Ems-Mädel

19. Oktober 2010

Fast  genau zehn Jahre, nachdem Mariele Fasselt, erste Vorsitzende des Frerner Kulturkreises Impulse am 23. November 2000, nach schwerer Krankheit verstorben war, ist jetzt ihr Traum Wirklichkeit geworden: Die Räumlichkeiten der ehemaligen Molkerei in Freren sind saniert und der Öffentlichkeit vorgestellt worden.  Die „Alte Molkerei“ war allerdings inzwischen auch ohne Sanierung ein Aushängeschild für sozio-kulturelle Arbeit im sonst eher nicht „kulturlastigen“ ländlichen Emsland. Die Grundlage für all dies legte Mariele Fasselt mit ihrer visionären Überzeugungskraft, die mit kräftiger Hilfe der damaligen Lingener  Landtagsabgeordneten Elke Müller (SPD) auch recht bald die Förderung der SPD-geführten Landesregierung in Hannover fand. In Freren tat man sich damit lange deutlich schwerer. Trotz einer angekündigten Investitionsbeteiligung von über 80 % der von der damaligen Ministerin Helga Schuchardt trefflich unterstützten Landesarbeitsgemeinschaft Soziokultur in Niedersachsen e.V. (LAGS) und einer positiven Reaktion des Landkreises Emsland lehnt die Samtgemeinde Freren ihren Anteil am Ausbau der Alten Molkerei zum Kulturzentrum ab. Und dies trotz eines „umjubelten Probelaufs“, bei dem die kulturellen Ideen Fasselts und ihrer Aktiven 1993 einen Sommer lang begeisterten. Ich erinnere mich gut an die zornige Elke Müller, die damals über die „Ignoranz und Kulturlosigkeit dieser Frerener Männer“ schimpfte. Heute ist dies Geschichte. Aber weiter prägt mit der  Thuinerin Maria Kuiter eine weibliche Vorsitzende die Arbeit des Kulturkreises Impulse und seiner rund 15 ehrenamtlichen Aktivisten. Der Kulturkreis bleibt das Rückgrat des Frerener Kulturzentrums. Die Erkenntnis: Die Frauen haben hier etwas bewegt und geschaffen.

Aus großer Butterhalle, kleinen und großen Milchkontoren, Speichern, Laboren, Kühlkeller und der alten Mühle ist dank vieler Spenden und noch mehr Einsatz ein vorbildliches ländliches Kulturzentrum entstanden, in dessen Mittelpunkt eine „helle, durch eine Pfeilerreihe gegliederte Halle“ (LT) steht mit offenem Mauerwerk aus Bruchsteinen, das die Historie des Hauses widerspiegelt. Rund  50 Veranstaltungen fanden dort bislang jährlich statt. Es werden mehr werden.

Auf Vorschlag von Ruth Brüne und Annette Balzer-Brüne von der Stifterfamilie heißt der  Veranstaltungsort nach der Renovierung jetzt „Ems-Mädel-Halle“. Den Namen trugen früher die nahrhaften Produkte der Brüne’schen Molkerei. „Ems-Mädel“ ist ein richtiger Name. Denn ohne die Kraft aller „Ems-Mädel“ um Mariele Fasselt, die Dritte der Brüne-Schwestern, wäre es angesichts des Zauderns der Männer mit all dem  wohl nichts geworden.

Umso schöner  nach den Jahren des Männer-Neins ist es jedenfalls, dass bei der Einweihung der renovierten Räume der  „Alten Molkerei“ mit dem Frerener  Samtgemeindebürgermeister Godehard Ritz (CDU) jetzt doch noch ein männlicher Vertreter „geradezu eine Liebeserklärung an die Alte Molkerei abgab“, wie die lokale Presse weiß. Dies zeigt dann immerhin eine gewisse sozio-kulturelle Lernfähigkeit.

Partnerschaft

17. Juli 2010

Bernhard Remmers, 51-jähriger „Korrespondent der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ (HAZ) in Osnabrück, hat nach Angaben des Branchendienstes Kress.de als Hobby den VfL Osnabrück und „gute Liturgie“. Jetzt hat er in dieser Woche für seinen Arbeitgeber HAZ den Blick nach Lingen  gerichtet und getitelt „Keiner will Bürgermeister werden“. Hannover wird aufmerksam auf die immer hektischer nach einem eigenen und -vor allem- präsentablen Kandidaten für die OB-Wahl am 12. September suchende Lingener CDU. Ralf Büring, Irene Vehring, Werner Hartke, Godehard Ritz, Andreas Kaiser, Uwe Hilling, ein Bruder von Hermann Kues, dessen Vorname mir gerade entfallen ist Matthias Kues, Heinz Tellmann, Martin Suresch, Ulrich Witte  ja schließlich sogar der ideenreiche Heinz Rolfes – alle werden und wurden gehandelt, aber keiner von ihnen will, soll oder darf bisher.

Nicht zuletzt das Privatleben spiele eine Rolle, denn „Frauen und Männer mit Karrierepotential möchten freie Zeit behalten für Partnerschaft und Familie“, weiß Journalist Remmers. Bemerkenswert für die Union: Partnerschaft nennt Remmers dabei zuerst!

Also hofft Lingens FDP-Chef Jens Beeck weiter auf die Tigerentenlösung, nämlich darauf, dass er der gemeinsame Kandidat von schwarz-gelb wird. Deshalb wohl hat er bisher seine längst beschlossene OB-Kandidatur nicht bekannt gegeben. Beeck soll sogar schon mal vorsichtig bei der ratlosen Ratsmehrheit angeklopft haben, aber da habe die Union abgewunken. Mal sehen, wie lange noch.