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19. Juli 2016

Einen dicken Applaus für die Literaturabteilung der Polizei Frankfurt.

Grass

(via Lachgas)

Vonne Endlichkait

25. August 2015

Bildschirmfoto 2015-08-25 um 06.38.16Verleger Gerhard Steidl stellt heute Günter Grass‘ letztes Werk vor: „Vonne Endlichkait“, auf Hochdeutsch „Von der Endlichkeit“.  Steidl will laut Einladung bei der Buchpremiere in Göttingen „über das Büchermachen mit Günter Grass“ berichten,  sowie „über den Entstehungsprozess und die Herstellung des letzten Buchs“. Der Litaraturnobelpreisträger war am 13. April dieses Jahres in Lübeck verstorben. Steidl schreibt:

„Allen Zumutungen des Alterns und der »Endlichkait« zum Trotz, plötzlich erscheint erneut fast alles möglich: Liebesbriefe, Selbstgespräche, Eifersuchtsdramen, Schwanengesänge, Gesellschaftssatiren und Augenblicke des Glücks drängen aufs Papier. Plötzlich findet rhythmisierte Kurzprosa ein vielstimmiges Echo in episch wuchernden oder pointiert zugespitzten Gedichten. Plötzlich entstehen sinnenfrohe Doppelstücke, die vom Zeichner ins Bild gesetzt, weitererzählt oder auf den Doppelpunkt gebracht werden.

So traurig und gewitzt, so lebensklug und doch kämpferisch kann nur ein in die Jahre gekommener Künstler ans Werk gehen, der dem Tod wiederholt von der Schippe gesprungen ist. Zahlreiche berührende Geschichten bringt er hervor, verdichtet sie zu kunstvollen Miniaturen, die hier und jetzt spielen. In »Vonne Endlichkait« schafft der Literaturnobelpreisträger in einem beeindruckenden Wechselspiel aus Lyrik, Prosa und Illustration sein letztes Gesamtkunstwerk.“

Erstverkaufstag –auch hier– ist der 28. August.

Günter Grasss, Vonne Endlichkait, 176. Seiten, ISBN 978-3-95829-042-6, Preis € 28,00.

Günter Grass +

13. April 2015

220px-Günter_Grass_auf_dem_Blauen_SofaHeute morgen ist Günter Grass in Lübeck verstorben. Der Literaturnobelpreisträger wurde 87 Jahre alt.In unserem Städtchen ist er, im Gegensatz zu Nordhorn, nicht gewesen; so glaube ich. Doch in Cloppenburg und umzu kämpfte er 1965 für Willy Brandt. Damals, 1965,  als in Südoldenburg schon der Gedanke an die SPD innerhalb und außerhalb der katholischen Gotteshäuser viel mehr als eine lässliche Sünde war.  Und das so sehr, dass sich sogar Hans Lemp, damals der SPD-Bundestagskandidat im Wahlkreis Cloppenburg-Vechta,von Grass distanzierte [1969 hat er sich dafür entschuldigt. Lemp, nicht Grass]. Er war für die „moorlochtiefen“ Südoldenburger, wie er selbst schreibt, „der Leibhaftige“ – dieselbe Beurteilung, die vor 12 Jahren zwanglos ein pöbelnder taz-Kolumnist Wiglaff Droste erreichte.

Heute trauert mit großem Respekt vor seinem politischen und schriftstellerischen Werk auch die rechtsgewirkte SPD Weser-Ems um den großen Literaten Günter Grassund nicht nur die.

Günter Grass‘ Besuch in Cloppenburg fand großes Interesse. 4000 Zuhörer hörten ihm in der „Münsterlandhalle“ zu. Die Veransattung wurde von Konservativen und Eier werfenden Jung -Unionisten massiv gestört. Grass berichtete darüber in seinem Buch: „Mein Jahrhundert“:

„…. Nein, lieber Freund, kein Verschleiß. Ich lerne dazu, sondiere langangestauten Mief, bin auf Schneckenspur, komme in Gegenden, in denen noch immer der Dreißigjährige Krieg tobt, jetzt, zum Beispiel, nach Cloppenburg, schwärzer als Vilshofen oder Biberach an der Riß. Gustav Steffen steuert uns pfeifend durchs flache Münsterland. Kühe, überall Kühe, die sich im Rückspiegel vermehren und die Frage aufwerfen, ob hierzulande sogar die Kühe katholisch sind. Und immer mehr vollbepackte Traktoren, die wie wir in Richtung Cloppenburg fahren. Es sind vielköpfige Bauernfamilien, die dabeisein wollen, wenn in der von uns gemieteten Münsterlandhalle der Leibhaftige spricht…

Zwei Stunden benötige ich für die Rede »Es steht zur Wahl«, die sonst in knapp einer Stunde vorbeirauscht. Ich hätte auch mein »Loblied auf Willy« vom Blatt weg posaunen können oder »Des Kaisers neue Kleider«; doch diesen Tumult hätte selbst eine Lesung aus dem Neuen Testament nicht beschwichtigt. Auf Eierwürfe reagiere ich mit Hinweisen auf »verschleuderte« Subventionen für die Landwirtschaft. Gezischt wird hier nicht. Hier geht es handfester zu. Einige Bauernjungs, die gezielt mit Eiern warfen und auch trafen, werden mich vier Jahre später, als nunmehr bekehrte Jungsozialisten, zur zweiten Runde nach Cloppenburg einladen; doch diesmal ermahne ich die Eierwerfer aus moorlochtief katholischem Wissen: »Laßt das, Jungs! Sonst müßt ihr am nächsten Sonnabend eurem Herrn Pfarrer ins Ohr beichten …«

Als wir den Tatort, beschenkt mit vollem Eierkorb – die Gegend um Vechta und Cloppenburg ist bekannt für drangvolle Geflügelfarmen -, verließen und ich ziemlich bekleckert den Beifahrer abgab, sagte Gustav Steffen, der wenige Jahre später bei einem Verkehrsunfall ums junge Leben kam, mit Blick auf den Rückspiegel: »Geht bestimmt schief, die Wahl. Aber hier, das hat Stimmen gebracht.“

Mehr auch in diesem kleinen Blog. Hier. Und in dem Buch aus Anlass des 85. Geburtstages des jetzt Verstorbenen: Kai Schlüter (Hrsg.): Günter Grass auf Tour für Willy Brandt – Die legendäre Wahlkampfreise 1969

(Foto: Günter Grass im Gespräch mit Wolfgang Herles 2006 Uploaded by Magiers, CC BY 2.0; Quelle)

Harry Kramer zum 90.

4. März 2015

HarryKramer

Ein Künstler aus Lingen
Harry Kramer 1925 – 1997

Lingen (Ems)  –  Kunst-/Halle IV, Kaiserstr. 10a
Eröffnung Freitag 7.3., 19 Uhr

Zum 90. Geburtstag des einzigen Künstlers von internationalem Rang aus Lingen feiert der Kunstverein Harry Kramer mit einer großen Ausstellung. 1925 wurde Harry Kramer in der Hinterstraße 2 in Lingen (Ems) geboren; er  starb 1997 in Kassel. Er arbeitete in Lingen bis 1942 als Frisör und besuchte ab 1947 die Tanzschule von Lola Rogge in Hamburg. In den 1950er Jahren entwarf er ein mechanisches Theater, das in der Berliner Galerie Springer uraufgeführt wurde.

Die Skulpturen von Harry Kramer sorgten nicht nur in der Kunstszene für Aufsehen. 1956 stellte er sein „Mechanisches Theater“ „13 Szenen“ im Rahmen des Pariser Festival „De l’Avantgarde“ aus. Ende der 1950er Jahre arbeitete auch Günter Grass in der französischen Hauptstadt am Manuskript für seinen weltberühmten Roman „Die Blechtrommel“. Harry Kramers Skulpturen wurden das „Anschauungsmaterial“ für ein Kapitel der „Blechtrommel“ und das Vogelscheuchen-Ballet aus „Hundejahre“, wie der Literaturnobelpreisträger später bestätigte.

Kramer selbst drehte mit seinen Figuren mehrere Experimentalfilme zusammen mit Wolfgang Ramsbott, Professor für Experimentalfilm in Berlin, von denen „Die Schleuse“ 1962 den Goldenen Löwen der Biennale von Venedig gewinnt.

In den 19060er Jahren gestaltete Harry Kramer zahlreiche Drahtplastiken, die jeweils mit einer eigenen Mechanik ausgestattet waren und innerhalb derer sich Drahtobjekte drehten oder auch Klingeln einen Ton erzeugten. Es folgten bunte Schiebeplastiken und Schiebebilder sowie Plastiken, die wie Stehaufmännchen bewegt werden konnten.

1964 nahm Harry Kramer an der documenta 3 in Kassel teil und erhielt zu Beginn der 1970er Jahre einen Ruf als Professor an die Kunsthochschule Kassel. Hier gestaltete er gemeinsam mit seinen Studierenden unter dem Namen „Atelier Kramer“ zahlreiche großformatige Installationen und Kunstaktionen. In den 1990er Jahren entwickelte und realisierte Harry Kramer das Projekt der Nekropole im Kasseler Habichtswald, innerhalb dessen Künstlerinnen und Künstler wie beispielsweise Rune Mields, Timm Ulrichs, Fritz Schwegler und Werner Ruhnau Grabmäler gestalteten, zuletzt wurde 2011 das Grabmal von Gunter Demnig realisiert.

Am 25. Januar 2015 wäre Harry Kramer 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass realisiert die Kunsthalle Lingen, die einen Teil des Nachlasses Harry Kramers verwaltet, soweit er der Stiftung Nekropole in Kassel gehört, unter dem Titel „Ein Künstler aus Lingen“ eine großformatig angelegte Einzelausstellung mit zahlreichen Werken aus den 1960er bis 1990er Jahren.

Es ist die zweite Retrospektive des Kunstvereins mit Werken Kramers in Lingen. Vor 20 Jahren zu Kramers 70. war die von Heiner Schepers kuratierte Ausstellung „Der Frisör aus Lingen“ ein großer Erfolg.

Wahlkampfreise

15. Oktober 2012

Wahlkampfjahr 1969. Ein halbes Jahr lang tourt Günter Grass 1969 durch die
Bundesrepublik, meist in einem alten VW-Campingbus, und macht Wahlkampf
für die SPD und sein Idol: Willy Brandt. 32.000 Kilometer ist er
unterwegs, spricht auf über 100 Veranstaltungen zu rund 60.000 Menschen,
gibt 46 Pressekonferenzen und ungezählte Interviews.
Kai Schlüter zeichnet die legendäre Wahlkampfreise nach. Er hat mit
Günter Grass und seinen damaligen Weggefährten gesprochen und die Spur
der Politik in Grass’ Werk verfolgt. Über 50 historische Fotos lassen
eine Zeit, in der von Politikverdrossenheit noch nicht die Rede war,
zugleich bildlich wieder aufleben.

Buchpräsentation aus Anlass des 85. Geburtstages von Günter Grass:

Kai Schlüter (Hrsg.): Günter Grass auf Tour für Willy Brandt – Die
legendäre Wahlkampfreise 1969

Buchpräsentation
im Forum Willy Brandt  –  Unter den Linden 62-68
10117 Berlin

Dienstag, den 16. Oktober 2012, Beginn 18.00 Uhr, Eintritt frei.

Mehr erfahren Sie hier …

Gedicht

8. April 2012


Als ich das Grass-Gedicht las, musste ich sofort an die jüngsten Aussagen von Verteidigungsminister Thomas de Maiziere denken und dessen Warnung an die israelische Regierung vor einem Krieg  gegen den Iran, dessen verbrecherische Führung dem Land Atomwaffen zulegt.

Die literarische Qualität des Grass’schen Gedichts können andere besser beurteilen als ich und darauf kommt es wohl auch nicht so besonders an. Die politische Auseinandersetzung mit dem Gedicht muss sein und sie verlangt allemal mehr als den kollektiven Aufschrei der Empörung, der durch die deutsche Medienlandschaft tönt. Da muss man sich schon in der Sache mit Furcht und Warnung des Nobelpreisträgers vor einem Atomkrieg auseinandersetzen. Sie sind ja wahrlich nicht unbegründet, wie jeder sieht und sehen kann, der die nicht sehr zahlreichen öffentlichen Berichte zu dem sich zuspitzenden Konflikt zusammenträgt. Man erkennt, wie verzweifelt seit Wochen die westliche Politik versucht, den Krieg zu verhindern.

Heute morgen las ich den obenstehenden Tweet des Schweizers Jörg Kachelmann, das andere Extrem. Ich teile seine bittere Einschätzung zu meinem Land nicht, aber für seinen Hinweis auf den Blog von Gabriele Wolf bin ich dankbar. Denn vieles von dem, was über Grass in den deutschen Feuilletons und Politikkommentaren geschrieben ist, lässt mich Kopf schüttelnd zurück und die Bloggerin trägt das Wesentliche davon zusammen.“Wahrheit braucht einen Mutigen, der sie ausspricht“, titelt sie ihren Beitrag über Günter Grass.

Längst finde ich nicht alles richtig, was Gabriele Wolff resümiert. Doch  Günter Grass beschimpfend unter Antisemitismus abzuheften, ist tatsächlich inakzeptabel. Das Gedicht ist auch nicht ekelhaft, das ist schon eher  die sich empört gebende Reflexbemerkung auf den damals 16-jährigen Grass und seine Verstrickung in den Nationalsozialmus.

Das Gedicht ist notwendig, weil Grass vor einem ekelhaften, schrecklichen Krieg warnt – genauso wie Lothar de Maiziere. Nach dessen Warnung wurde nicht diskutiert. Nach dem Gedicht von Günther Grass schon – hoffentlich nicht nur bei uns und hoffentlich vor allem über das, was dort im Iran an Existenzbedrohung Israels entsteht  und was politisch verhindert werden muss. Ohne Atombombe.