Hotfilter

26. Januar 2016

hotfilterHotfilter hat Insolvenz angemeldet. Das Nordhorner Traditionsunternehmen ist wohl eine von nur zwei Kaffeeröstereien der Region; denn die aktuelle Neugründungswelle von kleinen Röstereien ist bisher an Ems und Vechte vorbeigegangen. Davon hat das Unternehmen aber nicht profitieren können. Betroffen sind von der Insolvenz 19 Festangestellte, zahlreiche Aushilfen und viele überzeugte Kunden – ein „Supergau“ (Blogleserin und Hotfilterkundin Ulkrike).

1929 hatte Wilhelm Hotfilter die Kaffeerösterei im Keller seines Privathauses am Friemansweg in Nordhorn gegründet. Schon vier Jahr später zog der Firmengründer -trotz Weltwirtschaftskrise-  mit seinem Betrieb in einen neuen Stammsitz an der Hamburger Straße um. Von hier aus wurde -nur unterbrochen vom 2. Weltkrieg- der frisch geröstete Kaffee täglich an die Kunden verschickt. Bei etwa zwei Dutzend täglichen Röstungen in der Kaffeerösterei, die inzwischen an der Marienburger Straße in Nordhorn ist, wurde ausschließlich der jeweilige Tagesbedarf des Unternehmens geröstet. Denn nur wirklich röstfrischer Kaffee hat das volle Aroma.

Dafür wurden die Chargen zwischen 12 und 15 Minuten in den jahrzehntealten Maschinen geröstet. Ergebnis der Langzeit-Röstung sei ein deutlich säureärmerer und bekömmlicherer Kaffee, erklärte Chefin Kathrin Hotfilter im vergangenen Jahr gegenüber der NOZ. Vermutlich sei es das, was die Stammkunden besonders schätzten. Ein wenig Robuster muss allerdings auch bei Hotfilter sein: In der Sorte „Espresso originale“, deren Mischung ihr 2014 im Alter von nur 57 Jahren verstorbener Vater Gerd kreiert hat, sorgt der gegenüber Krankheiten und Klimaeinflüssen unempfindlichere Flachland-Kaffee für die von Kennern geschätzte Crema .

Hotfilter bezog seinen Rohkaffees („nur Arabica-Sorten“) aus den meisten Anbaugebieten der Welt, darunter Spitzenkaffees aus dem Hochland von Costa Rica, Guatemala und Kenia sowie der Liquidambar Maragogype aus Mexiko.

Neben der Kaffeerösterei bauten Firmengründer Wilhelm Hotfilter und sein Sohn Walter seit 1955 systematisch eine Süßwarenabteilung auf, mit einer großen Auswahl an Pralinen, Trüffeln, Schokolade und Gebäck. Längst ist auch Tee ins Angebot aufgenommen. Allerdings machten die Filialen in Nordhorn, Lingen, Emsdetten, Ibbenbüren, Osnabrück, Rheine und Leer einen zunehmend eher abgenutzten wie unübersichtlichen Eindruck und haben offenbar mit den tchibogestylten Anforderungen der Kundschaft nicht Schritt halten können. Der enorme Preiskampf der Großröstereien dürfte das Seine zur jetzigen Situation beigetragen haben.

Noch im vergangenen Jahr hatte die jetzige Firmeninhaberin Kathrin Hotfilter angekündigt, mehr jüngere Käufer erreichen zu wollen, ohne die eher gesetzte Stammkundschaft zu vergraulen. Die 32jährige hatte das Unternehmen nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters übernommen.

Rund 16 t röstete Hotfilter im vergangenen Jahr (bundesweit: ca. 292.000 t) und erzielte damit etwa 350.000 Euro seines Gesamtumsatzes von 1,6 Mio Euro. Wie es weitergeht, ist noch offen. Der Hotfilter-online-Shop ist zurzeit nicht erreichbar.

(Quelle: WN und NOZ)