Logo_Gegen_Gasbohren_kleinPresseerklärung der Bürgerinitiativen Gegen Gasbohren:

Auch Wintershall war auf der Berlinale. Ist gut geschmiert schon halb gebohrt…?

Wie wir heute erfahren haben, waren nicht nur Anti Fracking Aktivisten auf der Berlinale anwesend, um über den Film Promised Land auf  Umweltverschmutzungen durch Fracking aufmerksam zu machen. Auch der Energieriese Wintershall hatte eingeladen. Natürlich nicht uns, aber manch ein Wirtschaftsjournalist soll eine Einladung bekommen haben. Während unsere Mitglieder sich bei starkem Schneetreiben vor der Berlinale draußen aufhalten mussten und  den Spielfilm erst im Juni in den deutschen Kinos schauen können, hatten es die eingeladenen Journalisten wohl besser. Sie durften nicht nur der Berlinale beiwohnen. Ein Hotelzimmer war sogar inclusive.

Auffällig, dass kurz nach der Berlinale  in der Zeit-Online, im Spiegel und vielen  anderen Printmedien viele  positive Nachrichten zum Thema Fracking aufgetaucht sind.  Ein Journalist behauptete sogar durch Fracking die Finanzkrise in Europa beenden zu können.

Ein Zusammenhang zwischen BERLINALE-EINLADUNG und POSITIVEN ARTIKELN ÜBER FRACKING  ist so naheliegend, wie der Zusammenhang zwischen dem Geburtenrückgang zwischen Menschen und Störchen, würde jetzt ein Geologe der RWE behaupten. Wir denken da anders, und das k***t uns an!

Was denkt Ihr?“

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Hier eine Mustereinladung:

Liebe_______________

Öl und Gas sind nicht nur Treibstoff für die Weltwirtschaft, sondern auch beliebter Filmstoff in Hollywood. Ob Abenteuerlust und Nostalgie à la Bonanza, Drama, Gier und Leidenschaft wie bei Dallas oder als Plot für die großen gesellschaftlichen Konfliktlinien, die Suche nach Öl und Gas fasziniert Hollywood und uns Zuschauer. Jüngstes Beispiel ist der neue Film von Matt Damon: „Promised Land“ spielt in einem kleinen Ort in Pennsylvania, in dem ein Energieunternehmen mit zweifelhaften Methoden Bohrrechte für Schiefergas aufkaufen will. Dabei stößt es auf den Widerstand der Bevölkerung. Der Film wird im Sommer 2013 in die deutschen Kinos kommen.

Wir möchten Sie herzlich einladen, Promised Land gemeinsam mit uns bereits jetzt anzusehen.  Auf der Internationalen Filmpremiere im Rahmen der 63. Berlinale am 

  • Freitag, 15.02., um 22.45 Uhr, oder
  • Sonntag, 17.02. um 15.45 Uhr.

Wir würden uns freuen, wenn Sie Interesse haben und freuen uns auf Ihre Zusage bis zum 13. Februar, bitte per eMail an ___________________
Sollten Sie ein Hotelzimmer benötigen, geben Sie uns gerne ein Zeichen. Wir haben ein Zimmerkontingent reserviert.

Frau ______ steht Ihnen gern für weitere Fragen zur Verfügung.

Mit kollegialen Gruß

Michael Sasse
Leiter Unternehmenskommunikation

and Youtube

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Ich veröffentliche diese Pressemitteilung der BI Gegen Gasbohren gern – einen Monat nach der Landtagswahl in Niedersachsen. Da hätte ich aber noch die Frage, weshalb das schöne Dorf Lünne im Emsland gegen Fracking auf die Straße geht, dann aber zu 70% die schwarz-gelbe Koalition wählt, die der Dorfgemeinschaft das Projekt aufs Auge drücken will. Über diese Widersprüchlichkeit zerbreche ich mir seit dem 16. Januar den Kopf. Was denkt Ihr?

Artland

27. Mai 2012

Auch im Artland, nicht weit entfernt im nördlichen Landkreis Osnabrück, soll mit der Fracking-Methode Erdgas gefördert werden. Exxon Mobil nimmt sich dazu den Schiefergasgürtel vor, der von Nordhorn bis Hannover und von Osnabrück bis ins artländische Quakenbrück reicht. Längst ist bekannt, dass Fracking kein lokales oder  regionales Problem ist. Die Fördermethode  ist von grundsätzlicher Bedeutung. Die am 9. Mai gegründete lokale Interessengemeinschaft  Fracking-freies Artland  hat  jetzt eine Online-Petition erstellt, die über diesen Link erreichbar ist.

Die Bürgerinitiative bittet darum, die Petition zu unterstützen, zu unterschreiben und den Link überall hin weiterzuleiten, zu posten, zu teilen usw. Maria Entrup-Henemann, Sprecherin der jungen BI, sagt nichts Überraschendes: „Wir zählen auf Eure Unterstützung. Wir brauchen so viele Unterstützer und Unterstützinnen wie möglich. Dafür allerbesten Dank.“

Unterzeichner können übrigens wählen, ob ihre persönlichen Daten öffentlich einsehbar sind oder nicht. Immer sollte man aber  nach Eingabe der Daten daran denken, auf  die Schaltfläche “Unterschreiben” zu klicken; denn sonst wird der Eintrag nicht gespeichert.

(Quelle PM der BI)

Schönes Lünne 11

21. Mai 2012

The Independent , eine der vier großen britischen Morgenzeitungen , berichtete in ihrer Sonntagsausgabe, dass Großbritannien aus der Schiefergas-Förderung mit Hilfe von “Fracking” aussteigt:

“The Government has rejected shale gas technology as a solution to Britain’s energy crisis, conceding it will do little to cut bills or keep the lights on.”

Grund dafür sind neue Erkenntnisse über die potentiell förderbaren Gasmengen. Diese wurden von den Unternehmen bislang als “sehr groß” oder “gewaltig” bezeichnet. Nach aktuellen Erkenntnissen würden die förderbaren Gasmengen aber nicht nennenswert zur Energiesicherheit beitragen können.

Sicher seien dafür die Risiken der Gasförderung mit Fracking. Erste Experimente in Blackpool wurden nach spürbaren  Bodenerschütterungen eingestellt. Das Unternehmen Cuadrilla leugnete erst jeden Zusammenhang. Studien konnten das Gegenteil dann aber nicht nur nachweisen; sie  zeigten auch, dass die sensible Verrohrung auf Höhe des Frackings beschädigt wurde.

Auch in Deutschland versprechen Unternehmen wie ExxonMobil “große Gasvorkommen”, die sie mittels Fracking fördern wollen. Belege dafür gibt es bislang nicht. Immer wieder werden als Beleg Zahlen der Internationalen Energieagentur zitiert, die aber  für die USA, Polen und Großbritannien etwa 80 Prozent überhöhte Werte angeben hatten. In Deutschland sollen im Juni Schätzungen des Bundesamtes für Geologie und Rohstoffe zu den Potentialen unkonventioneller Gasvorkommen vorgestellt werden.

Quellen: PM der BI Gegen Gasbohren unter Hinweis auf Government backtracks on fracking – Green Living – Environment – The Independent.

Schönes Lünne 7

11. Mai 2011

Die vielfach, auch im benachbarten Lünne geäußerten Bedenken gegen die Förderung von Schiefergas aus Gesteinsschichten mittels der sog. Fracking-Methode finden zunehmend wissenschaftliche Unterstützung. Um die in Gesteinsformationen eingeschlossenen Schiefergase in mehreren hundert Meter Tiefe zugänglich zu machen, wird bekanntlich das Gestein zunächst angebohrt und dann unter hohem Druck mit chemikalienangereichertem Wasser aufgebrochen (Hydraulic Fracturing, auch Fracking genannt). Die in den vergangenen Jahren dazu entwickelten Spezialbohrer, die die Gasförderung erst möglich machen,  bohren sich dabei zunächst senkrecht in die Erde, um dann nach dem Erreichen der gasführenden Gesteinsschichten in die Waagrechte abzuknicken. Da das Gestein, in dem das Gas gefangen ist, nicht durchlässig ist, werden dann künstlich Klüfte geschaffen, indem Chemikalien und mit Sand vermischtes Wasser unter hohem Druck in das Bohrloch geschossen werden.

Wird verstärkt mit dieser umstrittenen Methode nach Erdgas gebohrt, kann aber nach einer neueren US-Untersuchung die Trinkwasserqualität in der betroffenen Region beeinträchtigt werden. Das haben US-Forscher von der Duke University (US-Bundesstaat North Carloina) jetzt herausgefunden. Sie hatten dazu Brunnenwasserproben in den US-Bundesstaaten New York und Pennsylvania  untersucht.

Die US-Wissenschaftler stellten bei ihren Untersuchungen stark erhöhte Werte des Kohlenwasserstoffs Methan im Brunnenwasser fest, wenn in einem Umkreis von einem Kilometer um die Wasserquelle nach Schiefergas gebohrt wurde. So kann man es im US-Fachmagazin „Proceedings of the National Academy of Sciences“ nachlesen (mehr -pdf-…). In Pennsylvania haben inzwischen bereits Gerichte Fracking- Bohrungen gestoppt, nachdem mehrere Haushalte ihr Trinkwasser als ungenießbar vorfanden. (mehr auf WDR5)

An einer anderen US-Universität sind ähnliche Probleme ermittelt worden. Wenn Teile des Wassers nach dem Aufschluss der Gesteinsformationen  wieder an die Oberfläche treten, werden sie von großen Mengen Methan begleitet, heißt es in der Studie der Cornell-Universität (New York). Zwischen 0,6 und 3,2 Prozent der geförderten Menge an Schiefergas können an Methan in die Umwelt entweichen.   Das Treibhausgas Methan  ist weitaus klimaschädlicher als z.B. CO2.

„Wir sollten uns davon verabschieden, Schiefergas als Überbrückungsbrennstoff zu sehen, der die nächsten Jahrzehnte andere fossile Brennstoffe ersetzen soll“, zog Robert W. Howarth, einer derAutoren der Studie , gegenüber der BBC ein Fazit. „Vielmehr sollten wir härter daran arbeiten, wirklich grüne, erneuerbare Energie, wie Wind und Solar, so schnell wie möglich voranzutreiben.“

(Quellen: Handelsblatt, BBC, SPON)

Schönes Lünne 3

26. Januar 2011

Fünf große Investmentgruppen in den USA haben  ExxonMobil, Chevron, Ultra Petroleum, El Paso, Cabot Oil & Gas, Southwestern Energy, Energen, Anadarko und Carrizo Oil & Gas aufgefordert, ihren Umgang mit den Risiken bei der Gasförderung mittels der umstrittenen Fracking-Methode offen zu legen.

Neben den Umweltrisiken stehen die finanziellen Risiken im Fokus der Investment Unternehmen. Sie fordern, das Fracking Wasser stärker recycelt wird, die Anzahl und Toxitität der Stoffe reduziert wird und die Zementummantelungen an Bohrlöchern bessert kontrolliert und getestet wird.

Oil and gas firms are being too vague about how they will manage the environmental challenges resulting from fracking,” said comptroller Thomas DiNapoli. “The risks associated with unconventional shale gas extraction have the potential to negatively impact shareholder value.”

“Öl- und Gasfirmen sind zu unklar, wie sie mit den Umweltherausforderungen durch Fracking umgehen wollen“, sagte Wirtschaftsprüfer Thomas DiNapoli. „Die Risiken, die mit unkonventioneller Gasförderung verbunden sind, können nämlich den Unternehmenswert sehr negativ beeinflussen.”

“Poor well construction can lead to drinking water contamination, well blowouts and gas leaks, the sponsors [die Investment Unternehmen] said.”

“Schlecht konstruierte Bohrungen können zu Trinkwasser Kontaminierung, Bohrlochausbrüchen und Gaslecks führen“, heißt es von den Investmentfirmen. (mehr…)

Mit ihren Aussagen sind die Investoren deutlich weiter als die Förderfirmen mit ihrem „Machen-wir-Optimismus“. Möglich scheint, dass die deutlich werdenden Bedenken der Finanziers zu Änderungen in den Verfahren führt. Auch das Aktienrecht versteht bekanntlich keinen Spaß, wenn Unternehmen Risiken leichtfertig verharmlosen. In den USA hatte es bei dem dort weit verbreiteten Fracking bereits erhebliche Probleme gegeben. Der im vergangenen Jahr  von Josh Fox gedrehte und vielfach ausgezeichnete Dokumentarfilm Gasland (Trailer unten) dokumentierte die Auswirken der US-Fracking-Methode. Der Streifen zeigt unter anderem, dass die Konzentration des Gases in den betroffenen Wasserleitungen so hoch ist, dass sich das Wasser aus dem Wasserhahn mit einem Feuerzeug entzünden lässt. Die Löslichkeit von Gasen ist über den umgebenden Druck begrenzt. Die möglichen gesundheitlichen Folgen durch mit Erdgas kontaminiertes Trinkwasser sind bislang nicht umfassend untersucht.

In Deutschland  soll allerdings die Fracking-Methode in wesentlich tieferen Gesteinsschichten angewendet werden als in den USA. Im zu Lingen benachbarten Lünne läuft dazu eine Exxon-Mobile-Probebohrung seit knapp zwei Wochen.

Das finden bekanntlich die Lünner in ihrer Mehrzahl gar nicht gut. Inzwischen kommen dort zu den Versammlungen der Interessengemeinschaft (IG)  „Schönes Lünne“ wöchentlich rund 80 Fracking-Gegner, und in nur zwei Wochen hat die BI inzwischen 700 Unterschriften gegen das ExxonMobile-Projekt im südlichen Emsland gesammelt. Zum Vergleich: Übertragen auf  die Stadt Lingen (Ems) bedeutete dies, es kämen zu den Treffen der Bürgerinitiative wöchentlich rund 2200 Lingener und die BI hätte rund 20.000 Protestunterschriften gesammelt. Angesichts der geologischen Verhältnisse kann man die großen Sorgen in Lünne vor dem, was kommt, durchaus nachvollziehen.

Mit Blick auf den von ExxonMobile angekündigten Runden Tisch beschloss am Dienstag die  IG „Schönes Lünne“, sie würde „gern von ExxonMobil selbst und nicht aus der Presse über einen möglichen Runden Tisch und seine Inhalte sowie Rechte erfahren. Die Interessengemeinschaft erwartet von ExxonMobil Maßnahmen, um Vertrauen aufzubauen. Eine erste Maßnahme wäre, keine Horizontalbohrung zur Suche und/oder Förderung von unkonventionellem Gas in Lünne durchzuführen, solange Gespräche geführt werden.“ Eine Horizontalbohrung kann nämlich für Probe-Fracking genutzt werden.

Trotz (oder wegen?) des zunehmenden öffentlichen Protestes bleibt bislang die Rolle unklar, die der Bürgermeister der Samtgemeinde Spelle, Bernhard Hummeldorf (CDU), im Vorfeld der jetzigen Bohrungen eingenommen hat. Lünne zählt zur Samtgemeinde. Jetzt will der Kommunalpolitiker zwar „an der Seite“ der IG stehen. Aber ihm war der Satz zugesprochen worden, er freue sich bereits auf 18 Bohrtürme  (wohl eher auf die damit verbundenen Steuereinnahmen, denke ich). Hummeldorf hatte die Authentizität der Aussage allerdings öffentlich bestritten. IG und der Gemeinderat von Lünne haben derweil beschlossen, am 17. Februar eine öffentliche Bürgerversammlung durchzuführen.

Quelle: Jörn Krüger auf unkonventionelle Gasförderung
Quelle:  environmentalleader.