wird, wo der Kommunalpolitiker wohnt?

Das Ja zum BvL-Center ist kurzsichtig und aktionistisch, also das Gegenteil nachhaltiger Politik. Das geschieht unter der Ägide eines Oberbürgermeisters, der in seinen bisher fast 70 Monaten Amtszeit nicht viel  (man könnte auch schreiben nichts) Wegweisendes für unsere Stadt auf den Weg gebracht hat. Profitiert hat er in seiner Amtszeit vor allem von den Vorarbeiten seines Vorgängers. Sein Nachfolger wird jedenfalls auf Vorleistungen des jetzigen OB nicht zurückgreifen können.

Ausfleddern

27. Januar 2017

RathausEr ist seit ein paar Wochen in Urlaub, soll auf Kreuzfahrt sein und überließ die lange geplante Ratssitzung am Donnerstag anderen. Doch jetzt hat er’s für jeden Lingener erkennbar versemmelt. OB Dieter Krone ist verantwortlich für das aktuelle Desaster um den künftige Nutzung der Sparkasse am Lingener Markt. Längst haben in der Sparkasse Meppener das Sagen und für die ist die in weiten Teilen ungenutzte Hauptstelle der ehemaligen Kreissparkasse Lingen an unserem Markt nicht mehr als ein Klotz am Bein. Während sich dieselbe Sparkasse Emsland in Meppen eine Hauptgeschäftsstelle vom Feinsten leistet, ist Lingen über. Das wissen alle, nur nicht unser lächelnder  Schönredner und peinlicher Falschrechner Dieter Krone („Damit sind wir einwohnermäßig nach Oldenburg und Osnabrück die drittgrößte Stadt im Nordwesten Niedersachsens“).

Lingens OB hat der BvL-Familie van Lengerich nämlich offenbar zugesagt, dort, Winkelbunker hin oder her, einen Edeka- oder einen Was-weiß-ich-Markt bauen zu lassen. Bei solch kurzsichtigem Ja darf dann das Stadtzentrum schon mal über die Klinge springen. Nicht weil er will, sondern weil der OB es nicht erkennt.

So ist die Absage von Hermann Klaas eine Ohrfeige für den noch amtierenden OB, der die Stadt nicht entiwckelt. Hermann Klaas wollte die alte Sparkasse am Markt kaufen und daraus ein Juwel für die Lingener Innenstadt machen. Perdu, Monsieur OB! Sie haben’s nicht erkannt.

In unerwarteter Klarheit informiert die Lokalpresse darüber, was ‚Investor Hermann Klaas‘ dazu zu sagen hat:

„Auf Anfrage unserer Redaktion kritisierte Investor Hermann Klaas die Lingener Stadtverwaltung. Dem Einzelhandel in Lingen schade diese mit ihrer Entscheidung, außerhalb der Innenstadt eine Ausdehnung von Einzelhandelsflächen zu ermöglichen. Konkret nannte Klaas das Einrichtungshaus BvL an der Lindenstraße. Das Lingener Familienunternehmen van Lengerich möchte den Fortbestand des Unternehmens sichern und plant schon seit Längerem direkt am Einrichtungshaus die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes .

Den Worten von Klaas zufolge sind die Planungen an der Lindenstraße nun weit gediehen. Er sprach von 700 bis 800 Parkplätzen. Dabei gehe es am Ende nicht nur um einen Lebensmittelmarkt, sondern eben auch um innenstadtrelevante Sortimente. „Damit erweist die Verwaltung der Innenstadt einen Bärendienst; das Ganze hat mich sehr stark verunsichert“, begründete er seinen Kaufverzicht für das Sparkassengebäude am Markt. Es werde zu einem „Ausfleddern des Einzelhandels“ kommen. Seine Befürchtung sei, dass die sehr erfolgreiche Politik für die Innenstadt der letzten Jahre unter Oberstadtdirektor Karl-Heinz Vehring und Oberbürgermeister Heiner Pott nun Schaden nehme….“

Jedes Wort von Klaas stimmt. Der geplante Verkauf des Gebäudes der Sparkasse am Lingener Markt ist wegen der Unfähigkeit von OB Krone geplatzt. Er hat, bildlich gesprochen, auf der Tribüne gesessen und dort -kontraproduktiv- anderen zu viel versprochen. Bei all der Widersprüchlichkeit hat der erfahrene und erfolgreiche Hermann Klaas die Sparkasse daher informiert, dass er von einem Erwerb des Komplexes Markt-Süd Abstand nimmt, denn der OB will den 3000qm großen Edeka-Supermarkt nördlich der Emslandhalle, den BvL offenbar verkaufen möchte. Mit Sperrfrist für die Presse Donnerstag 17 Uhr oder so. OB Krone schippert derweil weiter kreuzfahrtmäßig.

Dabei weiß jede/r: Eine nachhaltige und zukunftsorientierte Kommunalpolitik verlangt, in unserer Stadt die Grundlagen für den Wohlstand von morgen zu gewährleisten. Das heißt vor allem, nicht jedem und jeder nach dem Mund zu reden. Die Antworten auf die Herausforderungen des demografischen Wandels  gehören ebenso dazu wie in unseren digitalen Zeiten der Erhalt und der Ausbau der (Sie ahnen es: digitalen) kommunalen Infrastruktur. Nichts davon hat Krone offenbar verstanden und bläht derweil die konsumptive Kommunalverwaltung auf: Für 2017 plant Krone bei >26 Mio Personalkosten ganze 17 Mio Investitionen… (und vor allem 6,5 Mio neuen Schulden).

Wer sieht, was OB Krone seit 2010 auf den Weg gebracht hat, muss nicht nur angesichts dessen maßlos enttäuscht sein. Es ist nämlich: Nix. Er erntet die Projekte seines Vorgängers Pott, was die dem OB wohlgesonnene LT im Zweifel als Erfolge vom Krone ‚darstellt‘. Nur den Altenlingener Forst hat er so ein bisschen gerettet. Das aber ist -sachlich betrachtet- viel zu wenig, um in 19 Monaten wieder gewählt zu werden.

Nachvernichtung

12. Mai 2015

Ein dienstäglicher Planungszwischenruf aus der Metropole des Emslandes:

03-13-burgstrasseWie ich höre, gibt es doch noch Bewegung bei den Plänen, am Ende der Burgstraße ein neues Gebäude zu errichten; Sie erinnern sich? Kaufmann Hermann Klaas und Ingenieur Siegfried Zech, also die Bauherrn, scheinen sich dazu entschlossen zu haben, doch eine Tiefgarage unter das Bauwerk zu bauen, in dem künftig 60 Ingenieure arbeiten sollen. Außerdem soll es auch eine -leider nur diese einzige- Wohnung obendrauf geben. Die Tiefgarage ist schlechtem Baugrund und einem teueren Bodenaustausch geschuldet [für den ich keine Verantwortung trage, wie ich beteuere] und die Wohnung irgendeiner Überlegung, die ich bisher nicht kenne. Sinnvoll wäre es, die Tiefgarage an die Einfahrt der Pferdemarktgarage anzukoppeln; ich hoffe da auf bessere Einsicht.

Die Planänderungen sind natürlich sehr zu begrüßen. Schließlich bauen wir in unserer Stadt nicht für fünf Jahre sondern für mehr als einhundert. Dass dies Nachhaltigkeit verlangt, hat die Lingener CDU-Ratsmehrheit leider noch nicht erkannt. Sie hat sich statt dessen von ernsthafter Stadtplanung verabschiedet und neben sinnfreien, viel Geld der Häuslebauer vernichtenden „Baugebieten“ (die heißen entlarvenderweise wirklich so und nicht etwa „Wohngebiet“) tut sich die CDU Lingen dadurch hervor, seltsame Gebäudemonster unter dem Namen „Nachverdichtung“ durchzuwinken. Dabei wäre doch das Substantiv „Nachvernichtung“ passender – angesichts fehlender Maßstäblichkeit dieser, sowieso architektonisch meist nicht überzeugenden Bauwerke sowie des Zupflasterns auch letzter Grundstücksecken mit „Einstellplätzen“ und davor platzierter Hutzelhüttchen, in denen Mülleimer ihr Dasein fristen.

Solch grundsatzfreie Stadtplanung nach Landherrenart ist weder nachhaltig noch klug, und nicht nur ich denke da auch sofort an das Bauvorhaben in der Lookenstraße, dass unsere Volksbank gerade in den emsländischen Sand setzt: Ohne Wohnungen, und wie ich höre, gar ohne Treppenhaus und Aufzug, sowie ohne Tiefgarage, also vor allem billig. Vor sieben Jahren hatte der Bauherr um mehr Geschossfläche gebeten, um oben zwei Wohnungen bauen zu können. Darüber freuten sich die Stadtplanenden. Als dann nach der allgemeinen Bankenkrise die Realisierung kam, blieb zwar Geschossflächenwachstum, doch die Wohnungen blieben nur auf der Strecke. „Versicherungsrechtliche Gründe“ lautet die Streich-Ausrede, die man nicht glauben muss, weil man sie nicht glauben kann.

(Grafik: Architekten Krämer + Susok)

geht anders

16. März 2015

Bildschirmfoto 2015-03-15 um 22.57.52Sie erinnern sich? Als vor zwei Jahren Grundeigentümer Hermann Klaas plante, auf seinem Grundstück Burgstraße 34 ein Altenwohnheim zu bauen, war die Aufregung groß. Es ging ja nur um Wohnungen und eine Pflegeeinrichtung für Senioren. Jetzt will die Ingenieurgesellschaft Zech dort ihre neue Zentrale bauen-  für 60 Arbeitnehmer und fast alle sind frischweg und kritiklos begeistert; nur die BürgerNahen und der liberale Ratskollege Beeck haben in der Sitzung des städtischen Planungsausschuss kritisch nachgefragt, wovon es dann nur Jens Beeck in die oberflächliche  Berichterstattung in der Lokalzeitung schaffte, weil die BN unter den Tisch fiel. Dabei liegen die planerischen Schwachpunkte des Bauvorhabens auf der Hand:

Ob das Gebäude Burgstraße 36, in dem zZt. die Klaas’sche Immobilienfirma aktiv ist, mit seiner prägnanten Klinkerfassade wirklich „weg muss“, ist die erste Frage, die zweite betrifft die hohe Auslastung mit einem zusätzlichen Vollgeschoss, das den Baukörper eine komplette Etage höher sein lässt als die Nachbargebäude und gleich doppelt so hoch wie das Porzellan- und Küchenbedarfsgeschäft Benner und fast vier mal so hoch wie das Antiquitätengeschäft Schnieders nebenan.

Doch weshalb dieses Grundstück nicht mit einer Tiefgarage versehen wird, ist mir ein völliges Rätsel, obwohl man die Zufahrt zur Tiefgarage Pferdemarkt dafür mitbenutzen könnte. Wenn  die Tiefgarage dem Investorenpaar Zech (90%) und Klaas (10%) zu teuer ist, könnten die kommunalen Wirtschaftsbetriebe einspringen und das Grundstück mit einer Tiefgarage komplettieren – so wie vor 20 Jahre unter dem Arbeitsamtsgebäude am Konrad-Adenauer-Ring. An anderer Stelle im Stadtzentrum ging das jedenfalls, obwohl der Investor des Vier-Sterne-Hotels an der Rosemeyerstraße wegen der Tiefgarage auch erst Zeter und Mordio rief und ernshaft plante, die Autos im Erdgeschoss des Neubaus zu parken. Großes Kopfschütteln auch für den Umstand, dass jetzt am Ende der Burgstraße überhaupt keine (!) Wohnungen entstehen. Dabei wäre so viel Platz für Wohnungen im Zentrum, nutzte man nur das Grundstück vollständig aus und eben nicht so wie in einem Lingener Vorort. Immerhin ist das Grundstück baurechtlich wie ein Kerngebiet zu behandel; es kann und sollte daher zu 100% gebaut werden. Tatsächlich aber bleiben fast 40 % frei – für ein paar doofe Hinterhofparkplätze (Planskizze oben). Burgstrassenkopf

Über all dies wird in der Lokalzeitung nicht berichtet, stattdessen wird eine mit fiktiven, herbstroten Bäumen versehene Planungsskizze (lks) veröffentlicht. Einmal mehr wird die Bevölkerung nicht umfassend informiert. Deshalb erkennt sie kaum, dass guter Städtebau und bessere Architektur anders gehen und leider einmal mehr eine wenig nachhaltige Variante entstehen soll, und die Aussage, das Bürobauvorhaben führe zu einer „Belebung der Burgstraße“ (Uwe Hilling, CDU) scheint eher wie ein vorgezogener Aprilscherz.

Dabei geht das alles wirklich durchdachter und damit besser, wenn man denn durchdenken will. Doch wahrscheinlich darf der agile Stadtbaurat Schreinemacher nicht wollen, weil der OB anderes will und der hat städtebaulich bekanntlich nichts drauf.

(Planskizzen: Krämer + Susok)

Emslandarena III

12. Juli 2012

Vor 15 Monaten, im April 2011 schlug Lingens Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring dem Lingener Kaufmann Bernhard van Lengerich vor, der Emslandarena -die demnächst aus Marketinggründen nur noch EL-Arena heißen soll- zuzustimmen oder jedenfalls keine Steine in den Weg zu lesen. Ein Jahr zuvor  hatte er dasselbe gemeinsam mit dem damaligen OB Heiner Pott schon einmal (vergeblich) versucht. Damals im April 2011 stellte er für ein OK des Kaufmanns eine Erweiterung des BvL-Komplexes von 2000 Quadratmeter Verkaufsfläche in Aussicht, falls van Lengerich auf sein Einspruchsrecht verzichte. Der errechnete „Soziallärm“ (Verwaltungsdeutsch) der Emslandarena ist nämlich zu laut für die Wohnung des Kaufmanns im BvL-Gebäude. Van Lengerich könnte das Prestigeprojekt Emslandarena zu Fall bringen oder erheblich erschweren. Also bot die Rathausspitze  frank und frei, was anzubieten war (übrigens ohne Mandat der Ausschüsse des Rates). Einen Teil berieten gestern die Ratsausschüsse.

Bernhard van Lengerich fand das Büring’sche Angebot interessant und prüfenswert, suchte und fand einen Investor, der 5000 Qaudratmeter Verkaufsfläche wollte und nun haben wir in Lingen die Kaufland-Diskussion. Es sollen nach einer den BürgerNahen vorliegenden Berechnung 9.187 Quadratmeter Verkaufsfläche enstehen. 4500 qm Altbestand und der Rest ist neu:  1200qm neue Verkaufsfläche an der westlichen BvL-Seite und ein großer Gebäudekomplex parallel zur Kurt-Schumacher-Brücke. Die Experten von Junkers und Kruse (Dortmund) halten 2900 qm Verkaufsfläche nicht für gut aber für denkbar. Es wirkte gestern wie abgerungen, als Stefan Kruse die Aussage tätigte “ 2.900 bis 3.300 Quadratmeter“. Er sagte „bis“. Doch  sofort sprach die Entscheiderregie nur noch über 3.300 qm für Kaufland (Logo oben), und wir werden sehen, was noch so drum herum entsteht.

„Außerhalb des Stadtzentrums“ (Fachmann Stefan Kruse), also wie  Marktkauf in Meppen, entsteht in Lingen ein neues großflächiges Sondergebiet auf der einzigen Fläche, wo dies geht. Für Einkaufen, für das allerdings Käufer und damit Bedarf fehlen. Der Bereich der Georgstraße (zwischen K+K Lengericher Straße und der Schützenstraße) wird laut „gutachterlicher Ersteinschätzung“ von Planungsexperte Stefan  Kruse  Probleme haben. Die Rheiner Straße in Darme wird etwa ein Siebtel, Achtel Umsatz verlieren. Und gleich ein Drittel Umsatz verlieren „städtebauliche Streulagen“ in Lingen. REWE an der Meppener Straße büßt deutlich ein. Die Burgstraße wird es kaum überstehen und ich sehe auch schwarz für den REWE-Markt im Lookentor.

Dabei geht es bei all dem eben nicht um qualitativ besseres Einkaufen, wie Stefan Kruse gestern im Planungs- und Bauausschuss unterstrich. Es geht um mehr Verkaufsfläche. Schepsdorfer oder Reuschberger betrifft das Projekt nicht sonderlich, denn sie können auch wenige Meter weiter zum LIDL-Markt fahren. Auch der historische Winkel-Bunker oder die großen, „wertvollen“ (Stadtbaurat Nikolaus Neumann 1994) Bäume an der Brückenrampe der – im geltenden Bebauungsplan geschützt- werden fallen. Sie stehen der Emslandarena im Lärmschutz-Weg. Dieser neue Ratskollege Thomas Brümmer (CDU) produzierte sich gestern gar mit dem  Satz, man solle nicht zurückschauen. Jaja, Erfahrung ist schädlich!

Aber auch, wenn wir zur Seite oder auf den Hintergrund schauen, bleibt das Projekt vor allem – unehrlich. Niemand hat  bisher zugegeben, dass die Emslandarena die Mutter des Kauflandprojekts  ist. Da wird dann eben gelogen: Von unserem Stadtbaurat gestern mit der Bemerkung, Herr van Lengerich sei wegen des Projekts auf die Stadt zugekommen. Das wies dieser prompt zurück, weil -s.o.- es eben anders rum war. Auch die Lokalzeitung hat bislang bezeichnenderweise nicht über den EL21-Zusammenhang informiert.

Für „EL 21“ droht unsere bisherige Innenstadtplanung aus den Fugen zu geraten. Die CDU-Ratsmitglieder befürworten das Kaufland-Projekt, nur drei aus ihren Reihen votierten fraktionsintern dagegen. Erinnern Sie sich,  wie dieselbe CDU herumdruckste, als Investor Hermann Klaas vor einem halben Jahr am Ende der Burgstraße ein Altenheim („Seniorenwohnen“) bauen will. Mit Ihrem Ja zum Sondergebiet Kaufland zeigt die CDU jedenfalls eindrucksvoll, dass ihr die Burgstraße und die Kaufleute dort  gleichgültig sind, die dort kleine und qualitativ gute Geschäfte betreiben. Noch betreiben.

Alten Neuen

16. Januar 2012

Dann lasst uns in Zeiten, in denen die Lokalzeitung erhitzt  ihre eigene Facebookseite zum Aufmachernach einem nachrichtenarmen Wochenende macht, nicht über die Pläne von Hermann Klaas am Ende der Burgstraße ein Altenheim für betreutes Wohnen und die Pläne des DRK mitten am Langschmidtsweg ein Heim für Demenzkranke zu bauen. Über beides wird noch ausgiebig zu reden sein. Bei den BürgerNahen haben wir heute Abend damit angefangen.  Lasst uns heute über die Neuen schreiben und die Alten, den Bindestrich und die Texter von Friedhofschildern. Guckst Du hier unten und antwortest auf Frage: „Was bitte ist mit die deutsch-Sprache?“ Und was ist mit diese Unfug-Kinder-Satz über die haftbaren Erziehungsberechtigten?

Juden haben den Fußball in Deutschland populär gemacht. Sie wurden umjubelt, verehrt und respektiert, galten als Vorbilder im Sinne des sportlichen Gedankens des Fairplays. Ihre revolutionären Visionen und Methoden setzten Maßstäbe, die den Fußball hierzulande lange prägten. Sie haben für den deutschen Fußball Pionierarbeit geleistet, bis sie verfolgt, ausgegrenzt und vernichtet wurden.

Die Ausstellung „Kicker, Kämpfer und Legenden“ ist diesen Sportlern, Trainern und Funktionären gewidmet. Sie ist vom 8. bis 19.11. in der Lingener Lookentorpassage zu sehen. Damit trägt das veranstaltende Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e.V.  seine Erinnerungsarbeit mitten in die Bevölkerung – unterstützt durch das Centermanagements um Hermann Klaas.

Die Ausstellung zeigt längst vergessene Opfer nationalsozialistischer Verfolgung. Im Zentrum den Visionär Walther Bensemann (1873-1934), der den Fußball in Deutschland etabliert. Um 1900 organisiert er die ersten internationalen Fußballspiele und wirkt bei der Gründung des Deutschen Fußballbundes (DFB) mit. 1920 ruft er die Fußballzeitschrift „Der Kicker“ ins Leben, ist Inhaber, Herausgeber und Chefredakteur zugleich. „Der Sport ist eine Religion, ist vielleicht das einzig wahre Verbindungsmittel der Völker und Klassen.“ Diese Botschaft Bensemanns ist heute aktueller denn je: Fußballbegegnungen sind internationale Medienereignisse, die Mannschaften sind kosmopolitisch aufgestellt und adaptieren unterschiedliche Spielsysteme.

Gezeigt werden in der Ausstellung die Lebenswege von Menschen wie Walther Bensemann (1873-1934). Ein anderes Beispiel ist Kurt Landauer (1884-1961). Vor 1933 und nach 1945 war er langjähriger Präsident des FC Bayern München und führte die Mannschaft zu internationalem Erfolg. Wer kennt heute noch den Stürmer und Nationalspieler Julius Hirsch (1892-1943; Foto unten), der unter anderem mit dem Karlsruher FV Deutscher Meister wurde? Oder Gottfried Fuchs, den der spätere Bundestrainer Sepp Herberger »mein Idol« nannte? Der begnadete Mittelstürmer schoss bei den Olympischen Spielen 1912 in Stockholm in einem Spiel gegen Russland zehn Tore – ein bis heute in Deutschland ungebrochener Rekord.

Deutlich macht die Ausstellung die Mechanismen der planvollen Ausgrenzung bestimmter Bevölkerungsgruppen unter dem NS-Regime. “Kicker, Kämpfer und Legenden“ erweckt die Geschichte des Fußballs zum Leben und regt gleichzeitig zur Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte an. Sie leistet damit nicht nur einen Beitrag zur Erinnerung und Würdigung legendärer Fußballikonen, die so ihren verdienten Platz in der Historie einnehmen. Sie führt auch den Nationalsozialismus in seinem falsch verstandenen Deutschtum und seiner menschenverachtenden Absurdität vor.

Kicker, Kämpfer und Legenden
Juden im deutschen Fußball

Lingen (Ems) – Lookentorpassage
08. bis 19.11.2011
während der Öffnungszeiten 

Eröffnung Montag, 07.11.2011, 20 Uhr 

Interesse

22. Juli 2011

„Riesiges Interesse in der Bürgerschaft am Projekt „Ems-Galerie“ in Rheine:  Mehr als 200 Besucher kamen am Montag Abend  zur Bürgerversammlung in die Stadthalle, um aus erster Hand die Pläne kennenzulernen und mit (dem Lingener) Investor Hermann Klaas und den Gutachtern zu diskutieren. In einer offenen Diskussionsrunde unter Leitung des Baudezernenten Jan Kuhlmann hakten viele Bürger zwar beharrlich nach – unterm Strich war aber eine durchaus positive Grundstimmung für das 70-Millionen-Projekt zu erkennen.

Nachdem Eike Otto vom Düsseldorfer Architekturbüro Rhode, Kellermann, Wawrowski Details der Architektur vorgestellt hatte, nahm die so genannte „Städtebauliche und raumordnerische Wirkungsanalyse“ des Dortmunder Büros Junker und Kruse einen breiteren Raum ein. Planer Stephan Kruse erläuterte …“

weiter auf der Seite der Westfälische Nachrichten

Und die Borkener Zeitung berichtet:

„So schnell wird das 70-Millionen-Euro-Projekt nicht realisiert, sagte der Investor aus Lingen in einer CDU-Versammlung im ehemaligen Jugendzentrum. Aber das er inzwischen ein bedeutsames Stück des Weges zurückgelegt hat und zuversichtlich ist, das Projekt realisieren zu können, schob der beharrliche Niedersachse gleich hinterher: „Mit Hartnäckigkeit kommt man doch voran…“

weiter auf der Seite der Borkener Nachrichten

 

Klaas II

25. Februar 2011

Der Laxtener Hermann Klaas (Foto unten) plant Großes für die Nachbarstadt Rheine. Der Initiator und Investor der Lingener Lookentor-Passage stellte am Mittwoch  mit seiner Architektengesellschaft RKW aus Düsseldorf die  „Ems-Galerie“ vor, die er aus dem Coesfeld-Areal in der 80.000-Einwohnerstadt realisieren will. Die offene Einkaufsmall (Planskizze lks) im Bereich zwischen Münsterstraße, Emsstraße, Kettlerufer und Hohe Lucht umfasst eine Verkaufsfläche von 12.000 Quadratmetern, die Investitionssumme beläuft sich auf  70 Mio Euro. Im Frühjahr 2012 soll es losgehen, 2014 soll die Eröffnung sein.

Für das Großprojekt werden einige Häuser abgerissen, darunter auch das Gebäude der Commerzbank an der Emsstraße. An genau dieser Stelle soll nämlich einer der beiden Eingänge entstehen – ohne Türen, wie Architektin Possinke unterstrich. Auch die Häuserzeile an der „Hohen Lucht“ wird weichen, um Neubauten Platz zu machen. Gleiches gilt für etliche Altbauten im Innern des Einkaufsbereichs, wie höchstwahrscheinlich auch für das bekannte katholische Hans Niermann-Haus. Der nötige Parkraum soll auf dem Dach geschaffen werden. Eine Tiefgarage sei aufgrund der Höhenunterschiede nicht machbar, sagte Klaas. Die Anfahrt wird über die Straße „Hohe Lucht“ erfolgen. Nach eigenen Angaben hat Hermann Klaas in den letzten 30 Monaten 90% der erforderlichen Grundstücke erworben. Er sei schon etwas nervös in die Sitzung gegangen, in der er am Mittwoch das Projekt vorstellte, bekannte Klaas  vor der münsterländischen Presse. „Ich freue mich, dass das Projekt, für das ich zwei Jahre lang gemeinsam mit EWG und Stadt die Vorarbeit geleistet habe, jetzt auf einem guten Wege ist.“

Bislang werden in der Tat die Pläne der Hermann Klaas Projektentwicklung GmbH in Rheine durch Kaufmannschaft und Politik positiv aufgenommen. Rheines Baudezernent Jan Kuhlmann freute sich, dass mit dem gestern vorgestellten Entwurf ein hochwertiges Objekt realisiert werden. Bruno Müller, Vorsitzende des Rheinenser Handelsvereins, sagte, er sei „positiv überrascht“. Klaas habe sich an die Vorgaben gehalten, die ihm der Projektbeirat vor Beginn der Planungen gestellt habe. „Das Quartier fügt sich harmonisch in den Bestand ein. Das wird eine Aufwertung für die gesamte Innenstadt. Wir können kaum erwarten, dass es losgeht“. Das einflussreiche CDU-Ratsmitglied Horst Dewenter lobte: „Das ist eine Planung, die uns voranbringt“. Das Klaas’sche Konzept nehme Rücksicht auf die Umgebung und sei nicht das viel zitierte „Raumschiff“. Wichtigster, noch zu klärender Punkt, sei die Erschließung der „Ems-Galerie“. Für Alfred Holtel,  FDP-Chef im Rheiner Stadtrat, sind die Pläne ein „gelungener Wurf“. Er lobte besonders Investor Hermann Klaas: „Das ist ein Verhandlungspartner, auf den man sich verlassen kann“. Auch der Vertreter der Grünen im Projektbeirat, Robert Grawe, bezeichnete die „Ems-Galerie“ als eine „Bereicherung für die Stadt“. Insbesondere die Anbindung an die vorhandenen Strukturen gefalle ihm sehr gut. „Das fügt sich in das Ensemble ein.“ Für die Entwicklung der Stadt sei die Entwicklung der Brachfläche sehr wichtig. „Rheine ist leider etwas abgehängt worden in den vergangenen Jahren“, sagte Grawe.

Das will Hermann Klaas nun offenbar ändern…

(Skizze: Rhode/Kellermann/Wawrowsky, Düsseldorf © H.Klaas, Foto © H. Klaas; Quellen Münstersche Zeitung, Westfälische Nachrichten)