Kampfreh

15. Februar 2012

Ich kann nicht schlafen. Bloggen hilft da bisweilen. Und jetzt find ich dies: Ganz früh heute morgen hat Marc Riße („Twittarisse„) bei (s)einem Streifzug durchs Internet ein Twitter-Mutterschiff entdeckt, das auf bemerkenswerte Weise an den größten politisch-menschlichen Lingener Missgriff der letzten Jahre erinnert:  Dr. Godula Süßmann, die samt Hund den örtlichen Grünen den Rücken drehte, obwohl sie nur Tage zuvor über deren Liste in den Stadtrat gewählt worden war, und sich über Nacht Jens Beeck anschloss, der das arg zerzauste FDP-Fähnchen hochzuhalten versucht.
Kampfreh! So nennt sich die Untreue twittermäßig im Internet. Ihr –bitte in dieser Liste unbedingt nachzutragender!– Nom de guerre ist nach Art des Süßmann nicht unbekannten Siegmund F. so wunderherrlich, dass dieser im digitalen Unterholz entdeckte @Kampfreh-Account eigentlich nur eine Fälschung sein kann. Doch warum folgt als einziger ausgerechnet der neutwitternde  CDU-Fraktionsvorsitzende im Lingener Stadtrat dem Kampfreh in einer ansonsten leeren Accountwüste? Für meinen BürgerNahen-Kollegen Marc Riße  ist Kampfreh der Tweet des Monats. Doch ein Tweet ist der Account ja nicht einmal. Mir müdem Blogger ist dieses Internetplätzchen daher erst mal ein Rätsel.
Kampfreh hat noch nichts getwittert – doch jetzt weiß ich dank ihr immerhin, dass ihr Follower @HillingUwe seinerseits der Bildzeitung, Piratenpartei und Thomas Pertz folgt – und Sascha Lobo.  Das alles ist heute früh für mich in seiner ganzen Erkenntnisbreite  zu reichlich und  ich leg mich dann besser noch einmal ’ne Stunde flach, bevor mich auch noch die Dissertation von Frau S. -war sie nicht über mittelalterliche Klöster? – umtreibt oder auch die gestrige Linsensuppe von Ralf Büring. @Lingen_Fehler übernehmen Sie! …

Hirschkäfer

29. November 2011

Die BürgerNahen und die Grünen in Lingen kritisieren weiter den Stadtratsbeschluss  in Lingen, für die Erweiterung des Parkplatzes am Golfplatz in Altenlingen-Beversundern zahlreiche wertvolle Bäume fällen zu lassen. „Dieser Beschluss muss besorgte Bürger brüskieren, die gegen die Klimakatastrophe etwas unternehmen wollen. Ökologisch wertvolle Bäume sollen fallen, damit die Golfer einen größeren Parkplatz erhalten“, erklärte Michael Fuest (Grüne). „Wir stellen mit unserer Position weder jemanden an den Pranger noch wollen wir ihn ins Gefängnis bringen, wie uns böse Zungen vor wenigen Tagen unterstellt haben. Wir kämpfen aber hier mit Ausdauer seit Jahren – und das schon seit Beginn der Beratungen am 13. November 2008 – für den Erhalt dieser Bäume und der Natur und gegen diesen ökologischen Unsinn.“

In diesem Zusammenhang verwies Ratsherr Fuest darauf, dass bereits während der ersten Beratungen  2008 von der Unteren Naturschutzbehörde über Hirschkäfervorkommen in diesem Waldgebiet gesprochen wurde.  Hirschkäfer (Lucanus vervus) sind nach der FFH-Richtlinie (Richtlinie 92/43/EWG DES RATES vom 21. Mai 1992) eine Spezies „von gemeinschaftlichem Interesse“, für deren Erhaltung die Mitgliedsstaaten der EU eine besondere Verantwortung und Verpflichtung haben. Die beabsichtigte Abholzung betrifft den Lingener FFH Schutzbereich Ems (Kartenausriss oben) verletzt damit EU-Recht -ein Umstand, den in Lingen offenbar keinen Verantwortlichen interessiert. Die Fraktion der BürgerNahen hat daher jetzt die zuständige Landesbehörde um Tätigwerden gebeten.

Als kaum zu glauben bezeichnen nicht nur die Grünen, „was jetzt, zwei Tage nach dem Ratsbeschluss bekannt wurde: ‚Der Golfclub will für die Umbauarbeiten an Driving-Rance und für die neuen Parkplätze jetzt auch noch über 173.000 Euro an öffentlichen Zuschüssen haben, und davon 70.000 Euro von der Stadt. Frei nach dem Motto: Haben wir erst den Beschluss in der Tasche, bekommen wir als Belohnung auch noch die städtischen Zuschüsse dazu“, kritisierte die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Birgit Kemmer. Der Kritik haben sich die BürgerNahen am Montag angeschlossen. Sie werden im Sportausschuss den Antrag ablehnen.

Noch ein erwähnenswertes Detail: Ratsmitglied Godula Süßmann, die noch vor einem Monat vor ihrem Übertritt zu den Liberalen als ‚Grüne‘ für den Erhalt von Bäumen und für den Schutz der Tiere eingetreten ist, enthielt sich jetzt bei der Abstimmung im Rat der Stimme.

(Quelle)

Felix

9. November 2011

Huiiii. Nach dem hilflosen Versuch der Legendenbildung durch Beeck/Süßmann („Die liberale Fraktion“) gestern in der Lokalzeitung, keilen die Grünen heute zurück. „Lüge“ lese ich. „Schlichtweg Lüge“. Und es sickern Details durch und werden schon im Litfass an der Theke kolportiert: Godula Süßmanns Hündchen Felix soll eine Rolle spielen, weil es nicht an einer Grünensitzung teilnehmen durfte.

Nun, diese qualifizierte Kränkung wäre  mir fast egal, Freunde. Mich beschäftigt eine ganz andere Frage: Wenn sich Jens Beeck und Godula Süßmann (Foto lks.)  vor dem 1. November einig waren aber ihre Einigung nur nicht bekannt gegeben haben, hätte Frau Süßmann dann womöglich mit diesem vertraulichen Handschlag ihr Mandat verloren? Oder durfte sie darüber und  über ihren Austritt täuschen?

Lieber Stadtwahlleiter Ralf Büring, mich würde schon interessieren, was Du als Erster Stadtrat darüber denkst. Und was meint der Innenminister und was der Städtetag? Man kann ja mal nachfragen, was rechtlich gilt: Die materielle Verabredung oder ihre formale Mitteilung. Vielleicht können ja auch Birgit Kemmer & Co mal prüfen (lassen), was gilt. Ich denke jedenfalls nicht, dass der Zahn der zeit darüber Gras wachsen lassen sollte (Das ist eine persönliche Metapher für Blogleser Michael S.)

(Foto: © Grüne-ELS)

Schäbig

3. November 2011

Wann hat es das in den letzten 20 Jahren schon mal gegeben? Mehr als zwei Stunden debattierte und wählte der Lingener Stadtrat gestern in seiner konstituierenden Sitzung. Aber einer schwieg: Jens Beeck hielt den Mund (und seine Partnerin Dr. Godula Süßmann natürlich sowieso). Die Reaktionen auf den  Beeck’schen Coup, mit der Grünen eine Liberale Fraktion zu gründen, war zu deftig, als dass er sich noch getraut hätte, den Mund aufzumachen.  Es war schon in dieser Hinsicht eine bemerkenswerte Sitzung

Als ich Dienstagmittag vom erfolgreichen Abwerbeversuch erfuhr, habe ich spontan gedacht, es gehe um eine Verbesserung der Finanzen; immerhin betrieben Grün und Gelb fünf Jahre lang ein gemeinsames Büro am Lingener Marktplatz bzw. in der Gymnasialstraße. Und nicht selten traten die Vorsitzende der Grünen Birgit Kemmer und der Vorsitzende der FDP Jens Beeck in gegenseitiger Solidarität  auf.  Inzwischen hat mich Birgit Kemmer überzeugt, dass meine Vermutung falsch war, finanzielle Dinge stünden im Hintergrund, und sie hat gegenüber der Lingener Tagespost erklärt, die Bürogemeinschaft mit der FDP aufzulösen. Angesichts des schweren Vertrauensbruchs von Partner Jens Beeck ein ebenso verständlicher wie richtiger Schritt.

Das Verhalten der Ratsfrau Dr. Godula Süßmann ist nämlich besonders kritikwürdig. denn am 11. September war Frau Süßmann über die so genannte Liste von Bündnis’90/Die  Grünen in den Stadtrat gewählt worden. Persönlich hatte sie nicht genügend Stimmen errungen, um direkt gewählt zu werden. Sie profitierte vielmehr von den allgemein für die Grünen abgegebenen Wählervoten. Hätte sie bis zum 31. Oktober ihren Austritt bei den Grünen erklärt und wäre zur FDP gewechselt, hätte die Listenkandidatin Godula Süßmann ihren Ratssitz verloren. Denn ihren Ratssitz erwarb Frau Süßmann erst mit Beginn der Wahlperirde am 1. November, also Dienstag 0.00 Uhr. Also beschlossen Jens Beeck und sie: Dieses Datum warten wir ab.

Ebenso wie Jens Beeck wusste Godula Süßmann ganz genau, wann sie die Katze aus dem Sack lassen sollte; beide sollen sich, wie ich höre, zuvor genau und lange mit der rechtlichen Ausgangslage befasst haben. Süßmann nahm, wie ich höre, noch am Montagabend (!) an einer Besprechung der Grünen teil, in der u.a. bestätigt wurde, dass Michael Fuest der neue Vorsitzende des städtischen Umweltausschusses werden solle.  Dabei war an diesem letzten Oktobertag längst klar, dass sie mit Jens Beeck eine neue Fraktion bilden wolle.  Jens Beeck und Frau Süßmann hatten sich fest vereinbart, ihre „Liberale Fraktion“ zu gründen. So haben sie alle, vor allem Bündnis’90/Die Grünen getäuscht. Ich nenne das schäbig.

Die Grünen fordern das Mandat zurück, um das  Godula Süßmann sie gemeinsam mit Jens Beeck betrogen hat. Zu Recht!

(Foto: Schäbiges Schild am Hause Gymnasialstraße 1 in Lingen, © robertkoop.wordpress.com)