Stadtverdichtung

14. August 2017

Ich schreibe diese Sätze über das geplante „langgestreckte“ Bauvorhaben auf dem ehemaligen Parkplatz der Gärtnerei Dust an der Lingener Kiesbergstraße. Dazu meinte FDP-Mann Jens Beeck vergangene Woche, jetzt entstehe dort „genau das, was wir wollen“ und – gleich noch eins drauf – „Wenn wir an innerörtlichen Erschließungsstraßen nicht bauen dürfen – wo dann noch?“

Nein, Jens Beeck, das haben „wir“ gerade nicht gewollt. „Wir“ haben uns allerdings durch ein weiteres Kuckucksei des früheren Stadtbaurats Georg Lisiecki (Oldenburg) täuschen lassen, das er da unserem Städtchen hinterlassen hat. Er hat nämlich einen Bebauungsplan konzipiert, der einen groben architektonischen Missgriffe ermöglicht, also kurz gesagt architektonischen Mist. Man reibt sich die Augen, dass dies dann vom Ratskollegen JB flugs unter Stadtverdichtung bejubelt wird, die man doch unterstützen wolle.

Pädagogisch-künsterlischer Einschub für „Ist-mir-doch-egal“-Leser/innen:
Schlechte Architektur wird nicht dadurch weniger schlecht oder gar gute Architektur, dass man ein „Geschmäcker sind eben verschieden“ ruft.

Dabei führt die Kritik an der Ausführungsplanung keineswegs zum Abrücken von der notwendigen Nachverdichtung, wie der kommentierende LT-Redakteur Thomas Pertz meint. Es geht vielmehr um Stadtgestaltung, genauer um Maßstäblichkeit, die das Bauvorhaben vermissen lässt. 50m lang und dreigeschossig – ein Hausblock zum Wegschauen oder „Was-ist-das-denn-Rufen“, ein modernes Wohnregal eben. Das Gebäude soll nämlich so aussehen:

 

Als Anfang 2013 der für die Umwandlung des ehemaligen Gärtnerei in eine Wohnsiedlung notwendige Bebauungsplan Nr. 102 – Teil VI „Neuer Wall Ost“ beschlossen wurde, präsentierte besagter Stadtbaurat diese sehr moderne Entwurfsskizze, die faktisch das Bauwerk in zwei Blöcke teilt.

Man erkennt zwanglos die beiden, etwas futuristisch im dritten Geschoss miteinander verbundenen Baukörper. Davon ist jetzt nichts geblieben.- Es entsteht an der Kiesbergstraße nur ein langer Jammer – mit Kleinstwohnungen, so ein Scheidungsbunker für Getrenntlebende. Dieser hat darüber hinaus nicht einmal eine Tiefgarage, weshalb viele unbebaute Quadratmeter auch noch für Parkplätze gepflastert werden. Seinerzeit waren nämlich Tiefgaragen (mit etwas mehr als 300 €/Quadratmeter Wohnfläche nicht unbezahlbar) noch nicht in die Köpfe der Ratsmehrheit und des Oldenburgers vorgedrungen. Erst jetzt kommt es langsam zu einem notwendigen Bewusstseinswandel.

Die fehlende Maßstäblichkeit und die fehlenden Parkflächen unterhalb des Neubaus sind greifbare Fehler, die über den Bereich hinaus ganz allgemein die begonnene Neuausrichtung hin zur Nachverdichtung belasten. Denn wer will schon so nachverdichtet leben oder anders: „Unser“ Ziel war, dass die Neuplanung „sensibel auf die angrenzenden Strukturen reagiert und eine nachhaltige Stadtentwicklung gewährleistet„. Jede/r kann sehen, dass der technische Teil des beschlossenen Bebauungsplans, Baurat Georg Lisiecki wegen, diesem Ziel völlig widerspricht. 

 

Nachtrag:
Der Neubau erfüllt übrigens, wie Sie sehen, nicht die tünchende Bestimmung des Bebauungsplanes, das dritte Geschoss farblich abzusetzen. Aber der Investor wird noch einen Eimer Farbe für das dritte Obergeschoss zwecks „besserer horizontaler Gliederung“ (so die Bebauungsplanbegründung) finden… Aber Achtung: Trinkwasserschutzgebiet Zone II, also keine fungizidhaltige Farbe bitte!. 

 

Notausgang

17. September 2013

LisieckiEinladung

Nach der Ratssitzung in der kommenden Woche verabschiedet der Lingener Stadtrat Stadtbaurat Lisiecki. Jetzt kam dazu die Einladung…

Konsequenzen

8. September 2013

Bildschirmfoto 2013-09-08 um 09.01.45Schon früher habe ich über den „Tag des offenen Denkmals“ geschrieben und was es dazu aus unserer Region Berichtenswertes gibt. Die Ausgabe 2013 des Tages findet an diesem Sonntag statt.  Bundesweit sind rund 7.500 historische Gebäude, archäologische Stätten, Gärten und Parks  geöffnet. Das komplette Programm findet man unter www.tag-des-offenen-denkmals.de, wo man sich alle teilnehmenden Denkmale unserer Region anzeigen lassen, nach Denkmalkategorien suchen und über einen Merkzettel persönliche Denkmaltouren zusammenstellen kann.

Erinnerung ist nicht immer schön, titelt die Saarbrücker Zeitung über das kulturelle Ereignis und bringt es auf den Punkt: „Es ist ein Jammer, wie stark persönliche Vorlieben und Geschmacksfragen die Denkmal-Bewertung der Bürger bestimmen. Nirgendwo sonst prallen Bürger-Bauchgefühl und Experten-Argumentation so hart aufeinander. Was den Bürgern „hässlich“ erscheint oder ihnen keinen Kitzel vermittelt, wird aussortiert.“ 

In diesem Jahr steht der „Tag des offenen Denkmals“ folgerichtig unter dem Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ . Es werden die die zentralen Fragen der Denkmalpflege in den Mittelpunkt gestellt: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem, wann und für wen?

Dabei sind Denkmale, die an Krieg und Unrecht erinnern, ebenso im Fokus wie Denkmale der Nachkriegsmoderne oder nicht mehr genutzte Industriebauten und historische Gebäude in strukturschwachen Gegenden. Alle diese Objekte können für jeden sichtbar machen, vor welche Herausforderungen die Anforderungen des Denkmalschutzes Besitzer, Planer, Handwerker und Denkmalpfleger stellen können – und wie sie gemeinsam bewältigt werden. Der Tag ist zugleich eine Leistungsschau, bei der gezeigt wird, wie sehr es sich lohnt, sich für alle historischen Bauwerke einzusetzen.

Am 9. April habe ich im Verwaltungsausschuss gefragt, welchen Beitrag die Stadt in diesem Jahr leistet. Es gab keine Antwort. Der Grund: Noch-Stadtbaurat L. (Oldenburg) hat an Denkmalschutz kaum Interesse. Er weiß nicht, was Denkmalschutz ist, was die Baukultur für das Bild einer Stadt, was bestimmte Orte für die Lokalgeschichte bedeuten.  Deshalb glänzt heute unsere „große selbständige Stadt Lingen (Ems)“ mit ihrem Oldenburger durch Abwesenheit am „Tag des offenen Denkmals 2013“: Kein Denkmal gibt es in Lingen zu sehen, wie die Grafik zeigt. Lingener müssen ins Umland, nach Emsbüren, Lengerich, Spelle und Freren beispielsweise (und treffen dort zumeist auch nur auf bequemes, schönes).

„Dass in Lingen der „Tag des offenen Denkmals“ nicht stattfindet , ist peinlich und kulturlos, Herr Stadtbaurat Lisiecki. Da hilft es nicht, wenn in Ihrem Dezernat neben jeder Bürotür des Bauamtes das Schild „Fachdienst Bauordnung und Denkmalpflege“ klebt. Das ist doch bloß hoch gestapelt.“

DSC03755Noch-Stadtbaurat L. ist an Denkmalschutz nicht interessiert. Das wird  auch sonst immer wieder deutlich.  Zum Beispiel beim bevorstehenden Abriss des Arbeiterhauses Kaiserstraße 23, (Foto unten; © milanpaul) beim BvL-Spitzbunker, dem lokalgeschichtlich wichtigen Hotel Nave (zzt. Parkhotel) am Bahnhof. Genauso desinteressiert agieren einzelne Sachbearbeiter im Lingener Bauordnungsamt. Auch sie können dem Denkmalschutz  nichts abgewinnen und betrachten ihn als eher störend: Wer nicht einmal den Denkmalcharakter des Hausensembles des großen Lingener Architekten Hans Lühn an der Schützenstraße erkennt und an deren Zerstörung (s. Foto lks) untätig mitwirkt, zeigt, dass er nichts vom Thema verstanden hat.  Dabei sind unsere Bau- und Bodendenkmale doch ein Schatz, der für uns und unsere Nachfahren zu bewahren ist. Was also tun?

Es müssen organisatorische Konsequenzen her. Mit Lingens neuem Stadtbaurat Lothar Schreinemacher, der dem Oldenburger in 54 Tagen am 1. November folgt, sollte OB Dieter Krone darüber sprechen, wohin die Kulturaufgabe Denkmalschutz gehört. Meine These: Denkmalschutz muss in das Kulturdezernat, mit einem eigenen und vor allem unabhängigen Fachmann, für den im  Bauamt eine Stelle zu streichen ist. [Der Mann darf natürlich auch gern eine Frau sein.]

ArbeiterhausIIUnsere Stadt braucht außerdem  den ehrenamtlichen Denkmalschutzbeauftragten, den das reichlich zahnlose, weil schwarz-gelbe Denkmalschutzgesetz ermöglicht; nicht einmal den gibt es bekanntlich in Lingen, wohl weil die CDU gehörigen Respekt vor unabhängigem Sachverstand und/oder niemanden mit schwarzem Parteibuch dafür hat. Die SPD hat zwar noch vor einigen Monaten Gespräche mit einem guten Mann geführt, traut sich aber  nicht, den eigenen Personalvorschlag zu präsentieren. Mein Tipp, liebe Sozis: Sagt es einfach dem Oberbürgermeister. Der macht das für Euch.

Und, liebe Lingener Lehrerinnen und Lehrer, bringt Euern Schülern doch mal nahe, was Baukultur, was Denkmalschutz, was Lokalgeschichte ist. Zeigt ihnen unsere Schätze, macht mit ihnen Stadtspaziergänge der anderen Art und nicht nur solche, bei denen nicht nur stets dieselben Fragen auf Zetteln zu beantworten sind. Und liebe Kivelinge, das wäre auch etwas für Euch. Trommelt doch mal für die Stadtgeschichte.

Ich würde mich freuen, wenn für den Denkmalschutz mehr Ideen hinzu kämen und nicht nur – wie regelmäßig in diesen lokalen Facebook-Gruppem- das hohe Lied des Eigentums geflötet wird. Denn Eigentum verpflichtet auch und sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen. Aber das ist ein neues Thema…

ps „Erfunden“ wurde alles übrigens als „Journée portes ouvertes dans les monuments historiques“ 1984 in Frankreich durch den damaligen französischen Kulturminister Jack Lang. 1991 griff der Europarat die Idee auf. Heute beteiligen sich alle 50 Länder der Europäischen Kulturkonvention im September und Oktober an den European Heritage Days.  Der heutige Tag des offenen Denkmals ist Deutschlands Beitrag zu diesem, unter der Schirmherrschaft des Europarats stehenden Ereignis. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz koordiniert seit 20 Jahren den Tag des offenen Denkmals bundesweit bietet seither jeweils am zweiten Septembersonntag „Geschichte zum Anfassen“.  [mehr…]

Haltbar

3. November 2010

Dass dieser Blog den Oldenburger L., der immer noch als Lingener Stadtbaurat fungiert, kritisch sieht, ist bekannt. Diese Kritik hat ihren Grund. Ganz aktuell veröffentlichte die Lokalzeitung LT am 15. Oktober 2010 ein Interview mit L. in dem es heißt:

Sie, werter Leser, werte Leserin, merken sich bitte diesen Satz:

„Nach wie vor liegen wir aber im ursprünglich kalkulierten Kostenrahmen.“

Und was soll man davon halten, wenn unsere Tageszeitung heute -03.11.2010- berichtet:

Teilen Sie meine Auffassung, dass Baurat Georg Lisiecki die Öffentlichkeit  belogen hat? Denn entweder liegt man im Kostenrahmen oder die Sanierung ist 750.000 Euro teurer. Ein Mann, der so redet wie L., ist nicht haltbar. Er hat sich endgültig diskreditiert. Dieter Krone, übernehmen Sie!

Geht nicht

17. Januar 2010

Inzwischen ist jedem klar, dass vor allem die Bauverwaltung der Stadt das Projekt Emslandarena erschwert und behindert. Sie gibt jedenfalls ein -zurückhaltend formuliert- sehr unglückliches Bild ab. 你不知道你在说什么。 – würde ein Chinese sagen. Jüngstes Beispiel war ein seltsamer Vortrag von Amtsleiter Peter Krämer in einer Planungsausschusssitzung am Mittwoch letzter Woche. Conny Spielmanns von der BI Arenawahn sagte mir nach der Sitzung: „Was war das denn heute für eine Veranstaltung? Was steckt wirklich dahinter?“
Und mein eloquenter Ratskollege Jens Beeck (FDP) meinte in der Diskussion, er habe nun das Privileg, die Krämersche Darstellung zum dritten Mal zu hören. Hätte er sie nicht drei Mal gehört, hätte er angenommen, die Verwaltung wolle keine Emslandarena. Ich hatte das Beecksche Privileg nicht und für mich hörte es sich denn auch wie ein Abgesang auf ein Großprojekt an.

Die BI Arenawahn hat die Pressemiteiilung der CDU zwar veröffentlicht, sieht auch neue Probleme, hat sich aber selbst noch nicht festgelegt. O-Ton:

„Der Plan, der heute auch in der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses erörtert wurde,  weicht allerdings von den bisherigen Vorschlägen der Wenzel-Consulting und der Bürgerinitiative entscheidend ab. Trennt er doch die Emslandarena von den Emslandhallen und setzt das neue Gebäude auf die andere Seite der Darmer Hafenstraße.

Wir werden uns sicher damit eingehend beschäftigen.“

Ich lege mich hier mal fest:
So wie es die CDU jetzt lauthals verkündet, geht es nicht.  Sie will eine auf 4000 Zuschauer (3200 Sitzplätze) geschrumpfte Arena in den Grüngürtel zwischen Lindenstraße und Kirmesplatz die Halle platzieren.

Immer noch für 25 Mio plus Mehrwertsteuer. Dass das nicht geht, zeigt schon dies: Um das Projekt zu bauen, soll ein Parkhaus zwischen den alten Emslandhallen und dem Betriebsgelände von BvL gebaut werden (600 Parkplätze). Das kostet – ich schätze mal- 10 Mio Euro. Notwendig sei dies alles, weil … Außerdem soll der parallel zur Lindenstraße verlaufende Strootbach umgelegt oder verrohrt werden; dafür dürfte ein Planfeststellungsverfahren nötig sein, das lange dauert.

Gleichzeitig höre ich so seltsame Argumente wie, dass man „nicht die Tiefgarage unter dem Lookentor nutzen kann, weil eine Baulast für das Lookentor darauf liegt“ und dass Arenabesuchern „mehr als fünf Minuten Fußweg in Abendgarderobe nicht zumutbar“ seien. Handball und Popkonzerte in Abendgarderobe. Das sind Argumente! Experten sollen gar berechnet haben, dass auf der Lindenstraße nach Veranstaltungsende abends nur „215 Autos in Richtung Kreisverkehr abfließen“ dürfen, andernfalls werde alles zu laut. Für mich sind das technokratische Bedenkenträgereien, die man schnell beiseite legen muss.

Die neue Arena gehört direkt an die jetzige Emslandhallen, wie dies die ersten Untersuchungen von Wenzel Consulting vorschlugen. Der Kirmesplatz einschließlich Grün drumherum muss so bleiben, wie er vor einigen Jahren erstellt worden ist. Eine Bebauungsplanänderung für den Bereich des südlichen Pumpenkolks von einem reinen Wohngebiet hin zu einem allgemeinen Wohngebiet hat für die Anwohner keine nennenswerte Mehrbelastung und spart viel Geld. Den Häusern auf der dem Kirmesplatz gegenüberliegenden Kanalseite werden Lärmschutzfenster verpasst, den geplanten  Wohngebieten um den Alten Hafen effektiver Lärmschutz an der Lindenstraße. Parkplätze stehen längst ausreichend zur Verfügung: Berufsakademie, Lookentor, Campus FH (Eisenbahnhallen), Emslandstadion. Schließlich muss mit Bernhard van Lengerich gesprochen werden. Wie kann man seine Zukunftspläne und die Emslandarena miteinander kombinieren? OB Heiner Pott und sein Erster Stadtrat Ralf Büring waren ja vor Jahresfrist schon zwei Mal im Wohnzimmer des Kaufmanns. Aller guten Dinge sind bekanntlich drei (Tipp: Kuchen mitnehmen, es kann auch länger dauern).

Es bleibt dann aber immer noch die -wichtigste- Frage, ob Lingen sich das Arena-Projekt leisten kann. Lingens Jusos haben dazu mutig eine eigene Meinung. Sie sind sozusagen der einsame Rufer in der Wüste. Umso wichtiger ist es, genau hinzusehen, wie teuer das Projekt wird und welche Folgekosten entstehen. Die Zahlen müssen präzise auf den Tisch. Erst dann darf und kann grünes Licht gegeben werden.

Was die Bedenkenträgerei der Bauverwaltung angeht, empfehle ich inzwischen dies: Landrat Hermann Bröring, der nach seiner Pensionierung im kommenden Jahr bestimmt Zeit und Lust hat, würde das Projekt in -sagen wir mal- geschätzt drei Monaten planerisch realisieren. Also verpflichtet ihn dafür und lasst den bildlosen Baurat Lisiecki in Oldenburg derweil seine Vorlesungen halten. 😉

(Foto: Dirk Schröder, pixelio.de)

Masuren

10. Dezember 2009

Lassen Sie mich bitte eine etwas holprige Metapher wählen: Das wunderschöne Masuren ist bekanntlich die größte Seenlandschaft Polens und die Marienstraße ist die größte Pfützenlandschaft Lingens. Da es hierzulande bekanntlich bisweilen regnet und die Baustellen rund um die Marienstraße das Ihrige hinzu tun und taten,kam ich mir heute wiederum in dieser Straße vom Markt zum Bahnhof vor wie bei einer masurischen Springprozession. Der Straßenzustand ist nicht erst seit der Fertigstellung der  Lookentorpassage  unverändert schlecht.
In unserem Städtchen Lingen begegnet man derlei Ungemach angesichts (ehemals) voller Kassen dann so: Es wird nichts instand gesetzt, es wird neu gepflastert. Die Neupflasterpläne für die Marienstraße sind unverändert, werden aber nicht verwirklicht, weil die Anlieger nicht die Hälfte der Kosten tragen wollen. Also Untätigkeit mit Pfützen: Flache, tiefe und vor allem große. Die Passanten freuen sich eher nicht über so viel Nässe.
Vielleicht haben Sie ja eine Idee, wie unser öffentliche Dienst  auf das Problem aufmerksam gemacht werden kann?

Dann kann er sich auch noch einmal zum Erhalt des vor sich hin gammelnden Baudenkmals Marienstraße 16 (ehemals „Hotel zur Post“) äußern. Aber ich sehe seit Jahren nur einen zunehmend trostlosen Eindruck des Gebäudes. Daraus ist zwanglos zu schlussfolgern, dass das Baudenkmal den Verantwortlichen egal ist; ihnen ist der Eigentümer Josef Berning wichtig. Dabei hat die Stadt bekanntlich mit dem Eigentümer  sogar einen Vertrag geschlossen, in dem sie sich einerseits bereit erklärte, den rückwärtigen Parkplatz zur Straße Am Pulverturm vollständig bebauen zu lassen und sich Josef Berning im Gegenzug verpflichtete, das Baudenkmal zu erhalten. Seit Jahren verfällt trotz dieses Vertrag  das mehr als 100 Jahre alte Backsteingebäude.  Die CDU-Ratsmehrheit duldet wohlwollend, dass Josef Berning den geschlossenen Vertrag bricht. Es wird offenbar so kommen, dass die Unzumutbarkeit des Erhalts erklärt wird und dann nur ein „Gedankenstrich“ (eine Lieblingsvokabel des noch amtierenden Baurats Georg Lisiecki) verbleibt, aber der Eigentümer Josef Berning durch den „Gedankenstrich“  die steuerlichen Vorteile eines Baudenkmals für sich nutzen wird. Eigentum verpflichtet vernichtet.

(Foto Masurische Seenplatte:© Tim Caspary, pixelio.de)

Mittelbahnsteig II

19. November 2009

Neue Fragereien zum Mittelbahnsteig:
Es geht das ernst zu nehmende Gerücht, dass in Sachen Mittelbahnsteig im Rathaus ein Modell aus Balsaholz stehen soll – mit einem echten Mittelbahnsteig. Einer, der in Wahrheit 5,86m breit wäre. Ein Modell, das Ausgangspunkte der Dskussionen und Beschlüsse im Rathaus war. Angeblich soll Stadtbaurat Georg Lisiecki auf der Suche nach dem Balsa-Exemplar in seinem Hause sein. Wetten, dass er es nicht findet?

Vielleicht kann man dann auch einmal die Frage beantworten, weshalb die Stadt Lingen eigentlich 180.000 Euro Unterhaltungskosten für den Aufzug am neuen  Mittelschmalbahnsteig für 15 Jahre im Voraus gezahlt hat, wo doch die Deutsche Bahn für jeden haltenden Reisezug von der Landesverkehrsgesellschaft (LNVG) 7,20 Euro erhält. Ein Aufzug ist im Regelfall Sache der Bahn, natürlich auch seine Unterhaltung. Dafür bekommt die Bahn einen Stationspreis, im Falle Lingen(Ems) netto 7,20 Euro pro Reisezughalt. Davon werden Kosten für Instandhaltung, Unterhaltung, Reinigung, Winterdienst, Beleuchtung, Zugzielanzeiger, Ansagen, Aufzüge, Sitzgelegenheiten, Überdachung … bezahlt. Was die DB von der LNVG für diesen Service pro Jahr kassiert, können Sie selber leicht ausrechnen; die InterCity-Züge bitte  nicht mitrechnen, das zahlt DB Reise & Touristik, dient gleichwohl den selben Zwecken. Warum hat die Stadt Lingen (Ems) Betriebskosten für den Aufzug vorweg in einer Summe gezahlt? Hat sie ihn finanziert, aber den Betrieb an die DB abgegeben? Oder eine Sondervereinbarung mit der DB geschlossen, weil sie den Aufzug unbedingt wollte, die DB aber die geforderte Barrierefreiheit billiger herstellen wollte ?

Also: Wofür hat die Stadt 180.000.00 Euro zusätzlich gezahlt? Wer weiß es?

(Foto: © Dieter Schütz, pixelio.de)

Souverän

28. Oktober 2009

…ist anders. Am 11.11. will sich der Planungs- und Bauausschuss der Stadt treffen und das neue, von der BI Arenawahn eingeholte Gutachten zur geplanten 35-Mio-Projekt Emslandarena diskutieren. Offiziell dann mit dabei, ein Rechtsanwalt und der Lärmgutachter Dipl.-Ing. Christoph Blasius der lokalen Ingenieurgesellschaft Zech Gmbh; sie hatte errechnet, dass eine Emsland-Arena an den bisherigen Emslandhallen zu laut sei. Die von der BI Arenawahn beauftragte Berliner Ingenieurgesellschaft Hoffmann-Leichter kommt auf der Grundlage derselben Zahlen zu einem ganz anderen Ergebnis. Nach ihrem Gutachten ist eine Emsland-Arena  an den bisherigen Emsland-Hallen nicht zu laut.
Als wir im Planungs- und Bauausschuss der Stadt dazu heute diskutierten, meinte Stadtbaurat Georg Lisiecki ernstlich, man könne ja die Sitzung am 11.11. unterbrechen, und in der Sitzungspause der BI Arenawahn und, wenn sie wolle, auch ihrem Gutachter Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Daraufhin habe ich vorgeschlagen, die BI Arenawahn und ihren Gutachter offiziell einzuladen und anzuhören und den Berliner Gutachter auch zu bezahlen. Schließlich würde es im Interesse der Sache sein, eine optimale und richtige Entscheidungsgrundlage zu erreichen.

Da hättet Ihr sie mal sehen sollen – die Bedenkenträger aus der CDU-Mehrheit! Das gehe ja gar nicht.  Den Gutachter habe man nicht beauftragt und müsse ihn auch nicht bezahlen. Das könne doch die BI tun. Es reiche, in einer Sitzungspause… Zur Erinnerung: Die CDU/FDP-Pläne, eine Emsland-Arena nahe der Hedonklinik zu bauen, verursachen gegenüber dem Standort an den Emslandhallen jährliche Mehrkosten von mehreren Hunderttausend Euro. Das Geld ist also da. Aber einige Hundert Euro für einen renommierten Gutachter aus Berlin? Wo kommen wir denn da hin!Img_2

Ganz seltsam schien mir die Ablehnung von FDP-Ratsherr Jens Beeck, das genaue Gutachten im Ausschuss auszuwerten. Er hielt jede Diskussion für überflüssig, weil alles entschieden sei. Dis Diskussion, so Beeck, sei in die Vergangenheit gerichtet. Es gebe doch bereits einen Beschluss, einen Baubegleitenden Ausschuss und außerdem den Werksausschuss des Eigenbetriebs Emslandhallen. In wie vielen städtischen Ausschüssen man das Projekt denn besprechen wolle, fragte der FDP-Mann. Meine Gegenposition war simpel: Die Stadt wolle einen Bebauungsplan aufstellen. Diese Planung habe im zuständigen Planungs- und Bauausschusses, erst danach der anschließende Bau im baubegleitenden Ausschuss und der sich anschließende Betrieb im Werksausschuss „Emslandhallen“ behandelt zu werden. Außerdem gebe es auch den Beschluss, für die Emsland-Arena den Bebauungsplan der Emslandhallen  zu ändern. Man solle doch alles tun, die beste Lösung zu erreichen. Dafür müsse der Ausschuss alle Informationen haben und auswerten.

Merke: Manchmal gibt es auch Ratskollegen, die sich standhaft weigern, schlauer zu werden. Die wissen dann auch nicht, dass der Landkreis Emsland zwar einen Zuschuss von 5 Mio Euro für das umstrittene Projekt zahlen will, dies aber nur in fünf jährlichen Raten a 1 Mio.  Bei 5 %iger Verzinsung entsteht durch die Ratenzahlung und die notwendige Zwischenfinanzierung ein Zuschussverlust von bis zu 600.000 Euro. Die 5 Mio Euro sind also bei ehrlicher Rechnung allenfalls rund 4,5 Mio Euro. Dieselben Kollegen hoffen auch tapfer, dass man über die wegbrechenden Gewerbesteuereinnahmen („Delle„) hinwegsehen möge, um das Prestigeprojekt doch noch zu realisieren.

Und das alles für eine Sitzung am 11.11.. Narhallamarsch!

Nachtrag und Korrektur: Es ist natürlich nicht ein Rechtsanwalt am 11.11. dabei, den die Stadt bestellt und bezahlt hat (Wer hat das eigentlich wo beschlossen?) . Nein, nicht einer – es werden voraussichtlich gleich drei sein. Und wie das gekommen sein dürfte,  erzähl ich später.

(Foto: © S. Hainz, pixelio)

Transparent

31. August 2009

CIMG7093Vor dem Lingener Haus Marienstraße 16, dem langjährigen „Hotel zur Post“, gelegen direkt gegenüber des Eingangs der „Lookentorpassage“,  hängt seit ein paar Tagen ein Transparent (Foto lks). Es soll Investoren locken, und es zeigt, wie sich Investor Josef Berning das künftige Äußere dieses Baudenkmals vorstellt: Ein die Proportionen, die Gliederung und das Erscheinungsbild des Gebäudes radikal vernichtendes Glastor, das den Weg zu einer großflächigen Verkaufsfläche im Inneren eröffnen soll.

Warum ist das so?

Der  ehemalige Stadtbaurat Nikolaus Neumann konnte in den 1980er Jahren den Stadtrat davon überzeugen, die historischen Gebäude der Stadt in einer beeindruckenden Buchdokumentation festzuhalten: Baldur Kösters „Lingen -Architektur im Wandel von der Festung zur Bürger- und Universitätsstadt bis zur Industriestadt (bis 1930).“ (Interesse?) Das Buch ist Neumanns bleibender Verdienst und Mahnung zugleich. Der Berliner Architekt Baldur Köster hat in ihm die Architektur in Lingen  beschrieben und u.a. dargelegt, dass das Gebäude Marienstraße 16 zwischen 1875 und 1890 errichtet wurde. Es ist ein

„zweigeschossiges, massives Wohnhaus mit schwach geneigtem Satteldach, traufenständig zur Marienstraße. Sichtbares Mauerwerk mit ähnlichen Schmuckformen wie am (Nachbar-)Haus Nr. 14. Teilung der Fassade horizontal durch die Sockelleiste, Gurtleiste und Gesimsleiste, vertikal durch Lisenen. Auch hier sind die Brüstungsfelder durch Keramikplatten geschmückt. Die Traufseite ist fünfachsig geteilt, die Giebelseite dreiachsig.“

Bei der Aufstellung des gültigen Bebauungsplans vor knapp 20 Jahren wurde das villenartige Gebäude unter Denkmalschutz gestellt. Damals erkannten die Ratsvertreter: Es gibt nicht mehr viele Häuser aus dieser Gründerzeitperiode. Seither geht es seltsamerweise mit dem Haus bergab. Vertraglich  verpflichtete sich zwar 2004 Investor Josef Berning dazu, das Baudenkmal Marienstraße 16 zu erhalten; zuvor hatte er es von der reformierten Kirchengemeinde erworben. In dem Vertrag eröffnete ihm im Gegenzug die Stadt Lingen (Ems) die Möglichkeit, den großen Bereich zwischen dem Gebäude und der Straße „Am Pulverturm“  fast vollständig zu bebauen. Seither tut Josef Berning für das Haus nichts, um sein gegebenes Wort zu erhalten. Im Gegenteil: Er lässt das Haus verfallen, dessen Erwerb ihm niemand aufgezwungen hat.

Der Vertragsbruch ist für OB Heiner Pott, Stadtbaurat Georg Lisiecki und die CDU, wie es aussieht, kein Problem. Dort wird offenbar nur erwartet -Sie kennen schon diese Handlungsmaxime- dass Josef Berning „Geld in die Hand“ nimmt und irgendwas macht. Eigentlich ist es egal, was er dann macht, so scheint es. Bisweilen ist die Rede vom „Schandfleck, der weg müsse“ und dann behauptet der vertragsbrüchige Investor auch noch, dass Haus Marienstraße 14 sei mit wirtschaftlichem Aufwand nicht zu erhalten – übrigens nicht ohne sich zugleich eine Bescheinigung zu sichern, dass es ein Baudenkmal im Sinne von § 82 i Einkommensteuer-Durchführungsverordnung sei. Während Heiner Pott in seiner Neujahrsansprache 2008 ankündigte, der niederländische HEMA-Konzern werde dort ein Kaufhaus eröffnen, wissen die Holländer nichts davon. Die Folge: Jetzt ist das Haus mit dem erwähnten überdimensionierten, im Ziegelmauerwerk verdübelten Transparent teilverhüllt. Das heißt unverhohlen: Es naht sein Ende. Die politische Mehrheit wird dies abnicken. Man kennt sich. Deshalb unternimmt auch niemand etwas gegen den schäbigen Zustand und den zunehmenden Verfall des Hauses. Man lässt machen, auch die neuen, auf dem Transparent angeschlagenen Pläne hat der zuständige Ratsausschuss nicht gesehen. Er wird der Vernichtung des Baudenkmals sowieso zustimmen.

Dabei drängt sich geradezu auf, wie das Baudenkmal Marienstraße 16 erhalten werden kann, nämlich durch einen seitlichen, zum Haus Marienstraße 14 gelegenen Zugang. Etwas zurückhaltender als das „angedachte“, reichlich prollig wirkende Glastor, aber dafür den Charakter des Hauses aus dem 19. Jahrhundert schützend.

Leider ist es nach dem Abgang von Baurat Nikolaus Neumann so, dass im Lingener Rathaus niemand mehr Respekt vor Baudenkmälern hat. Sie werden daher nicht so behandelt, wie man das ohnehin nur sehr schmale kulturhistorische Erbe in unserer Stadt  behandeln darf. Selbst das historische Rathaus von 1663 sieht daher inzwischen fast so aus wie eine Eisbude in Miami; dafür sorgt eine seltsame abendliche Beleuchtung, die aber modern sein soll. Um, leicht abgewandelt, dem amtierenden Stadtbaurat sein eigenes Zitat unterzuschieben : „So beleuchtet man eben heutzutage!“ Hinzudenken dürfen Sie mit Blick auf  das Haus Marienstraße 16: „So beseitigt man eben heutzutage Baudenkmale!“ Und die Identität der Stadt gleich mit.

Kwaliteit

14. Juli 2009

Dropje voor dropje kwaliteit – das war einst ein Werbeslogan, der so gut war, dass er bis heute wirkt. Aber nicht für Wasser, sondern für B & B Dosenmilch (Hollands Coffiemelk). Ich musste an diesen Werbespruch denken, als ich die etwas deftig-prollig wirkenden Lisiecki-Säulen auf dem Kreisverkehr Lindenstraße sah.

Sie sind wieder da und stehen jetzt zum dritten Mal, nachdem zunächst ein unfreundlicher Zeitgenosse sie Ende 2008 mit dem Hammer bearbeitete und dann nach Monaten erst einmal Säulen aufgebaut wurden, die Wasser ließen wie bei einem Prostataleiden. Also wurden sie wieder abgebaut.

Aber auch jetzt, beim dritten Versuch, sieht’s ganz so aus, als ob es wieder nicht funktioniert. Denn die „Nordsäule“ leckt. Also „geen kwaliteit, aber dropje for dropje“.

Da interessiert dann, wer’s bezahlt.