Soßenspritzer

16. September 2015

Rampe2Manchmal frage ich, ob bestimmte Lingener eigentlich nie Urlaub machen und ob sie überhaupt nicht sehen, wie in anderen Städten mit gestalterischer Qualität und richtig fein der öffentliche Raum gestaltet wird. Gefühlt seit 20 Jahren sind diese Plastikterrakottatopf-Imitate rund ums neue Rathaus und in den Innenstadtstraßen für mich ein Dauerbeispiel gelebter provinzieller Geschmacklosigkeit in unserem Städtchen.

Jetzt ist der Marktplatz für fast 1 Mio Euro renoviert worden. An manchen Stellen darf man sich über die handwerkliche Qualität der Arbeit ärgern (ja, Burkhard, Du weißt, es ist nicht alles gelungen, was Ihr da pflasternd abgeliefert habt) und nicht nur mir fehlen Blumen auf der Heilemann-Terrasse; aber mir stockt auch schon Rampeder Atem, wenn ich mir vorstelle, dass womöglich auch dort wieder diese Plastikterrakotta-Dinger hingeknallt werden. Wahrscheinlich mit derselben Begründung wie an den anderen Stellen, dass diese hässlichen Kunststoff-Exemplare preiswert seien.

Vor allem aber gibt es an der aufwändig neugestalteten Heilemann-Terrasse aktuell dieses Rampe-Beispiel geschmacklicker Gedankenlosigkeit. Gestalterisch völlig daneben und auch historisch ist das drangeblechte Wort nichts, was dahin gehört. Warum kein international verständliches, bescheiden-graues Piktogramm mit Kinderwagen, Rollstuhl und Pfeil?

Ich musste spontan an eine schöne Krawatte denken, an der nach dem Essen so ein kleiner Soßenspritzer an prominenter Stelle den Gesamteindruck von Schlips, Hemd, Anzug und Träger ruiniert. Wer macht so was?

 

Zurückbauen

8. März 2013

Bildschirmfoto 2013-03-07 um 22.47.43Wollen sie wirklich wieder sägen? Der Oldenburger, der noch Stadtbaurat ist, verkündet einen Marktplatz-Vorschlag der Rathausspitze, der noch nicht in den kommunalen Gremien diskutiert oder beschlossen worden ist: Der Marktplatz soll danach für knapp 1,2 Mio Euro total umgestaltet werden. Und die Terrasse vor der Sparkasse und hinter dem Fabeltierbrunnen soll weg. Was der Stadtbaurat nur verschwrubelt ankündigt: Auch alle Platanen dort (Foto) werden dann abgesägt. Er sagt das in diesem unverständlich-unehrlichen Verwaltungssprech, „die Terrasse an der Sparkasse mit den darauf stehenden Bäumen zurückzubauen, um hier auf das normale Straßenniveau zu kommen.“  Und:

 „Die Terrasse über der Tiefgarage ist damals nur gebaut worden, damit hier, in ein Erdkissen gebettet, überhaupt Bäume stehen können – sonst wäre das nicht möglich gewesen.“

Ach so! Bäume zurückbauen. Es soll alles weg, die Bäume, die Terrasse, vielleicht auch der Fabeltierbrunnen? Wer weiß. Am 11.08.2010 sollte die Reparatur der Pflasterschäden am Marktplatz 34.000 Euro kosten.  Der Antrag von Hajo Wiedorn (SPD), darüber hinaus einen Marktplatz-Maßnahmekatalog zu erstellen, überschlägig die  Kosten zu ermitteln sowie  eine Prioritätenliste mit Zeitplan zu erstellen wurde bei 3 Ja-Stimmen, 2 Enthaltungen und 5 Nein-Stimmen der CDU abgelehnt. Heute sind wir, wenn es nach dem Oldenburger geht,  wieder beim Totalumbau mit Platanensägen. Dies  kostet dann 35mal so viel.

Wer will das? Ex-OB Heiner Pott hatte schon zum geordneten Rückzug geblasen, als ihm nach der Abholzungsaktion in der Burgstraße die Empörung der Lingener um die Ohren flog. Daraufhin wurden alle Marktplatz-Platanen beschnitten. Nur die Heilemann-Terrasse sollte an der Nordostseite eingekürzt werden, weil dort der Zugang zum Markt von der Burgstraße/Clubstraße nun wirklich nicht so dolle ist. Doch alle  Marktplatz-Platanen sollten bleiben. Jetzt sollen fünf oder vier von ihnen also an der Südwestseite fallen. Und es sollen 14 Monate Bauzeit folgen.

Noch einmal, wer will das? In der Lingen-diskutiert-Gruppe bei facebook.com offenbar niemand. Nur Michael Ratza weist (zu recht) auf die Schäden am Pflaster hin und nicht wenige sind (zu recht) für den geplanten Fahrstuhl in die Marktplatz-Tiefgarage, den eigentlich wohl die Wirtschaftsbetriebe der Stadt bezahlen müssten, die die Tiefgarage betreiben. Der Oldenburger sieht ihn in einem angrenzenden Gebäude. Eigentlich keine schlechte Idee, bloß müsste man dazu die Betonwanne der Tiefgarage öffnen; das Risiko wird teuer und dauerhaft nass wohl auch.

OB Dieter Krone gilt als Verfechter des Totalumbaus, obwohl es im Verwaltungsvorstand auch kritische Stimmen gab. Denn tatsächlich könnten wir mit den 1 Mio Euro städtischer Gelder Sinnvolleres tun, als Bockhorner Klinker durch Bockhorner Klinker zu ersetzen. Zum Beispiel Schulden abbauen oder die Schäden am Marktplatzpflaster beheben nebst Aufzug durch die Wirtschaftsbetriebe oder das Kulturquartier um den Universitätsplatz nach dem Abriss des Hauses Oevermann wieder komplettieren.

Sicherlich fällt Ihnen auch noch etwas Besseres ein – oder?

(Foto: Marktplatz Lingen – Südwestseite aus der Vogelperspektive. Eingebaut wird übrigens gerade das Wasserspiel)