Frequenz

30. Oktober 2012

Besäßen Sie einen Bus, wüssten Sie, dass Sie ein solches Gefährt alljährlich dem TüV vorstellen müssen. Daran musste ich denken, als ich gestern Abend dieses Zitat der Leiterin des Gewerbeaufsichtsamts Osnabrück Gesche Saathoff-Schichein in der Lingener Tagespost las; die Behörde hat beim Chemiewerk Hagedorn in Schepsdorf nach dem Störfall vor einer Woche einen defekten Ölbrenner stillgelegt und lobt den eigenen Einsatz jetzt selbst so:

Saathoff-Schiche: „Aufgrund der beiden Vorfälle in diesem Jahr hat es bereits umfangreiche und detaillierte Prüfungen bei dem Chemie- und Kunststoffbetrieb gegeben.“ Vor dem Hintergrund, dass Betriebe dieser Art normalerweise nur einmal im Jahr durch die Gewerbeaufsicht besucht würden, und das sei bereits die höchste Frequenz, „ist es schon auffällig, dass wir in diesem Jahr bereits viermal in Schepsdorf gewesen sind“.

Nur einmal im Jahr kommt die Gewerbeaufsicht zu Hagedorn – falls es nicht knallt. Das ist „die höchste Frequenz“. Schon vor 30 Jahren habe ich vorgeschlagen, die Osnabrücker Behörde umzubenennen in Gewerbenachsicht. Das ist weiterhin aktuell.

(Foto: Chemiefabrik Hagedorn in Lingen-Schepsdorf,(c) milanpaul via flickr)

Gar nicht

8. August 2011

Auf ihrer Wahlkampfseite berichtet die lokale SPD jetzt über eine Veranstaltung des SPD Ortsvereins Brögbern, auf der vor einigen Tagen auch OB Dieter Krone gesprochen hat.  Wir erfahren:

„Oberbürgermeister Dieter Krone ging anschließend auf Probleme der Brögberner Ortspolitik ein. Zum Thema Nahversorgung wies Krone auf laufende Gespräche hin, die hoffentlich erfolgreich geführt werden können. Der OB bekannte sich weiterhin zur Ausweisung von Bauflächen auch in den Ortsteilen und stellte für Brögbern in 2012 neue Bauplätze in Aussicht. Auch der Kindergarten werde in 2013 renoviert und erweitert.

„Das Thema Lärmschutzmaßnahmen in Brögbern wird mit den Anwohnern in einer Bürgerversammlung ausführlich und frühzeitig besprochen“, versprach Dieter Krone. Der Oberbürgermeister ermunterte die Brögberner Bürger bei Geruchsbelästigungen durch die Fleischmehlfabrik neben dem Unternehmen auch das Umwelttelefon der Stadt Lingen oder die Gewerbeaufsicht in Osnabrück anzurufen. Auch bestätigte der OB eine Anfrage zum Bau einer Biogasanlage, aber hier seien noch weitere Gespräche nötig.

Viel Beifall bekam der Oberbürgermeister, als er das Konzept für den öffentlichen Nahverkehr vorstellte. Besonders der Preis von einem Euro pro Fahrt für den Stadtbus, sowie die stündlichen Fahrten auch in den Ferien, wussten zu überzeugen.“

Fazit: Kindergarten ist in zwei Jahren, Nahverkehr ist neu – allerdings ohne den Hinweis, dass das Vorhaben nur ein Versuch ist.  Neue Baugebiete sind für die ganze Stadtentwicklung schädlich (das weiß jeder; es auszusprechen ist aber unpopulär). Ansonsten gibt es unverbindliche Empfehlungen für Telefonate und Ankündigungen von Gesprächen bzw  einer Bürgerversammlung; die komme „frühzeitig“, lese ich, als ob es nicht seit Jahrzehnten stinkt und lärmt und seit Jahren vermaist. Es sind enttäuschende inhaltliche Aussagen, bei denen man sich fragt, wo sie sich von der Sackgasse der alten „Alles-ist-so-großartig-CDU-Politik“ unterscheiden. Ich fürchte fast, gar nicht.

(Hinweis: Fettdruck von mir; Foto: Intakte Umwelt in Brögbern-Beckhook , © dendroaspis2008)