Die gestrige Pressemitteilung von Textilkaufmann Andreas Huesmann im Wortlaut.

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Liebe Lingenerinnen und Lingener,

hiermit möchten ich Sie darüber informieren, dass ich zum Ende dieses Jahres die Geschäfte Huesmann Herrenmode, Kivelingstraße 4, Trendstore, Große Straße 22 und Intersport, Kivelingstraße 10, schließen werde.

Aufgrund der Marktlage, der Geschäftsentwicklung im Textil-Einzelhandel insgesamt, der Flächenexpansion einhergehend mit Frequenzrückgang, auch bedingt durch den immer stärker werdenden Online-Handel, wird es meines Erachtens zu Flächenreduzierungen kommen. Um diesem nachfolgenden Prozess entgegen zu wirken und um uns neu und marktgerecht aufzustellen, habe ich mich dazu entschieden, die Anzahl der Geschäfte sowie die Flächen insgesamt deutlich zu reduzieren. Diese Maßnahme wurde im Übrigen mit meinen Söhnen Christopher und Alexander, die sich beide in Textil- und betriebswirtschaftlicher Ausbildung befinden, abgestimmt. Zudem verstehen und respektieren beide meine Entscheidung.

Das Huesmann Damenmodehaus, Große Straße 14 – 16 wird zum Frühjahr 2015 nach erfolgtem Umbau als Damen- und Herrenmodehaus neu eröffnet. Wir konzentrieren uns dort auf unsere Stärken im mittleren bis gehobenen Genre und werden Ihnen ein schönes, ansprechendes Markensortiment anbieten. Der Camel Active Store bleibt bis auf kleine Veränderungen bestehen. Die anderen im Eigentum befindlichen Verkaufsflächen werde ich zur Vermietung anbieten und mich intensiv darum bemühen, diese in eine ordentliche marktgerechte Vermietung zu überführen.

Ich möchte mich an dieser Stelle bei allen Mitarbeitern bedanken. Insbesondere den langjährigen Mitarbeitern gebührt meine Anerkennung und mein Dank. Ihre Loyalität gegenüber dem Betrieb sowie ihre hohe Kundenakzeptanz war das, was Huesmann Mode jahrelang auszeichnete und wird auch das sein, was wir Ihnen in Zukunft, wenn auch verkleinert aber dennoch kompetent, anbieten möchten.

Abschließend bedanke ich mich bei allen Kunden für Ihre Verbundenheit gegenüber dem Betrieb sowie gegenüber unseren Mitarbeitern für Ihre langjährige Treue und bitte Sie gleichzeitig um Verständnis für meine Entscheidung.

Lingen , den 19.11.2014

Andreas Huesmann“

 

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Gebetsräume

22. Mai 2014

GebetsraumIm vergangenen Spätherbst habe ich in den städtischen Gremien gefragt, wie unsere Stadt Gebetsräume für Muslime in Lingen unterstützen könne. Grund war –nach empörten Diskussionen um das Verhalten eines salafistischen Dönerladenbesitzers im Jahr davor– eine im Stadtbild geradezu sichtbare Fundamentalisierung junger muslimischer Gläubiger und die Information, dass die salafistische Art, den Islam zu praktizieren, auch in Lingen für  junge Muslime attraktiver werde. Einfache Gesellschaftsbilder mit der Verbreitung intoleranter Thesen haben bekanntlich gerade für junge Menschen bisweilen einen großen Reiz.

Ich fand und finde daher, dass man sich in unserem Gemeinwesen schon darum sorgen darf, was eigentlich muslimische Gläubige in unserem Städtchen an Gebetsräumen vorfinden, falls  sie nicht die umstrittenen Bet- und Meditationsräume in der Großen Straße nutzen wollen. Denn zurzeit gibt es Gebetsräume eben nur im salafistischen Treff in der Großen Straße.

Meine Frage war natürlich ein Stich ins Wespennest und manch Bedenkenträger plädierte am 26. November nicht-öffentlich dafür, die Trennung von Kirche und Staat einzuhalten, einen sehr sorgsamen Umgang mit dem Thema, eine zurückhaltende Einstellung oder verstieg sich zu der Erklärung, eine Diskussion sei „nicht sinnvoll“. Gerade so, als ob es besser wäre, den Kopf vor sichtbaren Entwicklungen in den Sand zu stecken.

Mit Blick auf das Auftreten einzelner Muslime in der Großen Straße finde ich nach wie vor, dass wir als Gemeinschaft das Thema erneut aufgreifen sollten.  Wie schrieb mir in dieser Woche ein engagierter wie besorgter Bürger, bevor ich das Thema bei den BürgerNahen noch einmal diskutieren lassen wollte:

„Die Sache mit den Gebetsräumen läuft schwierig. Die meisten Leute, die ich deswegen angesprochen habe, sind der Meinung darum müssten sich die Muslime selber kümmern. Das wollen sie ja auch. Aber dadurch dass die Lingener Muslime aus so vielen unterschiedlichen Ländern kommen, ist es schwierig für sie sich zu organisieren.  Deshalb brauchen sie da etwas Unterstützung am Anfang.

Ich finde es immer noch wichtig, den Extremisten etwas entgegen zu setzen. Die laufen immer noch durch die Stadt und versuchen, Muslime in ihre Gebetsräume zu locken. Viele Muslime fühlen sich davon belästigt und lehnen das konsequent ab. Aber einige Menschen, die sich hier alleine und ohne Halt fühlen, gehen dorthin, um zu beten. Ich weiß, dass sich viele Muslime einen anderen Ort zum Beten wünschen. Ich habe jetzt einigen von ihnen angeboten, sich erst mal bei mir zu Hause zum gemeinsamen Gebet zu treffen . Aber das kann natürlich nur vorüber gehend eine Lösung sein.“

Recht hat er. Aber kennen Sie eine andere?

 

[Foto: Gebetsraum – Die Kuppel der Merkez-Moschee, Duisburg; CC Zairon]

LATE N(EI)T

28. März 2013

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Während im gefühlt 30. Jahr wieder die -inzwischen allerdings nur noch zweidimensionalen- Eier über unserer Großen Straße baumeln, hat sich Jan Kieseling für seinen Ratskeller/1549 zu Ostern etwas ganz besonderes ausgedacht. In der Nacht von Ostersonntag auf Ostermontag wird das 1549 in ein Spiegelei Restaurant verwandelt und Emsländer können das machen, was sie nach dem Feiern immer noch am liebsten machen, nämlich Spiegeleier essen!

Los geht es im Menü bei schmalen 2,50 € ! Aber auch eine Straußenei-Platte für 10-12 Personen für 69,99 € ist im Angebot.

ACHTUNG! Das LATE N(EI)T wird es nur in dieser Nacht geben! Los geht es um 23 und Schluss ist morgens um 6 Uhr

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prollig

13. März 2012

OK, man muss sich wohl damit abfinden, dass dieser Stadtbaurat aus Oldenburg kein Interesse an Stadtgestaltung zeigt und die CDU sowieso nicht. Man lässt zu und machen und Lingens Innenstadt wird mit immer mehr Werbemüll grandios zugepflastert.  Die Werbung für die Lohner Landbäckerei und die Andreasapotheke am Haus Lookenstraße 12 sind rare, löbliche Ausnahmen und wenn man sich gerade darüber freut, zerknallen die zahllosen Geschmacksverirrungen die Reste lokaler Asthetik. Besonders daneben die Bierreklame an den Gaststätten, die Lottowerbung, die Nasenschilder quer zur Hausfassade. Die neueste Verunstaltung findet sich seit der letzten Woche am Haus Neue Straße 9a, in dem früher die lokale Niederlassung der Barmer Ersatzkasse residierte und danach lange Jahre die Firma Kamphorst Immobilien.

Jetzt ziehen Rechtsanwälte  dort ein und haben das Gebäude aus den 1960er Jahren beiderseits mit prollig-billiger

GROSSWERBUNG

behängt. Aus der Wand schauen Elektrostrippen, die werbliche Geschmacksverirrung wird künftig also wohl auch noch halogenbeleuchtet. Einmal mehr wird diese missgestaltete Visitenkarte am Eingang zur Innenstadt bauaufsichtlich akzeptiert. Im Rathaus scheint sie genauso wenig jemanden zu interessieren, wie die einige Schritte entfernten, am Konrad-Adenauer-Ring dreckig-hell leuchtenden Großwerbetafeln.

Wohin dieses gleichgültige Laissez-faire führt, zeigt ein abendlicher Besuch auf dem Marktplatz. Unser historisches Rathaus, seit fünf Jahren kitschig-schräg in modernistischer Riefenstahl-Ästhetik  beleuchtet, ist durch das Haus Große Straße 2 inzwischen gestalterisch so was von in den Hintergrund gedrängt, das es mich ärgert , auch wenn mein alter Kampfgefährte Hannes Rakers dafür verantwortlich zeichnet. Sorry Hannes, ein rotes Wohnzimmersofa, ein seit fast einem halben Jahr rot strahlender Weihnachtsstern und eine sich in den Vordergrund drängende,  kleinteilige Fensterfront auf der einen und Werbeschriften an der anderen Seite mit beidseitigen Dachflächenfenstern ganz oben … der alte Stadtbaurat Nikolaus Neumann hätte das zu recht niemals zugelassen. Das konnte nur entstehen, weil der Hochschuldozent, der jetzt mehrmals in der Woche den lokalen Stadtbaurat gibt, offenbar so wenig Interesse an Lingen und noch weniger Ahnung von Stadtgestaltung hat. Allabendlich wird bekanntlich unser kleines Rathaus zu allem Überfluss zusätzlich hintergrundbestrahlt von der IntersportAdventure-Neonreklame an Huesmanns missglücktem, disproportioniertem Neubau am Ende der Großen Straße. Wer hinschaut sieht, dass das 400 Jahre alte Bauwerk nicht mehr unseren Marktplatz prägt und das ist ästhetisch eine geschichts- wie gesichtlose Unverschämtheit oder auch einfach nur schade. Im Herbst 2013 geht die 8-jährige Amtszeit des Oldenburgers zu  Ende. Sein Nachfolger wird 30 Jahre brauchen, um die Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Kivelingstraße

6. Mai 2011

Gefunden heute bei den BürgerNahen:

„Die Kivelingstraße ist für den Autoverkehr jetzt gesperrt – genau zwischen Parkhaus und Eingang eines Modegeschäftes am Ende der Großen Straße. Gründe aus Sicht der Verkehrssicherheit gibt es dafür nicht: Die Recherchen der BürgerNahen ergaben bisher, dass es sich bei dieser Stelle zumindest nicht um einen Unfallschwerpunkt handelt. Wir vermuten als Grund der Sperrung eher die gewünschte Anbindung des Modegeschäftes an die Fußgängerzone (die LT berichtete darüber ausführlich am 4. Mai 2011). Gestern erreichte uns der folgende Brief eines Bürgers, dessen Meinung wir teilen…“

Weiter auf der Seite der BürgerNahen

Der (lokalpolitische) Kern der Dinge:

„Wir BürgerNahen glauben einfach, dass in Lingen nicht jeder machen kann, was er will, nur weil er der „richtigen“ Partei angehört. Dabei ist es uns egal, ob es sich um Kraftwerke oder Modegeschäfte handelt.“

(Grafik: (C) Die BürgerNahen)

Family-and-friends

20. April 2011

Kraftfahrzeuge können -nach gefühlt 80 Jahren- aus der „Kirchstraße“ ab sofort nicht mehr Richtung Straße „Zum Neuen Hafen“ abbiegen und nur noch in westlicher Richtung durch die  „Mühlentorstraße“  zum „Konrad-Adenauer-Ring“ fahren. Vom „Konrad-Adenauer-Ring“ kommen sie über die Straße „Am Gasthausdamm“ bis zur Kreuzung „Mühlentorstraße/Am Wall-Süd“ und müssen dann sehen, wo sie bleiben. Und die Anlieger der „Kivelingstraße“ brauchen Ideen, wie sie, ihre Besucher und Lieferanten zu ihren Wohnungen gelangen.

Denn die „Kivelingstraße“ ist für Kfz-Fahrer zwischen Parkdeckzufahrt Modehaus Huesmann und „Kirchstraße“ gesperrt.  Mit dem – zuerst nur bis zum 31. März 2010 (zehn!) gesperrten, dann bereits im vergangenen August als jetzt bevorstehend angekündigten– Abschluss der Hochbaumaßnahmen in der „Mühlentorstraße“ ist die Verkehrsführung den Interessen des Investors einseitig angepasst worden. Hintergrund der Änderung ist eine Family-and-friends-Zusage der früheren Lingener Verwaltungsspitze an Investor Andreas Huesmann:

Sein neues Geschäftshaus in der Kivelingstraße wollte er  besser an die Innenstadt angebunden wissen und forderte eine Fußgängerzone vor der Tür oder jedenfalls etwas Vergleichbares. Das versprach man ihm. Radfahrer sind von dieser Änderung nicht betroffen;  Radfahrer können die genannten Straßen weiter in beide Richtungen befahren. Die zuständigen Ratsausschüsse fassten die entsprechenden Beschlüsse für diese Änderungen im vergangenen Jahr, meldet die Stadt. Allerdings hatte der aus Oldenburg stammende Stadtbaurat mit dem Plan vor genau zwei Jahren im zuständigen Planungs- und Bauausschuss, der zusammen mit dem Verkehrsausschuss tagte,  eine herbe Niederlage erlitten. Der Ausschuss stellte den Plan als unausgegoren zurück, obwohl er trickreich-wie schon zuvor einmal– in einem Gesamtpaket verstecktwar.Monate später brachte dann die Verwaltung ihre, dem Investor versprochene Planung vorsichtshalber nur noch  im Verkehrsausschuss neu ein und dort lief er, ungetrübt von planerischen Kenntnissen, glatt durch. Der Verwaltungsausschuss genehmigte anschließend. Danach schraubte Investor Huesmann, der auch nicht überteuert ein Nachbargrundstück hinzuerwerben konnte,  illegal bunte Leuchtreklamen an das neue Bekleidungskaufhaus (sind immer noch da und werden bei Dunkelheit leuchtend von einem markanten Wohnzimmerdecken-Kandelaber gekrönt) und vor einigen Monaten an das hinzugemietete Eingangshaus Große Straße 3 gleich zwei Camel-Nasenreklameschilder in unterschiedlicher Höhe. Sie verzieren jetzt optisch  das Ensemble Historisches Rathaus/Posthalterei  – und kleben an einer Fassade, die mit Steuergeldern vor 20 Jahren in einen optisch erträglichen, dem Ursprünglichen nachempfundenen  Zustand (Bild) versetzt worden war, nachdem sie jahrezehntelang durch einen davorgesetzten Schuhkarton („Köhne -Haus der Dame„) missgestaltet worden war (Übrigens war das damals so modern wie später in den 1970ern die Korbmarkisen und heute die in Lingen zügellos  wuchernde Reklame).
Was macht unser desinteressierter Oldenburger  Stadtbaurat? Alles genehmigt, geduldet, mitgemacht, weggeguckt – ganz bequem und klebrig mauschelig.  Nur was dieser kommerzielle Werbezeitgeist mit ehrlicher, am Gemeinwohl ausgerichteter Stadtpolitik und Stadtgestaltung zu tun hat,  bleibt ein Rätsel.  Und hat eigentlich jemand die Kivelingstraße teilweise eingezogen, also straßenrechtlich ent- bzw. in eine Fußgängerzone umgewidmet? Dazu muss ich allerdings sagen, dass dies nur rechtlich zwingend erforderlich ist. Family and friends können offenbar auch ohne. Denn wahrscheinlich ist das Nieders. Straßengesetz bei den Investor-Gesprächen wie die Gestaltungssatzung für Werbeanlagen gleich mit außer Kraft gesetzt worden. Wie tönen unsere lieben Slime-Punks? Richtig:  Legal, illegal, scheißegal.

Beziehungsachse

27. August 2010

Mit einem Bußgeld muss der Lingener Unternehmer Andreas Huesmann rechnen. Der Grund: Die Werbung für sein neues Geschäftshaus in der Großen Straße widersprechen der städtischen Satzung, die die Werbeanlagen im Stadtzentrum regelt. Sie legt fest, dass Werbeanlagen nur höchstens direkt oberhalb des Erdgeschosses angebracht werden können. Huesmann hängt seine Intersport- und Firmenwerbung gleich drei Etagen höher. Stadtbaurat L.: „Die Werbeanlagen sind nicht genehmigungsfähig und verstoßen massiv gegen die städtische Werbesatzung, weil sie oberhalb des Erdgeschosses angebracht wurden.“

Dabei war dem Unternehmer ausdrücklich untersagt worden, die Werbeanlagen am Gebäude anzubringen. Als ein Mitarbeiter des Bauamtes die Baustelle inspizierte, weil ein Hubsteiger aufgestellt werden sollte, erfuhr er von dem Vorhaben, verwies auf die Gestaltungssatzung und erließ sofort eine Untersagungsverfügung. Bauherr Andreas Huesmann ließ trotz dieser mündlichen Anordnung die Werbeanlagen anbauen.

In der kurzen Ausschussdebatte darüber hatten die Ratsmitglieder Heinz Willigmann (SPD) und Dr. Karl-Heinz Vehring (CDU) mit den Werbeeinrichtungen keine Probleme. Vehring fragte geradezu treuherzig, „ob die Werbung am Lookentor nur eine Ausnahme darstellten“, was Stadtbaurat L. bejahte. Der Eindruck, den der CDU-Mann erzeugte, ist fatal: Will er die Ausnahme zur Regel machen? Dabei würde er „übersehen“, wie die historische städtebauliche Sichtachse vom Markt überlagert und zerstört wird durch den neuen, überdimensionierten Baukubus am Ende der Großen Straße nebst Neonreklame. Altes Rathaus links, Alte Posthalterei rechts und dazwischen Intersport Adventure.

Mein Eindruck: Längst ist vielen Ratsmitglieder die (Werbe-)Gestaltung des Stadtzentrums gleichgültig. Sie ordnen sie dem Kommerz unter. So machte vor zwei Wochen beispielsweise Ratsmitglied Stefan Heskamp (CDU) bei der Ausschussdiskussion um Werbesünden und Satzungsverstöße auf dem Markt klar: „Ich habe damit keine Probleme“. Auch jetzt am Montag habe ich jedenfalls der laissez-faire-Einstellung, wie sie Heinz Willigmann („Ist doch nicht so schlimm!“) vertrat, widersprochen.

Denn die Lingener Altstadt um den Markt ist nahezu unser einziges architektonisches Kulturerbe. Kommerzielle Werbeanlagen für „Intersport Adventure“ und „Huesmann-Bekleidung“ sind das nicht. Sie stören dieses Erbe und wollen das auch. Unternehmer Huesmann – so die LT- will diese Störung, weil er „dringend diese Art der Werbung (braucht), um damit eine Sichtbeziehung zum Marktplatz herzustellen.“ Ja, eben. Das Ensemble Marktplatz ist ihm da -sagen wir- wurscht und hat sich seiner Unternehmerentscheidung unterzuordnen, am Ende der Großen Straße zu investieren!

Hängen wir den Denkmalschutz dann also mal ganz hoch auf: Nach dem UNESCO-Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt von 1972 ist Deutschland zu einem ausreichenden tatsächlichen und rechtlichen Schutz seines Kulturerbes verpflichtet. Das betrifft Denkmäler, Ensembles, Stätten – auch in Lingen und auch wenn jemand „Geld in die Hand nimmt“ (Renate Seiler, CDU) und die Ratsmehrheit schon dadurch in hemmungslose Verzückung und distanzloses Jubeln gerät.

Deutlich fachkundiger ist da die Beurteilung einer Stadtplanerin, die im Mai im Rahmen einer Tagung die Stadt besuchte. Sie schrieb: „Das Haus kann keinen Solitärcharakter entfalten und passt auch nicht harmonisch in die vorhandene Baugestaltung. Blumenarrangements können den Klotz gestalterisch eventuell noch retten.“ Jede(r sieht, es werden viele Blumen sein müssen.

Aufschlussreich ist schließlich, was Andreas Huesmann laut heutiger LT über die Entscheidungsfindung berichtet: „Ich habe mein Projekt im August 2008 der CDU-Fraktion und dem Stadtrat vorgestellt und Zustimmung erfahren.“ Ach so, bei der CDU gab es Zustimmung. Im Ausschuss war der Investor jedenfalls nicht. Wenn ein netter Mann, der Andreas Huesmann sein kann, der CDU sein Vorhaben erklärt, braucht man keine Debatte, kein Modell, keine maßstäbliche Darstellung und keine große Diskussion im Ratsausschuss. ein paar bunte Bildchen mit aufgemalten Bäumchen müssen da reichen (guckst Du…). Muss wirklich nicht, wenn man schon die CDU überzeugt. Offenbar soll es so filzhaft weitergehen: „Das Gespräch suchen“ möchte Andreas Huesmann, wie er am Donnerstag dem LT-Redakteur sagte. Wieder nur bei der CDU, frage ich mich, damit auch die Bußgeldfrage elegant geregelt wird? So werden dann wohl aus bloßen Sichtachsen handfeste Beziehungsachsen.

Huesmann gewährt der Lokalzeitung auch weitere, interessante Einblicke in die Entscheidungswege in Lingen. So habe er „unter anderem vom damaligen Oberbürgermeister Heiner Pott die Zusage bekommen, dass die Sanierung der Kivelingsstraße im Gleichklang mit seinem Neubau erfolgt“. Der Planungs- und Bauausschuss hatte die damit einher gehende, nicht billige und überflüssige Umwandlung der Kivelingstraße in eine Fußgängerzone jedoch abgelehnt. Inzwischen ist das Projekt in einem anderen Ratsausschuss elegant in den zugesagten Hafen gesegelt worden.

Was jetzt zu erwarten ist? Die sich ach so heimatbewusst gebende CDU wird die Huesmann’schen Werbeanlagen. absegnen. Für die Christdemokraten um Vehring, Heskamp & Co ist die Stadtgestaltung nur Mittel zum (kommerziellen) Zweck. Anderen ist es egal. Von Denkmalschutz hält die Ratsmehrheit in Wahrheit nichts. Ich denke daher schon darüber nach, was passieren wird, wenn BurgerKing die „Alte Posthalterei“ als Objekt kommerzieller Begierde entdeckt und „Geld in die Hand nimmt“.

Nachtrag:
Lassen Sie sich bitte nicht durch die Fotos in der heutigen Presse täuschen. Weil wir ja aktuell die Fußball-WM feiern, hängen nämlich deutsche Flaggen in der Großen Straße, und dazu auch, weil wir Kleinstadt sind und das auch zeigen, reihenweise Schützenfestwimpel. Diese Textilfetzen verdecken für die Passanten perspektivisch noch die Sicht auf den neuen „Klotz“ am Straßenende.

(Foto: historische Sichtachse auf dem Marktplatz Lingen, dendroaspis2008 -Ausschnittsvergrößerung- )

positiv

19. Oktober 2009

querbeetAlso, meine Frau sagt mir gerade, ich solle nicht so viel schimpfen. Meine Kollegin beanstandet „zu viel und viel zu lange“ Beiträge zur Atomenergie (Dialog: „Kann ich nicht mehr lesen!“ – „Is aber wichtig!“). Beides erinnert mich an meine immerwährende Verpflichtung, auch über Positives in Lingen (Ems) zu berichten. Also, bitte schön:
„Querbeet“ heißt ein neues Gemüse- und Obstgeschäft, das den Versuch unternimmt, am Ende der Großen Straße für etwas (regionales) Leben zu sorgen. Mit heimischem und anderem Obst, Säften, Salaten, Wurst- und anderem, was auf Brot und Brötchen gehört, Salaten und Eintöpfen – lecker und erfrischend! Diese Neugründung find ich richtig gut und wünsche den Querbeterinnen um Gerlinde Thedering (Inhaberin), Geschäftsführerin Gabriele Gutbier und die Mitarbeiterinnen Gisela Preun und Annegret Musekamp einfach, schlicht und herzlich „Viel Erfolg!“.

zuhause-2

10. August 2009

sivu_majoitusNach ein paar Tagen Urlaub bin ich nach Lingen zurück. War schon mal so. Die Säulen am Kreisverkehr Lindenstraße sind wassergefüllt und werden gerade, als ich vorbei fahre, von Katalanen umlagert, die den Schriftzug Salt bewundern. Ich frage mich, was ich denken würde, stellte man mir bei einem Besuch in der  katalanischen Partnerstadt Salt einen Kreisverkehr mit Schriftzug Lingen vor. Hier wird derlei offenbar als touristisch-partnerstädtisches Highlight empfunden, dessen etwas zwanghafte Gestaltung sich mir weiterhin nicht erschließt.
Unser Stadtbild hat mich also wieder: Die Drecktankstelle ein paar Meter weiter ist noch da, aber das behutsam in das Stadtbild eingepasste „Haus Johannigmann“ am Ende der Großen Straße ist weg und wird durch ein vierstöckiges „Heute-baut-man-eben-so“-Glashaus ersetzt. Ich ärgere mich, dass auch an dieser Innenstadtbaustelle keine Bodendenkmalpflege stattfindet. Das „Hotel zur Post“ in der Marienstraße verfällt trotz bindenden Vertrags mit dem Eigentümer  weiter vor sich hin. So ändern sich die Zeiten. Vor 20 Jahren ist man viel bewusster mit der Lokalgeschichte umgegangen. Selbst die CDU, für die es längst ausreicht, dass heute irgendwer „Geld in die Hand nimmt“ und alles ist gut.

413 E-Mails grüßen mich, als ich nächtens nicht mehr schlafen kann. Eben um 6.15 Uhr beginnt der Mann mit dem Rüttler in der Lookenstraße seine Tätigkeit, mit der auf diese Weise die Anwohner seit Wochen morgendlich frisch hochgerüttelt werden. „Die Baustelle muss ja auch fertig werden!“  – angeblich irgendwann vor Weihnachten. Mittendrin lese ich, dass der Marktplatz nicht umgepflastert wird, jedenfalls „nicht vor 2011“, weil man „Rücksicht auf das Kivelingsfest“ nehmen wolle. Die Marktanwohner müssen also auf das Aufgerütteltwerden noch etwas verzichten.

Mein Blick aus dem Fenster bestätigt, was ich schon weiß: Keine Birken und Kiefern mehr davor und kein blaues Wasser. Der Himmel ist arbeitstäglich grau. Also, der Urlaub 2009 ist vorbei und überhaupt:
Warum soll es mir anders gehen als Ihnen?

Bäume

19. März 2009

Aufgefallen ist mir, dass bei allen wundersamen Bauwerken, die unter der Ägide von Stadtbaurat Georg Lisiecki im Lingener Planungs- und Bauausschuss den Blicken und Fragen der Ratsmitglieder vorgestellt werden, stets grüne Bäume die Architektenzeichnungen zieren und vor den Neubauvorhaben platziert sind – Bäume, die in der Realität nicht da sind oder da sein werden. Das Ärztezentrum ist so ein Beispiel, bei dem man sich an der Straße abstandsmäßig kräftig vermessen hat. Aufmerksame Lingener haben davon gehört und wissen: „Ein Meter mehr oder weniger kann ja schon mal passieren.“ Inzwischen gibt es ganz aktuell diese neue Trickserei:

Vielleicht haben Sie davon gehört, dass am Ende der Großen Straße der tatkräftige Lingener Einzelhändler Andreas Huesmann ein neues Bekleidungskaufhaus bauen will. Der „Kopf “ dieser Straße wird also neu gestaltet. Wie er künftig aussieht, entscheidet Herr Huesmann. Denn am Stadtbild ausgerichtete Vorgaben für die Gestaltung des Neubaus enthält der eigens im Aufstellungsverfahren befindliche Bebauungsplan für diesen Bereich nicht.

Keine Frage: Eine Investition an dieser Stelle tut gut. Die Große Straße braucht Initiative. Aber wenn Sie ein paar Minuten Zeit finden, stellen Sie sich einfach einmal auf den Marktplatz. So erkennen Sie schnell, wie problematisch der jetzt vorgesehene Neubau ist, liegt er doch genau in ihrem Blick, wenn Sie auf  das Ensemble von historischem Rathaus und historischer Posthalterei sehen. Sozusagen genau zwischen beiden Baudenkmalen, da wo jetzt am Ende der Großen Straße der wohltuend unspektakuläre Fachwerkgiebel des ehem. Stoffgeschäftes Johannigmann zu sehen ist, entsteht der neue Hausblock. Machen Sie sich eine Vorstellung über die Dimension des Neubaus und drehen Sie sich einfach um 180°. Sie sehen platanenfrei auf das Eckhaus Marienstraße/Lookenstraße („Douglas“). So hoch und  und massig wie dieses Gebäude wird mit drei Vollgeschossen plus Dachgeschoss der neue Baukörper am Ende der Großen Straße, allein das Dachgeschoss des Neubaus ist etwas versetzt. Er wird also die historische Maßstäblichkeit erdrücken. Sie sind skeptisch? Nun, dann gehen Sie einfach direkt zur geplanten Baustelle und sehen auf das Nachbarhaus zur Linken, in dem jetzt ein Bekleidungsgeschäft ist und früher ein Aldi war. Genauso hoch wie dieses Gebäude wird der Neubau – nur ohne Spitzgiebel, aber mit Flachdach und mit einem mehrstöckigen Glaskasten hin zur Großen Straße. Georgs Lampenladen.

Die Mehrheit im Ausschuss hat das Projekt unlängst begeistert durchgewunken. Sie jubelt über die Investition und weigert sich,  irgendwelche  Gestaltungselemente und -vorschriften zu diskutieren, zu entwickeln und im Bebauungsplan vorzuschreiben. Damit macht sie deutlich, dass ihr die Gestaltung des Stadtzentrums letztlich selbst da total egal ist, wo Lingens Schokoladenblick auf das historische Rathaus und auf die historische Posthalterei darunter leidet.

Bei ihrer Verweigerung lässt die Mehrheit sich nach meinem Eindruck geradezu lustvoll-gern täuschen. Denn die vom Stadtbaurat dem Ausschuss präsentierten Fotomontagen (aus etwa der Mitte der Großen Straße auf den Neubau gesehen) boten die Sicht auf großkronig wirkende Bäume im Sommer, die fast die Hälfte der neuen Fassade verdeckten und die Massigkeit des Neubaus nur erahnen lassen. Nun gut, die auf den Montagen dargestellten Bäume sind vor sechs Wochen gefällt worden, um die Große  Straße neu zu gestalten. Aber für die Ausschussmehrheit reicht die lügende Fotomontage immer noch. Sie fragt auch nicht danach, wie denn die Neon-Werbung für das neue Geschäft aussehen wird. Oder welche Materialien und welche Farben verwendet werden sollen. Sie lässt nur zu, weil „jemand Geld in die Hand nimmt“ (O-Zitat), und winkt claqueurhaft durch. Dabei, sollte man meinen, tragen doch Ausschuss und Verwaltung die Verantwortung für das Lingener Stadtbild.

Für’s Lingener Stadtbild aber reicht der CDU-Mehrheit eine schlechte Fotomontage, in der  vor einer Glasklotz-Fassade, die den historischen Blick auf das alte Rathaus dauerhaft belastet, nur bildhaft grüne Bäume eingeklebt werden. Da werden Bäume in Lingen auch von denen gebraucht, die sonst die Säge schwingen –  bezeichnenderweise aber nur für  ein täuschendes Foto.