Einen dringenden Hilferuf haben heute der Einzelhandel und die Gastronomie in der Lingener Innenstadt an die Fraktionen im Stadtrat geschickt. Die Vorsitzenden des LWT eV Dirk Iserlohe und Stefanie Neuhaus-Richter richteten einen öffentlichen Brief an die Stadtratsfraktionen. Hier das Schreiben im Wortlaut:

„Leider ist es nicht es nicht so, dass nun, wo unsere Geschäfte und Restaurants und Cafés wieder öffnen dürfen, alles wieder gut ist. Für die Gastronomie ist das leicht vorstellbar: Die halbe Zahl der Tische bedeutet halber Umsatz.

Die aktuelle, schwierige Situation für den Einzelhandel, die nicht so offensichtlich ist, möchten wir hier deutlich machen:  Der Einzelhandel scheint bei flüchtiger Betrachtung weniger betroffen, da wir relativ schnell wieder öffnen konnten und die Mehrzahl der Flächen in Lingen nicht über 800m² groß sind. Doch in die Statistiken fließen die Lebensmittel – und Onlineumsätze ein, die während des Lockdowns bekanntermaßen Rekorde feierten.

Der stationäre Facheinzelhandel erzielte vor Corona aus 100 Euro Umsatz etwa 3 Euro Gewinn. Sinkt jedoch der Umsatz um mehr als 5%, rutscht der Händler in ein Defizit, da ein großer Teil des Ertrages zur Deckung von Fixkosten dient. Miete, Personalkosten (trotz Kurzarbeit nicht in dem Maße reduzierbar, wie der Umsatz wegbricht), Steuerberater und Versicherungen bleiben zunächst nahezu gleich -auch, wenn der Umsatzes sinkt. Im Rahmen des Lockdowns haben die Unternehmen der Lingener Innenstadt branchenunterschiedlich zwischen 10-20% ihres Jahresumsatzes verloren – für sich betrachtet schon eine betriebswirtschaftliche Katastrophe mit hohen Defiziten. Diese Defizite haben die Unternehmen in der Regel durch entsprechende staatlichen Kreditprogramme ausgleichen müssen, deren Kapitaldienst in den nächsten 10 Jahren den Spielraum für Investitionen nimmt und die Geschäfte auf das Äußerste belasten wird.

Noch mehr Sorge bereitet uns jedoch die aktuelle Entwicklung. Nach intensiven Austausch mit den Kollegen wissen wir, dass sich viele Unternehmen nach wie vor zwischen 40% und 70% ihres normalen Umsatzes bewegen, womit sie jeden Tag tiefer und tiefer in die roten Zahlen rutschen. Hinzu kommt, dass sich in den Innenstadtleitbranchen, dem Textil- und Schuhhandel, riesige Warenläger aufgebaut haben, die saisonal bedingt deutlich an Wert verloren haben. Diese werden inzwischen durch entsprechender Reduzierungen ohne Ertrag verkauft, um die wenigstens die kurzfristige Liquidität der Unternehmen zu sichern. Diese Entwicklungen gefährden unsere Unternehmen massiv in ihrer Existenz und damit eben auch die Arbeitsplätze und nicht zuletzt die Innenstadt in ihrem bisherigen Handelsbesatz und ihrer Attraktivität.

Schätzungen von Handelsexperten gehen davon aus, dass 20-30% der Facheinzelhändler in den kommenden zwei Jahren aufgeben müssen. An dieser Entwicklung ändert leider auch die Mehrwertsteuersenkung, die sicher ein positives Signal ist, nur zum Teil etwas. Die Menschen haben während des Lockdowns, belegbar und nachhaltig, ihr Einkaufsverhalten noch weiter in Richtung des Onlinehandels verlagert, der wiederum gleichermaßen von der Mehrwertsteuersenkung profitiert.

Um es ganz unverblümt zu sagen: Einigen Kollegen steht das Wasser bis zum Hals und wir brauchen so schnell es geht mehr Frequenz in unseren Geschäften.

Daher möchten wir an dieser Stelle auf eine wichtige, richtige und vor allem nachahmenswerte Initiative der CDU Rheine verweisen, die für ihre Bürger plant, die innerstädtischen Parkgebühren und die Tickets des ÖPNV bis zum Jahreswechsel entfallen zu lassen, um die innenstädtischen Geschäfte und Gastronomie erhalten zu können. Es ist wichtig, jetzt Impulse zu setzen, um die Verhaltensweisen der Konsumenten zu einem innenstädtischen Einkaufserlebnis zu animieren, bevor aus neuen Verhaltensweisen Gewohnheiten geworden sind.

Wir sind der Auffassung, dass die Rettung der innerstädtischen Geschäfte und Gastronomie langfristig die Lebensqualität der Bürger sichert und hoffen daher sehr auf die Unterstützung.

Wenn wir jetzt nicht tätig werden und sehr schnell alles Machbare realisieren, dann werden wir uns über einen Masterplan Innenstadt unter ganz anderen Prämissen unterhalten müssen.

Gerne stehen wir für Gespräche zur Verfügung und hoffen auf ein positives Feedback.
Mit freundlichen Grüßen
Dirk Iserlohe                      Stefanie Neuhaus-Richter
Vorsitzender LWT e.V.         stell. Vors. LWT e.V.

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Unsere Fraktion „Die BürgerNahen“ hat die LWT-Vorstandsmitglieder sofort zu einem Gespräch eingeladen. Das sowie das Schreiben selbst dürften auch die übrigen Stadtratsfraktionen zu entsprechenden Einladungen veranlassen. Unsere Antwort:

Lieber Dirk, sehr geehrte Frau Neuhaus-Richter,

wir stimmen Ihrer Bewertung zu, dass die Situation im Einzelhandel der Innenstädte dramatisch ist. Bei den Beratungen in den letzten drei Monaten haben wir mehrfach unser Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass die Super- und Verbrauchermärkte vor den Toren des Stadtzentrums geöffnet bleiben durften, die kleinen Einzelhandelsgeschäfte aber nicht. Wir halten auf dem Hintergrund des Corona-Krise auch die Expansionspläne bei BvL sowie die etwa zweijährige Großbaustelle der Sparkasse für ein Hindernis der Erholung der Innenstadtbetriebe.
Für die Innenstadt-Gastronomie haben wir eine Ausdehnung der Außenflächen angeregt, die dann auch gekommen ist. Die Ideen der CDU-Rheine sind allemal diskussionswürdig.
Ihr Angebot zum Gespräch greifen wir daher sehr gern auf …
Mit freundlichen Grüßen
Die BürgerNahen – Stadtratsfraktion
Robert Koop, Vors.

 

umsonst

1. April 2017

Hiermit möchte ich der werten Leserschaft vorschlagen, sich bei der Wirtschaftsförderung (nomen est omen!) der Stadt Lingen (Ems) um ein Grundstück zu bewerben. Es gilt – dies nur für Sie und im Vertrauen – ein richtiges Schnäppchen zu machen, nämlich 714 qm im Emsauenpark, direkt am geplanten Netto-Markt und zwar umsonst. Null Euro, nüscht, niente, wenn Sie verstehen.

Bitte melden Sie sich am besten unmittelbar bei Oberbürgermeister Dieter Krone als Leiter der Wirtschaftsförderung. Ich empfehle auch, eine Abschrift an den CDU-Fraktionsvorsitzenden Uwe Hilling zu richten. Das hilft immer. Außerdem  ist Hilling sozusagen Nachbar des kostenlosen Grundstücks und als Reuschberger maßgeblich für eine positive Entwicklung dieses Stadtteils unterwegs, die hier einen weiteren Höhepunkt nimmt.

Für das nicht zu bezahlende Grundstück gibt es nur wenige Bedingungen. Nein, man muss nicht unbedingt Mitglied der CDU sein, obwohl…also, schaden wird es auch nicht. Aber man sollte kochen können, oder jemanden kennen, der kochen kann. Am besten Pizza und andere italienische Köstlichkeiten, damit sie einen „zusätzlichen gastronomischen Bereich“ schaffen. Denn auf der umsonst zu erwerbenden  Fläche sollte ein italienisches Ristorante entstehen [in Teilbereichen Lingens  bekanntlich auch spanisch „Italienisches Restaurante“ geschrieben]. Angrenzend bitte ein paar Quadratmeter für Fitness, damit man keine Schnappatmung bekommt.

Sie werden, wenn Sie den Zuschlag erhalten, im Emsauenpark bauen, wo ein solcher Fitness-Italiener -schon städtebaulich, natürlich- unbedingt notwendig ist. Allein, Sie müssen noch zwei städtische Gas- und Wärmeleitungen ein paar Meter verlegen, die dummerweise vor einiger Zeit dort von restaurantfernen, städtischen Gesellen verlegt wurden und –  das versteht sich – die Kosten des Umsonst-Vertrages und seiner Durchführung übernehmen. Sonst aber gibt es alles umsonst, der Beitrag für die städtische Kläranlage ist schon bezahlt.

Empörten Kritikern („Verschleuderung öffentlichen Vermögens!“) trete ich hiermit in aller Entschiedenheit entgegen. Nachdrücklich. Sie verkennen nämlich fundamental, dass die „Schaffung einer attraktiven Aufenthaltsqualität mit einem gastronomischen Angebot an der Wasserfläche gegenüber den Umsonst-Bedingungen einen nachhaltigen städtebaulichen (!) Vorteil“ darstellt, so dass deshalb die Lingener Verwaltung „die Umsetzung dieses Kompromisses“ (!) empfiehlt.

Nein, der Plan, 714 qm kommnunalen Eigentums  zu verschenken, ist auch keineswegs schamlos. Auch wenn Häuslebauer dort mehr als 100 €/qm für ein Grundstück zahlen; darbende Unternehmer übrigens nur die Hälfte.

Sie haben Interesse? Dann ist es erforderlich, dass Sie sich noch heute bewerben. Sie ahnen schon weshalb….

(Foto: Baustelle Emsauenpark von @milanpaul)