Heimatpost

20. Januar 2011

Lingens SPD-Fraktionschef und Postamtsrat Hajo Wiedorn war irgendwann Anfang der 1980er Jahren auserkoren, für die Bundeswehr die deutsche Feldpost mit aufzubauen. Jedenfalls wäre Wiedorn als Organisator der Soldatenpost bestimmt schnell General der Reserve geworden. Er hat damals das Angebot abgelehnt und wurde SPD-Fraktionsvorsitzender, also statt General der Reserve so eine Art aktiver „Spieß“ im Lingener Stadtrat. Das Angebot kam zu einer Zeit, als noch kalter Krieg herrschte, über die Nachrüstung gestritten wurde und die Russen da waren, wo heute die Deutschen ihre eigenen Kriegserfahrungen machen. Afghanistan.  Und die Post der russischen Soldaten wurde haarklein durch den KGB und andere ähnliche, nicht unbedingt demokratische Organisationen kontrolliert. So etwas steckt offenbar  an, wie wir gerade erfahren.

Denn die Post von Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan ist auf dem Weg nach Deutschland systematisch geöffnet worden, berichtet die deutsche Presse. Der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestags, Hellmut Königshaus (FDP), sieht „hinreichende Anhaltspunkte“ für eine mögliche Straftat. Er  informierte Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) darüber in einem Brief und forderte Ermittlungen. Königshaus war über den Skandal bei einem Besuch in Afghanistan von Soldaten darüber informiert worden, dass deren Briefe bei den Adressaten in der Heimat „teilweise mit Inhalt, aber geöffnet, teilweise auch ohne Inhalt“ angekommen seien.

Es sei bisher nicht bekannt, wo und durch wen die Sendungen geöffnet worden seien. Es gebe „hinreichende Anhaltspunkte“ für eine mögliche Straftat. Laut Königshaus sind offenbar ausschließlich Postsendungen betroffen, die aus Masar-i-Scharif in den vergangenen drei Monaten nach Deutschland gesandt worden waren. Die Heimatpost aus Afghanistan geht an die Feldpoststelle in Darmstadt und wird an das dortige Briefzentrum der Deutschen Post weitergegeben. Diese ist dann für die Zustellung in Deutschland verantwortlich.

Feldpost gibt es bekanntlich seit der Antike. Der wohl berühmteste Feldpostbote war der legendäre Marathonläufer, der 490 vor Christus die Botschaft vom Sieg über die Perser nach Athen gebracht haben soll. Die Bundeswehr begann -ohne Hajo Wiedorn- in den 1980er Jahren ihr Feldpostwesen aufzubauen, das die erste Bewährungsprobe beim ersten Auslandseinsatz in Kambodscha 1992 bestand.

Betroffen von der Postüberwachung seien Soldaten einer bestimmten Einheit, die hauptsächlich aus Fallschirmjägern aus Seedorf (Niedersachsen) besteht, sagte Königshaus dem Radiosender HR-Info. Ihre Briefe in die Heimat seien geöffnet und teilweise ohne Inhalt angekommen. „Was immer die Motive, was immer die Absichten derer waren, die das getan haben, es ist ein Verstoß gegen das hohe Gut des Postgeheimnisses.“ Das sei unter Umständen eine Straftat und das müsse aufgeklärt werden. „Wir müssen unsere Soldatinnen und Soldaten wie jeden anderen in Deutschland davor schützen, dass seine Briefe ungewollt geöffnet werden“, sagte der Wehrbeauftragte

Spekulationen, die Briefe seien aus sicherheitstechnischen Gründen geöffnet worden, wies Königshaus zurück. Er sei sicher, dass das Verteidigungsministerium den Vorgang zuverlässig aufkläre. „Ich habe keinen Anhaltspunkt dafür, dass im Ministerium womöglich etwas vertuscht wird.“ Außerdem werde sich die zuständige Staatsanwaltschaft einschalten, sobald sich der Anfangsverdacht auf eine Straftat bestätige.

 

ps Es war am Mittwoch übrigens nicht das Einzige, was die Medien über die Bundeswehr schrieben…

(Foto: Feldpoststempel, Fpa1371.jpg CC)