Feuerwerksfreie Zonen

19. November 2018

In den Niederlanden wurde im vergangenen Sommer erneut die Diskussion über Feuerwerksverbote eröffnet, als die Parteien D66 und ChristenUnie Zuspruch für ihren Antrag erhielten, der es Gemeinden ermöglichen soll, eigenmächtig über ein Feuerwerksverbot zu entscheiden. Vorerst müssen Gemeinden, die ein Verbot erwirken wollen, vor dem Gericht stichhaltige Argumente anführen. In den niederländischen Gemeinden herrscht Uneinigkeit über die Nutzung von Feuerwerkskörpern, einige Städte wünschen sich ein striktes Verbot, andere fordern die Bürger dazu auf, sich innerhalb der Nachbarschaften abzusprechen und aufeinander einzugehen.

Der Untersuchungsrat für Sicherheit hatte der Regierung im vergangenen Jahr empfohlen, Böller und Raketen für Konsumenten zu verbieten, doch das Kabinett entschied sich aufgrund „unzureichender Unterstützung“ gegen ein Verbot. Die Parteien D66 und ChristenUnie gehören jedoch zu den Gegnern der Feuerwerke, während die VVD und die CDA dem Feuerwerk gegenüber toleranter eingestellt sind. Im kommenden Jahr soll den Feuerwerksgegnern entgegengekommen werden: Die Gemeinden sollen dann selbst entscheiden dürfen, ob sie ein Feuerwerksverbot verhängen oder nicht. Viele Gemeinden betrachten diese Vorgehensweise skeptisch, denn wenn eine Gemeinde ein Verbot ausspreche, würde das nur zu einem Feuerwerkstourismus in anderen Gemeinden führen.

Zunächst verändert sich in Bezug auf Feuerwerksverbote nichts. Trotzdem werden Feuerwerksverbote in vielen Gemeinden thematisiert und verschiedenen Herangehensweisen getestet. Um feuerwerksfreie Zonen beantragen zu können, müssen die Gemeinden aufzeigen, dass es andernfalls zu Schäden oder Lärmbelästigung kommen könnte. In Deutschland ist das Zünden von Feuerwerkskörpern in der Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Alten- und Kinderheimen und Reet- und Fachwerkhäusern grundsätzlich verboten. In den Niederlanden wurde in einigen Gemeinden das Verbot für die Bereiche um Kirchen erwirkt, damit die Bürger ungestört dem Neujahrsgottesdienst beiwohnen können. Auch in der Nähe einiger Krankenhäuser wurde ein Feuerwerksverbot verhängt.

Auf kommunaler Ebene scheiden sich beim Thema Feuerwerksverbot offensichtlich die Geister. Oftmals setzen sich die Parteien GroenLinks und die Partij voor de Dieren für Verbote ein – auch auf nationaler Ebene. Die ChristenUnie und die SGP setzen sich meistens auf kommunaler Ebene für das Verbot ein, während die D66 sich vor allem im Gelderland für das Verbot ausspricht und die SP in Purmerend. Oft wird das Verbot von den Parteien also nur in bestimmten Gemeinden oder Provinzen unterstützt.

Eine Alternative für ein örtliches Verbot stellten in den vergangenen Jahren die freiwilligen feuerwerksfreien Zonen dar. Bürger können gemeinsam beschließen, ihre Straße oder ihr Viertel feuerwerksfrei zu halten. Von der Gemeinde erhalten sie dafür meist jedoch nur ein paar Schilder – das Verbot muss von den Bürgern selbst durchgesetzt werden. Feuerwerksfreie Zonen wurden in diesem Jahr für Tilburg, Almere, Delft, Borne, Zoetermeer und Oegstgeest angekündigt. Das Gelderländer Dorf Leur, das ca. 130 Einwohner zählt, hat sich selbst freiwillig zu einer vollständig feuerwerksfreien Zone erklärt.

Im grenznahen Enschede wurde im vergangenen Jahr ein sogenanntes G1000-Treffen organisiert, bei dem 1000 Einwohner über das Thema Feuerwerk diskutierten. Bei diesem Treffen wurde beschlossen, feuerwerksfreie Zonen einzurichten, was auch in diesem Jahr wiederholt werden soll. Enschede ist bei dem Thema sensibilisiert. Die Explosion der Feuerwerksfabrik S.E. Fireworks dort ist unvergessen. Sie kostete am 13. Mai 2000 ingesamt 23 Menschen das Leben, 947 Personen wurden verletzt und das nördlich des Stadtzentrums gelegene Stadtviertel Roombeek verwüstet.

Viele Gemeinden sind froh darüber, dass sie sich vorerst nicht entscheiden müssen, feuerwerksfrei zu werden oder nicht. Sie möchten sich zuerst ein Bild darüber machen, wie die Bürger zu dem Thema stehen. Bisher haben landesweite Umfragen ergeben, dass die Mehrheit der Niederländer ein Verkaufsverbot für Böller und Raketen befürworten würde.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Organisation von öffentlichen Feuerwerkshows, so könnten mehr Bürger vom privaten Feuerwerk absehen und einem professionellen Feuerwerk beiwohnen. Auch die bessere Aufklärung in Schulen spielt in den Debatten über das Feuerwerksverbot immer wieder eine wichtige Rolle.

Einige Gemeinden möchten jetzt Feuerwerkszonen errichten – dann wäre das Zünden von Feuerwerkskörpern ausschließlich an diesen Orten erlaubt. Amsterdam und Rotterdam haben diese Regelung bereits für das kommende Jahr angekündigt. In Leiden wurde in diesem Sommer ein Antrag mit einem Phasenplan von der Partij voor de Dieren angenommen, um möglichst bald ein feuerwerksfreies Leiden realisieren zu können.

(Text/Quelle: NiederlandeNet. Foto: Feuerwerk vom 31.12.17 auf den 1.1.18 im EuroParcs Susteren, NL Ein Foto via flickr von Sebastian Bartoschek, CC BY 2.0)

Grenzüberschreitend

28. Juni 2018

Das neue, grenzüberschreitende Projekt taNDem des INTERREG A Projekts „Kunstverbinding – Kunstverbindung“ findet im Jahr 2018 erstmalig statt und soll auch in den zwei folgenden Jahren durchgeführt werden. Das Kunstprojekt soll Künstler aus den Grenzregionen Nordrhein-Westfalen, Niedersachen, Gelderland und Overijssel zusammenführen und dazu beitragen, ein nachhaltiges deutsch-niederländisches Künstlernetzwerk aufzubauen.

Jedes Jahr soll ein Barcamp stattfinden, in dem sich niederländische und deutsche Künstler zusammenfinden, um Tandems zu bilden und gemeinsame Projekte zu entwickeln. Johan Godschalk von Cultuurmij Oost und Andre Sebastian vom Münsterland e.V. bilden das Tandem der inhaltlichen Projektleitung. Godschalk sieht in der Kunst und der Kultur „perfekte Brückenbauer, um Menschen über die Grenze hinweg miteinander zu verbinden“.

Das erste grenzüberschreitende Kunst- und Kulturbarcamp fand im vergangenen April im Kloster Bentlage in Rheine statt. Ungefähr 130 deutsche und niederländische Künstler haben teilgenommen, um mögliche Projektpartner aus dem Nachbarland zu finden und Tandems bilden zu können. Bei einem Barcamp gestalten die Teilnehmer das Programm selbst, es sei eine neue Art der Begegnung, so Andre Sebastian. Lediglich das Thema und der Veranstaltungsort seien von den Organisatoren festgelegt worden. Während des Barcamps fanden mehrere Sessions statt, bei denen die Teilnehmer Projektideen präsentieren oder zur Diskussion stellen konnten.

Die Überschrift des diesjährigen Themas lautet „Sehnsuchtsort Heimat – Wo fühle ich mich zuhause?“. Mögliche Themengebiete sind hierbei Migration und Flucht, doch die Künstler können selbst entscheiden, ob sie diese Themenideen aufgreifen möchten, oder sich einem anderen Aspekt des Themas Heimat widmen möchten. Im Jahr 2019 soll das Projekt unter dem Motto „Energie“ durchgeführt werden, im Jahr 2020  wird das Thema „Paradies“ lauten.

Nach dem Barcamp konnten die Künstler auf der Homepage des Projektes einen Projektantrag stellen. Hierbei mussten das Tandem festgelegt und die Projektidee beschrieben werden. Auch Künstler, die nicht am Barcamp teilgenommen hatten, konnten einen Projektantrag stellen. Die Tandems können eine maximale Förderung von 15.000 Euro für ihr Projekt erhalten. 36 Projektanträge wurden bis zur Deadline im Mai eingereicht. Am 13. Juni hat eine unabhängige Expertengruppe getagt und 15 Projekte ausgewählt, die eine Förderung erhalten. Zu den ausgewählten Projekten gehören ein Literatur-Karaoke-Taxi, Klangkunst jenseits der Grenze sowie Straßeninterviews und Workshops, die zu „Heimatfilmen“ verdichtet werden und eine multimediale Aufführung einer „Regionsoper“.

Weitere Informationen finden Sie unter www.tandemkunst.eu.
An dem Projekt taNDem beteiligen sich die EUREGIO, Cultuurmij Oost, Münsterland e.V., Emsländische Landschaft e.V., die Stadt Osnabrück, der Landkreis Osnabrück und die Provinzen Gelderland und Overijssel.

 

Quelle: NiederlandeNet.

schaliegas

6. Juni 2014

NIEDERLANDE.NET BERICHTET:
„Die Landesregierung in NRW soll Kontakt zur niederländischen Regierung aufnehmen, das haben SPD und Grüne in einem Eilantrag am Montag gefordert. Dem westlichen Nachbarland müsse klargemacht werden, dass NRW die Fracking-Technologie „für nicht verantwortbar“ halte. BeimFracking werden unter hohem Druck Chemikalien eingesetzt, um Gas aus dem Bodengestein in ein bis vier Kilometer Tiefe zu gewinnen. Die Methode ist umstritten, da die Auswirkungen auf das Grund- und Trinkwasser nicht abschließend geklärt sind. Besonders die Kreise Wesel, Heinsberg und Viersen haben Bedenken gegen die niederländischen Pläne geäußert.

Diese Pläne sehen vor, entlang der Grenze zu NRW Probebohrungen durchzuführen. Ab 2015 könnte dort dann die umstrittene Gasfördermethode Fracking eingesetzt werden. Das zumindest steht in einem Entwurf des niederländischen Wirtschaftsministeriums mit dem Titel Strukturvision Schiefergas, der auch auf Deutsch im Internet verfügbar ist. Demnach geht die niederländische Regierung von großen Schiefergasvorkommen im eigenen Land aus, darunter befinden sich direkt an Deutschland angrenzende Gebiete in den Provinzen Limburg, Nordbrabant und Gelderland.

Auch auf Bundesebene verlangt Deutschland nähere Auskunft über das niederländische Vorhaben, Schiefergas mit Hilfe der Fracking-Technologie zu gewinnen. Bereits am vergangenen Freitag sagte ein Sprecher des deutschen Bundesministeriums für Umwelt, dass die grenznahen Gebiete im deutschen NRW an der Planung in den Niederlanden beteiligt werden sollten. Das Umweltministerium in Berlin stellte sich damit hinter die Forderungen des Bundeslandes. Dort hatte man sich zuvor darüber beschwert, bisher nur unzureichend über die niederländischen Fracking-Pläne informiert zu sein.

Im deutschen Bundesland Niedersachsen soll die umstrittene Fracking-Methode hingegen erlaubt bleiben. Das Land verfügt Schätzungen zufolge über 95 Prozent der deutschen Erdgasvorkommen. Der niedersächsische Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) machte jüngst allerdings deutlich, dass Fracking auf die herkömmliche Gasförderung beschränkt bleiben solle, unkonventionelle Quellen würden per Erlass ausgeschlossen. Zwischen 1961 und 2011 gab es nach Angaben des zuständigen Landesamtes insgesamt 326 Fracking-Maßnahmen in Niedersachsen. Aufgrund der öffentlichen Debatte über diese Förderungsmethode hat das Land in den letzten drei Jahren keine Anträge auf Frackingmehr bearbeitet.

In den Niederlanden hatte die Fracking-Technologie zuletzt im Sommer vergangenen Jahres eine heftige öffentliche Debatte in den Niederlanden ausgelöst (NiederlandeNet berichtete).

Als Folge der konventionellen Gasgewinnung hatte sich zudem in der niederländischen Provinz Groningen zwischen 2010 und 2013 eine Rekordanzahl an Erdbeben ereignet (NiederlandeNet berichtete).

In Deutschland ist der Widerstand gegen das Fracking-Verfahren allerdings auch nicht die ganz unumstritten. Der Wirtschaftsverband Erdöl- und Erdgasgewinnung (WEG) hat die deutsche Seite in den vergangenen Tagen erneut dazu aufgefordert, ihre ablehnende Haltung gegenüber dem Fracking zu überdenken. Man brauche dringend Pilot-Projekte im Schiefergassektor, um die Wirtschaftlichkeit dieser zukunftsträchtigen Art der Gasgewinnung auszuloten.

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Auch die Grafschaft Bentheim ist durch die niederländischen Pläne betroffen. Mehr…

Deutsch

21. November 2013

Mit Beginn des kommenden Jahres verschwindet Deutsch als verpflichtetes Unterrichtsfach komplett aus dem Lehrplan des berufsbildenden Sekundarunterrichts (MBO) in den Niederlanden. Hiergegen setzten sich jetzt viele Bürgermeister aus der Grenzregion zur Wehr. Mit einem gemeinsamen Brief an die niederländische Bildungsministerin wollen sie die Regierung in Den Haag davon überzeugen, dass in den Berufsschulen in der Grenzregion sogar mehr Deutschunterricht als bisher stattfinden sollte. Die Regierungspläne sehen seit 2012 jedoch vor, dass Englisch und Mathematik als Pflichtfächer in Zukunft eine größere Bedeutung haben sollen; was oftmals zur Folge hat, dass die Schülerinnen und Schüler wenig motiviert sind, mit Deutsch eine zweite Fremdsprache zu belegen.

Bildschirmfoto 2013-11-21 um 22.22.22Amtskollegen aus zehn anderen Grenzgemeinden hat Nimwegens Bürgermeister Hubert Bruls schon mit ins Boot holen können. Gemeinsam mit seinen Kolleginnen und Kollegen schreibt der Initiator jetzt an einem Protestbrief an die niederländische Bildungsministerin Jet Bussemaker, der in der kommenden Woche verschickt werden soll. Bis dahin hofft Hubert Bruls von Maastricht bis Groningen noch weitere Kollegen aus dem Grenzgebiet mit für seine Sache gewinnen zu können. Konkret befürchten die niederländischen Bürgermeister eine Marginalisierung des Deutschen im Berufsschulunterricht und bringen dabei dieselben Argumente vor, die 2011 schon eine vom niederländischen Bildungsministerium in Auftrag gegebene Studie anbrachte: Die Studie sprach von einem „besorgniserregenden Zustand“ des Schulfaches an niederländischen Bildungseinrichtungen (NiederlandeNet berichtete). Dabei bestätigten die Ergebnisse auch die seit Jahren geäußerte Meinung vieler leitender Verwaltungsangestellter, von Bildungsinstitutionen sowie Unternehmen, dass es nicht passe, dass die Kenntnis der deutschen Sprache in den Niederlanden als einem Land, welches stark von Deutschland abhängig ist, seit Jahren auf einem schlechten Niveau ist.

Nimwegens Bürgermeister Bruls ist der Ansicht, dass das Fach in den Berufsschulen der Grenzregion nicht abgeschafft werden dürfe. Grund dafür ist, dass man entlang der Grenze einfach nicht ohne die Sprache des direkten Nachbarlandes auskommen könne. Die schwindende Aufmerksamkeit für die deutsche Sprache bezeichnet er als eine „dramatische“ Entwicklung und verweist auf das enorme wirtschaftliche Potential des deutschen Hinterlandes für die niederländischen Grenzregionen. Die Niederlande erzielen gut 30 Prozent ihres Einkommens durch die deutschen Nachbarn. „Berufsschulen sind die größten Bezugsquellen von Fachkräften. Wenn die Jungen und Mädchen in Zukunft kein Deutsch mehr sprechen und schreiben können, dann ist das eine sehr schlechte Entwicklung.“ Venlos Beigeordneter Stephan Satijn spricht ebenfalls von einer besorgniserregenden Entwicklung und verlangt Besserung: „Daher fordern wir in diesem Brief für das Fachpersonal in den nach Deutschland orientierten Wirtschaftsbereichen bessere Deutschkenntnisse – insbesondere bei den vielen dieser Firmen, die im Osten der Niederlande angesiedelt sind.“

Neben den Bürgermeistern sind auch die Regionalen Berufsbildungszentren (ROCs) in der Provinz Gelderland der Meinung, dass das Fach Deutsch in der Grenzregion zu den Standardfächern gehören muss. Gemeinsam mit dem Goetheinstitut und den Fachhochschulen Arnheim und Nimwegen haben sie deshalb auch bereits einen „alternativen Lehrplan“ mit freiwilligen Lehrangeboten entwickelt. Wie die Regionalzeitung de Gelderlander berichtete, bietet das ROC Graafschap College in Doetinchem ab dem Schuljahr 2015/2016 allen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit, Deutsch als Wahlfach zu belegen. Da Deutsch momentan lediglich bei Ausbildungsberufen in den Sektoren Wirtschaft und Dienstleistung als fester Unterrichtsbaustein vorhanden ist, würde die Neuregelung eine beträchtliche Ausbreitung des Angebots bedeuten.

(Quelle: niederlande.net)

Silvester

31. Dezember 2012

aufstandcoevordern1770Auch an Silvester kann noch manches geschehen. Das war auch vor 242 Jahren so. Am 22. Dezember 1770 begann eine deftige bürgerliche Revolte im benachbarten niederländischen Coevorden (Provinz Drenthe). In die niederländische Geschichte ist sie als „Iizerkoekenoproer“ eingegangen, was man am besten mit Neujahrshörnchen-Revolte übersetzen kann. Denn Ursache für den Aufruhr war dieses krosse Neujahrsgebäck, auf niederländisch Ijzerkoeken oder Kniepertjes, bzw. der Umgang damit. Knieperties sind mit dem Waffeleisen gebackene, süße und krosse Plätzchen oder Hörnchen. Sie werden eben nicht nur bei uns sondern auch in den östlichen niederländischen Provinzen Groningen, Drenthe, Overijssel und Gelderland gemocht und gegessen. Ihre niederländische Bezeichnung stammt vom Wort „knijpen“, das auf niederländisch Quetschen bedeutet; denn der Waffelteig wird zwischen die heißen Waffeleisen „gequetscht“, damit sie auch gelingen.

Seit mindestens 500 Jahren (Gemälde unten: Lubin Baugin, Der Nachttisch, Stilleben Mitte des 17. Jhdts; Quelles) gehören Knieperties (hier bei uns auch Rullerkes, Neeijahrskook oder auch Krüllkoken, Klemmkuchen, Eiserkuchen oder Piepkuchen) traditionell dazu, wenn die Menschen das Neue Jahr in der Region diesseits und jenseits der deutsch-niederländischen Grenze feiern. Im Dezember sind die gebackenen Knieperties bei den niederländischen Nachbarn flach als Symbol für das ablaufende Jahr. Doch zum 1. Januar werden die frisch gebackenen Neujahrshörnchen gerollt und symbolisieren damit das neue Jahr, das noch alle Geheimnis verbirgt und sozusagen noch aufgeknuspert werden muss.

220px-Lubin_Baugin_001Zurück zu 1770 und Coevorden, wo damals der strenge, reformierte Kirchenvorstand die lokale Obrigkeit ersuchte, ein Gesetz eben gegen die Kniepertjes und die Menschen zu machen, die zu Silvester und Neujahr den Armen der Gemeinde diese Neujahrshörnchen schenkten. Das nämlich wurde dabei ausgiebig gefeiert; es wurde viel getrunken und es ging hoch her. Zu hoch meinten die Kirchenmännern.

Der Magistrat diskutierte den Antrag des Kirchenvorstandes auf „afschaffing van dat oudt en slegt gebruik, dat op nieuwjaarsdag lange heeft plaatsgehad, met betrekking tot het uitdelen van zo genoemde nieuwjaars- of Ijzerkoeken aan straatlopers en dergelijke“  (frei übersetzt: Verbot des alten und schlechten Brauchs, der seit langem am Neujahrstag stattfindet, betreffend sogenannte Neujahrs- oder Eiserkuchen an Gesindel und ähnliche Personen auszuteilen) und beschloss das neue lokale Verbotsgesetz bei einer Sitzung am 22. Dezember. Wütende Einheimische protestierten vergeblich vor der örtlichen Kirche, doch die Demonstration wurde verboten und das Gesetz verabschiedet. Das hatte aber ganz und gar nicht die erwünschte Wirkung. Die Einheimischen waren weiter empört und sahen in dem Verbot einen Angriff des Magistrats, um den Armen den einzigen fröhlichen Tag im Jahr zu nehmen. Am Silvestertag 1770 marschierten die Hörnchenbäcker deshalb zum Rathaus (Stich oben lks), wo der Magistrat erneut tagte. Unter den Protestierenden waren sehr viele Frauen aus Coevorden und viele mit ihren Waffeleisen in den Händen. Ihre Forderung war klar: Rücknahme des neuen Gesetzes. Zunächst lehnte das Gremium  ab, bekam es dann aber mit der Angst zu tun, als die Protestierenden gewalttätig wurden und der Magistrat das Rathaus nicht mehr verlassen konnte. Schließlich hob er noch am Silvestertag das Gesetz auf. Doch damit war die empörte Menge nicht mehr zu beruhigen, so dass der Magistrat schließlich eine militärische Eskorte der örtlichen Garnison anfordern musste, damit er das Rathaus verlassen konnte. Als die Mitglieder nach draußen kamen,  schlugen die wütenden Protestierenden mit ihren Waffeleisen auf Mänteln und Jacken der Oberen ein. Dabei wurde aber niemand ernsthaft verletzt

Einer der Aufrührer des Aufstandes war Harmen Slingenberg. Er wurde vor dem Gerichtshof  Drenthe angeklagt, doch über den Ausgang des Prozesses ist nichts bekannt.  Sein Sohn Berend Slingenberg war später der erste Bürgermeister Coevordens im 19. Jahrhundert.

Bis heute ist das Ereignis in den Niederlanden als “Ijzerkoekenoproer” bekannt und bis jetzt hat es nie wieder jemand gewagt, das Kniepertiesfest zu Silvester in Coevordern oder anerswo in Frage zu stellen.

Das Rezept für 50 bis 60 Knieperties á la Coevordens Iizerkoekenoproer

Neujahrshoernchen500 gr gewöhnliches Mehl
275 gr Zucker
225 gr Butter
3 Eier
10 gr Zimt

Zubereitung:
1. Die Butter schmelzen, ohne sie heiß werden zu lassen oder gar zu kochen.
2. Den Zucker zur geschmolzenen Butter hinzugeben.
3. Die Eier nacheinander vorsichtig hineinrühren
4. Das Mehl dazugeben und so lange miteinander verrühren bis ein Teig entstanden ist, den man zu Kugeln formen kann.
5. Stell‘ aus dem Teig 50 bis 60 Kugeln her und lasse sie über Nacht im Kühlschrank ruhen
6. Bestreiche das Waffeleisen mit Fett und lege eine kleine Teigkugel mittendrauf. Drücke das Waffeleisen zusammen, bis die Waffel fertig ist. Sie soll hellbraun und sehr dünn sein und ca. 13 cm Durchmesser haben..

Auch ohne Waffeleisen kann man Neujahrshörnchen herstellen. Dazu muss eine Teigkugel zu einem dünnen, runden Teigplätzchen von ca 13 cm Durchmesser ausgerollt werden. Wer will, kann mit einem Schälmesser Muster hineinritzen. You can make a pattern with a skimmer if you like. Etwas Butter in die Pfanne und wenn die heiß ist, kann man die Hörnchen backen, bis sie auf beiden Seiten hellbraun geworden sind.

7. Die Waffeln abkühlen lassen; erst dann werden sie schön knusprig.
8. Gerollte Hörnchen bekommt man, indem man sie um das Ende eines Löffels wickelt, solange sie noch warm und biegsam ist. Anschließend abkühlen lassen.
9. Früchte, Eiscreme oder Sahne runden den Genuss ab.

Guten Appetit!