Beben

24. Juni 2015

Die Diskussion bei unseren niederländischen Nachbarn über die Folgen der Erdgasförderung geht weiter. „Da die Erde immer stärker bebte, hatte der niederländische Raad van State die Gasförderung im Gebiet um Groningen bereits im April diesen Jahres gestoppt (mehr…). Gestern nun stellte der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) der NAM (Nederlandse Aardolie Maatschappij), einem Joint Venture aus Shell und Exxon, einen neuen Plan vor. Die niederländische Regierung will die Gasförderung in diesem Jahr auf 30 Milliarden Kubikmeter statt 39,4 Milliarden Kubikmeter herunterschrauben. Kamp stieß damit bei der NAM auf wenig Gegenliebe.

Die Fördermenge zu reduzieren ist aus Sicht der NAM nicht unproblematisch. Sie müsse statt 30, rund 33 Milliarden Kubik Gas fördern erklärte ein Unternehmssprecher, um den Anforderungen des Gasverbrauchs nachkommen zu können. Demgegenüber sieht die Opposition aus GroenLinksSPD66 und CU in der Zweiten Parlamentskammer die Verringerung der Fördermenge als überaus positiv. „Ich möchte dem Minister sagen: Gern weiter so. Ich höre auch gerne schnell etwas von seinen Plänen für 2016, damit man in Groningen länger planen kann als nur ein halbes Jahr“, kommentierte Eric Smaling (SP) die Pläne. Laut Liesbeth von Tongeren (GL) seien 22 Milliarden Kubik völlig ausreichend um den Verbrauch der Menschen zu decken. Auch die CU äußerte sich freudig über diesen Schritt: „Wir müssen weg von unseren fossilen Energien.“ Vom Koalitionspartner PvdA erhielt Kamp ebenfalls Zuspruch.

Anders als für die politischen Parteien war Kamps Plan für die Bürgerinitiativen in Groningen – wie die GBB (Groninger Bodem Beweging) und Schokkend Groningen – lediglich ein „Jonglieren mit Zahlen“ zur Beruhigung der Gemüter. Besonders die Argumentation Kamps, dass die Erdbeben lediglich eine Stärke von 4,5 statt – wie vorher vermutet – 5 auf der Richterskala haben würden, ließen sie nicht gelten. „Ein Erdbeben von 4,5 auf der Richterskala ist immer noch ein enormes Erdbeben. Ein Beben dieser Stärke wird immer noch eine Katastrophe sein“, so ein GBB-Sprecher in der Zeitung Trouw. Zudem zeigte sich die GBB darüber in Sorge, dass die jetzt angekündigten Maßnahmen aufgrund einigen Vorbehalte nicht so umgesetzt würden. „Wir finden es immer noch merkwürdig wenig“, fasste ein GBB-Sprecher zusammen.

Außer der Kritik der örtlichen Aktionsbündnisse tut sich derzeit auch ein eher praktisches Problem auf. Die Gasförderung ist neben den Steuereinnahmen eine der Hauptfinanzquellen für die Staatskasse der Niederlande. Wie die geringen Einnahmen aufgefangen werden können, legte de Volkskrant am Dienstag in einem Artikel dar:

Der erste Ansatz. Weniger Energie zu verbrauchen. Dabei betonte Minister Kamp ausdrücklich, dass Erdgas auch weiterhin maßgeblich zur Energieversorgung betragen würde. Als zweite Möglichkeit sieht de Volkskrant den Import von Gas. Schon jetzt würde man rund 20 Prozent des Gases aus Ländern wie Russland oder Norwegen importieren. Der Ansatz wird jedoch auch häufig kritisch gesehen, da man sich dadurch abhängiger mache. Den Gegenentwurf liefert de Volkskrant auch: Weniger exportieren. Da etwa 60 Prozent des niederländischen Erdgases ins Ausland gehen, könnte man durch Rückgänge an dieser Stelle den eigenen Verbrauch wieder sichern. Zuletzt gäbe es noch die Möglichkeit, den Gesamtaufwand auf viele kleine Gasfelder zu verteilen um den Standort Groningen zu entlasten, ohne Einschränkungen vornehmen zu müssen.“§

(gefunden bei Niederlande.net; Foto: Gasförderung in NL; “Thijs nl uit nl” CC BY-SA 3.0))

#aardbeving

15. April 2015

GasförderungNLNeues aus der nord-niederländischen Provinz: In dem stark von Erdbeben betroffenen Gebiet rund um den Ort Loppersum zwischen der Universitätsstadt Groningen und dem Hafen Delfzijl darf vorläufig kein Gas mehr gefördert werden. Der Raad van State, das  höchste Verwaltungsgericht der Niederlande, untersagte am Dienstag die Produktion an insgesamt fünf Stellen um den Ort mittels einer einstweiligen Verfügung. Nur wenn die Gasversorgung aus anderen Bohrgebieten nicht gedeckt werden könne, dürfe das Verbot aufgehoben werden, heißt es in dem Gerichtsbeschluss.

Die Region im Nordosten der Niederlande ist zunehmend von Erdbeben getroffen worden, die bis zu einer Stärke von 3,6 auf der Richterskala reichten. Zehntausende Schäden waren gemeldet worden. Eine Bürgerinitiative und Politiker verlangten daraufhin ein totales Gasförderverbot. Einen solchen völligen Stopp lehnte das Gericht ab, da sonst die Versorgung des Landes und auch Exportverpflichtungen in Gefahr geraten könnten. Eine endgültige Entscheidung will das Gericht später fällen.

Bildschirmfoto 2015-04-15 um 07.26.52Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) hatte bisher eine drastische Reduzierung der Gesamtfördermenge abgelehnt. Nach dem Bekanntwerden des Gerichtsbeschluss ordnete er die fast völlige Stilllegung der Gasförderung an, wie die Groninger Zeitung „Dagblad van het Noorden“ berichtete. Das Journal hat auf seiner Internetseite ein umfangreiches Dossier zu den Folgen der Erdgasförderung (Grafik lks) veröffentlicht.

Die Erdgasvorkommen rund um Groningen gehören zu den größten Westeuropas.  Im ersten Halbjahr 2015 sollen 16,5 Milliarden Kubikmeter Gas gewonnen werden. Die Niederlande sind nach Norwegen der größte Gasproduzent Westeuropas. Verantwortlich für die Erdgasförderung ist die Nederlandse Aardolie Maatschappij BV („NAM“), eine Tochter der Großkonzerne Shell und Esso.

Mit dem Twitter-Hashtag #aardbeving kann man sich über aktuelle Entwicklungen (in niederländischer Sprache) auf dem Laufenden halten.

(Foto: Gasförderung in NL; „Thijs nl uit nl“ CC BY-SA 3.0)

verrückt

21. Februar 2015

erdgasfoerderungEin Bericht auf NiederlandeNet über die Auswirkungen der Erdgasförderung im Nord-/Osten der Niederlande, über Hintergründe und Proteste:

Maximaler Gewinn und und bestmögliche Förderungsbedingungen bei den niederländischen Bodenschätzen waren den Verantwortlichen bei der Gasgewinnung in der Provinz Groningen jahrelang wichtiger als die Sicherheit von Anwohnern. So lautet das Ergebnis einer Studie, die der Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV) am Mittwoch veröffentlicht hat. Zornige Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Anlass für die Studie waren viele unterschiedlich starke Erdbeben, die immer wieder durch die Gasgewinnung verursacht wurden. Etliche Gebäude in der grenznahen nordniederländischen Provinz Groningen wurden durch die vielen Erschütterungen beschädigt und der Boden sank an etlichen Stellen spürbar ab. Im Jahr 2012 etwa bebte die Erde dort insgesamt 93 Mal, 2013 wurde diese Zahl mit 96 Erdbeben bereits Mitte September überschritten (NiederlandeNet berichtete). Erst in der vergangenen Woche hatte der für die Erdgasförderung zuständige niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) aktuelle verkündet, die Gasförderung bis zur Jahresmitte zunächst einmal herunterzufahren. Als Gründe führte er wachsende Proteste aus der Bevölkerung sowie erneute kleine Erdbeben an (NiederlandeNet berichtete).

Im Text der Studie hieß es, dass mangelhafte Kommunikation in den vergangenen Jahren zu einem beschädigten Verhältnis zu den Groninger Bürgern geführt habe. Die betroffenen Akteure aus Politik und Niederländischer Erdöl Gesellschaft (NAM) müssten das Verhältnis nun reparieren und es müsse viel stärker mit Anwohner über mögliche Risikos der Erdgasgewinnung gesprochen werden. Auch sollte zukünftig nicht mehr nur das Wirtschaftsministerium allein, sondern auch andere Ministerien in Den Haag am Entscheidungsprozess zur Gasgewinnung beteiligt sein.

Politiker und Groninger Bürgerinitiativen reagierten auf die am Mittwoch publizierte Studie entrüstet: „Die Schlussfolgerungen des Berichts ist schlichtweg schockierend“, so William Moorlag, PvdA-Abgeordneter im Groninger Provinzparlament gegenüber RTL Nieuws. Dass man noch im Jahr 2013 eine Rekordmenge an Gas gefördert habe, sei vor diesem Hintergrund ein „grober Skandal“. Groningens Bürgermeister Peter den Oudsten (PvdA) forderte die Einrichtung einer parlamentarische Enquete-Kommission zur Gasgewinnung. Erbost reagierte auch die Grünen-Abgeordnete Liesbeth van Tongeren auf den jetzt veröffentlichen Bericht des OVV: „Der Staat lief blind hinter den Milliarden hinterher und die NAM war blind für unbequeme Fakten über Erbeben und Bodensenkung.“

Bildschirmfoto 2015-02-21 um 23.12.04Vertreter lokaler Bürgerinitiativen forderten nach Veröffentlichung der Studie ein Handeln der Politik. So hofft John Lanting von der Interessengruppe Schokkend Groningen, dass Wirtschaftsminister Kamp nach der Veröffentlichung der neuesten Erkenntnisse nun einen anderen Kurs einschlägt. Selbst werden Lanting und seine Mitstreiter die Arbeit der letzten Zeit ungebremst weiterführen: „Für uns verändert sich nichts. Wir werden auch weiterhin Anzeigen gegen den Minister aber auch den Direktor der NAM erstatten. Sie bringen uns in Gefahr und so müssen sie rechtlich verfolgt werden.“ Dirk Kleijer von der Initiative Groninger Bodem Beweging sieht die jahrelange Arbeit seiner Bewegung und die Gefühle der Groninger Bevölkerung durch die Studie bestätigt: „Groninger liefen jahrelang gegen eine Mauer aus Unverständnis und wurden für verrückt erklärt. Endlich gibt es eine Bestätigung dessen, was wir bereits wussten: Unsere Sicherheit spielte keine Rolle und das ist ein Skandal.“

Mehr zum Thema Gasgewinnung auch im Dossier von NiederlandeNet Energiegewinnung in den Niederlanden.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

[Foto: Erdgasgewinnung in der Provinz Groningen, Quelle: NAM]

Direkt

25. September 2014

google_eemshaven
Sie kennen das, wenn man per Zug oder Auto die heimischen Landstrecken befährt, gibt es regelmäßig gar kein Internet.  Aber jetzt gibt es plötzlich einen Weg, Abhilfe zu schaffen. Denn der Internetkonzern Google baut direkt nebenan im friesischen Eemshaven ein weiteres Rechenzentrum. Da könnte man sich ja anschließen, damit die Internetverbindungen bei uns künftig genauso gut sind wie in Frankfurt oder Hamburg und nicht so wie zurzeit bei uns. Eine dankbare Aufgabe für den emsländischen Landrat Reinhard Winter (CDU), der bekanntlich gleich mehrfach in der Woche die Printmedien, pardon das Printmedium des Emslandes mit seinem lächelnden Konterfei füllt.

Tatsächlich könnte die IT-Infrastruktur, die Google zukünftig in Eemshaven (Provinz Groningen) vorfinden wird, nicht besser sein: Von den 15 großen transatlantischen Seekabeln kommen alleine elf in den Niederlanden an Land – eines der Kabel direkt in Eemshaven. Die Niederlande verfügen laut Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) dadurch über eine der schnellsten Datenverbindungen weltweit. Für den Standort Eemshaven sprach aber auch die gute Energieinfrastruktur „durch unterschiedliche Kraftwerke“ und einen großen Windpark.

Der Internetkonzern Google wird in das neue Rechenzentrum in den kommenden vier Jahren rund 600 Millionen Euro investieren. In Eemshaven  fand daher am Dienstag in Anwesenheit von Minister Kamp der erste Spatenstich statt (Foto oben).

Google hat für seine Baupläne ein 47 Hektar großes Areal angekauft – was einer Fläche von rund 70 Fußballfeldern entspricht. Das Datencenter soll zunächst auf einer Fläche von 15 Hektar entstehen und etliche zehntausende Server beheimaten. Am Bau des riesigen Komplexes, der Anfang 2016 vollendet sein soll, werden 1.000 Personen mitarbeiten. Nach der Fertigstellung will Google 150 permanente Arbeitsplätze in Eemshaven schaffen. Der US-amerikanische Konzern war unter einem geheimen Codenamen bereits seit April 2012 auf der Suche nach einem geeigneten Standort für seine neue Serverfarm. Sie soll das vierte große Datencenter des Konzerns auf europäischem Boden bilden.

Hollands Wirtschaftsminister Kamp hofft nun auf die Ansiedlung weiterer großer High-Tech-Firmen im Norden der Niederlande: „Diese Investition von Google zeigt, dass der Norden ein attraktives Gebiet für Investitionen ist. Es gibt dort gut ausgebildete Techniker und Bauarbeiter. Es existiert eine zuverlässige Energie- und IT-Infrastruktur. Es gibt genug Platz zum Bauen.“

Auch Harm Post, Direktor von Groningen Seaports, lobte die Region um Eemshaven als reizvollen Standort für Unternehmen: „Wir sind eine Art Informationskreisverkehr. Es liegt hier ein großes Glasfaserkabel, welches uns mit Amerika, Hamburg, Amsterdam und Groningen verbindet.“

Wenn jetzt Google nach Eemshaven kommt, sind wir im Emsland (fast) direkt ans schnelle Internet angeschlossen. Mal sehen, ob unser Landrat das überhaupt merkt und was er dann auf die Beine stellt, um die letzten 25 km zu überbrücken. Ob er mehr macht, als eine Presseerklärung abzufassen? Ich bin gespannt.

 

(Quelle: NiederlandeNet; Foto: Spatenstich am Dienstag in Eemshaven, Quelle: RVD/cc-0)

Ölkatastrophe

6. Mai 2014

800px-Veen_in_Twente1Mit Öl vermischtes Wasser, das vermutlich aus einem unterirdischen Kavernenlager entweicht, sorgt  im Naturschutzgebiet rund um die münsterländische Stadt Gronau für eine große Naturkatastrophe mit noch nicht zu beziffernden Folgen. Seit nunmehr bereits drei Wochen versuchen Experten, das Leck zu finden und unterdessen macht man sich auch auf der niederländischen Seite Gedanken über die eigene Sicherheit. Dort sollte Ende dieses Jahres auch mit der Speicherung von Öl im Erdboden begonnen werden.

 Nutzvieh wurde verseucht, Menschen evakuiert und zeitweise bestand sogar Explosionsgefahr. Während auf deutscher Seite fieberhaft gegen eine Ausbreitung der Verschmutzung gearbeitet wird, wächst in den niederländischen grenznahen Städten Enschede und Hengelo die Angst angesichts der Horrormeldungen aus Deutschland. Dort haben sich die Bürgermeister der beiden Städte in einem Brandbrief an den niederländischen Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) gewandt, um ein ähnliches Szenario auf niederländischer Seite zu verhindern.

In Gronau ist die genaue Ursache, warum täglich Rohöl in einem Öl-Wasser-Gemisch an die Oberfläche gelangen und Mensch, Tier und Umwelt gefährden, unterdessen noch nicht gefunden. Bis zum vergangenen Freitag waren es insgesamt 52.000 Liter Öl. Das Öl stammt aus über einem Kilometer unter der Erde gelegenen ehemaligen Salzstöcken, die unter dem deutsch-niederländischen Moor- und Naturschutzgebiet Amtsvenn liegen, welches sich südlich von Gronau und Enschede erstreckt. Die durch den Salzabbau entstanden Hohlräume – sogenannte Kavernen – werden seit den beiden Ölkrisen in den 1970er Jahren als Lagerorte für Gas und Öl genutzt.

Die drei mit Rohöl gefüllten Kavernen sollen wie ähnliche Anlagen in Deutschland die Ölversorgungen des landes bei Knappheit sicherstellen. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in wichtigen gas- und erdölproduzierenden Staaten scheint die Notwendigkeit dieser Maßnahme nicht von der Hand zu weisen; zumal diese Art der Speicherung bisher als zu 100 Prozent sicher galt. Deshalb fällt es den Betreibern und Umweltexperten umso schwerer, einen Grund für den Ölaustritt zu benennen. Die favorisierte Vermutung ist eine leckgeschlagene Zuleitung, obwohl diese Rohrsysteme 365 Tage im Jahr kontrolliert würden.

Auch in der niederländischen Region Enschede/Hengelo wurde in der Vergangenheit in 1.000 bis 1.400 Meter Tiefe Salz abgebaut und Hohlräume geschaffen. Die so entstandenen Kavernen wurden von der niederländischen Regierung ebenfalls zur Rohöllagerung auserkoren. Der international tätige niederländische Chemiekonzern AkzoNobel sollte bereits Ende dieses Jahres mit einer Befüllung der Stauräume beginnen. Die Bürgerinnen und Bürger von Enschede und Hengelo, die bereits eine mögliche Ausbreitung der Katastrophe in Gronau fürchten, verlangen nun vom Wirtschaftsministerium in den Haag, dass es seine Zusage an AkzoNobel zurückzieht und die Erdölspeicherung in Salzstöcken zunächst auf Eis legt.

Derweil werden in Gronau mit schwerem Gerät tausende Tonnen verseuchter Boden und Pflanzen abtransportiert und mit modernster Technik wird das betroffene rund einen Quadratkilometer große Gebiet akribisch untersucht. Maßnahmen die von der niederländischen Grenzseite täglich mit Spannung und großer Sorge verfolgt werden.

(gefunden bei NiederlandeNet)

(Foto:  Amtsvenn niederländischer Teil © Tubanter at nl.wikipedia via Wikipedia CC)

Opstand

10. Januar 2014

GroningerinopstandEs brodelt im benachbarten Friesland rund um Groningen. Dies weiß Niederlandenet und berichtet über den letzten Anlass, den Konkurs des Aluminiumherstellers Aidel:

Aldel (Aluminium Delfzijl), einer der größeren Lieferanten für Primäraluminium in Westeuropa, hat vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Eine mittlere Katastrophe für die strukturschwache Provinz Groningen. Neben den rund 300 Aldel-Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, wird die Firmenpleite indirekt auch viele Zulieferbetriebe treffen. Die Wut der Betroffenen richtet sich vor allem gegen Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD), der ihrer Meinung nach nicht genug getan hat, um die Insolvenz des Betriebs zu verhindern. Unter anderem wird Kamp vorgeworfen, nicht für „deutsche Energiepreise“ gesorgt zu haben.

„Die Einwohner unserer Provinz trifft es doppelt. Keine Arbeit mehr und dafür Risse in der Wand“, so Max van den Berg, Kommissar des Königs in Groningen bei seiner Neujahrsansprache. Die Pleite Aldels sei für die Region nach den Erdbeben, die immer wieder durch Erdgasförderung ausgelöst werden (NiederlandeNet berichtete), der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe.

Tatsächlich brodelt es in der Provinz, wie bei einem Protestmarsch gegen die SchließungAldels am 3. Januar deutlich wurde. Tausende Demonstranten versammelten sich vor dem Gemeindezentrum. „Die Menschen sind sehr sauer auf die Regierung. Teilnehmer sprechen davon, dass dies der Anfang einer großen Groninger Protestbewegung ist“, so die Journalistin Femke Awater, die für das NRC Handelsblad vor Ort war. Unter Beifall wurde ein Brief von Wirtschaftsminister Kamp, worin dieser geschrieben hatte, dass er alles tun werde, um Aldel zu retten, verbrannt. Der Brief stelle manches falsch dar. Aldelsei in Wahrheit ein Gewinn bringender Betrieb, so Klaas Pijper, Vorsitzender des AldelerBetriebsrates, „zumindest, wenn Kamp für deutsche Energiepreise sorgt.“

Auch der Delfzijler Bürgermeister Emme Groot (PvdA), der ebenfalls an der Demo teilnahm, fand, im Bereich Energie- und Industriepolitik halte Kamp den „Schlüssel“ in Händen. Kamp, der im Oktober vergangenen Jahres für Aldel einen Überbrückungskredit in Höhe von 8 Millionen Euro ermöglicht hatte, hatte damals selbst in einem Brief an die Zweite Kammer erklärt: „Die schwierige Situation von Aldel ergibt sich unter anderem durch die geringen Aluminiumpreise am Markt und die höheren Elektrizitätspreise im Vergleich zu Deutschland.“ Die deutsche Konkurrenz hätte viel geringere Energiekosten zu tragen, darum, so Kamps Vorschlag, solle auch der niederländischen energieintensiven Industrie bei den Kosten entgegengekommen werden. Das entsprechende Gesetz wurde bereits auf den Weg gebracht. Für Aldel wurde sogar überlegt, eine „direkte Verbindung“ anzulegen, „eine Stromleitung zu einem Elektrizitätswerk in Deutschland“.

Jan Willem Zwang von der Energieberatungsfirma GreenSpread zweifelt daran, dass Aldelallein aufgrund der im Vergleich zu Deutschland höheren Energiekosten Insolvenz anmelden musste. Den Alumniumpreisen seit 2008 stellte er die Strompreise gegenüber: Gerade jetzt aufgrund zu hoher Energiekosten Insolvenz anzumelden, ergäbe keinen Sinn, denn „der Gewinn durch den Verkauf des Aluminiums abzüglich der Stromkosten ist momentan höher als im Jahr 2008“, so Zwang. „Was also ist der wirkliche Grund für die Insolvenz?“

Doch viele Groninger wollen jetzt anscheinend keine Antworten, sondern einfach Köpfe rollen sehen. Die Facebook-Seite „Groningers in opstand“ (dt. Groninger erheben sich) hat inzwischen rund 23.800 „Gefällt mir“-Angaben erhalten. Inzwischen hat dieselbe Initiative auch eine Online-Petition geschaltet, die den Rücktritt Henk Kamps fordert.

[Quelle]

aardbeving

13. September 2013

Bildschirmfoto 2013-09-12 um 00.56.12Es ist ja nicht sehr weit weg, das Land der Stadjer und Friesen im Norden Hollands, und es ist aufgrund vieler aardbeving (dt. Erdbeben) ziemlich in Bewegung, weiß NiederlandeNet und berichtet:

Verdoppelt hat sich nämlich zwischen 2010 und 2013 die Zahl der Erdbeben in der Region Groningen, die durch die dortige Gasgewinnung verursacht werden. Auch in diesem Jahr ist ihre Zahl im Vergleich zum Vorjahr erneut gestiegen. Der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) will nun prüfen lassen, ob die Gasgewinnung zurückgeschraubt werden muss, um das Risiko zu mindern.

2012 gab es insgesamt 93 Beben. Diese Zahl wurde in diesem Jahr mit 96 Erdbeben bis Mitte September bereits überschritten. Die Staatstoezicht op de Mijnen (dt. Staatsaufsicht für Bergbau/Bergamt) schätzt, dass es bis Ende des Jahres zu insgesamt 150 Erdbeben kommen kann, wenn sich dieser Trend weiter fortsetzt. Eines der schwersten Beben ereignete sich erst im August. Mit einem Wert von 2,8 auf der Richterskala verursachte das Erdbeben rund 200 Schadensfälle, darunter vor allem Risse im Mauerwerk. Auch alte Schadstellen, die durch die starken Erdbeben im Februar verursacht worden waren (NiederlandeNet berichtete), platzten wieder auf oder vergrößerten sich.

Laut der Staatstoezicht op de Mijnen hat die Zahl der Erdbeben in den vergangenen Monaten weiter zugenommen, weil mehr Erdgas aus dem Boden geholt wurde. Auch an Zahlen der Nederlandse Aardolie Maatschappij (NAMdt. Niederländische Erdöl Gesellschaft) zeigt sich eine Zunahme der Gasproduktion: Der Umfang der Gasgewinnung in der ersten Hälfte des Jahres lag rund 30 Prozent über dem Wert von 2012. Dies kann mehr Beben zur Folge haben. Inwiefern jedoch tatsächlich ein Zusammenhang besteht zwischen der vermehrten Erdgasgewinnung und der Häufung von stärkeren Erdbeben wird momentan untersucht.

Sollte sich herausstellen, dass die steigende Gasgewinnung zu riskant ist und zurückgeschraubt werden muss, gerät auch der Plan, Erdgas durch Fracking zu gewinnen, ins Wanken. Ende August hatte Kamp eine Studie vorgestellt, laut der die mit der Gewinnung von Erdgas aus tieferen Schieferschichten verbundenen Risiken für Mensch und Natur zu kontrollieren seien (NiederlandeNet berichtete). Über Probebohrungen wurde bereits verhandelt. Der Erdbeben-Rekord pflichtet jedoch den Kritikern des Frackings bei, die die damit verbundenen Umweltrisiken für nicht beherrschbar halten.“

Weiteres auf der Internetplattform der Betroffenen.

(Quelle, Grafik: http://opengis.eu/gasbevingen/)