Reifeprüfung

20. Juli 2015

Inzwischen lässt sich auch OB Krone bei den Lingener Informationsveranstaltungen sehen und übernimmt sogar die Moderation. Natürlich liegt dies nicht daran, dass ich ihn in diesem kleinen Blog kritisiert habe sondern daran, dass…. es kommt halt einfach besser an, wenn man selbst vorn steht und nicht nur die Verwaltungsleute vorschickt. Der OB zeigt sich unerwartet lernfähig.

In dieser Woche finden am Mittwoch und am Donnerstag noch zwei weitere Informationsveranstaltungen statt. Im Stadtteil Bramsche soll „Am Bloomholt“, also westlich der B70, ebenso ein Containergebäude für 30 Flüchtlinge entstehen wie in Holthausen-Biene, wo man sich für ein Areal am Ludwig-Windthorst-Haus entschieden hat.

Eigentlich alle bisherigen Informationsveranstaltungen sind ausgesprochen sachlich abgelaufen und waren regelmäßig nach einer Stunde beendet. Bei allen standen -nach der rund 30minütigen Einführung- im Vordergrund, wie wir in unserer Stadt mit den Flüchtlingen umgehen, die zu uns kommen. Ganz anders als in den 1990er Jahren als Ängste und Sorgen zu emotionalen Debatten um die damals aufgestellten Behelfshäuser prägten, sind es diesmal Ängste und Sorgen um die Flüchtlinge, die Mittelpunkt stehen. Beispielsweise in Altenlingen, broschuere_willkommen-301wo deutlich mehr als 200 (!) Einwohner sachliche Fragen stellten. Altenlingen war insoweit etwas Besonderes, als dort von Anfang an offen und öffentlich diskutiert wurde,. In den anderen Lingener Ortsteilen wurde das verhindert entsprechende Geschäftsordnungsanträge der BürgerNahen wurden in den Ortsräten abgelehnt. Natürlich gab es in Altenlingen auch Vorbehalte gegen die Container für 30 Flüchtlinge betroffener Anwohner in der Gierenbergstraße, aber ganz wenige Ansätze polemischer oder ausländerfeindlicher Art wurden vom Publikum (!) sofort unterbunden.

Höhe- und Schlusspunkt der Informationsveranstaltung war ein emotionaler Wortbeitrag von Frau Nasari (nach eigenen Worten Perserin, nicht Iranerin), die natürlich für die Aufnahme und Unterstützung der Flüchtlinge warb. Sie bekam tosenden Beifall, was OB Krone als hervorragende Schlusswort wertete und zur Beendigung der Veranstaltung nutzte.

Es sieht ganz so aus, als ob die Lingener weiter sind als ihre Verwaltung. Sie zeigen nicht nur Empathie und Engagement sondern heißen die Flüchtlingen wirklich willkommen. Eine gelungene Reifeprüfung.

Übrigens: Wenn Sie mitwirken wollen, können Sie sich beim SKM melden oder auch bei einem der neun Lingener Ortsbürgermeister und sie können hier lesen, was alles machbar ist und wie man es am besten macht, das mit der Willkommenskultur. Die Broschüre der Amadeu Antonio Stiftung und von PRO ASYL gibt ermutigende Beispiele und Hinweise für Engagierte, Vereine, Sport, Schule, Politik und Verwaltung zur Integration von Geflüchteten und versucht, Initiativen zum Engagement für den Schutz von Flüchtlingen vor rechten Angriffen anzuregen.