bald zu sehen

11. März 2020

Historiker der Universität Osnabrück erschließen durch die Digitalisierung einer Gestapo-Kartei Neuland. Die Ergebnisse sind bald zu sehen.

Die Gedenkstätte Augustaschacht in Ohrbeck bei Osnabrück ist ein düsterer und beklemmender Ort. Ein verwitterter Backsteinbau, blockhaft, mehrgeschossig, fast 150 Jahre alt, mit zugemauerten Fenstern. Von 1940 bis 1943 war die einstige Bergwerks-Pumpstation ein Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht, von Januar 1944 bis März 1945 ein Arbeitserziehungslager der Osnabrücker Gestapo, mit über 2.000 Häftlingen aus 17 Ländern, die meisten Zwangs­arbeiter. Über 100 haben die KZ-ähnliche Polizeihaft nicht überlebt.

Der Augustaschacht ist ein Labyrinth enger Kammern und niedriger Decken, schmaler Durchlässe und Gänge. Rissiges Mauerwerk, unebene Böden, zerschrammte Türzargen, an den Wänden Fetzen von Tapeten. Bis 1969 wohnten hier deutsche Ausgebombte und Flüchtlinge, auch von ihnen finden sich Spuren.

Michael Gander, der Leiter der Gedenkstätte, steht zwischen Kabeltrommeln, Werkzeugkoffern und einer ohrenbetäubenden Kreissäge. Elektriker und Tischler sind im Haus, Grafikdesigner, Medientechniker, Kuratoren beugen sich über Pläne und Tablets.

Anfang April wird…

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Foto: Mahnmal Augustaschacht von Stephan Rosenberger (Suncase) „Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

PISTORIUS!!!

26. Februar 2013

220px-Bleiberecht-fuer-alle„Die Geschichte hört sich an wie viele, die man aus Niedersachsen kannte – allerdings aus der Zeit, als dort noch der Christdemokrat Uwe Schünemann Innenminister war. Am vergangenen Samstag um 3.30 Uhr rückten Vertreter der Ausländerbehörde in Begleitung von zehn Polizeibeamten bei einer Roma-Familie im Kreis Lüchow-Dannenberg an, um sie ins Kosovo abzuschieben.

Eineinhalb Stunden bekam die Mutter und ihre beiden jüngeren Söhne Zeit zum Packen, dann wurden sie in ein Flugzeug gesetzt. Der Vater wurde nur deswegen nicht mitgenommen, weil der dritte Sohn, 16 Jahre alt, gerade bei Freunden übernachtete – und nicht allein in Deutschland zurückgelassen werden durfte.

Die Familie lebte seit 16 Jahren im Landkreis, seit drei Jahren sollte sie abgeschoben werden. Doch niedersächsischer Innenminister ist nicht mehr Schünemann, und die neue rot-grüne Landesregierung hatte einen „Paradigmenwechsel in der Abschiebungspraxis“ angekündigt. „Die Kinder sind hier geboren, sie gehen hier zur Schule, sie sind Teil der Gesellschaft“, sagt der Landrat des Kreises Lüchow-Dannenberg, Jürgen Schulz (parteilos). …“

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Boris Pistorius, sind Sie noch nicht angekommen im neuen Amt? Welch ein Fehlstart – unmenschlich morgens um 3.30 Uhr. Wie bei der Gestapo. Die kam auch bei Nacht und Nebel

Doch warum übt Landrat Schulz Kritik? Ich verstehe das nicht. Er ist schließlich Dienstvorgesetzter der Verwaltungsbeamten, die die Abschiebung exekutiert haben. Stoppen konnte er sie. Er sagt, unter Androhung rechtlicher Konsequenzen verpflichtet worden zu sein, die Abschiebung durchzuführen. Lächerlich. Welche Konsequenzen?

Ich lese schließlich, Minister Pistorius werde sich zu dem Fall nicht äußern. Das wird er aber wohl müssen. Sonst bekommt er den Beinamen Uwe.

(Foto Demonstration für Bleiberecht: Marek Peters CC)