Heute in einer Woche, also am 24. Juni, findet bundesweit der Tag der Architektur 2018 (statt.  Unsere Städte sind im Wandel – neue Quartiere entstehen, bestehende Quartiere werden neu entdeckt und verändern ihr Gesicht. Am Tag der Architektur sind beispielhaft verschiedenste Objekte geöffnet – vom Einfamilienhaus bis zum ganzen Wohnquartier. In der Region laden Architekten und Bauherren zum Blick hinter folgende Fassaden ein:Auch im Emsland und der Grafschaft Bentheim. Unsere Region ist aber -nun sagen wir- nicht wirklich vorn, was gute Architektur betrifft. Das hat in der letzten Woche auch wieder die Verleihung des Niedersächsischen Staatspreises für Architektur gezeigt. Dabei hat es leider kein einziges Projekt aus unserer Region an Ems und Vechte auch nur in die Vorschlagsliste geschafft.

Hier geht es zur App und hier zum  Programmheft der Architektenkammer Niedersachsen, von deren Seite auch die Fotos dieser zu besichtigenden Objekte in unserer Region stammen. Leider sind es nicht sonderlich viele und darunter auch ein Baudenkmal mit einem anthrazitfarbenen Dach…nun ja:

(Übrigens gibt es im benachbarten Westfalen zeitgemäße Architektur in Rheine, Ahaus, Emsdetten, Greven, Tecklenburg und natürlich in Münster zu sehen. Mehr)

Dörpen

Emsbüren

Lingen (Ems)

Lingen (Ems)

Nordhorn

Schüttorf

Wietmarschen

Durchblick

17. September 2011

Postbriefkasten: Kein Wahlamt oder Wahllokal

Die Lingener Verwaltung hat das Wahlergebnis der Kommunalwahlen an einigen Stellen „geringfügig korrigieren müssen“, berichtet heute die LT. In einem Fall sei ein vom Wahlvorsteher am Wahlabend als Schnellmeldung telefonisch durchgegebenes Wahlergebnis für eine Partei später anhand des schriftlichen Protokolls berichtigt worden. Außerdem seien zwischen 15 und 20 für ungültig erklärte Stimmzettel nach nochmaliger Prüfung für gültig erklärt worden.

Besonders ärgerlich: Knapp 300 Stimmen von 95 Briefwählern sind bei der Kommunalwahl am vergangenen Sonntag in Lingen unberücksichtigt geblieben. Sie stammen ausnahmslos von Briefwählern, deren Wahlbriefe erst am Montag bei der Stadt eintrafen. Die Wahlbriefe hatten das Wochenende über irgendwo bei der Post gelegen – viele im Osnabrücker Briefzentrum der Deutsche Post AG. Gegenüber der LT erklärte dazu Lingens Erster Stadtrat Dr. Ralf Büring gestern, dass ein Bote der Stadt „noch am Samstag zur Postfiliale gegangen sei und nachgefragt“ habe, ob „noch Wahlbriefe eingegangen“ seien. Dies sei dort verneint worden. Die Postfiliale, weiß auch Ralf Büring, ist aber kein Briefzentrum.

„Diese 95 Briefwähler werden in der Statistik als Nichtwähler registriert, weil Stimmen, die nach 18 Uhr am Sonntag eintreffen, nicht mehr berücksichtigt werden können“, erläuterte Stadtwahlleiter Büring, womit er recht hat. Aber seine Aussage, dass alle inzwischen vorgenommenen Korrekturen und auch die unter den Tisch gefallenen Wahlbriefe keinen Einfluss auf die Mandatsverteilung in den Ortsräten und im Stadtrat gehabt hätten,wundert mich.

Damit zeigt Ralf Büring einen Durchblick, um den ich ihn echt beneide. Offenbar weiß er nämlich, wie die 95 Briefwähler abgestimmt haben, andernfalls er ja nicht sagen könnte, dass sich dadurch nirgendwo was verschoben hätte. Andererseits dürfen die Briefe nicht geöffnet werden. Den beneidenswerten Durchblick hat Ralf Büring aber trotzdem…

Die liegen gebliebenen Wahlbriefe ärgern mich. Dass sie nicht rechtzeitig im Rathaus eingetroffen sind, kann verschiedene Gründe haben und ist keineswegs nur der Gleichgültigkeit der betreffenden Briefwähler geschuldet. Das Problem zeigt sich seit den 1990er Jahren als Folge der organisatorischen Änderungen im Postbriefdienst. Wurden die Wahlbriefe früher nämlich aus den Briefkästen zunächst auf lokalen Postämtern gesammelt und konnten von dort immer den gemeindlichen Wahlämtern überbracht werden, werden sie inzwischen nach der Briefkastenleerung praktisch direkt in regionale Briefzentren gebracht. Bei uns Osnabrück, angrenzend auch Greven und Oldenburg. Wahlbriefe, die nach der letzten Leerung der Briefkästen am Freitag in mit einem roten Punkt gekennzeichnete Briefkästen eingeworfen werden, gelangen zwar am Wahlsonntag noch in die genannten Briefzentren der Deutschen Post. Dort aber werden sie wie x-beliebige Drucksachen nicht weiterbearbeitet und bleiben liegen. Es sind ja auch nur Wahlbriefe, denkt sich die Post wohl und hält sie offenbar nicht für besonders wichtig.

Dabei ist das Problem einfach zu lösen, wenn die besonders gekennzeichneten Wahlbriefe jedenfalls in den Regionen, in denen gewählt wird oder die an solche angrenzen, durch einen Postkurier zur jeweiligen Gemeinde gebracht werden. Es sind nämlich, liebe Post, wichtige Briefe. Eine Nachfrage bei der Lingener Postfiliale am Samstag ist hingegen reichlich sinnfrei und hilft nicht. Da hätte man schon in den Briefverteilzentren der Rehion aktiv sein müssen. Es ist wohl Zeit, dass der Gesetz- oder Verordnungsgeber in diesem Punkt handelt und der postalischen Gleichgültigkeit ein Ende setzt.

( Briefkasten im Norden; Foto (c) Joachim Müllerchen, CC )