Driving Range

22. November 2011

Morgen am Mittwoch wird der Lingener Stadtrat die Vernichtung eines 80-100-jährigen Stieleichenwaldes am und für den Golfplatz Emstal nahe Gut Beversundern beschließen. Für das Abholzen stimmt die CDU-Mehrheit aus reinen Gründen der Gefälligkeit gegenüber den Funktionären des Golfcubs, dessen Golfer genau da, wo sie jetzt das Golfen proben („Driving-Range“) doch eher mit ihren Limousinen parken wollen. Also verschieben sie die „Driving-Range“ nach Süden und da steht der Wald im Weg. Folglich muss er weg. Auch der dort vorhandene, von der Ausrottung bedrohte Hirschkäfer kann dies nicht verhindern. Hierüber habe ich schon früher berichtet. Und jetzt wird es  ernst – auch für die Grabstätte derer von Galen, die durch das Abholzen bedenklich nah an die Flugbahn der Golfbälle rückt.

Wir erleben eine  neuerliche, umweltfeindliche und gänzlich überflüssige Lingener Abholzerei – „natürlich“ wieder in Altenlingen, wo der auch nach der Kommunalwahl weiterhin CDU-beherrschte Ortsrat alles abgesegnet hat. Gemeinsam mit der Stadt-CDU und dem Landkreis hat man den einzigartigen, hochwertigen Wald einfach aus dem Schutzbereich des Landschaftsschutzgebietes Emstal herausgenommen. Einmal mehr eine ungewöhnlich klebrige politische Entscheidung.

Peter Blauert (Sprecher des Ortsverbandes Lingen  von Bündnis’90/Die Grünen, dem ich für die Erlaubnis danke, das Papier zu veröffentlichen) hat dankenswerterweise hier alles Notwendige zusammengetragen, was zu sagen und zu zeigen ist, bevor die CDU erneut Bäume fällt…, pardon, fällen lässt. Wie Sie sehen, ist die Abholzung auch bereits in vollem forstwirtschaftlichen Gange.

(Fotos: ©  Bündnis’90/Die Grünen Lingen)

Hirschkäfer

22. März 2010

Nordwestlich des Lingener  Stadtzentrums liegt rund um das Jahrhunderte alte Gut Beversundern der Golfclub Emstal. Er hat stets großen Wert darauf gelegt, den Golfsport im Einklang mit der Natur zu betreiben. Schon bei seinem Bau kam es zu Renaturierungsmaßnahmen. So wurde unter der flach planierten landwirtschaftlichen Nutzfläche der originäre Heideboden freigelegt und das Areal weitgehend in seinen ursprünglichen Zustand zurück versetzt:

„Entstanden ist letztendlich ein Golfplatz, der hervorragend und harmonisch in die Landschaft des Emstales eingebunden ist. Dort, wo bis vor einem Jahr auf einer Fläche von 50 Hektar trostlose, intensiv bewirtschaftete Maisäcker dominierten, ist innerhalb weniger Monate ein Gelände entstanden, das Vorbildcharakter für die Integration einer Freizeitanlage in eine schutzwürdige Landschaft hat.“

So lobte der BUND für Umwelt- und Naturschutz die Lingener Anlage 1997 in seinem Jahrbuch. Später zeichnete der Deutsche Golfverband das Konzept aus.

Da ist womöglich dem seit einiger Zeit amtierenden Präsidenten Günter Herms, der in Emlichheim reitet und in Nordhorn beratend in einem Ratsausschuss sitzt, einiges durcheinander geraten. Denn er will direkt vor dem Clubgebäude einen gepflasterten Parkplatz anlegen. Ärgerlich bloß, dass dafür die sog. Driving Range im Weg ist, also eine große Wiese, auf der die Golfer die langen Schläge üben. Deshalb produzierte der Grafschafter die Idee, die Driving Range einige -zig Meter nach Süden zu verschieben; damit er vor dem Clubhaus seinen Mittelklasse-Pkw parken kann. Dumm bloß, dass sich dort ein Wald befindet.  Aber, Sie ahnen es schon, das ist in (Alten-)Lingen eher ein Ansporn, die Säge erst recht aus dem Schuppen zu holen:

So heißt in der Sitzungsvorlage. Da macht es auch nichts, dass die beteiligten Ämter der geplanten Flächennutzungsplanänderung allesamt widersprechen. Immerhin soll wegen eines Parkplatzes (Karte) nahezu 100 Jahre alter, ökologisch wertvoller Stieleichenwald abgesägt werden. Und so erleben wir ein Musterbeispiel dafür, wie manipulativ und scheibchenweise die Verwaltung mit Ihren Helfershelfern vorgeht. Schon vor knapp einem Jahr wurde der Wald aus dem Landschaftsschutzgebiet „Emstal“ herausgenommen. Dazu hatte sich sogar OB Pott in den Ortsrat Altenlingen bemüht, und dafür wurde ein Fachgutachten eingeholt. Dipl. Geo(graph) Peter Stelzer aus Freren kam zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass die Maßnahme dem Landschaftsschutzgebiet und dem Schutz desselben nichts Erhebliches anhabe. Sicherlich ein bisschen Hirschkäfer-Ärger, aber da könne man vielleicht einen Käfermeiler installieren. Sowieso  überzeugt seine Erkenntnis:

Die charakteristischen Arten des Lebensraumes sind an den Betrieb des Golfplatzes „gewöhnt“.

Lesen Sie selbst nach, wie Stelzer also ganz schlank schlussfolgert,

„die Erweiterung der Driving- Range selbst führt offensichtlich zu keinerlei Beeinträchtigungen eines Schutzgebietes, somit sind andere Pläne und Projekte nicht relevant.

Keinerlei –  das schreibt der Herr Diplom-Geograph tatsächlich. Klar: Der Hirschkäfer hat sich gewöhnt. Also kann der Bereich aus dem Schutzbereich der bestehenden Satzungen herausgenommen werden und so wurde 2009 mehrheitlich entschieden. Zu welchem regionalen Schutzbereich, pardon Netzwerk eigentlich gehört Herr Stelzer, frage ich mich?

In der Ausschusssitzung am vergangenen Mittwoch sollte jetzt salamimäßig der nächste Schritt auf dem Weg zur Abholzung erfolgen: Die Änderung des Flächennutzungsplans. Die Wahrheit wurde dabei gedrechselt, dass es eine wirkliche Freude war. Lingens unsäglicher Stadtbaurat L. veräppelte die Ratsvertreter mit seiner Behauptung, es liege ja noch kein Bauantrag vor. Also könne man die Änderung des Flächennutzungsplanes doch genehmigen. Dass damit sein Amt jeden Abholzungsantrag des Golfclubs werde genehmigen können, ohne den Rat noch zu beteiligen,verschwieg er. Dies hat mich  einmal mehr die Unwahrhaftigkeit dieses Wahlbeamten anprangern lassen  und der CDU hab ich, weil es passte, vorgeworfen, dass ihr der Schutz des Waldes in Wahrheit  schnurzpiepegal sei. Man konnte die Luft im Sitzungsraum schneiden. FDP-Vertreter Jens Beeck („Eigentlich bin ich für die Maßnahme!“) schaffte es schließlich, die Aussetzung des Beschlusses zu erreichen. Die CDU war nach einer Sitzungsunterbrechung unverhofft dazu bereit.

Überzeugend war dabei offenbar mein Hinweis, dass dem Golfclub Emstal das Grundstück gar nicht gehört, auf dem der Parkplatz gebaut werden soll. Es gehört einer „Gesellschaft bürgerlichen Rechts“ und in deren Satzung ist verankert, dass alle Beschlüsse einstimmig erfolgen müssen. Ein Miteigentümer, mit dem ich gesprochen habe, will diesen Parkplatz nicht. Damit wird er nicht gebaut , und ich brauche meine Frage nicht wirklich zu stellen, was eigentlich die zahlreichen Mitglieder des Golfclub Emstal von dem Säge-Eingriff in die Emstal-Natur halten.

Die Evolution geht also zunächst ungestört voran: Der Hirschkäfer (Foto) darf sich weiter an den Golfplatz gewöhnen. Danke, Bernd.

(Hirschkäfer-Foto: © Jutta Rotter, pixelio.de)