sehr lokalkoloriert

7. Mai 2020

Gestern habe ich über regionale Urlaubsalternativen statt Malle geschrieben und mich dabei über die Lustlosigkeit der Emsland Tourismus GmbH in Meppen in ihrem Beitrag über Wandern in Schepsdorf gegrämt. Lest mal. Meine Erkenntnis: Nur flottes Layout ist nicht genug. Daher hier meine kleine, emotionale und lokalkolorierte Antwort:

Einen Gruß an die etwas meppenlastig erscheinende Emsland-Tourismus GmbH am Sitz des Landkreises in 49716. Mein Rat: Bitte kümmert Euch etwas besser um Eure Wander-Empfehlungen.
Der empfohlene Schepsdorfer Wanderweg durch die Elberger Schlipse [Zugereiste sagen übrigens immer besonders korrekt und wie im 14. Jahrhundert Slipse oder -schlimmer- wie im 21. Jahrhundert „Wanderweg 4“] beginnt niemals mittendrin an einem Parkplatz unterhalb der B 213-Alexanderbrücke, wo der von Friedel Kunst gestaltete heilige Alexander, der Namenspatron der fast 1.000 Jahre alten Schepsdorfer Kirche, achtgibt  Dieser uralte Weg beginnt und endet immer (!) am oder besser im Gasthaus Hubertushof in Schepsdorf, wo man vorher oder (besser) hinterher auf sein müdes Haupt betten kann. Gestartet wird die Wanderung am Garten des Hubertushofs entlang über den Esch Richtung Ems, nach rund 1,8 km unter der Alexanderbrücke hindurch und bis zur Kreuzung an der kleinen Gaststation nach weiteren 1,2 km, wo es aber links abgeht und nicht rechts, liebe Emsland-Tourismus GmbH (wir sehen, was beschränkte Haftung auch bedeuten kann…). Die Strecke ziehe ich derjnigen vor, die von der Emsland Tourismus empfohlen-vorgeschlagenen Hin-und-Her-Abkürzung zu Schloss Herzford wird; denn  Schloss Herzford zwar ausgesprochen schön anzusehen ist, aber -ganz im Gegensatz zur Bauphase um 1720 – keine Beköstigung vorhält. Das ist auf dem durch den Wald führenden Weg an der Ems deutlich anders! Zunächst findet sich nach etwa 1 km linker Hand hier am westlichen Emsufer  (und nicht auf der östlichen Emsseite, wie die Emsland Tourismus GmbH schreibt)  der mächtige, vor 10 Jahren wieder ausgegrabene Ikenstein; 500m weiter folgt der ehemalige Gasthof Bösker, den früher Clemens und Lenchen Bösker betrieben und wo es den besten strammen Max im ganzen Emsland gab; jetzt ist dort (Postadresse Elbergen Nr. 1) schon seit einiger Zeit -ich glaubte es zuerst nicht- ein japanisches Restaurant entstanden: Der Besuch ist ein Muss, denn dort gibt es die köstlichsten Sushi in Niedersachsens Westen.

Statt rechts ab und zurück zum für den Wanderermagen frugalen Schloss Herzford kann man hinter Tempura Sushi zum Wasserfall laufen. Es sind nur etwas mehr als 100m. Leider haben vor etwa 15 Jahren ebenso dumme wie treulose Beamte der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung in und aus -Sie ahnen es- Meppen einen Teil der grundsätzlich unverkäuflichen denkmalgeschützten Schleusenanlage des Ems-Vechte-Kanals verkauft, und der neue Besitzer hat den uralten Weg an der Ems entlang blockiert. Doch irgendwie gelangt man auch vom Wasserfall auf die östlich grüßende Emsbrücke und von dort auf die nördliche Seite des Flusses, wo andere dumme Menschen gerade in diesem Frühjahr am Ende eines selten genutzten Abstellgleises mit Prellbock einen fulminanten Baum-und-Strauch-Kahlschlag vollführt haben. Man sollte dort erst gar nicht hinsehen, um sich nicht maßlos zu ärgern, sondern sich stattdessen links halten und auf den nächsten Kilometern von Gasthaus zu Gasthaus streben.

Erst geht er/sie/es also zum Café Alte Schleuse mit seinem wunderbaren Bauerngarten, von dort über die Sperrtorbrücke einige Schritte zurück zu Schepergerdes‘ Am Wasserfall und von dort dann gestärkt den Dortmund-Ems-Kanal entlang, bis jenseits der Grüne Jäger grüßt und einlädt. Nördlich an der Umgehungsstraße führt die Wanderung anschließend über die stark befahrene B213-Alexanderbrücke (ungemütliche 180m!) Richtung Westen und nach der Brücke rechts hinunter in die emstalige Ruhe und zurück Richtung Hubertushof. Sind Sie dort schließlich angekommen, haben Sie die klassische Strecke für Lingener*innen gewandert, wobei die wirklich klassische vom Bahnhof Elbergen über Bösker, Schievink, Schepergerdes und Grüner Jäger verlief. Aber Schievink ist schon lange nicht mehr und der Bahnhof Elbergen erst recht nicht; die wirkliche klassische Wanderstrecke ist also perdu. Die heutige kann sich aber sehen lassen; sie dauert allerdings schon wegen der notwendigen Einkehr in diverse Gasthäuser etwas länger, ich vermute einen Wandertag lang. Noch länger würde sie dauern, wenn man nach 3 km  -s.o.- nicht links sondern rechts abgebogen wären. Doch wer hört schon als Lingener*in auf Meppener Orientierungshinweise?

Persönlicher Bonus-Nachtrag:
In seinem Hubertushof wartet beim Eintreffen des Wanderers bereits Wirt Hubert Neerschulte, wenn man Glück hat und er nicht seinen Ehrenämtern in Stadt- und Ortsrat nachgeht, und erzählt dann vielleicht die Geschichte vom größten Bierexperten der Region, von Köpi und Rolinck, wenn Du  1.) ein leckeres Essen mit Getränk bestellst, dann 2.) von mir grüßt, ihn 3.) nach der Bier-Geschichte fragst und ihm 4.) strengste Verschwiegenheit zusicherst. Sie ist allerdings schon sehr lokalkoloriert, die Geschichte, aber doch für uns Lingener*innen auch sehr fein. Sie werden lächeln.
(Foto oben: Schloss Herzford; CFamduling – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland“; Foto unten: Schepsdorfer Gastwirt Hubert Neerschulte, via Twitter)

Sixpack

28. November 2012

Sixpack
(zu Viert)
Lingen (Ems) – Grüner Jäger, Schüttorfer Straße

Samstag, 1.12. abends
Eintritt 5 Euro

JZZZZZP

13. Januar 2012

JZZZZZP
Jazz aus Harlem (NL)

Samstag, 14. Januar  2012 –  21 Uhr

Lingen (Ems)  – Grüner Jäger, Schüttorfer Straße

Eintritt: 5 Euro

Prozent

2. Januar 2010

Frohes Neues, liebe Leser. Fast hätte ich es vergessen. Dabei haben wir jetzt schon ein Prozent des dritten Jahrtausend durchlebt. Ich nehme allerdings schwer an, dass wir alle das Ende des zweiten Prozentchens nicht mehr mitfeiern werden.
Den Silvesterabend habe ich übrigens engagiert -Sie haben es erwartet!- zuhause verbracht und ausgiebig „Coq au vin“ gekocht. War spaßig und lecker, sagte auch meine Liebste.
Was soll ich sonst berichten an der Schwelle zum Jahr 2010? Es gibt Neues aus der Gerüchteküche: Die allesamt stark besuchten Silvesterfeten in Lingen sollen, berichtet mein Nachwuchs, ausnahmslos  „gut“ gewesen sein: Vorneweg die von Michael Berning organisierte Fete („haben von den Fehlern der letzten Jahre gelernt“) im PLUS an der Georgstraße, das demnächst abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wird.; dies wird gerade zwischen Rathaus und Investor am B-Plan vorbei geregelt, wie ich höre – aber das nur nebenbei. Im Dorfgemeinschaftshaus in Biene, der unterhaltungsteuren Morgengabe der ehemaligen Gemeinde Holthausen-Biene anlässlich ihrer Eingemeindung in die Stadt Lingen (Ems) 1974, war schwer was los, und es „gab gutes Essen“. In der Halle IV soll’s „richtig rund, hab ich gehört“ gewesen sein und im Extrablatt am Markt auch, wenn sich auch der DJ dort als ausbaufähig erwiesen habe. Im Koschinski wars taff und im Maxim sowieso.
Überhaupt die Szene: Ebbi Sadeghi hat das Piano (Ratskeller) geschlossen. Gerüchte sagen, er übernähme wohl Hutmachers Deele und dessen Holger Laschet wandere auf den Spuren von Lingens Ex-Sternekoch Lothar Beck in das Alte Forsthaus an der Georgstraße. Das  ehemalige Mamba ist durch das N8-Café ersetzt und wird vom Ex-Baba Can-Inhaber hoffentlich zu neuem Ruhm geführt wie der Grüne Jäger sicherlich durch die zurückgekehrte Retroinhaberin Bernhild Schoo. Nebenbei: Obergastgeber Heiner Pott zieht aus der Innenstadt nach Bramsche in das alte Pfarrhaus; sein trautes Haus am Wall weicht einem Investor, der also ein Grundstück und Geld in die Hand nimmt. Anschließend zieht der OB mit Familie  zurück in die Etage an gleicher Stelle.
Das muss erst mal reichen, um Sie kurz auf den aktuellen Stand Lingener Kneipendiskussionen zu bringen. Vielleicht raff ich mich am Wochenende noch zu einem Rückblick „Lingen 2000-2010“ auf.  Ich denke, das sollte  sein.

was fehlt

8. Dezember 2009

Lingen hat die Chance, raumordnerisch ein Oberzentrum zu werden, längst nicht mehr. Auch sonst gibt es Dellen und Defizite. Es  fehlt

a) seit neuestem wieder ein Fischgeschäft, nachdem das „Fischparadies“ aus der Lookenstraße nach Lohne verzogen ist,

b) ein Bussystem, das den Namen öffentlicher Personennahverkehr auch verdient

c) ein Käseladen, wie das wunderbare Käsegeschäft von  De Goey in der Leeraner Mühlenstraße,

d) ein Hutgeschäft,

e) ein „Platten“laden jenseits von Mediamarkt,

f) ein Sozialgericht

g) preiswerte Studentenzimmer,

h) ein Museum für jüdische Regionalgeschichte,

i) mehr gute Hotelzimmer im Zentrum,

j) eine wirklich gute Kaffeebar  (guckst Du hier und hier; das wär doch was für die verkommene Denkmalschutztankstelle an der Bernd-Rosemeyer-Straße),

k) ein ordentlicher Mittelbahnsteig 😀

l) ein Restaurant oder Lokal in der Innenstadt, in dem man Freitagabends um 23.00 Uhr noch essen kann,

m) eine kleine Hausbrauerei, wie sie z.B. gaaaanz früher im Hellmann’schen Haus in der Burgstraße die Studis erfreute,

m) der ZONE-Laden mit trendiger Mode für junge Leute,

o) öffentlicher kostenloser freier Internet-Zugang im Stadtgebiet,

p) der Anschluss an das NRW-Ticket,

q) der Grüner Jäger unter alter Leitung erl. 8.12.

r) die alten Platanen im Stadtkern

Die Liste ist natürlich willkürlich und unvollständig. Sie enthält bloß meine unsortierten Ideen der letzten zehn Minuten und  soll anregen. Wer ergänzt sie?